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Dienstag, 27. Juni 1916.
Abendausgabe.
Nr. 294. . 64. Jahrgang.
Russische Linien südwestlich Soful gestürmt.
Ergevnislofe französische Angriffe rechts der Maas.
Oer Tagesbericht vom 27. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Juni. iAmtlich.)
Westlicher Kriegsfchauvlatr.
Au der englischen und dem Nordflügel der französischen Front ist es mehrfach zu Patrouillengefechten gekommen Zahlreiche Gas- und Rauchwolken strichen zu uns herüber. Sie schädigten die deutschen Truppen nicht und schlugen teilweise in die feindlichen Gräben zurück. Das gegnerische Feuer richtete sich mit besonderer Heftigkeit gegen unsere Stellungen beiderseits der Somme. Durch die Beschießung von Neste durch die Franzosen sind 23 ihrer Landsleute getötet oder verwundet worden.
Rechts der Maas blieben französische Angriffe n o r d- w e st l i ch und westlich des Panzerwerkes Thiaumont sowie südwestlich der Feste B a u x ergebnislos. Im Chapitrewald wurde eine feindliche Abteilung in Stärke von 2 Offizieren und einigen Dutzend Leuten überrascht und gefangen genommen.
Gin englischer Doppeldecker wurde östlich von Arras im Luftkampf abgeschossen. Die Insassen sind verwundet gefangen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Deutsche Abteilungen, die in die russische Stellungen v o rst i e tz e », brachten südlich von Pekau 25 Gefangene, 1 Maschinengewehr, 1 Minenwerfer und nördlich von Miad- zial-See 1 Offizier, >88 Mann, 8 Maschinengewehre, 4 Minenwerser ein. Feindliche Patrouillen wurden abgewiesen.
Der Güterbahnhof von Dünaburg wurde ausgiebig mit Bomben belegt
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Südwestlich von Sokul stürmte» unsere Truppen russische Linien und machten mebrere Hundert G e- s a n g e n e. Feindliche Gegenangriffe hatten nirgends Erfolg.
Balkankriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
Oie £®ae im Westen.
Ernste französische Betrachtungen über Verdun.
W. T.-B. Bern, 27. Juni. (Nichtamtlich.) Die deutschen Fortschritte bei Verdun geben den militärischen Besprechungen der Pariser Blätter einen ernsten Hintergrund. So schreibt „Matin": Verdun selbst sei unmittelbar bedroht, wenn der Weg dahin auch noch unbestreitbare Schwierigkeiten biete. — „Journal" spricht zwar nicht offen von einer Gefahr. Oberst 3E. weist aber am Toten Mann und an Vaux nach, wie die Deutschen infolge richtigen Vorgehens st e t s ihre Aufgaben bewältigt haben. Auf diesen Ton sind die Kritiken durchweg gestimmt. Bei den meisten erklingt, wenn auch nur leise, der Hilferuf an England mit, indem die Möglichkeit, daß die Deutschen an anderen Stellen der Westfront Truppen abziehen, mit der dort herrschenden Ruhe begründet wird. Im Leitartikel des „Temps" wie in seiner Kritik der Lage sind die entscheidenden Stellen von der Zensur gestrichen. Der „Temps" erblickt in den Schlachten von 1916 zwar nützliche Kampfhandlungen, spricht ihnen jedoch einen entscheidenden Charakter ab. — Die Lyoner Blätter dürfen die Lage als e r n st bezeichnen, da das Gelände, das die französische Hauptwiderstandslinie von Verdun trenne, jetzt nur noch begrenzt sei. Rousset warnt vor einer Verkennung der schwierigen Lage. Alles zeige, daß man es mit einem furchtbaren Gegner zu tun habe, der noch riesige Hilfsquellen besitze, die zu erschöpfen er entschlossen sei. um sein Ziel zu erreichen.
Französische Presseftimmen zur Eroberung Fleurys.
