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Sonntag, 25. 2uni 1916,

Morgen»Kusgabr. «r. 2 «i.. m. s-hrg-ng.

Die Huffett aus Kuh) geworfen.

Ein russischer Angriff bei Taruopol zufammengebrochen.

Bodengewinn in Wolhynien.

Jtnlienische Angriffe im Plöckenabfchnitt abgeschlagen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

T.-B. Wien, 24. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 24. Juni, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Bei Kimpolung in der Bukowina wurde gestern heftig gekämpft. Im Czcremasztal drängte umfassen­des Vorgehen österreichisch-ungarischer Truppen den Feind aus der Stadt Kuty zurück.

Nordwestlich von T a r n o p o l brach ein nächtlicher russischer Angriff unter unserem Geschützfeuer zu­sammen.

Bei Radziwilow wurden gestern vormittag abermals russische Anstürme abgeschlagen. Bei den vor­gestrigen Kümpfen nördlich dieser Stadt hat die aus Niederösterrcich, Oberösterreich und Salzburg ergänzte erste Landsturmbrigade wieder Proben ihrer Tüchtigkeit abgelegt.

Die in Wolhynien fechtenden deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkräfte ringen dem Feinde nördlich der Lipa, nordöstlich von Gorochow und westlich und nordwestlich von Torczyn Schritt für Schritt Boden ab. Alle Angriffe durch zum Teil frischer russischer Kräfte blieben für den Feind ohne Erfolg.

Jtaliensscher Kriegsschauplatz.

Im Plöckcnabschnitt setzte der Feind nach höchster Steigerung seines Geschützfeuers Jnfanterie- angriffe gegen unsere Stellungen bei dem Lahner-Joch und dem Kleinen Pal an. Beide Angriffe wurden ab­geschlagen.

Sonst Lage unverändert.

Der Bahnhof von Ala stand unter dem Feuer un­serer schweren Geschütze.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Einige unserer Torpedofahrzeuge beschossen am 23. früh an der italienischen Ostküste bei Giolia- n v v a eine Fabrikanlage und einen fahrende» Lastzug. Durch die Beschießung explodierte die Lokomotive des Zuges, 4 Waggons gerieten in Brand, mehrere Waggons wurden beschädigt. Die Fahrzeuge sind, vom Feinde unbeläftigt, zurückgekehrt. Am 23. abends hat Linien- schiffslentuant Banfield 8 Minuten nachdem er gegen einen zum Angriff auf Triest heranfliegenden feindlichen Hydroplan aufgrsticgen war, diesen über dem Meere im Lustkampf hcrunterqeschossen. Beob­achter (Italiener) tot, Pilot (Franzose) gefangen. Das Flugzeug „F. B. A. 12" wurde nach Triest cingebracht. Am 24. früh hat eines unserer Flngzeuggeschwader Eisenbahubrücke und Bahnhof von Polte di Piave sowie Hafen von G r a d o mit sehr gutem Erfolge bom­bardiert, in die Brücke vier Volltreffer erzielt. Alle Flugzeug trotz heftigster Beschießung unversehrt einge­rückt. Eine Stunde später wurde ein französisches Seeflugzeug, Typ „F. B. A." im Golfe von Triest von Lwtenschiffsleulnaut Banfield im Luft­kampf h e r u n t e r g e s ch o s s c u. Es fiel vier Kilo- rnrter vor Grado ins Meer. Unter dem Schutze der feindlichen Batterien gelang cs einem feindlichen armierten Panzcrmotorboot das Flugzeug zu bergen, dessen beide Insassen schwer verwuirdet sein dürften.

Flotteukommando.

Des Kanzlers Politik.

