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Verlag Langgaffe 21

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w?li»g«^W?dieÄ"gen.Aurg. bi» 3 m>r^achmiuA Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin n., Potsdamer Slr. 121L. Fernfpr.: Amt Lütz-w 6202 «. 6203. Tagen'undWätzen wird kewe GeÄhr'ubernommen'

Samstag, I. IuN 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 301. 64. Jahrgang.

Neue erbitterte Kämpfe nordwestlich von Kuh).

Russische Angriffe bei Kirlibaba, nördlich von Obertyn und am Styr gescheitert. Italienische Infanterie von der eigenen Artillerie beschossen. 300 Italiener

zesangen. 7 Maschinengewehre und 400 Gewehre erbeutet.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T-B. SBtcn. 30. Juni, (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 30. Juni, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Nordöstlich von Kirlibaba schlugen unsere Abteilungen r u s s i) dj c Angriffe a b.

Bei P i st y u (nordwestlich von Kuty) kam cs gestern ncncrlich zu erbitterten Kämpfen. Infolge des Druckes der hier angcsetztcn überlegenen feindlichen Kräfte wurden unserc Truppen in dem Raume westlich und südwestlich von Äolomea zurückgc- n o m m e n. Nördlich von Obertyn brachen mehrere russische Rciterangriffe unter schweren Verlusten in unscreni Fener zusam- m e n. Westlich von S o k u l am Styr versuchte der Feind vergebens die tags zuvor von den deutschen Truppen eroberten Stellungen zurückzugewinnen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Kämpft im Abschnitt der Hochfläche von D o bt r b o dauern fort und waren nachts im Raume von San Martina besonders heftig. Unserc Truppen schlugen wftder alle Angriffe der Italiener ab. Nur östlich von Telz ist die Säuberung einiger Gräben noch im Gange. Der Görzer Brückenkopf stand unter starkem Geschütz- und Mincnwerscrfeucr Versuche der feindlichen Infanterie, gegen unserc Podgorastcllnng vorwärtszukommen, wurde» vereitelt.

Au der Kärntner Front scheiterten Gegen- nngrisse auf dem großen und kleinen Pal sowie dem -Freikoscl. Im Puftertalc stehen die Ortschaften Sillian, Jnnichen und Toblath unter dem Feuer weit- tragender schwerer Geschütze. Im Raume zwischen Brenta und Etsch hat sich das Bilst der Tätigkeit der Italiener nicht geändert; stärkere und schwächere Ab­teilungen griffen an zahlreichen Frontstellen fruchtlos au. Bei einem solchen Angriff auf unserc Borcola- sirllung feuerte die italienische Artillerie kräftig in ihre zögernd vorgehende Jn- santerielinietr.

Die gestrigen Kämpfe brachten unseren Truppen 300 Gefangene, darunter 5 Offiziere, 7 Maschinen- gewehre »nd 400 Gewehre ein.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der unteren Bojusa Vorpostengefechte: sonst nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Delbrück über die Nordseeschlacht.

Über die Seeschlacht am Skagerak können wir gar nicht genug hören. Jeder der Neues über den für uns so ruhmreichen Kampf zu berichten hat, muß uns will- koinmen sein. Zu denen, die das schon bekannte Bild dieser Seeschlacht durch wertvolle neue Züge zu be- reichern vermögen, gesellt sich jetzt Professor Hans Delbrück, dessen Betrachtungen über das große Er- eignis im demnächst erscheinenden Juliheft der Preußischen Jahrbücher' stärkstes Interesse beanspruchen. Zunächst sind die allgenreinen Gesichts- punkte wichtig, von denen Delbrück ausgeht, Nicht viel weniger als zwei Jahre haben die großen Flotten in den Häsen einander gegenübergelegen, ohne zu schlagen. Beweis genug, daß, so paradox es klingen mag, beide Parteien eigentlich die Schlacht nicht nötig hatten. Frei- lick: die Engländer hätten das letzte Ziel dieses Krieges erreicht, wenn es ihnen gelänge, die deutsche Flotte in einer großen Schlacht zu vernichten. Aber da von vornherein anzunehrnen >.var, daß die Derttschen sich da- zu nicht hergeben würden, und es sich euch nicht an­gängig zeigte, sie nach Herrn Churchills Rezept in ihren Häfen auszugraben, so hat die englische Flotte ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie die Nordsee an ihren bei- den Zugängen verschlossen hält und Deutschland damit vom Weltverkehr ab schneidet. Die deutsche Flotte wiederum hat ihren Zweck erfüllt, wenn s'.e Sie englische an diesen Punkten festbält. Erstens hält sie dainit die O st s e e h ä f e n frei. Zweitens aber, wo« die große englische Flotte gleich im Beginn des