Br. Christmnia, 27. Juni. (Erg. Drahtbericht, ftens. Bin.) Uber die Eroberung Fteurys sagen die Leitartikel der Pariser Blätter: Wer nicht selbst am Kampf teilgenommen, könne sich schwer die Gewalt
des deutschen Angriffs vorstellen. Der Munitionsverbrauch der Deutschen stelle unzweifelhaft einen Rekord dar. Der „Matin" schreibt: Wir dürfen die Bedeutung der letzten deutschen Eroberungen nicht unterschätzen. Nach der Eroberung Fleurys, des Chapitre und des Fuminwaldes können die Deutschen das Fort S o u v i l l e von zwei Seiten angreifen. Die Deutschen haben jedoch noch eine schwere Arbeit vor sich und die Franzosen werden sie vielleicht zwingen, ihre Aufmerksamkeit von der Maas abzuwenden. „Petit Parisien" äußert sich: Nach der Eroberung
Fleurys ist die Lage e r n st, denn das Terrain, das jetzt unsere Hauptverteidigungslinie von Verdun bildet, ist weiter beschränkt. Die deutschen Stellungen sind un- ztveifelhaft besser als die unjrigen. Es ist nicht leicht für die Franzosen, zu kämpfen, loenn sie den Fluß im Rücken haben. Man dürfe jedoch hieraus nicht die Folgerung ziehen, daß die Lage hoffnungslos sei. Das sei sie nicht, solange die französischen Heerführer solche E l i te tr up p e n, wie sie tatsächlich bei Verdun stehen, haben.
Der Ruf nach Hilfe!
W. T.-B. Bern, 27. Juni. (Nichtamtlich.) Der Ruf nach Hilfe wegen der deutschen Erfolge bei Verdun wird in den Blättern, wie „Victoire" und „Hemme Enchaine", deutlicher. Die Russen werden dort dringend aufgefordert, dem deutschen Drängen ja standzuhalten. Der Dienst, den sie damit, ebenso wie die Franzosen bei Verdun, der Sache der Alliierten leisten werden, könnte aber nur wirksam und von Dauer sein, wenn die Alliierten ihre Vorbereimngen für die allgemeine Offensive beschleunigten. Die Deutschen hätten ein Interesse daran, ihre Offensivstöße gegen bestimmte Teile der Front zu führen. Die Alliierten müßten genau das Gegenteil tun. — Herve schreibt: Es überlief uns kalt, als wir die Mitteilung von der Einnahme von Thiaumont und dem Eindringen in Fleurh lasen. Thiaumont ist eine wahrhaftige Festung und Fleurn liegt unmittelbar am Fuße des Forts S o u v i l l e, der letzten befestigten Stellung vor Verdun. Herve malt sich die Folgen des Falles von Verdun aus. der gewiß nicht Frankreichs Niederlage bedeutet, aber ein Beweis sein werde, daß der deutsche Schneid nngeschwächt geblieben sei und ein Schlag für die Stimmung Frankreichs und der Alliierten, für welche Verdun ein Sinnbild der Zähigkeit, Stärke und heldenhaften Widerstandsfähigkeit Frankreichs sei. Gegenüber etwaigen ängstlichen Einwänden, warum denn die Alliierten dem Fall von Verdun tatenlos zusehen, fragt Herve, ob das die berühmte „Einheit der Aktion" und der „Einheitsfront" sei. Man solle doch den Führern vertrauen. Wie wenig Vertrauen indessen er selbst hat, zeigt sein Schlußsatz: Die das predigen, haben recht, vorausgesetzt, daß man sich beeilt und rechtzeitig das Nötige tut, damit Verdun nicht fällt.
Schwere Opfer der französischen Jugend bei Verdun.
IV. T.-B: Bern, 27. Juni. (Nichtamtlich.) Wie dem „Aar- gauer Volksbl." aus Paris gemeldet wird, hatten in den letzten Tagen bet Verdun die j ü n g st e n Altersklassen sehr große Verluste. Man hört in französischen Offizierskreisen Klagen, daß das Verduner Kommando 8000 Rekruten in ihren Stellungen r e st l o s geopfert habe.
