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Verlag Laaggaffe 21

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Montag» 26. Iuni 1916.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 292. . 64. Iahrgan-.

weitere Mißerfolge der Zranzojen rechts der Maar.

Bedeutende Kampftätigkeit an der englischen Front.

Erfolgreiche Kämpfe der Armee Linfingen.

Bisher 61 Offiziere und 1107« Mann gefangen. 2 Geschütze und 54 Maschinenge­wehre erbeutet.

Der Tagesbericht vom 26. Juni.

W.T.-B. Großes Hauptquartier. 26. Jnm. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die Kampftätigkeit an unserer nach Westen gerichteten Front gegenüber der englischen und dem Nordflügel der fran­zösischen Armee war wie an den beiden letzten Tagen be­deutend.

Westlich des „Toten Mannes" scheiterten nächtliche feindliche Borstöße im Artillerie- und Maschinengewehrfener.

Rechts der Maas endete abends ei» Angriff sehr starker Kräfte gegen die deutschen Stellungen auf dem Rücken „Kalte Erde" mit einem völligen Mißerfolg der Franzosen. Sie sind unter großen Verlusten teilweise nach Handgemenge in unseren Linien überall zurück- ßeworfen.

Deutsche Fliegergeschwader griffen englische Lager bei Pas (westlich von Doulleus) mit Bomben an.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Abgesehen von teilweise reger Artitterietätigkrit und einigen Gefechten kleiner Abteilnngen ist vom nördlichen Teile der Front nichts Wesentliches zu berichten.

Heeresgruppe des Generals von Linfinaen

Westlich von Sokul und bei Caturcy dauern heftige, für uns erfolgreiche Kämpfe an.

Die Gefangenenzahl ist seit dem 16. Juni auf 81 Offiziere, 11079 Mann, die Beute auf 2 Geschützes 54 Maschinengewehre gestiegen.

Die Lage bei der

Krmes des Generals Grafen von Vothm«

ist im allgemeinen unverändert. /

Balkankriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Thiaumont und Zteury.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Seit der Eroberung der Panzerfeste Douaumont setzte die französische Führung immer wieder von neuem starke Kräfte an Menschen und Material ein, um den Einbruch in ihre erste Verteidigungslinie wieder nichtig zu machen, um die Eroberer in nördlicher Richtung in das Vorgelände der Festung zurückzuwerfen. Das Kampfgelände südlich sowie östlich und westlich der ehe­maligen Panzerfeste war der Schauplatz andauernder blutiger .Käinpfer in den Monaten März, April und Mai. In der Zeit zwischen Mai und Juni erreichte die Heftigkeit der feindlichen Anstürme einen besonders hohen Grad, nachdem es den Deutschen gelungen war, im Walde von Eaillette festen Fuß zu fassen. Der starke dreieckige Klotz, im Osten der Panzerseste Douaumont vorgelagert, bildete den Hauptflankenschutz des lang ge­streckten Höhenrückens, genannt „Kalte Erd e". Bis zu dem Tage der Eroberung des Caillettewaldes hofften die Franzosen immer noch über den Rücken der , Kalten Erde" hinaus, gestützt auf das Werk von Thiaumont, den weiteren Einbruch in die zweite französische Verteidigungslinie a u f b a I t e n zu können.

Mit dem 23, Juni ist auch der letzte Pfeiler dieser Hoffnung umgesunken, denn an diesem Tage erstürm­ten tapfere Bayern, das bayerische Infanterieregiment „König" und das bayerische Jnfanterie-Leibregiment, nach wirksamer Feuervorbereitung den nördlichen Teil des Höhenrückens „Kalte Erde", eroberten das Werk von Thiaumont und drangen in weiterem siegreichen Geländegewinn bis in das Dorf Flerrrv. Den größten Teil dieses Ortes eroberten sie und sie gewannen auch südlich der Feste Vaux von neuem an Gelände. Die Angriffstruppen vor Verdun taten mit diesem sieg­reichen Baycrnstnrme einen neuen erfolgreichen Schritt vorwärts. Sie entrissen dem Feinds kostbare Stel­lungen, weiteten den Einbruch zwischen der ersten und zweiten Verteidigungslinie vor Verdun und warfen den Gegner auch mit seiner Infanterie auf die Haupt- stühpunkte der letzteren zurück. Kämpfe von langer Dauer und blutigem Charakter brachten die Bayern durch ihren Heldenmut am Freitag zum siegreichen Ab­schluß und sie eröffneten damit den Beginn einer neuen Gefechtshandlung, welche ebenfalls noch heißer Arbeit bis zur glücklichen Vollendung bedürfen wird.

