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Verlag Langgaffe 21

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nl^tlngl; l fi?oie^^w^ : emSu»g■^M 4 1 3 ut|^ 8 "^^*tK'y 8 ^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., P.tSdamer Str.isi K. Frrnspr.: Amt Lützow 6202 u. 6208. Z!gen nndPlagen°w,"rd ?e'ne°Lwäh?Ä?nmnE

Samstag, 24. 3ttm 1916.

KbendrKusgabe.

Nr. 290. . 64. Jahrgang.

in bedeutender Fortschritt östlich der

2700 Gefangene der Bayern!

Vas panzerwerk Thiaumont und Dorf zleurq gestürmt.

Weitere Fortschritte auch bei der Armee Linsingen.

Ständig wachsende (Kefangenenzahl.

Der Tagesbericht vom 24. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Juni.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Rechts der Maas brachen unsere Truppen, an der Spitze das 10. bayerische Infanterie-Regiment „Köni g" und das bayerische Jnfanterie-Leib-Regiment, nach wirksamer Feuervorbercitung aus dem Höhenrücken „Kalte Erde" und östlich davon zum Angriff vor, stürmten über das Panzerwerk Thiaumont, das genommen wurde, hin­aus, eroberten den größten Teil des Dorfes F l e u r y und ge­wannen auch südlich der Feste B a u x Gelände. Bisher sind in die Sammelstellen 2673 Gefangene, darunter 60 Offiziere, eingeliefert.

Auf der übrigen Front stellenweise lebhafte Artil­lerie-, Patrouillen- und Fliegertätigkeit. Bei M a n m v n t wurde ein französischer Kampfeindecker im Luftkampf znm Absturz gebracht. Leutnant W i n t g e n s schoß bei B l« m o a t sein siebentes feindliches Flugzeug, einen fran­zösischen Doppeldecker ab. 4 ,

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Russische Teil Vorstöße wurden südlich von Jlluxt und nördlich Widsy abgewiesen.

Ein deutsches Fliegergeschwader griff den Bahnhof Poloczany (südwestlich von Molodeczno) au, auf dem Ein­ladungen beobachtet waren. Ebenso wurden auf die Bahn­anlagen von L u n i n i e c Bomben geworfen.

Bei der

Heeresgruppe ves Generals von Linsingen

wurde der Angriff bis in und über die allgemeine Linie Jubilno-Wotyn-Zwiniacze vorgetragen. Heftige feindliche Gegenangriffe scheiterten. Die Zahl der russisch e tt Gefangene» ist ständig im Wachsen.

Bei der

Krmee des Generals Grafen von Boltzmer

fanden nur kleinere Gefechte zwischen vorgeschobenen Abtei­lungen statt.

Balkankriegsschanplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Generaloberst v. MoMe Wer die Weltmission de§ deutschen Volkes.

So stark betont in der Persönlichkeit des dahin- peschiedenen Generalobersten v. Moltke der soldatische Charakter war, so reichte doch sein weitblickender Geist weit hinaus über die Grenzen des nur Militärischen, und jene großen Fragen der deutschen Kultur und der deutschen Zukunft, die uns jetzt so lebendig vor Augen stehen, haben ihn schon lange vor dem Kriege in tiefster Seele beschäftigt. Deshalb verfolgte er aufmerksam alle Regungen und Keime, die eine Abwendung von dem Materialismus zu einent neuen Jdealisnius erstrebten, und als dann in dem Lä u t e r u n g s s e u e r des Welt­krieges die Seelen gestählt waren für seine hohen Ideen, suchte er in der Gründung der „Deutschen Ge- sellschaft 1914" zu Berlin, die hauptsächlich auf ihn zu- rückzuführen ist, den künftigen Weltaufgaben des deut- fchen Volkes einen geistigen Mittelpunkt zu schaffen.