Krieges in der Lage gewesen, an den Dardanellen zu erscheinen und ohne Rücksicht auf Verluste anzu greifen, so hätten sie höchstwahrscheinlich K o n st a-n t i n o p e l und die Meerengen gewonnen und die V e r bindung mit Rußland herge,tellt. Die Kriegs läge wäre damit für Deutschland recht übel geworden; also durch ihr bloßes Dasein hat die Flotte dein Land Heer einen unschätzbaren D i e nft erzeigt. Aber bei dein bloßen gegenseitigen Festhalten ist es nun doch nicht verblieben, Delbrück nimint nicht an, daß unsere Flotte auf eine Entscheidungsschlacht ausgehen wollte. Dazu waren die Kräfte zu ungleich. Aber Deutsch­land gleich! einer belagerten Festung, und eine belagerte Festung verteidigt sich nicht bloß passiv, sondern auch aktiv durch A u sf ä l l e. Ort und Gelegenheit müssen erspäht werden, wo inan dem Feinde im Kampfe einen viel größeren Verlust zufügen kann, als man ihn selber erleidet. Der Admiral Jellicoe hat offiziös Mitteilen lassen, auch er sei auf eine Schlacht ausgegangen. Wenn das wahr sein sollte, so hat er es recht ungeschickt ange- fangen. Wahrscheinlich hat er nur nicht zugestehen wollen, daß er sich von den Deutschen hat überfallen lassen; denn dies ist das erste strategische Verdienst des Admirals Schee r, daß er seine Kräfte zusammen hielt und die Engländer in den Kampf verwickelte, ehe sie ihre Kräfte in deiiiselben Verhältnis beisammen hatten. Tie Engländer haben von deutschen Luftschiffen erzählst die der Flotte geholfen hatten; das ist von deut­scher eeite für eine Fabel erklärt worden. Die Deut- scheu hatten die Überlegenheit in ihrer Artillerie, und zwar soioohl in ihrer Treffsicherheit wie in ihrer Wir- knng. Der moderne Seekampf spielt sich ja auf eine unglaubliche Entfernung ab: auf 13 .Kilometer,