Der Name Thiaumont wird in den Berichten von Ende Mai fast täglich genannt. Am 25. jenes Monats überschritten die Angriffstruppen die Schlucht,

welche die beiden Höhen ,,318" und „321", westlich von Thiaumont, voneinander trennen. Gleichzeitig wurde der Feind südlich des Forts Douaumont weiter zurück- geworsen. Don diesem Tage an kann man den fließen­den Gang der Gefechtshandlung vor Thiaumont fest­stellen, nachdem kurz vorher ein gewaltiger französischer Angriff zwischen der Steinbruchstellung und Thiau- niont zusammengebrochen war. Am 26. Mai wurde der Stoß des vorhergehenden Tages in südlicher Richtung bis an den Südwestrand des Waldes von Thiaumont weiter vorgetragen. Es folgt jetzt eine dreitägige Pause des Angreifers, ausgefüllt mit der heißen Arbeit, an­gesichts eines verheerenden feindlichen Feuers neue Stellungen auszuheben, und doppelt erschwert durch

immer wieder erfolgende feindliche Wiedereroberungs­versuche. Dessenungeachtet wurden am 29. Mai die ge­wonnenen Stellungen weiter verbessert. Der 1. Juni brachte einen neuen Antrieb nach vorwärts. Es war die Eroberung des benachbarten Caillettewaldes, welchem am nächsten Tage die Erstürmung von Dam- l o u p folgte und vier Tage später diejenige der Panzer- feste Vaux. Am 9. Juui wird der Feiud östlich von Thiaumont aus mehreren Stellungen geworfen, am 12, und 13. Juni ließ der Feind bei mehreren erfolg­reichen Angriffen im Gebiet von Thiaumont mehrere hundert Gefangene in unseren Händen, Von der Mitte des Monats ab steigerte sich die feindliche Erbitterung zu gewaltiger Höhe. Mit allen Mitteln trachtete er, unter Einsatz breiter Ströme kostbaren Blutes, danach, den drohenden Verlust von Thiaumont aufzuhalten oder zu verhindern. Alle diese Anstrengungen sind nun vergebens. Die Eroberung der Panzerfeste Douau­mont am 25. Februar, die Erstürmung des Caillette- tvaldes am 1. Juni, die vom Dorfe Damloup am 2. d.M., der Sieg bei Feste Vaux am 6. und endlich das weitere Ausbreiten in dem Walde von Chapitre, auf dem Fuminrücken und der benachbarten Höhe 349, das waren die Grundlagen, welche den schönen Erfolg vom letzten Freitag zeitigen konnten. Jene Teilerfolge waren not- wendig, um die französische Verteidigung, die vor allen Dingen ihre Stärke in gewaltigen Flankierungs­anlagen besitzt, in der Gegend von Thiaumont soweit zu brechen, daß der siegreiche Jnfanteriesturm den Erfolg krönen konnte.

Die Bedeutung des Sieges der tapferen Bayern­brigade kann durch nichts bester beleuchtet werden als durch die Trostworte, welche die französischen .Zeitun­gen fanden, als am 6. Juni der Verlust der Panzerfeste Vaux verschmerzt werden sollte. Ganz besonderen Wert legte die französische Fachkritik darauf, daß der Ort Fleury auf einer Höhe von 348 Meter liegt, der „Kalte Rücken" auf einer solchen von 346, wodurch dann bewiesen wurde, welche Gewalt in dieser Über­höhung gegenüber den von den Deutschen eroberten Stellungen begründet sei. Die ganze Hoffnung unserer Feinde beruhte ans der Unüberwindlichkeit der Linie „Kalter Rücken"-Fleury-Souville. Die beiden ersteren find fast ganz in unserer Hand. Der sperrende Quer­riegel war die Panzerfeste Thiaumont Der Besitz des langgestreckten Rückens kann uns kaum mehr streitig gemacht werden. Seine Bedeutuna liegt darin, daß die Franzosen nach allen Richtungen, nach Norden und Osten, rechts der Maas und ebenso links des Flusses bisher eine gewaltige Fernwirkung besaßen. Thiaumont und „Kalter Rücken" hinderten die Deutschen an der Eroberung der beiden Maasdvrfer B r a s und C h a r n y im Maastale. Die gewaltige Batterie­stellungen bildeten das Ha-nptverbindimgsglied zwischen den permanenten Werken von Verdun rechts des Flusses und denjenigen aus dem jenseitigen Ilker. Die Bayern schlugen hier also eine breite Bresthe. Das Dorf Fleury war das Zwischenstück zwischen dem „Kalten Rücken" und den Werken der zweiten Verteidigungslinie. Auf einem flachen Höhenzuge von 318 Meter Höhe, besitzt letzterer starke Wirkung nach Westen und Osten, wäh­rend nach Norden durch den Besitz deS Caillettewaldes diese Einwirkung seit dem 1. Juni wohl kaum mehr be­standen haben mag. Die Hauptbedeutung von Fleury ist der Schutz des 1200 Meter dahintergclegencn Forts S o r v i l l e. An dieses haben die Beyern _ sich durch ihren Sieg kräftig herangearbeitet. Wie weit der Er­

folg beim Fort Vaux in südlicher Richtung reicht, ist bisher nicht ersichtlich. Gewiß scheint, daß der Feind auch hier in der Richtun g auf das Fort d e Tavannes zurückgeworfcn wurde. Zwei starke Werke schützen hier Tavannes selbst.