Immer klarer hat sich im Laufe der Kriegsmonate die Politik herausgemeißelt, die der Reichskanzler Herr v. Bethmann-Hollweg nach dem Kriege zu treiben ge­denkt, und auch über die Frage ist ein immer festeres Bild entstanden, wie nach der Auffassung des Kanzlers Deutschlands Gestaltung nach außen hin sein wird. Wir wissen in ungefähren Linien, wohinaus der Kanzler will, und man kann dazu bereits Stellung nehmen, wenn auch natürlich ebenso nur in großen Umrissen, wie Herr v. Bethmann-Hollweg bisher eine allgemeine Richtlinie seiner Politik aufgewiesen hat.

Der Reichskanzler wünscht offenbar eine Politik zu führen, die im Innern den durch den Krieg und im Krieg gewonnenen Erkenntnissen über die Reife und die vollendete Tüchtigkeit des deutschen Volkes gerecht wird und die nach außen hin die Machtstellung Deutschlands

befestigt und erweitert, ohne die Möglichkeit ganz von der Hand zu lveisen, mit den jetzigen Feinden schließlich auch wieder in ein erträgliches Verhältnis zu kommen, und die sich fernhält von Wünschen und Forderungen, die zu dem Ziele führen könnten, die Kriegsgefahr in alle Ewigkeit zu verlängern. Nach innen und nach außen verdient diese Politik des Kanzlers Anerkennung und Befolgung. Sie würde, in die Tat umgesetzt, den wahrhaft deutschen Interessen gerecht werden: freiheit­liche Entwicklung, Anteilnahme der Staatsbürger am Leben des Staates, ein starkes Deutschland, das, iveil es stark ist, auch anderen die Möglichkeit zur vollen staat­lichen Betätigung und zur freien wirtschaftlichen Ent­wicklung lassen kann.

Der Reichskanzler hat sich manche Gegner zugezogen. Namentlich auf der rechten Seite des politischen Lebens bedenkt man ihn mit einer Abneigung, die gerade in diesen kriegerischen Zeitläuften doppelt charakteristisch ist. Jetzt käme es wahrlich darauf an, den Mann, den das Geschick zu kritischer Zeit an das Staatsruder be­rufen hat, zu st ü tz e n in seinem schweren Werk und ihm nicht einen Teil seiner Arbeitskraft zu verderben durch schwere Angriffe und zum Teil durch aus dem Hinterhalt geführte Intrigen. Wer vaterländischen Sinnes ist. wird eine derartige Politik jetzt in der ernstesten Zeit des'Deutschen Reiches ver­schmähen. Ter Kanzler hat sich mannhaft zur Wehr ge­setzt. Und man wird es ihm nicht verargen, sondern es ihm dankbar anerkennen, daß er in das Wespennest hineingegciffen hat. Seine Widersacher sind rücksichts­los und mächtig. Aber wenn man die Attacke betrach­tet, die der Generallandschaftsdirektor Kapp gegen den Kanzler unternommen hat, so kann man sich dem Ein­druck nicht entziehen, daß die starken Worte nur die innere Schwäche der Position verdecken. Manche Leute sind nur so lange wirklich gefährlich, wie man sie nicht energisch anpackt!

Die Agitation gegen den Kanzler hat ihren Urgrund darin, daß er gewissen Kreisen hinsichtlich ihrer E r- oberungswünsche nicht weit genug entgegen­kommt und daß er in der inneren Politik offen­bar zu Zugeständnissen an volkstümliche Forderungen bereit ist. Das kann man ihm in jenen Kreisen nicht ohne weiteres vergessen. Man will einen Kanzler, der nach außen und nach innen als der „starke Mann" auf- tritt, man will keine wirkliche Versöhnung, sondern einen unausgesetzten Kampf bis aufs Messer gegen je­den Feind, den „inneren" wie den äußeren. Und be­zeichnenderweise berühren sich in diesem Wunsche die E x t r e m e n von rechts und links. Während z. B. jetzt angesichts der Erklärung der „Nordd. Allg. Ztg." zu der Rede Scheidemanns in Breslau die rechts­gerichteten Blätter kein Hehl inachen aus ihrer „Ver­wunderung" über die Stellungnabme des Regierungs- blattes'und damit des Kanzlers, schreibt auch der „Vor­wärts", als das Organ der intransigenten Sozialdemo­kratie, „daß die Kriegsziele des Kanzlers sich zwar wesentlich von denen der sechs Wirtschastsverbände unterscheiden, aber doch nur graduell, und sich keines­wegs mit dem decken, was Sozialdemokraten zu ver­treten verpflichtet sind". Den Herren um Haase und Ledebour wird es der Kanzler nie recht machen können, die Flaumacherei dieser Gruppe der Männer mit dem „vertrockneten Herzen" ist in der Wirkung schließlich nicht viel anders wie die Flaumacherei der Übernatio- nalisten.

