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Freitag, 30. Iuni 1916.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 300. . 64. Jahrgan-,
Die Seeschlacht vor dem Skageral
am 31. Mai bis 1. Juni 1916 auf Grund amtlichen Materials.
I.
Einem bellen Meteore gleich, der überraschend aus dem liefen Dunkel des Rachthimmels bervorbricht, erschien in deutschen Landen am 1. Juni dieses Jahres die Nachricht vom Siege unserer Flotte.
Zwei Jahre fast hatte unsere Marine, hatte das deutsche Volk auf das große Ereignis vergeblich gewartet, mancher hatte die Hoffnungen, die er an das Wirken unserer Strertmacht »ltr See tn seinen Phantasien i'ucr den drohenden Weltkrieg gesetzt und genährt, wohl schon in dos Reich der unerfüllbaren Wünsche verwiesen. Nun war plötzlich das Große geschehen, so plötzlich, daß es kaunl glaublich schien.
Über das Tun und Treiben unserer Flotte hatte sich mit Kriegsbegiun der Schleier des Geheimnisses gesenkt, Wochen und Monate blieb es still und es war begreiflich, wenn man den Eindruck gewann, daß das Eros unserer Streitmacht zur See im allgemeine,: zum Nichtstun verurteilt sei. Rur ganz vereinzelt, und obne daß der Außenstehende in der Lage gewesen wäre, sich über die Zusammenhänge unter sich und mit den Ereignissen in der Welt ein klares Bild zu machen, kamen Meldungen über kurze Operationen und Gefechts, iei rs, daß der bisher nicht wiederholte englische Vorstoß in die deutsche Bucht oder eine Aufklärungsfahrt unserer Kreuzer, wie die nach der Doggerbank im Januar 1915, einzelnen Verbänden Gelegenheit gaben, sich mit dem Feinde zu messen, sei es, daß unsere Geschütze an der Dstküste Englands vor Great Narmonth, Scarborough, Hartlepool und LoweStoft donnerten, unsere Luflslotte die Insel heimsuchie oder unsere Torpedoboote auf Nachtstreifen feindliche Fabrzeuge trafen und versenkten. Allgemein verständlich, weil sich als fortgesetzte Handlung mit greifbaren Erfolgen darstellend,' blieb lediglich die Tätigkeit unserer U-Boote. Ihnen wand- ten sich begreiflicherweise und verdientermaßen die Svmvathien unseres Dostes zu. Was die große Flotte tat, blieb episodenhaft, dunkel.
Dieser Eindruck hat nur zu einem sehr geringen Teile tatsächliche Unterlagen, Es liegt in der Eigenart des Meeres als Operations- und Kampffeld, daß die Gegner nicht dauernd in Fühlung bleiben, daß es fortgesetzte Kampfhandlungen, wie sie dem Landkriege eigen sind, nicht gibt. Zu ganz falschen Vorstellungen aber muß es führen, wollte man lediglich aus den bekannt gewordenen Unternehnnmgen unserer Flotte Rückschlüsse auf Art und Wesen unserer Kriegführung zur See ziehen.
In Wirklichkeit sind natürlich die an das Licht der Öffentlichkeit gelangten Ereignisse nur einzelne Glieder einer langen Kette von Operationen, die in durchaus gewolltem, ursächlichem inneren Zusammen- bange miteinander stehen, Ihr Grundgedanke und ihr letztes Ziel ist es dabei mittelbar oder unmittelbar stets gewesen, die feindliche Streitmacht zu fin- den und zur Schlacht zu stellen. Daß dies in vielen Fällen überhaupt nicht, in anderen nur unvollkommen gelang, ist zum Teil Folge der Z ur ü ck h a l- t u n g unseres Gegners, zum Teil liegt es in der Eigenart der L>ee. die, soweit sie offen ist, örtlich überhaupt nicht und strategisch nur soweit eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit kennt, als ihr die See- gusdauer der Streitkräfte und Rücksichten auf die rück- wärtigen Verbindungslinien eine Grenze setzen. Dazu konimt in unseren Gewässern das häufig unsichtige Wetter. Ein gegenseitiges Sichumgehen und ergebnisloses Suchen sind die natürliche Folge. Eine so geartete Tätigkeit mußte Offiziere und Besatzungen auf eine hat te Probe ihrer Ausdauer und Geduld stellen. Daß ab und zu ein kübnes Unternehmen zum erstrebten Ziele führte, war ihnen ein schöner, wenn auch seltener Löhn,
In dieser Stimmung zwischen Zweifel und Hof- f e n verließ unsere Flotte auch in den letzten Maitagen dieses wahres ihre Heimathäfen.
Auf der Fatirt.^die sie dieses Mal nordwärts, in Richtung des Skaqeraks führte, deutete nichts auf besondere kommenden Ereignisse. Es ivar kein Anhaltspunkt dafür gegeben, der die Anwesenheit des Feindes, geschweige denn der ganzen englischen Flotte, vermuten ließ.
