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Donnerstag, 29. Juni 1916.
Abendausgabe.
Nr. 298. * 64. Jahrgang.
vorjtötze an der englischen und der französischen Nordsront abgewiesen.
Lebhaftere Feuertätigkeit an der Aisne und in den Argonnen.
Rechts der Maas kleinere Infanterie- Gefechte.
Oer Tagesbericht vom 29. )uni.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Das Gesamtbild an der englischen und am Nordflügel der französischen Front ist im wesentlichen das gleiche wie am vorhergehenden Tage. Die Vorstöße feindlicher Patrouillen und stärkerer Jnfantarieabtcilungen sowie auch die G a s a n gr i f f e sind zahlreicher geworden, überall ist der Gegner abgewiesen. Die Gaswellen blieben ohne Ergebnis. Die Arlillerietätigkeit erreichten teilweise große Heftigkeit.
Auch an unserer Front nördlich der A i s n e und in der Champagne zwischen Auberive und den Argonnen entfalteten die Franzosen lebhaftere Feuertätigkeit. Auch hier wurde» schwächere Angriffe leicht zurückgeschlagen.
Rechts der Maas fanden nordwestlich des Werkes Thiaumont kleinere Jnfanteriekämpfe statt.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Ruflische Angriffe einiger Kompagnien zwischen Duba- rowka und Smorgon scheiterten im Sperrfeuer. Bei Gnessitschi (südöstlich von Ljubtscha) stürmte eine deutsche Abteilung einen feindlichen Stützpunkt östlich des Njrmen, nahm 2 Offiziere, 56 Mann gefangen und erbeutete zwei Maschinengewehre, 2 Minenwerfer.
Balkankriegsfchauplatz.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
Zur Lage.
£i. Berlin, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die von den Franzosen gegen unsere neuen Stellungen im Süden von Thiaumont angesetzten Sturmangriffe jind seit dem 27. Juni a b g e f l a u t. Dieser 2 7. Juni war wohl der erfolgreich st e Tag von allen, die bisher bei Verdun mit der Abwehr französischer Gegenangriffe ausgcfiillt wurden. Nie zuvor erlitten die dichten Massen der gegen neuerobertc Stellungen vorgetriebenen feindlichen Truppen eine gleich vernichtende Niederlage und schmerzliche Verluste. Die u » e r h ö r t e n Opfer, die zur Abnützung des Gegners ein bedeutendes beigetragen haben müssen, waren ganz u m s o n st gebracht, da wir unsere Linie nirgends aufgaben. Das deutsche Sperrfeuer tat beim Hin- und Zurückfluten des Angreifers fürchterliche Wirkung. W e st l i ch der Maas herrschte gestern Ruhe, dagegen dauert die Beschießung der deutschen Front gegenüber der englisch-französischen von Messimes, 6 bitz 8 Kilometer südlich von Dpern, bis Bcauvrennes bei Rohe, gestern an. Ebenso gab cs wieder Gasangriffe, die aber, was wir feststellen können, abermals wirkungslos waren, da sich unsere Gasabwehrmittel ganz vorzüglich bewährt haben. Sehr zahlreiche englische und französische Patrouillen von geringem und auch größerem Bestand suchte» die Ergebnisse der Beschießung z» ergründen und holten sich blutige Köpfe. Auch an der Aisne-Front wurde das französische Artilleriefeuer zu hoher Heftigkeit gesteigert, aber dort handelt es sich augenscheinlich nur um die Vortäuschung eines kommenden größeren Angriffs. In der Gegend von T a h u r e wurde ei» französischer Vorstoß abgewiesen. Heute behauptet ein französischer Funkspruch, die Deutschen hätten bei Tahure einen vergeblichen Augriffsversuch gemacht. Davon ist bei uns nicht das mindeste bekannt.