nicht viel weniger als zwei Meilen Distanz, ist das Ge- recht geführt worden. Die Schisse scheuen sich, auch wenn sie könnten, viel näher heronzngehen, da die Tor­pedos (nach einer Mitteilung in der bei B. S. Mittler erschienenen BroschüreDie deutsche Kriegsflotte" Seite 19) bis zu 10 000 Meter iveit fcfiiefren. Es gehört also ein ebenso fehlerlos konstruiertes Geschütz wie eine ausgebildete Technik dazu, um ans solche Ent- fernung Treffer zu erzielen. Trifft aber eine deutsche Brisanzgranate, so ist die Wirkung vernichtend. Man bat Delbrück erzählt, es sei möglich, daß ein solcher Schuß ein ganzes Schiff zerstöre, weil die Muni- tion, die ja von den Kammern zu den Geschützen allent­halben unterwegs ist, durch die Hitze von einem Stück zum anderen zur Explosion gebracht wird, so daß der Brand endlich die Pulverkammer selbst er- reicht. Umgekehrt hat jemand, der die deutschen Schifte gesehen hat und etwas davon versteht, erzählt, die e n g- l i s ch e Munition habe nicht entfernt die Wirkung ge­habt, wie sie die deutsche erreiche. Auch die englischen sogenannten Drahtgeschütze sollen ihre Treff- sicherheit viel schneller verlieren als die deutschen K r u p p g e s ch ü tz e. Als das G r o 3 der englischen Linienschiffe in die Kampfhandlung eingetreten ivar, wäre es für den englischen Admiral, der ja mm- mehr über eine sehr große Überlegenheit gebot, das Gegebene gewesen, die Schlacht mit aller Macht fortzusetzen. _ Er hat das zunächst in der Nacht nicht ge- tan, weil die Nacht die Schutzherrin der Torpedo-Än- griffe ist, deren Gefahren Admiral Jellicoe seine kost- baren Schiffe wohl nicht zu sehr auszusetzen gesonnen war. Aber auch am nächsten Morgen, als noch ein ganzes Geschwader von englischen Linienschiffen heran- fuhr und ihm Verstärkung bot, hat Jellicoe nicht nur nicht versucht, die Schlacht ivieder aufzunehmen, den Feind arffzusnchen oder zu verfolgen, sondern er hat nicht einmal seinen Mannschaften die Genugtuung ge­währt, den Kampfplatz soweit dieser Ausdruck ritr eine Seeschlacht zulässig ist zu behaupten, son- dern ist in den heimischen Haien zurückgekehrt. Sollte er sich bloß so vor den deutschen Unterseebooten gefürchtet haben, die vielleicht nicht in der Schlacht verwendbar sind, aber letzt vielleicht herannahten'i' Aber die englische Flotte war w von einer Wolke von Torpedobooten umgeben. Es gibt doch wohl für den englischen Rückzug keine andere Erklärung, als daß der V e r l u st so v r e I e r Schiffe und die B e s ch ä d i- g u n g der anderen das englische Oberkommando mora­lisch so erschüttert hat. daß es einen großen strategischen Entschluß nicht mehr zu fassen vermochte. Für den deutschen Admiral war der Kampfzweck in dem Augen- blick erreicht, als die Größe des feindlichen Verlustes evident geworden und die feindliche Übermacht so angewachsen war, daß man einen weiteren Erfolg nicht erhoffen konnte. Wenn es das erste strategische Ver- dienst des deutschen Admirals war, mit seinen! Gros eher zur Stelle gewesen zu sein als der Engländer, so war es das zweite, daß er nicht darauf ausging, aus dem Ausfallsgefecht eine Entscheidungsschlacht machen zu wollen, sondern, soviel an ihm lag, das Gefecht im richtigen Augenblick abbrach und das Ausklingen den Torpedobooten übertrug

Sine Woche englische Offensive.