In bedeutsamer Weise hat er diese Gedanken in einem Briefe an den Herausgeber der Monatsschrift „Die Tat", den bekannten Verleger Eugen Diederichs, nieder­gelegt, dessen Zeitschrift die Gründung der „Deutschen Gesellschaft 1914" freudig begrüßt hatte. Das Schrei­ben, das i« einem warmherzigen Bekenntnis die edle und großzügige Weltanschauung Moltkes zusammen­faßt, ist vom i. Januar 1916 datiert und lautet:

„Mit großer Aufmerksamkeit habe ich Ihren Aufsatz über die Gründung der Teutjckien Gesellschaft gelesen.

Ich habe auch die anderen Artikel der Nummer der , Tat" gelesen, und ich will gerne erklären, daß der Geist und die Gesinnung, die in ihnen walten, in mir freu­dige Zustimmung gefunden haben. Das Programm Ihrer Zeiffchrist: Alles umfassend, was ernsthaft der

Erneuerung des Lebens zustrebt, die Erneuerung Deutschlands aus den irrationalistischen Anlagen seines

Volkstums heraus — umfaßt die Gedanken, die auch in

mich bewogen haben, inich an der Gründung der Deut­schen Gesellschaft zu beteiligen. Daß uns eine Er­neuerung des geistigen Lebens bitter, nottift, war mir Gewißheit, schon lange bevor dieser Krieg unser Volk auf die Goldwage der Weltentwtcklung legte, und mit ganzer Seele habe ich gehasst, daß es sich lvert erweisen möge der hohen Aufgabe, die chm die Weltenlcnkung gestellt hat. Hier handelt es sich um geistig e Waf­fen, n u r mit ihnen kann die Zukunft b e z w u n- g c n werden. Es liegt so unendlich viel Ideales, nach oben Strebendes in der Seele unseres Volkes. Lange war es unterdrückt durch die dicke Schicht materiellen Lebens, es durchbrach sie, als der Krieg die Äußer­lichkeiten des Daseins verschwinden ließ vor dem idealen Sturm der Vaterlandsliebe, der alle Herzen durch- brauste. Wenn Gott unser Volk lieb hat, wird er diese a e i st i g e Erhebung ihm bewahren. Aber jeder muß dazu Mitarbeiten. Das wollen Sie mit Ihrer Zeitschrift und das loollte ich mit dem Jns- lebenrufen einer Gesellsck-aft, die nicht, wie Sic sagen, ein „politischer Klub" sein soll, sondern ein Versamm­lungsort aller der Geister, die die Kraft haben, E i n - zelwünsche und Bestrebungen im Dienste des deut- chen Einheitsgedankens zurückzustellen. In Klassen geschieden, in Parteien getrennt, haben wir ulrs vor dem Kriege kaum gekannt. Die Schranken, die der Egoismus der Einzelexfftenz zwffchen uns aufge­richtet hatte, wollten wir niederlegen und den Menschen dem Menschen nabebringen.' Gewiß, Sie haben recht, es lvird darauf ankommen, dem Seelenadel zum Sieg über den Geschäftsgei st zu verhelfen, die Ptlänzlein zu pflegen, die schon seit Jahren in vielen Menschen wuchsen und von deren sftller Entfaltung sich jeder überzeugen konnte, der imt offenen Augen in unser Volksleben hineinsah. Über die Schwierigkeiten, die uns seit Jahren anerzogene mechanische Lebensauf­fassung zu überwinden, sind wir alle uns von Anfang an klar gewesen. Aber man darf vor den Schwierig­keiten nicht znrückscheuen, wo es sich um Großes handelt. Immerhin wird ein idealer Gedanke einmal in die Realität hinein geboren gewesen sein. Es ist bekannt, daß, wenn man einen Wald aus einenz Boden aufsorsten will, der vorher kein Waldboden war. die erste An­pflanzung oft nach einer Reihe von Jahren zugrunde geht, aber die zweite gedeiht d§nn. Man mutz nur nicht verzagen. Gelingt der Wurf diesmal nicht, so wird eine spätere Generation den einmal geborenen Gedan­ken wieder aufnehmen. Wir müssen für die Zukunft arbeiten. Wir gehen bald dahin, aber unser Volk soll in die kommenden Jahrhunderte hinein leben, es soll nach oben leben, und jedes Samenkorn, das jetzt gelegt wird, wird einmal aufgehen. Das ist nieinc Hoffnung und Zuversicht und inein Glauben an die Wcltinission unseres Volke s."