An der O st f r o n t hatten wir in den letzten Tagen nur Patrouillenunternehmungen eingeleitct, die ausschließlich dem Zweck dienten, festzustellen, ob gegenüber unseren Stellungen sich noch die alten Bestände befinden» oder ob beim Feind Truppenverschiebungen vorgenommen worden seien, was bei dem Truppenbedarf Brussilows im Süden nicht unwahrscheinlich war. Aus diesen Patrouillenunternehmungen, die nur selten mit etwas stärkerem Bestand ausgeführt wurden, machen die Rossen „zurückgeschlagene deutsche Offensivversuche", wovon nicht die Rede sein kann. Mit einiger Gewißheit kann man auf eine erneute russische Angriff s a b s i ch t in der Gegend von Baranowiczi zählen. Im Südabschnitt der alten Linsingemfront gegenüber wurden feindliche Reserveansammlungcn fcstgcstcllt. Bei Luck kämpft jetzt der Feind nur noch in der Defensive. Wir halten alle unsere Stellungen fest. Auch in der Buko- w j n a hat der russische Druck merklich nachgelassen.
Oie Lage im westen.
Die französischen Massenangriffe östlich der Maas.
Nr. Großes Hauptquartier, 29. Juni. ^Eig. Drahtbe- richt. Zens. Bln.) Um unsere Stellungen östlich der Maas
aus der für die innere Verteidigungslinie bedrohlichen Nähe herauszurücken, in der sie sich seit unseren neuen Fortschritten vom 23. d. M. befinden, unternahmen die Franzosen gestern schwerste Massenangriffe in breiter Front. Von Süden her stürmte der Feind gegen unsere dem Dorfe Fleuch vorgelagerte Stellung, die sich auf etwa ei reen Kilometer dem inneren Verteidigungsgürtel der Festung . nähert. Von Westen her brachen die Massen gegen unsere Stellungen zwischen dem Thiaumontwalde und Fleuch vor. Gleichzeitig tobte ein erbitterter Kampf vor unseren Stellungen zwischen Fleury und dem Fuminwalde, die die Franzosen vorher ausgiebig unter Trommelfeuer genommen hatten. Überall bewährte sich das Zusammenwirken zwischen unserer Artillerie und Infanterie. Tie Franzosen ließen schon in unserem Flankensperrfeuer eine ungeheure Zahl von Toten liegen. Was aber in immer noch großer Überzahl bis zu unseren Stellungen gelangte, fand dort in unsere r heldenmütigen Infanterie einer: unüberwindlichen Gegner, und beim Zurückflückten durch das Sperrfeuer erhielten ganze französische Truppenverbände d e n R z it. Die gewaltigen Opfer — wohl niemals haben die Franzosen vor Verdun so viel Männer liegen lassen wie in diesen heißen Kamvfesstunden — waren vergeblich gebracht, nirgends sind unsere Truppen um Fußesbreite zurückgewicheu.
Die französischen Selbsttäuschungen und Hoffnungen auf die „großen Ereignisse" an der englischen Front.
W. T.-B. Paris, 29. Juni. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Die Zeitungen fahren fort, ihre Befriedigung über die erfolgreiche Tätigkeit der Alliierten auf allen Fronten kuwd- zugeben, die zu einer vollständigen Gemeinsamkeit in der Anspannung aller Kräfte und aller Mittel geführt habe. — Im „Figaro" heißt es: Der Kaiser hat durch sehr heftige örtliche Offensivein der allgemeinen Offensive der Alliierten zuvorkommen wollen, löste sie aber dadurch aus. — „Echo de Paris" schreibt: Die
Alliierten sind jetzt in der Vorhand. — Im „Petit Parifien" schreibt Oberst Rousset: Nachdem unsere Feinde so lange die volle Freiheit ihrer Bewegungen hatten, sind sie jetzt an "die Punkte gebannt worden, wo sie selbst ihre Abenteuer suchten. Jetzt ist es an uns, uns frei zu bew egen ; wir müssen, wollen und können es. — „Rappel" sagt: SBft sind zu der Meinung gekommen, daß die Alliierten jetzt die deutsche Front in Frankreich werden ein drücken können, wie die Russen di« österreichischen Linien südlich vom Pripjet eindrückten. — „Petit Partsicn" gewann bei einer Umfrage in allen Kreisen den bestimmten Eindruck, daß man jetzt große Ereignisse erwarte, und zwar mit vollständiger Geduld und Zuversicht. Er berichtet von zahlreichen Unterhaltungen mit Persönlichleiten aller Kreise, besonders aber aus Parlamentskreisen, in denen man nurvondemeng- Irschen Geschützfeuer an der Nordfront spreche, und wo zahlreiche Parlamentarier auf Grund ihrer Unterhaltungen mit Brtand nach seiner Rückkehr von der englischen Front Einzelheiten über die Hilfsmittel des englischen Oberbefehlshabers zu erzählen wüßten. Daraus gehe hervor, daß es sich um eine große Sache handle, welcher die jetzigen Operationen nur als Vorspiel dienen würden.