Die „Times" über die „heikle" Luge vor Verdun.
W. T.-B. Rotterdam, 27. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rvtterd. Courant" meldet: Der Berichterstatter der „Times" berichtet aus Paris vom 25.: Der Vorstoß bei Verdun sei mit mehr als gewöhnlicher Sorgfalt vorbereitet worden und der Feind verfüge über ungewöhnlich viel Artillerie. Die vorbereitende Arbeit, um die Artillerie in die Kampflinie zu bringen und frische Truppen anzusammeln, habe 12 Tage gedauert. Jedermann sehe ein, daß die Lage von Verdun seit dem Tage, an dem die Schlacht begonnen habe, heikel gewesen sei. Es bestehe aber keine Neigung zum Verzweifeln. Man sehe ein, daß der Augenblick nicht mehr fern sei, in dem das Schicksal von Verdun von der allgemeinen st rategischen Lage abhängen werde.
Französische Angst vor der Revolution.
Rosendaal, 27. Juni. (Zens. Bln.) Aus Le Havre wird berichtet: Über die politische Werbetätigkeit französischer
Offiziere an der Front enthält der „Havre-Eclair" einige bemerkenswerte Mitteilungen. Wie das Blatt berichtet, werden jetzt unter den Soldaten Flugzettel verbreitet, in denen das Programm der in Bildung begriffenen neuen Partei, Nationale Partei, entwickelt wird. Alle ehrlichen Männer ohne Unterschied sollen sich um das neue Banner scharen, damit Frankreich nicht in einen Bürgerkrieg verwickelt werde, da Ruhestörer eine Revolution anzuzetteln versuchten.
Amerikanische Flieger in französischen Diensten!
W. T.-B. Paris, 27. Juni. (Nichtamtlich:) Blättern zufolge hat ini Kampf mit deutschen Fliegern bei Verdun der amerikanische Flieger in französische n Diensten Chapmanu den Tod gefunden. Der Amerikaner B a r n e l e h wurde im Luftkampf bei Bar-le-Duc schwer verwundet.
Die mexikanische Krifis.
Wilson bezeichnet die Lage als äußerst ernst.
Nr. Amsterdam, 27. Juni. (Eig. Dratpbericht. Zeus. Bln.) Die „Times" meldet aus- New Uork: Wilsi-n berief die Kommissionen für ausländische Angelegenheiten ei» und teilre ihnen mit, daß die Lage äußerst ernst sei. Wilson sprach die Befürchtung aus, daß Carranza nur mit Gewalt beizu- rvmmen iei und deshalb mehr Truppen abacsandt und die Blockade kräftiger gestaltet werden müffe. Es wird weiter gemeldet, daß die feindliche, Gesinnung der mexikanischen Bevölkerung gegen die Vereinigten Staaten in ständigem Wachsen begriffen sei.
Ter Krieg so gut wie unvermeidlich?
W. T.-B. Washington, 27. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Es wird zugegeben, daß nach Absendung der Note an Mexiko die Lage sehr e r n st geworden ist. Die Note wurde oec- faßt, nachdem die Mitteilung von der mexikanischen Regierung eingetrofsen war, daß das Gefecht von Carrizal eine Folge des Befehls war, die amerikanischen Truppen a n zu - greifen, wenn sie sich in irgend einer anderen Richtung als nach der Grenze bewegen würden. Wilson verhandelte niit den Führern des Repräsentantenhauses und des Senais über die Lage. Der Vorsitzende der Senats-kommission für äußere Angelegenheiten, Stone, machte danach keinen Hehl daraus, daß er den Krieg so gut wie unvermeidlich halte.
Verständigung zwischen Villa und Carranza.
