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Dienstag, 27. Juni 1916.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 293. . 64. Jahrgang.

Ein Erfolg der Deutschen westlich Sokul.

Schwere Verluste der Russen nördlich Kuty. Verkürzung der Front zwischen Brenta - und Etsch.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich lcrlautkt vom 26. Juni, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der Bukowina keine besonderen Ereignisse. Stuf den Höhen nördlich von Kuty wurden rusiriche Angriffe mit schweren V c r l u st c n sür den Feind r l, g e s ch l a g e n. -

An der übrigen Front in Galizien verlief der Tag ruhiger. In W o l h y »i c n beschränkte sich d,e Ge- jcchtstätigkeit meist nur auf A r t tl 1 e r 1 11 am p s e. festlich von Sokul erstürmten deutsche Truppen ?ie erste feindliche Stellung in etwa 3 Kilometer •Brette und wiesen darin heftige Gegenangriffe ab. Weiter nördlich ist die Lage unverändert.

Italienischer Kriegssüpkuplatz.

Unter Wahrung unscrer vollen Freiheit des Han- vclns wurde unsere Front im Angrisssraum zwischen Brenta und Etsch stc'lcuwcise verkürzt. Dies voll- xog sich unbemerkt, ungestört und ohne V e r- l u st e.

In den D o l o m i t e«, an der Kärntner und an der knstenländischen Front dauern die Ges ch übkämpfe fort. „ , _ ,

Zwci unscrer Seeslugzeuge belegten die

Adriawerkc mit Bomben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter.des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Amerika und Japan.

O Berlin, 25. Juni.

Wir haben mehrfach den Zusammenhang betont, der mit einer sür die amerikanische Politik richtunggeben­den Kraft Washington und London eine gemeinsame Frontstellung gegen Tokio einnehmen läßt. Die ame- rikanische Politik ist gegen Japan orientiert, gegen den einzigen ernsten Feind, mii dem die Union es zu iun hat. Damit ist freilich noch lange nicht erklärt, weshalb die Vereinigten Staaten gegen uns Partei nehmen, aber die nationale und kulturelle Abhängigkeit Ame­rikas von England, zu welcheni die Union noch immer in dem Verhältnis eines Koloniallandes zum Mutter- lande steht, trieb die Politik des Herrn Wilson um so leichter aus der Neutralitätsgrenze heraus, je mehr das Interesse der transatlantischen Republik an die Freundschaft mit Großbritannien mit Rücksicht auf die in Ostasien drohenden Gefahren geknüpft ist. Erklären beißt für uns in diesen! Falle ja nicht verzeihen. Wir müssen die Niedertracht, mit der wir von Amerika be­handelt werden, trotz des Verständnisses für die letzten Triebkräfte des in Washington beliebten Handelns der- dämmen, jedoch wollen wir trotzdem begreifen, wie es in Wirklichkeit steht. Und es steht eben so, daß die Aus­einandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und Japan eines der g r o ß e n D r a m e n der W e l t- a e s ch i ch t e sein wird, die kommen müssen, weil hier ein unabwendbares V o l k e r s ch i ck s a l waltet. Die britisch-amerikanische Seelen-, Geistes- und Inter­essengemeinschaft ist nun aber keineswegs von einseiti- oer Beschaffenheit in dem Sinne, daß Amerika allein aus den anderen Teil zu blicken und sich nach ihm zu richten hat, sondern England ist ebenso auf Amerika angewiesen, wiederum im Hinblick auf Japan. Das englisch-japanische Bündnis täuscht doch niemand dar- äber, daß in London die Gefahr, mit der ein immer' mächtiger werdendes Japan die englischen Lebens­bereiche in China und weiterhin in Indien bedroht, sehr klar erkannt wird. Es ist unmöglich, daß Japan gegen Amerika Boden gewinnt, ohne gleichzeitig die Grund- lagen der englischen Geltung in Asien zu erschüttern. Was Japan jetzt in und gegen China vornimmt, das ist gegen Großbritannien gerichtet, und die offenbar ziem­lich weitgehende Annäherung zwischen Tokio und Petersburg zeigt zugleich, daß nicht bloß das ferne Jnselreich, sondern auch Rußland schon heute Vorkehrun­gen für den Tag treffen, wo das heutige Bündnis mit England von dem gemeinsamen Ausbreitungsdrang dieser beiden Mächte abgelöst lein wird, von einem Drange, der Japan auf das asiatische Festland. Rußland . bont Festlands her zu den südlichen Meeren führen wird. Tm gegenwärtigen Kriege spielen diese Momente ge- ?niß keine entscheidende Rolle, aber es wird doch aut

sein, wenn wir uns über die bewegenden Kräfte rm Leben unserer Feinde rechtzeitig klar werden. Wir wol­len hieran keine unmittelbaren Folgerungen rn bezug auf unser Verhältnis zu Japan ziehen, möchten aber doch sagen, daß Japan in ersichtlich kluger Voraussicht kommender Verwicklungen mancherlei getan und mehr noch durch Unterlassen vorbereitet hat, was die Mög­lichkeit einer künftigen Verständigung mindestens nicht als aussichtslos erscheinen ließe. Inzwischen empfiehlt es sich, den Zustand der Geister in Japan selbst zu be- trachten. Die vor kurzen: begründete _ „Europäische