Der Neuaufbau des inneren politischen Lebens nach dem Kriege wird eine große, eines erstenStaats- mannes würdige Aufgabe sein. Wenn der Kanzler im Sinne seiner bisherigen Worte diesen Neu- ausbau in Angriff nehmen will, ' so muß er st a r k e Nerven und einen tapferen Sinn haben. Wir wünschsien, daß er sie haben möge! »

Der Krieg gegen Nutzlanö.

Unsere neue vorgeschobene Linie in Wolhynien.

Nr. Bon der wolhynischen Front, 22. Juni. (Eig. Draht­bericht. Jens. Bln.) Auch heute ist man in der Lage, von un­serer Nordsüdfront in Wolhynien einen beträchtlichen Ge­ländegewinn melden zu können. Es sind Österreicher und im nördlichen Teil unsere Truppen gewesen, die hier vorgegangen sind, und die neu von uns eingenommene Linie baut sich nicht nur von dem südlichsten Punkt Zaborow auf, sondern reicht noch ein erhebliches Stück weiter nach Süden zu. Festgelegt kann diese neue Linie ungefähr durch folgende Punkte wer­den: Kolphtow und Swiniuch an der großen Straße, die von Gorochow im Süden erst nach Norden, dann nach Nordwesten auf Wladimir-Wolhynsk zuläust, weiter Bornin, Zatvow, Zaturcy, Semerynkh, das also schon vor den von uns hier oben im Norden zuletzt genommenen Orten ostwärts Airgelagert ist. Und darauf kommt es ja an, auf das „o st w ä r t s". Auf unserer Westostlinie sind demgegenüber unsere Fortschritte nicht so erheblich, di« Kämpfe um so blutiger gewesen;

namentlich gilt das für die Gegend von Linewko östlich von Swidntkt, wo gestern und vorgestern schon so lekchaft gekämpft wurde. Während der vier Stunden, die man gestern vorn im Stochodgraben war, erlebte man nicht weniger als s e ch s A n g r i f f e der R u s s c n auf die ihnen entrissenen Hauptgräben. So viel man nach dem Augenschein und den Gefangenenaussagen schließen kann, sind die B e r l u st e der Russen an Toten und Verwundeten auch gestern wieder sehr groß gewesen. Trotzdem glaube ich (so führt der Kriegsberichterstatter weiter aus), daß wir uns gar nicht schnell genug von der Meinung befteien können, die in Deutschland, als ich es verließ, recht verbreitet war: als

wären die Russen am Ende ihrer Kräfte! Menschen und Material sind bei ihnen noch immer reichlich vorhanden und ihre Kampfesstimmung derzeit noch so, daß ihnen die Wiedereroberung Warschaus als gewisses Ziel v o r s ch w e b t. Das sind natürlich kindliche Phan­tasien; immerhin, wir tun unseren braven und stets bereiten Truppen Unrecht, wenn wir glauben, was sie auch jetzt wieder leisten, erfordere weniger Mut, Willenskraft und Entbehrmig als früher. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Die russische Generalität über die deutschen Gegenangriffe bei Luck.