Sr. Genf, 29. Juni. (Eig. Trabtbericht Zens. Bln) Die französischen Blätter schwelgen im Vorgefühl froher Ereignisse. Man veispricht sich alles von der großen englischen Offensive, die jetzt kommen müsse, denn die Zusammenkunft Briands mit General Haig und die Reise des Kriegsministers an die Front sind untrügliche Zeichen dafür — meint man in Paris. Marcel Hutin schreibt im „Echo de Paris", daß nach Informationen, die er aus der russischen Botschaft erhalten hat, die russische Offensive sich erst im Anfangsstadium befinde. Sichlbar ziehe sich also nun ein Gewitter über den Zentralmächten zusammen. Ihr letztes Stündlein scheint gekommen zu sein.
Frankreich brennt vor Ungeduld auf die englische Offensive.
Sr. Genf, 29. Juni. (Eig Drahtbericht. Zens. Bln.) Herbe sagt in der „Pictoire", ganz Frankreich brenne vor Ungeduld auf die Bestätigung, daß die englische Offensive wirklich begann. Diesmal würde das Volk keine abermalige Enttäuschung ertragen. Erstlich sei Verdun in ernster Gefahr und zudem scheine den Russen der Atem auszugehen. Deshalb rnüßten Theoretiker, wie Humbert, schweigen, welche die Offensive jetzt für unmöglich erklärten, weil es an genügend schweren Kanonen fehle. Dafür könne aber die englische Infanterie beweisen, daß sie der deutschen ebenbürtig ist. — „Matin" gibt hiergegen Gegendampf. Der Physiker Nordman versucht in einem Leitartikel nachzuweisen, daß ein Durchbruch zweifelhaft wäre, selbst wenn der Vierverband gleiche Artillerie ivie die Deutschen besäße. Man müsse warten, bis das Verhältnis 2:1 erreicht wäre.
Pessimistischere englische Auffassung der Lage bei Verdun.
Sr. Haag, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Auf Grund der letzten Nachrichten aus Paris wird der Ton der englischen Blätter über das Widerstandsvermögen der Franzosen bei Verdun und die Möglichkeit, die Stellung zu halten, wesentlich pessimistischer. Die „Morning Post' sagt, daß die Schläge der Deutschen gegen die Mauern von Verdun
mit größerer Sorgfalt als bisher erfolgten. Man könne nicht bestreiten, daß der Gegner an einer Reihe von Stellen weit vorausgekommen sei. Die Einnahme von zwei französischen Forts, mehreren Redouten und gepanzerten Stellungen zeige, daß sich die Schlacht, wenn auch sehr langsam, zum Vorteil der Deutschen entwickle.
Das Verlangen nach einer geheimen Sitzung des Senats.
Berlin, 29. Juni. (Zens. Bln.) Wie das „B. T." berichtet, bestätigten, die demokratische Linke, die radikale and die sozialistisch-radikale Gruppe des französischen Senats einstimmig ihren Beschluß, den Zusammentritt des Senats m geheimer Sitzung zu verlangen.
Einberufung der belgischen Jahres- klafse 1917.
Br. Genf, 29. Juni. l'Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die belgische Gesandtschaft in Paris veröffentlicht dre Einberufung des belgischen Jahrganges 1917.