Staats- und Wirtschaftszeitung" isiacht auf eine Schrift aufmerksam, welche die „Vereinigung der nationalen Verteidigung" unter dem Vorsitz des Grafen Okuma und des Barons Kato in einer Million Exemplaren unter dem Titel „Der Krieg zwischen Japan und Amerika" veröffentlicht hat. Der Umschlag zeigt als Buchschmuck ein japanisches Großkampffchiff und eine zerrissene niedcrgeholte amerikanische Flagge. Die Schrift beginnt mit folgenden Sätzen: „Die Herzen von sechzig Millionen Japanern sind voll Mut und fest ent­schlossen, mit den Vereinigten Staaten Krieg zu führen und sie von unserer Kraft zu überzeugen. Warum insissen wir diesen Krieg führen? Aus zwei Gründen: einmal wegen des absolut unmenschlichen Verhältnisses der Vereinigten Staaten gegenüber ■ Japan, dessen Bürgern der Zugang nach Amerika verweigert worden ist, und dann wegen der himmelschreienden Ungerechtig- keit ihrer gegen die Japaner gerichteten Gesetzgebung, die uns noch unter die Chinesen stellt." Die Schrift inalt dann aus. wie Japan die P h i l i p p i n e n und ha watschen Inseln erobern, den Panamakanal mit mexikanischer Hilfe zerstören, die- HerrschcO über den Großen Ozean erringen, Kali so r- nien als Kolonisationsgebiet erlverben wird. Von England ist in der Schrift freilich keine Rede, aber wer das ausführen will, was jene japanischen Staatsmänner ihrem Volke als Ziel zeigen, der kann nicht erwarten, daß das Bündnis mit Großbritannien eine so unge- ! teure Probe auf seine Belastungsfähigkeit ertragen l würde. Das imperialistische Ideal der Japaner und das britische „Jmperum" schließen einander aus, es kann nur Krieg zwischen ihnen geben. So steht es mit den angelsächsischen Reichen und Japan, und wir begreifen vieles. __

Die Caae im westen.

Eine abfällige Kritik Pichons über die Pariser Wirtschaftskonferenz.

Br. Haag, 26. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Im „Daily Chroniclc" kritisiert der Minister Pichon die Beschlüsse der Wirtschaftskonferenz in Paris, die keine Ent- scheidung darstellt, sondern nur in der Luft schweben de Wünsche formuliere, die weder den Erwartungen der Alliierten, ncch den Forderungen der gegenwärtigen Krisis entsprechen. Weiter meint der französische Minister, daß England industriell und ökonomisch mehr für seine Ver­bündeten hätte tun können.

Eine scharfe Krttik an der französischen Finanzverwaltung.

W. T.-B. Bern. 26. Juni. (Nichtamtlich.) Nach Lyoner Blättern bemängelte in der Ecörterung der französischen Kamn er über die Budgetzwölstel der unabhängige Sozialist Grodet, daß die Regierung keine neuen Aufschlüffe gebe über die Verwendung der Kredite. Diese seien weder nach Ministerien noch Kapiteln geordnet. Er protestierte gegen die Außerachtlaffung aller Regeln der öffentlichen Rechnungs­führung. Ri bot übecnah n jede Verantwortung mit dem Hinweis, daß die Kriegszeit die Abstellung der Mängel un­möglich mache.

Anwerbung von Belgiern als englischen Munitionsarbeitern.

Br. Amsterdam, 26. Juni. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) In Amsterdamer deutschfeindlichen Blättern erschienen in letzter A-rt Inserate, in denen belgische Handwerker jeder Art cacfgefordert wurden, in England gegen sehr hohen Lohn Stellung als Munitionsarbeiter anzunehmen. Wie der Be- rickiterstatter der „Voff. Ztg." hierzu vernimmt, ist eine Be­wegung im Gange, alle Belgier aus Holland nach den englffchen Munitionsfabriken zu überführen. In der nächsten Zeit werden in Verbindung mit dieser Bewegung die belgischen Minister de Broqueville und Bänder- Velde in Amsterdam erwartet.

Der Krieg der Türkei.

Der amtliche türkische Bericht.

Weiteres Vordringen in Südpersien.

W. T.-B. Konstantinopel, 26. Juni. (Nichtamtlich. Draht- bcricht.) Das Hauptquartier teilt mit vom 25. Juni: An der I r a k f r o n t nichts von Bedeutung.