Br. Genf, 27. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Einer „New Uork Harald"-Meldung zufolge hat Villa ein Amnestie-Angebot Carranzas angenommen und seine gesamten Streitkräfte mit denen Carranzas vereinigt. Wie ferner dem „Temps" ans Washington gemeldet wird, hat die amerikanische Kolonie der Stadt Mexiko die Hauptstadt verlassen. Der brasilianische Minister des Äußern La uro Müller ist nach Washington abgcreist, um mit der Unionregierung die Lage in Mexiko zu besprechen.
Ein Druck der Ententemächte auf Carranza.
XV. T.-B. New Dort, 26. Juni. (Nichtamtlich. Funkspruch von dem Vertreter des Wolsfbureau. Verspätet eingetrofsen.) „Associated Preß" meldet aus Washington: Es wird ein
starker Druck von Vertretern europäischer Mäcbte auf Carranza ausgeübt, um ihn daran zu hindern, einen Bruch mit den Bereinigten Staaten zu erzwingen. Indirekte Berichte, die beim Staatsdepartement eingelaufen sind, sprechen von diesen Bemühungen und besagen, sie würden möglicherweise erfolgreich sein. Die Vertreter der Ententemächte sollen sür den Frieden tätig sein. (Sie wissen auch wohl warum ! Scbristj.)
Freilassung eines verhafteten deutschen Bankiers in Mexiko.
W. T.-B. Washington, 26. Juni. (Nichtamtlich. Funk- spruch von dem Vertreter des Wolffbureau. Verspätet einge- trosfen.) Friedrich G i e s e, ein deutscher Bankier in der Hauptstadt Mexiko, der unter dem Verdacht, die amerikanische Neutralstät verletzt zu haben, in El Paso (Texas) in Haft war, ist freigelasse n worden. Die Untersuchung überzeugte die hiesigen amtlichen Kreise davon, daß Neutralitätsverletzungen nicht vorgekommcn sind.
Zur Haltung der füdamerikanifchen Staaten.
Br. Haag, 27. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Laut einer Meldung aus Lima (Peru) des „L.-A." wird gemeldet: Die mexikanische Regierung hat den Regierungen der lateinischen Republiken mitgeteilt, daß nach ihrer Ansicht ein Krieg durch das Vorgehen der nordamerikanischeu Republik unvermeidlich geworden sei und hinzugefügt, daß dieser Krieg alle Staaten Süd- und Mittelamerikas direkt berührt. Die peruanische Regierung sprach in ihrer Antwort die Hoffnung aus, daß der Krieg noch verhindert werden könne, aber die Gesandten von Salvador und Costarica in Washington erhielten laut „Daily Telegraph" von ihren Regierungen die Nachricht, daß sich diese Staaten mit Mexiko verbinden würden, um einen amerikanischen Einsall u b z u w e h r e n.
Ae. Genf, 27. Juni. (Eig. Drahtbericbt. Zens. Bln.) Die Pariser Ausgabe des „New Z)ork Herold" schreibt' Der Vicrverband erbat die tätige Beihilfe Südamerikas zur Beilegung der Zwistigkeiten der Union mit Mexiko, weshalb englische und französische Vertreter überall die größte Tätigkeit entfalten. Die Parole beißt: Ver
meidung des Krieges um jeden Preis, weil der Viervor» band die Hilfe Amerikas durch Munitions- und Lebensmittellieserungen dringend brauche. Der erste Erfolg dieser Propaganda sei das Angebot A r g e n t t n i e u c , welches sich am Samstag bereit erklärte, eine P e r ni i t t l u n g s r o l l e zu übernehmen. .Argentinien will in. erster Linie versuchen, die Zurückziehung der amerikoiüschcn Truppen zu erzielen, eine Art neutraler Grenzzone zu schaffen, wohin die amerikanischen Truppen bis zur Schlichtung des Konfliktes bleiben können. Tie amerikanischen Streitkräfte haben nach einer Meldung oes „New Dork Herald" die Zahl von >50 0 00 Mann bereits überschritten. Die Regierung Carranzas soll entschlossen iein, falls amerikanische Truppen Beracruz und die Olfelderregion besetzten, einen Guerillakrieg großen Stils au eröffnen.