Plötzlich, am 31. Mai. etwa 4 Uhr 30 Minuten nach- mittags, ging von den auf dem linken Flügel cmf- klarenden steinen Kreuzern die Meldung ein, daß leichte feindliche Ltreitkräste in Sicht seien. Wie ein Bann toste es sich von beit Seelen. Es waren Minuten atem- loser Spannung, als vo:t allen Seiten des Horizonts steine Kreuzer, Torpedobootsflottillen und schließlich die ihnen zur Unterstützung beigegebenen fünf Panzer
kreuzer der 1. Aufklärungsgruppe, bestehend aus fünf Panzerkreuzern der „Dersflingerund ,,Moltke">Klasse sowie „von der Tann", weiße Echamnkämme vor dem in höchster Fahrt gehobenen Bug der Stelle zustürmten, an der der Feind gesichtet war. Bald Ritzte wie Wetterleuchten ani westlichen Horizonte das erste Mündungs- fkver der Geschütze unserer kleinen Kreuzer auf. Der ferne Donner rollender Salven kündete das nahende Gewitter.
„Klar Schiff zum Gefecht!" Wer diesen schmetternden Ruf je gehört, wird den begeisternden Zauber des Augenblickes nie vergessen. Er könnte Tote erwecken. In wenigen Minuten waren die letzten Vorbereitungen getroffen, und nach kurzer, fliegender Hast standen die Besatzungen cmgetreten, wie in 3feif)’ und Glied. Es schien, als ob in dieser feierlichen Stille vor dem Sturm die Geister der großen Toten, deren Namen von den stählernen Flanken der Schiffe leuchteten, sich über den Wolken zu unseren Häuptern sammelten, nm zn schauen, ob sich das späte Geschlecht auch ihrer wert zeige.
Der Punkt, auf den die Streitkräfte sammelten, liegt etwa 90 Seenieilen (160 Kilometer) westlich von Hanstholm, also von der Stelle, wo die westjütische Küste von ihrer allgemeinen nordsüdlichen Richtung nach Osten einspringt und weiter nördlich in flachem Bogen verlausend die Jaminerbucht bildet.
Die Schlacht ist dann in diesem Gebiete auf einem etwa 30 Seemeilen (etwa 80 Kilometer) breiten Raume geschlagen worden. Von der englischen Küste liegt dieses Seegebict nur wenig weiter ab als von Helgoland. Es ist notwendig, dies festzustellen gegenüber englischen Versuchen, das Schlachtfeld in leicht erkennbarer Absicht an die deutsche Bucht heranzu- schieben.
Die Schlacht tragt den ausgesprochenen Charakter einer B e g e g n u n g s s ch l a ch t. Luftaufklärung hatte nicht stattgefunden. Die deutsche Flottcnlcitung war auf die Meldungen der Kreuzer und später auf eigene unmittelbare Wahrnehmungen angewiesen. Es darf cmgenonimen werden, daß auch der englische Flottenführer die Anwesenheit deutscher Streitkräfte in seiner Nähe erst durch seine Kreuzer erfuhr.
Aus den Kampfhandlungen des 31. Mai heben sich deutlich vier Haupt gefechtsabschnitte her- aus, die sich auf den Zeitraum von 4 llhr 30 Minuten nachmittags bis 10 Uhr 30 Minuten abends verteilen.
, Die äußeren Derhältnisse, Wetter, Sichtigkcit, Wind- richtung und Beleuchtung, die auf See die Waffenver- Wendungen in noch höherem Maße beeinflussen als auf dem Lande, wechselten, abgesehen von dem Fortschreiten der Tageszeit im Verlaufe der Schlacht, nicht unerheblich. Während der erste Gesechtsabschnitt, die Kreuzerschlacht, durch Sonnenschein und klares Wetter begünstigt war, breitete sich bei von Nordwest auf Südwest links dreheridem, schwachem Winde ein all- mählich sich verdichtender Dunstschleier über das ganze 'Seegebiet, der A'.isblick und Übersicht, besonders während der letzten Phasen der Schlacht, nicht unwesent- lieh erschwerte. Tie See blieb ruhig. Nur wurde durch die nach Hunderten zählenden i,nd stundenlang mit h ö ch st e r Fahrt und wechselnden Kursen laufen- den Schiffe zeitweise eine flache Dünung erzeugt, die selbst die großen Schiffe in langsame Bewegungen versetzte.