In Südpersien griffen russische Truppen aller Waffengattungen im Schutze ihrer befestigten Stellungen am 23. Juni unsere östlich Servil beim Schanzen begriffenen

Abteilungen an. Der Kampf dauerte bis zum Abend. Die Russen kehrten schließlich unverrichteter Dinge in ihre Stellungen zurück, nachdem sie beträchtliche Verluste erlitten hatten. Eine überflügelnde russische Kolonne suchte getrennt unsere Truppen in dieser Gegend zu rnnfaffen, wurde jedoch nach einem Gegenangriff gezwungen, dorthin zurückzu­kehren, woher sie gekommen waren. Unsere südlich dieser Gegend operierenden Truppen näherten sich der Umgebung von G h r l a n. Die Ruffen wichen dem Kampf aus und räumten die erwähnte Ortschaft. Sie zogen sich in n o r d - östlicher Richtung zurück. Unsere auf Sin eh vor­marschierenden Truppen begegneten einem russischen Reiter­regiment, schlugen es und fügten ihm große Verluste an Toten und Verwundeten zu. Auf der V e r f o l g u n g deS Feindes näherten sie sich S i n e h.

Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel und in der Mitte unbedeutende örtliche Feuerkämpse. Auf dem lin­ken Flügel nördlich des T s ch o r o k richteten wir die den Rüsten genommenen Stellungen weiter gegen den Feind her. An anderer Stelle verfolgen unsere Abteilungen alle feindlichen Truppen, die von dieser Front nach der Küste fliehen. Sie nehmen die zersprengten Feinde in kleinen Trupps gefangen. So nahm eine unserer Anfklärungsab- teiluugen 33 Soldaten vom 9. turkestanischen Regiment ge­fangen.

Ein am 24. Juni A r i-B u r u n überfliegendes Flugzeug wurde durch den Angriff eines ihm rnigegengeschrckten türki­schen Flugzeugs gezwungen,, in der Richtung auf Jmbros zu fliehen. Ein die Insel Keusten überfliegendes Flugzeug warf wirkungslos auf die Umgebung Bomben ab. Es wurde durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze gezwungen, nach M h t i l e n e zu fliehen.

Sonst nichts von Bedeutung.

Die Ereignisse auf dem Daikan,

Der bulgarische Bericht.

Ein feindliches Bataillon versprengt.

W.T.-B. Sofia, 26. Juli. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Der Generalstab teilt mit: Die Lage auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz ist unverändert.

Es kam zu kleinen Gefechten zwischen Patrouil­len. An der ganzen Front ini W a r d a c a b s ch n i t t das gewöhnliche A r t i l l e r i e f e u e r. Zwischen den Ortschaften Petka und Palmisch versprengte unsere Artillerie ein feindliches Bataillon. Feind­liche Flugzerrge warfen auf die Felder im Rcesia-Tale und zwischen Porto Lagos und Tepedjik erfolglos Brandbomben.

Ein weiteres neutrales Urteil über die schmachvolle Vergewaltigung Griechenlands.

W. T.-B. Stockholm, 26. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Zu den Ereignissen in Griechenland schreibt das „Stock­holm Dagblad": Mit berechnendem Hohn setzte eine franzüsisthe Zeitung über den Aufsatz, der Griechenlands U n - terwerfung unter das Ultimatum der Alliierten behan­delt, die Überschrift: „Die griechische Freiheit". Die salbungs­vollen Beschützer der Verfassung Griechenlands haben die Hungerblockade als Hauptzwcmgsmittel angewandt. Sie scheinen auch eine Landung in Phaleron bei A t h e n vorbereitet zu haben für den Fall, daß ihre Schützlinge sich sträuben sollten. In einer solchen Lage bestand nicht die ge­ringste Aussicht, mit Erfolg die Freiheit und Selbständigkeit zu verteidigen. Es blieb nur übrig, auf die notdürftigste Art den Schein zu retten. Mit welchen Gefühlen dies bei denkenden Patrioten mit Selbstachtung geschal), kann man sich leicht vorstellen. Die Athener Zeitung „ChronoS" faßt diese Gefühle heute in dem bitteren Urteil zusammen, daß, sto l»-nge es Rationen gebe, kein freier Staat eine so demütigende Ohrfeige erhalten habe.

Das englische Arbeiterorgan „Labour Leader" gegen die Vergewaltigung Griechenlands.

Br. Rotterdam. 26. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „Labour Leader" schreibt über Griechenland: Der Besetzung neutralen Gebietes ist die sogenannte friedliche Blockade oefolgt. Wenn Griechenland auch den Vertragsbestimmungen hinsichtlich Serbiens nicht nachgekommen wäre.so ist es doch unvereinbar mit der Rolle eines „Beschützers der kleinen Nationen", die Unabhängigkeit Griechenlands in der Weise zu verletzen, wie die Alliierten es tun. Es ist gemeldet worden, daß das griechische Volk mit den Alliierten svmpathisiere. Die Politik der Entente wird diese Sym­pathie b a l d i n H a ß verwandeln.

Russophile Kundgebung einiger hnndert rumänischer Nationalisten.

W. T.-B. Bukarest, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Die Natio­nalisten hielten gestern vormittag eine Versammlung ab, in der in Abwesenheit der Führer Jonescu und Filipescu mehrere Beauftragte sprachen. Nach der Versammluog zogen einige hundert, vornebmlich junge Leute singend -und schreiend zur russischen Botschaft, wo sie Hochrufe ansbrachten und sich schließlich zerstreuten.