Uv. Amsterdam, 24. Juni., (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Korrespondent der „Tünes" in Petersburg erhält von der russischen Generalität fol­gende Darstellung der gegeirwärtigen militärischen Lage. Die deutschen Gegenangriffe auf dem linken Flügel der Armee Brussilow sind höchst beachtenswert. Ihr Ziel ist, zunächst Kowel und Wladimir-Wolhynsk zu sichern; ihre Stöße erfolgten hauptsächlich aus der Richtung Wladimir-Wolhynsk auf der Straße nach Luck. Die linken deutschen Angriffskolonnen in und bei dem Dorf Worontschin, das 22 Meilen nördlich von Wladimir-Wolhynsk gelegen ist, wurden zum Stehen gebracht. Mit dem rechten Flügel kämpfen wir bei Rogowitschin.

Der Arutee Brussilow «rangelt es schon an Munition.

Ur. Basel, 24. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ter Spezialberichterstatter des Bukarester „Adverul" bei der Armee Brussilow meldet: Das Unwetter habe das Nachbringen von Artilleriemunition v e r- zögert, die Geschützreserven seien jedoch an Ort und Stelle. Der Kampf werde in kurzer Zeit mit unver- iriinderter .Heftigkeit wieder aufleben.

Ans der Vorgeschichte des Krieges.

Russlands Quertreiberei auf dem Balkan.

Sofia, 24. Juni. (Zeus. Bin.) Die offiziöse „Narodni Prava" veröffentlicht das Faksimile eines Briefes des russi­schen Gesandten v. Hartwig in Belgrad an den serbischen Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch vom 26. Mai 1913, in welchem v. Hartwig von der durch Serbien beabsichtigten Annexion Mazedoniens dringend abrät, damit alle Ver­antwortung für einen Bruderkrieg zwischen Bulgarien und Serbien auf Bulgarien falle. Serbien müsse fortfcchren, eine Revision des Bundesvrrtrages zu verlangen; wenn Bul­garien wolle, möge es einen entscheidenden Schritt tun und alle Verantwortung auf sich laden. „Narodni Prava" saßt hierzu: Run ist es klar, wer Serbien gegen Bulgarien gehetzt und Bulgariens Katastrophe gewünscht hat, und schließt: Dieses Bulgarien ist heute stolz, weil es seine Ideale erreicht hat; alle, die ihm das Grab schaufeln wollten, haben ihre verdiente Strafe erhalten, v. Hartwig ist tot, Paschitsch wert von Serbien, Mazedonien ist bulgarisch, Rußland ist ge­schlagen. Dieses Faksimile wird vielen Rusienfreunden die Augen öffnen.

Russische Anerkennung der deutschen Verwaltung in Kurland.

Berlin, 24. Jum. (Zens. Bln.) Laut „L.-A." heben russische Blätter rühmend das Vorgehen der deutschen Be­hörden in Kurland hervor. Die Deutschen veröffentlichten alle Bekanntmachungen sowohl in deutscher wie in der Lan­dessprache. Auch im Privatverkehr der Bevölkerung sei die russische Sprache nicht verboten.

Die Laae im tDeften.

Die neuesten deutschen Erfolge bei Verdun.

Französische Zugeständnisse und Besorgnisse.

Genf, 24. Juni. (Zens. Bln.) Zu dem im amtlichen Tagesbericht gemeldeten Fall von T h i a u m o n t gibt das ftanzösische Kriegsministerium durch die Agence Havas die folgende Erläuterung: „Seit 48 Stunden dauert die Schlacht vor Verdun mit einer Erbitterung fort, die von Stunde zi: Stunde wilder wird. Während des ganzen Tages des 23. Juni lieferten mächtige Kolonnen eine Reihe von Stürmen zwischen Punkt 321 und der Batterie von Dam- loup, sie wurden jedoch nacheinander durch das Trommel­feuer der Batterien oder das Feuer der Wtaschinengewehre uiedergemäht. Hierauf, nachdem das völlige Feuer der gegnerischen Artillerie unsere vorgeschobenen Gräben zwischen Punkt 321 und Punkt 320 völlig verschüttet hatte, konnten die Deutschen am Ende des Tages diese sowie