Oie Ereignisse auf dem Valkan
Der bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 29. Juni. (Nichtamtlich.) Der Äencrat- stab meldet vom 27. Juni: Die Lage an der mazedonischen Front ist unverändert. Das schwache Geschütz- seuer im Tale des Wardar und auf dem Südabhang des Belassitza geht täglich weiter auf beiden Seiten. Am 24. Juni zwangen wir durch unser Feuer die Franzosen, ihre Stellungen nördlich der Ortschaft Gorni Porov zu räumen. Gestern zerstörte das Feuer unserer Artillerie auf dem rechten Nfer des Wardar zwei feindliche Geschütze, außerdem rief es eine Explosion in Munitionsdrpots hervor. An der ganzen Front finden für uns günstig verlaufende Gefechte zwischen Patrouille» und Vorvostcn statt. Fast täglich werfen feindliche Flieger weiterhin Brandbomben auf die Felder und das Gebiet der Dörfer Karaghiozlu, Karakoej, Orazla, Waincly und Ghendyely, die am unteren Nfer der Nesta liegen. Sie wurden besonders am 25. Juni heimgesucht. Am 26. Juni bombardierte ein feindliches Flugzeug wicknngsloS das Dorf Merzentzt.
Die Verlegung des griechischen Hoflagers in das Innere des Landes.
Sr. Wien, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die „Wiener Allg. Ztg." drahtet aus Athen: König Konstantin hat beschlossen, sich mit seinem Hofstaat in das Innere des Landes zurückzuziehen. Der König will damit andeuten, daß er wicht im geringsten den Willen des Volkes bei den Neuwahlen zu beeinflussen wünscht.
Der griechische Waylfeldzug.
W.T.-B. Paris, 29. Juni. (Nichtamtlich.) „Temps" meldet aus Athen, daß der Wahlfeldzug, nach der Presse- Polemik zu urteilen, kräftig einsehe. Die ehemaligen Minister arbeiten mit dein Satze, daß V e n i z e l o s den Krieg bedeute, während sie die Aufrechterhaltuiig der N e u - tralrtät und die Wohltaten des Friedens bedeuteten. Oberst Zhmbrakakis wurde zum Generaldirektor des Polizeiwesens ernannt, welches Amt er schon unter Venizelos bekleidet hatte.
Ein Protest-Generalstreik in Rumänien.
Zu den Tcuerungsunruhen in Galatz.
W. T.-B. Bukarest, 29. Juni. (Nichtamtlich.) Nacowski, der Führer der rumänischen Sozialisten, wurde auf Befehl des G a l a tz e r Gerichtshofs in Bukarest verhaftet. Für Donnerstag wurde in Bukarest der G e n e r a l st r e i k angekündigt als Protest gegen die Haltung der Behörden und Truppen in Galatz. Bis jetzt erlagen 10 Arbeiter ihren Wunden. 85 wurden verwundet, gegen 100 wurden verbaftet. Die Presse greift die rumänische Regierung an, weil sie es in der Perpflegungsfrage so weit kommen ließ.
Oer ttrieg gegen Rußland.
Erfundene Behauptungen zur Verschleierung russischer Mißerfolge.
Eine türkische Richtigstellung.
W. T.-B. Konstantinvpel, 29. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtliche Richtigstellung vom 14. Juni 1332 (27. Juni 1916). Der russische amtliche Bericht vom 21. Juni ineldet, daß russische Aufklärer in der Richtung D i a r b e k r aus dem Hinterhalt 100 . Soldaten einer türkischen Truppe erschossen hätten, die im Begriff waren, einen vorgeschobenen Posten abzulösen und daß russische aus Georgiern zusammengesetzte Truppen in Richtung M o s s u l in der Gegend von Rewan- duz einen erfolgreichen Kampf mit einer kurdischen Bande gehabt hätten. —■ Es hat keine Kampshandlung dieser Art an der Kaukasusfront und im Irak stattge- fnnden. Die Russen, die sich mehrere Tagesmärsche von Diarbekr und Mossul entfernt befinden und die sich nach blutigen Kämpfen von dieser Front in Auflösung zurückgezogen haben, verbreiten falsche Nachrichten, indem sie melden, daß Kämpfe in diesen Gegend stattge-