Sechs Tage dauert nun schon die englische Grohoffensive. Lder wollen die Gegner leugnen, daß es eine Offenstvwoche war, die sic an der englisch-französischen Front hinter sich haben? Daß seit Freitag voriger Woche Gasangriff auf Gasangriff, Vorstoß auf Vorstoß erfolgt? Daß diese Offen­sive mit einer .Selbstgefälligkeit und Großsprecherei ange- tündigt wurde, die sich natürlich rächen muß, wenn es nicht zu den entsprechenden Taten kommt? Bestätigte nicht der französische Ministerpräsident durch seinen Besuch bei General Haig den Rütlischwur, daß es nun bald aus sein werde mit Deutschlands Widerstandskraft, daß Verdun glänzend entlastet und der englische Sturm alle Stellungen der Boches über den Hausen rennen werde? In Paris stieg der Hoffnungstaumel bis zur Siedehitze. Auf das Zntodebetrübt wegen Thiaumont folgte ein Himmelhcchjauchzend, als die Engländer, so ver­logen wie die g lnze Offensive angekündigt wurde, nach Paris meldeten, es seien ihnen bereitsvielfache Durchbrüche" ge­glückt. In Wahrheit waren sämtliche Unternehmungen zur Abtastung der deutschen Front mißlungen. Die Gasangriffe haben unseren braven Truppen nichts anhaben können, und alle Patrouillenvorstöße sind restlos abgewieseit worden. Wie wenig groß der Mut und gute Wille der Engländer ist, >oird deutlich turch das Bestreben der Londoner Presse verraten, die Sachlage so darzustellen, als fei es zu der Generaloffeustve eigentlich zu früh. Nur weil die Deutschen bei Verdun nicht locker ließen, die Österreicher im Trentino vorgingen und dann die Russen zu rasch losschlugen, sei der englische Vor- marsch notwendig geworden. Noch fauler und katzenjämmn:- licher klingt, was der Pariser Korrespondent desSecoio", Eampolonghi, das Sprachrohr Briands, der Welt zu künden l»at. Die jetzige Aktion der Engländer sei, so erklärt dieser Herold, w.cht die eigentliche Generalofsenstve, sondern eine vorläufige Anstrengung in den Grenzen der gegenwärtigen Vorbereitung, Es handle sich auch nicht etwa um die Aus­führung des allgemeinen Beschlusses der Pariser Konferenz. Man denke nicht daran, den gewaltigen Widerstand der feind­lichen Kräfte jetzt schon (!) niederzuwerfcn. Das fei erst möglich, wenn man noch öosser gerüstet dastehe. Der Zweck des derzeitigen Vorgehens bestehe vielmehr darin, gegen alle Bedrohungen die Möglichkeit für die Vorbereitungen zu dein Plane zu sicher», der den Verbündeten den Sreg bringen solle. Das schließe natürlich nicht cus, daß die Aktion mög­licherweise einen größeren Umfcng c-nnebme, als man setzt erwartet. Alles in allem sei es also notwendig, den 'Ereig- iiissen mit Vertrauen entgegenzusehen, ohne sich übertriebenen Hoffnungen hinzugeben. Sollten die Ergebniffe großer sein als erwartet, um so besser. Wenn nicht, werde man gegen gefährliche Entmutigung gewappnet sein. Inzwischen werden die sicher zu erwartenden Siege die Verbündeten in die Lage versetzen, in Ruhe die gewaltigen Vorbereitungen zum großen endgültigen Siege zu treffen,Wir stehen vor einer groß?» Unternehmung, ober noch nicht vor der letzten. Wir stehen vor einem Siege, aber noch nicht vor dem Frieden." Diese Ausdeutung, dir direkt von Briand und indirekt von London aus beeinflußt erscheint, steht im schärfsten Widerspruch zu allem, was die Leiter der englisch-französischen Kriegführung bisher über die Grcßofsensive in Flandern und Nordfrankreich verlautbaren ließen, und man muß staunen über die Ver­blendung der Franzcsen, die sich eine so wenig verblümte Ge­meinheit ihres englischen Bundesgenossen gefallen lassen. Denn was soll die neueste Erklärung der englischen Offensive anders heißen, als: Wir belfen euch nur. weil ihr keine Ge­duld habt und nicht warten wollt. Wir schlagen los, aber wir sagen es auch gleich, die wahre Hilfe ist es nicht. D-c kommt vielleicht später. Wie lächerlich und widerlich wirkt dieses Spiel mit falscher Hoffnung und kaltschnäuzigem Zurücknehmen von Versprechungen! Wrr ruhig und sicher auf unserer Seite die Haltung! Die deutsche Kriegsleitung hat nichts versprochen und nichts zugesaat Aber sie hält mit eherne» Mauern den Ansturm ob. Die einzige Vorhersage deutscherseits, wenn man so will, ist die Erklärung des Reichs­kanzlers, daß er den Umfang unserer Friedensbedingungcu von dec Dauer des Krieges abhängig n:ache, nnd ein Wort Helffecichs, das er noch als Reichsschatzsekretär sprach:Die deutsche Eisenfaust wird zu ueven Schlägen ausholen, wenn unsere Feinde cs durchaus so haben wollen." Das haben wir allerdings versprochen, und dos werden wir auch halten können. Eine feindliche Offensive, die an rnnerer Unwahrheit und politischer Schwäcbe krankt, muß zusammenbrechen.

Der englische ..Bericht".

IV. T B. London, 29. Juni. (Nichtamtlich.) Amt- sicher Bericht: In den letzten 24 Stunden drang eine große Zahl unserer Er k u n d » n g s- und (Streif- patrouillencm verschiedenen Punkten der ganzen britischen Front in die feindlichen Gräben. Alle erreichten ihr Ziel, wobei sie dem Feinde schwer« Verluste zufugtcn und Vorräte erbeuteten.

Die englischen militärischen Vorbereitungen in Belgien!

Eine neue wertvolle Feststellung.

W. T.-B. Berlin, 30. Juni. ^Nichtamtlich. Drahtberrcht.i Auf üre zwischen Belgien und England vor dem Kriege de­ichenden militärischen Abmachungen werfen ein neues Licht die derNordd. Allg. Zig." von Soerabaja (Niederländisch-