Bestandsaufnahme.

Von dem Präsidenten des Kriegsernährungsamts v. Batvcki.

In den fünf Wochen meiner bisherigen Amtstätigkeit sind mir neben vielen vernünftigen und praktischen Ansich­ten und Raffchlägen so viele unbedachte und unvernünftige Auffassungen über die Lcbensmittelfragen entgegengetrcten, daß ich es für nützlich halte, der Öffentlichkeit meine Ansich­ten und Absichten fortlaufend in einer Reihe kleiner Aufsätze zu unterbreiten. Ich will damit nicht sagen, daß meine An­sichten unter allen Umständen richtig oder gar allgemein gül­tig sind. Kritik ist in den das deutsche Volk so besonders leb­haft beschäftigenden Ernährungsfragen besonders nötig und für jede vernünftige Kritik bin ich dankbar, ob sie in der Öffentlichkeit oder brieflich geschieht. Freilich sollte bei der Kritik in der Öffentlichkeit stets daran gedacht werden, daß das feindliche Ausland auf jede Presseäußerung lauert, die es mißbrauchen kann, um die Siegeshosinungen und Kriegs­lust ihrer Leute anzufachen. Auf briefliche Kritiken und Vor­schläge jedem zu antworten, ist nicht möglich. Jeder kann aber sicher sein, daß alle vernünftigen und brauchbaren Meinungs­äußerungen nicht in den Papierkorb wandern, sondern ge­bührende Beachtung finden werden.

Heute will ich meine Meinung über die Frage der Be­standsaufnahme von Lebensmitteln aussprechen. Die näch­sten Aufsätze sollen die Fragen der inländischen Grenzsperren, Kartoffelversorgung, Butter- und Fettversorgung, Fleischversorgung, Hausschlachtung, Kettenhandel u. a. behandeln.

Die Frage einer allgemeinen Aufnahme der Lebens- * mittelbestände, nicht nur in Gewerbebetrieben, sondern auch den Haushalten beschäftigt die Öffentlichkeit lebhaft.