Die Schilderung der Ereignisse ivar an dem Punkte stehen geblieben, wo unwr; Kreuzer ans zunächst fünf, dann acht kleine feindliche Kreuzer der Calliope-Klasse westwärts saumieltcn. Der Feiiid, der m e h r e r e Flottillen modernster großer Z c r st ö r e r bei sich führte, ivich unseren kleinen Kreuzern der nachdrängen, den 2. Aufkläruiigsgruppe, zunächst in nordwestlicher Richtung aus. 6 llhr 20 Minuten nachmittags sichten
unsere Panzerkreuzer rii West Rauchwolken. Bald dar- auf werden schwere Schiffe in zwei Kolonnen östlich^. Kurse steuernd erkannt.
fein0Hefte Streitkräfte
eigene Streif Mine
Meine Kreuzer
z^SlJultduttwerjjeeaiwaefer CIO (tueen- ÜiuOetti Din'sion >> Torpedoboots-Mottim
kleine Kreuzer tn i| Panzerkreozgr » Torpedoooots-flottilTen
♦ remientet -,
Sie entwickeln sich in südöstlicher Richttmg zur Linie und smd dann mit Sicherheit als das 1. englische Schlachtkreuzers Schwader, unter dem Befehl des Vizeadniirals B e a t t y, bestehend aus vier Schiffen der „Lion"- und zwei Schiffen der „Jndefati- gablse"-Klasse, sestzustelleu. Unsere fünf Panzerkreuzer werden von Lizcadnural Hipper mit höchster Fahrt an die feindliche Linie herangeführt und auf ungefähr gleich gerichteten Kurs gelegt. Die Gegner des 24. Januar 1915 stehen zn neuem Ringen einander- gegenüber.
*
Große Flottenbewegungen in der Nordsee!
Br. Christiania, 30. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Aus England zurückgekehrte norwegische Dampfer berichten, daß sie ani 27. und 28. Juni einem großen 5k re uz er ge sch w ad er und einer Schlachtschifflotte, die von sechs Unterseebooten begleitet waren, begegnet seien. Die Schiffe gingen unter Volldampf. Die Schlachtschiffe hätten östlichen, das Kreuzergeschwader nordöstlichen Kurs ein geschlagen. Die Nationalität der Flotte konnte nicht festgestellt werden.
Englische Motorboote als Kampfmittel gegen unsere UBoate.
Br. Christianin, 30. Juni. (Erg. Drahtbericht. Zens. Vln.) Die Engländer hoffen noch immer mit Hilfe von schnellen Motorbooten den Kampf gegen die deutschen Unterseeboote erfolgreich aufnehmcn zu können. Nachdem die amerikanischen Werften bereits vor längerer pett sogen. U-Bootszerstörer für die englische Regierung geliefert hatten, hat diese neuerdings 13 0 schnelle Motorboote tu Amerika in Auftrag gegeben. Die Fahrzeuge sollen bei einer Wasserverdrängung von 14 Tonnen nur einen Tiefgang von 86 Zentimeter haben und bei einer Motoranlage von 600 PS. 50 Kilometer Stundengeschwindigkeit erzielen. Sie sind mit einer einfachen Nevolverkanone ausgerüstet. Die schnellen Motorboote sollen die Handelsschiffe begleiten und sch vor Unterseebootsangriffen schützen.
Verzicht auf die Londoner l^rklörung.
Englands Seewillkisr nunmehr vollends schrankenlos.
Haag, LS, Juni. (Zeus, Bin.) Robert Cccil erklärte im Unter- Hause, England und Frankreich hätten sich dahin vcrstän- digt, daß cs für die Verbündeten nicht mehr wünschenswert sei, ihre teilweise Beobachtung der Londoner Erklärung weiter sortzusehen. Die britische Regierung wäre deshalb veranlasst, daß die bisher erlassenen Beschlüsse, welche eine Änderung jener Deklaration herbei- g-fübrt hätten, aufgehoben würden. Cecil sprach die Erwartung ans, daß die übrigen Mächte sich jenen' Beschluß auschließen würden.
Haag, LS. Juni. (Zens, Bk»,) Die „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Die ganze englische Presse begrüßt den V e r z i ch t auf die L o n d o n.e r Erklärung als logische Folge der bisherigen Abweichuligcii davon. „Morning Post" sagt in i'üicm Artikel, der die iibcrschrist trägt „Etwas dichter bei einer Ploikadc", daß die Regierung, tvenn sic ehrlich gewesen wäre, sich schon bei Ansbruch des Kriege« von dieser Erklärung hätte lossagca müssen.
Die unbedingte Bannware nach ruglisciier Handhabung.
VV. T.-B. London, Li), Juni. (Nichtamtlich. Drahtbcrichs. Reuter.). Die „L o n b o n G a g ett c" veröffentlicht eine Verordnung, die die Liste der unbedingten Bannware u. a. auf elektrische Apparate für den Kriegs gebrauch, A spv al t, IhtUBu ii, P e ch, Teer, phc> tographs« sch e c- Material, Talk» m und Bomb u S, ausdehnt.