Der Bayernsieg brachte uns abermals ein gewaltiges Stück vorwärts. Ihr Kampfesmut schlug neue starke Steine aus dem Riesenbau Verdun. Der Besitz der zweiten Linie kann sür die Franzosen nur eine Frage sein, für welche unsere schweren Angriffsmittel schon die richtige Antwort finden werden. Der 23. Juni ist eine neue wichtige Etappe in dem blutigen Ringen um die rechtsseitigen Maashöhen, ein verheißungsvoller Anfang für den eben begonnenen fünften Kampfmonat vor Verdun. Die erwarteten Gegenstöße blieben am Samstag nicht aus. Auf beiden Maasufern, vornehm­lich auf dem rechten, kam es zu heftigen Fern- und Nah­kämpfen. Der eherne Ring aus dem Ostufer jetzt wieder enger geschmiedet, bleibt unzerreißbar, denn wir wissen zu erobern und mit starker Hand scjtzuhalten. 31.

Französische Erkenntnis der deutschen über/ legenheit bei Verdun.

Br. Genf, 26. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Berichte aus der Front schildern die Wucht der deut­schen Jnfanteriestürmc am Freitag als jede mensch­liche Vorstellung übersteigend und nur mit den ersten Angriffen der Deutsche» in der Verdun- Schlacht oder im Sturme auf Vaux vergleichbar. Der deutsche Einbruch der Linie Thiaumont-Fleury zwingt die französische Presse einmütig zur Überzeugung, daß die russische Offensive nicht einen einzigen deutschen Soldaten von Verdun abgezogen hat. Wen» die englische Offensive Verdun noch retten solle, müsse sie jetzt lvsbrrchcn. Oberstleutnant Rousset in der „Liberty" und General Veraux im „Oeuvre" geben zu, daß dir Forts S o u v i l l e und Tavannes — der Militärkritiker des „Ganlois" nennt sie die Eck Pfeiler der Verdun-Verteidigung —" unter dem Feuer der deutschen Artillerie liegen. Der „Jntransigant" schreibt: Unsere Soldaten müssen Wut im Herzen einer brutalen Gewalt weichen, die noch z e r m a l m e n d c r ist als unsere übermenschliche Wider st andskraft.

Änderungen in der französischen Generalität.

W. T.-B. Bern, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Brigade- general Cauboue wurde zum Divisionsgeneral ernannt. Die Divisionsgeneräle Micheler und Iacguot erhielten die Bestätigung ihres Patents. Ferner wurden 11 Obersten zu Brrgadegeneralen ernannt.

Oer Krieg gegen England.

Die englischen Lügen und Fälschungen zur Schlacht am Skagerak.

Der Ärger der Engländer über die amerikanische Kritik.

W. T.-B. London, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Archibald H u r d klagt im „Daily Telegraph" über die Beurteilung der Seeschlacht in Amerika. Die amerikanischen Zeitungen und Seeoffiziere seien über das Ergebnis der Schlacht i r r e g e - f ü h r t worden. Hurd findet es besonders ärgerlich, daß ein amerikanischer Artikel die deutsche Strategie als der englischen überlegen hinstellt. Hurd erklärt darauf: Die britische Flotte hatte die deutsche tatsächlich bon ihrer Basis abgeschnitten. Das Schicksal des Feindes schien besiegelt, als infolge eintrelender Dunkelheit und Nebels die Fühlung mit ihm verloren ging und der deutsche Admiral auf einem Um­wege, in Verwirrung und im Schutze der Dunkelheit den Rest seiner Schiffe zu ihren Stützpunkten zurückbcachte. Die Deutschen seien mit genauer Not der völligen Vernichtung entgangen, so daß man fürchten müsse, sie würden sich im Laufe des Krieges nicht wieder sehen lassen. (Das sollen sie nur getrost abwarten. Schrift!.)

Rücktritt des englischen Landwirtschafts- Ministers.

W. T.-B. London, 26. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Landwirtschaftsminister Lord S e l b o r n e ist zurück- gctrcten.

Die Bemühungen um Regelung der irischen Frage.

T.-B. Rotterdam, 20. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Die An­

nahme des Ausschlusses mehrerer Grafschaften von Ulster vom Homerule-Parlament durch die Nationalisten von Ulster wird allgemein als ein Ereignis betrachtet, das auf die Regelung der irischen Frage einen entscheidenden Einfluß haben wird.

Die Postvergewaltigung.

W. T.-B. Amsterdam, 26. Juni. (Nichtamtlich.) Der Dampfer „B o st o n", der am 15. Juni von Amsterdam nach Holländisch-Ostindien ausfuhr, mutzte seine Post in England xurücklassen.