Manche versprechen sich davon den Erfolg, daß massenhaft gehamsterw Nahrungsmittel zutage treten und der Allgemein­heit zugefuhrt werden könnten. Das ist nach den bisherigen Erfahrungen rucht anzunehmen. Selbst die mit großen Er­wartungen begrüßte Bestandsaufnahme der Fleischwaren nnd der Fleischkons erben in den Gewerbe- und Handelsbetrieben hat in ganz Deutschland zusammen nur ganz geringe Men­gen ergeben, weil die Konserven seinerzeit zum weit über­wiegenden Teil für Hcereszwccke verbraucht worden sind. Ist hiernach auch die Hoffnung, in den Privathaus­halten durch eine Bestandsaufnahme große Mengen von Nah­rungsmitteln für die Volksernährung flüssig zu machen, über­trieben, so hat der Vorstand des Kriegsernährungsamts trotz­dem die Vornahme einer solchen Aufnahme in Stadt und Land beschlossen unter Ausdehnung auf die Vorräte im Besitz der Kommunen und Bezirkseiickaufsgesellschaften. Die Vor­bereitungen werden getroffen. Soll die Ausnahme aber mög­lichst richtig und vollständig werden, dann muß alles sorgsam und gründlich vorbereitet werden. Nichts ist verfehlter, als oberflächliche Aufnahmen, wie sie so oft während der Kriegs­zeit für einzelne Waren oder in einzelnen Bezirken und Orten erfolgt sind. Sie belästigen nur das Publikum und die Behörden und haben kein praktisch brauchbares Ergebnis. Die Bestandsaufnahme wird, uin sie gründlich vorbereiten zu können, erst in mehreren Wochen erfolgen können. Sie soll dann später während der Kriegsdauer in angemessenen Zeiträumen wiederholt werden, und damit alle bisher itbllchen Einzelbestandserhebungen entbehrlich machen. Ganz geringfügige Mengen der einzelnen Waren müssen, um über­flüssiges Schreib- und Rechnungswesen zu vermeiden, von der Aufnahme selbstverständlich frei bleiben. Aber auch dar­über hinaus wird nicht daran gedacht, die durch die Auf­nahme festgestellten Mengen etwa alle fortzunehmen nnd zu verteilen. Dagegen werden sie bei der bevorstehenden ge- naueren Verteilung der neuen in den Verkehr gebrachten Vorräte a n g e r e ch n e t werden, damit diese Verteilung ge­recht wird. Hat sich also jemand nocki für mehrere Monate mit Vorräten eingedeckt, so wird er diese ruhig behalten, gleichviel ob es Fleischwaren, Zucker oder sonstige Waren sind. Voraussetzung ist nur, daß keine sinnlose Hamsterei, womöglich twn verderblichen Waren, und kein Verdacht vor- lwgt, daß mehr als für den eigenen Haushalt vcrständiger- weise nötig, zu Spekulationszwecken, aufgehäuft ist. Es muß bei der Beurteilung dieser Frage berücksichtigt werden, daß der Landwirt, der bei den großen Entfernungen vom städti­schen Markt seinen Bedarf nicht täglich oder wöchentlich cin- decken kann, Lebensmittelvorräte in größerer Menge als der Städter hinlegen muß; durch die Anrechnung auf neu zu verteilende Lebensmittel wird die gleichmäßige Ver­teilung auf Stadt- und Landhaushalt gewährleistet. Ver­bunden soll mit der Bestandsaufnahme die Möglichkeit wer­den, daß jeder Vorräte, die er nicht nötig hrauchl, oder deren Verderben er befürchtet, freiwillig zu dem von ihm zu bestimmenden Teil abliefert, damit sie den Bezirken und Bevölkerungskreiseii. wo besonderer Mangel herrscht, zuge- führt werden können. In einzelnen Kreisen sind solche frei­willigen Sammlungen von Fleischwarenvorräten schon mit gutem Eifrige durchgeführt.

Itnverständige Leute haben hier und da erklärt, daß sie. wenn solch eine Bestondsaufnahme stattsindet, ihre Vorräte lieber schnell verbrauchen oder womöglich vergraben, -oder sonst beseitigen würden. Auf solche ebenso albernen wie un- patriotischen Redensarten wird aber kein vernünftiger Mensch rilvaS geben. Wer wirklich so handeln sollte, wird die Folgen davon zn spüren haben. Alle solchen Maßregeln sind nur durchführbar, wenn man aus die gesunde Vernunft der Bevölkerung rechnet und seinen Maßregeln die Handlungsweise zugrunde legt, die er von den gottlob die überwältigende Mehrheit in allen Teilen und allen Bevölke- rnngskreisen des deutschen Voltes bildenden vernünftigen, anständigen und patriotischen Leuten erwarten kann.

Die Taae im Westen.

Der Worttaut der Vertrauenstagesorduung für die französische Regierung.

W. T.-B. Paris, 24. Juni. (Nichtamtlich. Agence Havas.), Nach der siebenten Geheimsitzung nahin die Kammer die öffentliche Sitzung wieder auf. Der Präsident verlas die Tagesordnungen, welche als Beschluß auf Grund der Geheim- sitzung eingebracht wurden. Briand erklärte, die Regierung nehme nur eine von st>en Fraktions-Vorsitzenden Unterzeichnete Togesordnung an, welche allein ihr die zur Fortsetzung ihrer Amtstätigkeit nötige Autorität geben könne. Die von der Regierung abgelehute Tagesordnung Dumont wurde durch Handerheben verworfen. Die von der Regierung ange­nommene Tagesordnung der Fraktionsvorsitzcnden lautet: Die Kammer als Ausdruck der Souveränität des Volkes er­klärt, gemäß ihrer Pflicht entschlosseu zu sein, weiter in enger