Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

&Wtet-««St geflflnet Bon 8 Uhr morgen« bi» 7 Uhr rtenM.

wöchentlich

12 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagblatihaus" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

Bezugs-Preis für »ei»e «»Sorten: 75 Psg menotlich, M. 2.« vierteljährlich durch den Verlag Lunggasse Li. ohne Bringerlvhn M. 8.3» vierteljährlich durch alle deutschen Poftanstalten, ausschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- mantring 19, lonne die Ausgabestellen in allen Tellen der «tadt; in Biebrich: die dortigen Aus-

yfm

Auzeigen'Preis für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform: 20 Pfg. in davon abweichender Satzausführuna. sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfz. für alle auswärtigen Anzeigen: l Mk- für örrliche Reklamen: 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. —

gabettellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt - Träger.

Bei wiederholtrr Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., P.tsdamer Str.121 K. Fcrnspr.: Amt Lützow 6202 u. 6203.

Mittwoch, 21. 3utti 1916.

Kbendrklusgabe.

Nr. 286. . 64. Jahrgang.

Die kriegerischen Ereignisse -er ersten Hälfte der Zuni.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

(Schluß.)

II.

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist die am 14. Mai unter dem Oberbefehl des Erz­herzogs Eugen zwischen Etsch und Brenta eröfsnete Offensive der österreichisch-ungarischen Armee, bei der der Erzherzog-Thronfolger die mittlere (Haupt)-Heeres- gruppe führt, über die gegen Ende des vorigen Monats gewonnene Linie Bettula-Acsiero-Asiago-Gallio, ange­sichts der auf dem letzten Gebirgsrücken vor der vene- tianischeu Ebene befindlichen Hauptstellung des Geg­ners, nur urn ein Geringes fortgeschritten. Das erklärt sich zur Genüge schon daraus, daß ein ohne gründliche Vorbereitung uuternonimener Angriff auf jene starke Stellung ein durch die Verhältnisse nicht gerechtfertigtes Wagnis sein »vürde. Zur Vorbereitung gehört aber zu­nächst die Festsetzung in der erreichten Linie, in, vor und selbst hinter welcher der Feind noch mehrere Punkte in Besch hatte, sodann die Heranziehung der Reserven, der schweren Artillerie sowie der erforderlichen Muni- tions- und Lebensmittel-Vorräte usw. auf den mehr cder weniger beschwerlichen Gebirgswegen, wozu es einer gewissen Zeit bedarf. Diese Aufgaben sind unter rnannigfachen örtlichen Angriffen und Gegenangriffen erfüllt worden, die fast ausnahmslos zugunsten unserer Bundesgenossen ausfielen, und bei denen sich die Zahl der seit dem 14. Mai gefangen genommenen Italiener auf mehr als 45 000 gesteigert hat.

Die in der österreichisch-ungarischen Offensive ein­getretene Verzögerung ist freilich auch den Gegnern für Gegenmaßregeln zugute gekommen. Zu diesen sind die Angriffe zu rechnen, die ste in den letzten Tagen aber­mals gegen die Hochebene bei Doberdo. den Görzer Brückenkopf, in den Dolomiten und an einigen anderen Stellen der Front unternommen haben, die jedoch sämt­lich gescheitert stnd. Aber es ist anzunehmen, daß sie die Zeit auch zur Verstärkung ihrer Hauptstellung vor der österreichischen Angrisfsfront und zur Versamm­lung von Reserven in ihr benutzt haben werden. Man kann gespannt darauf fern, ob unter diesen Uinständen die Österreicher ihre Offensive fortsetzen oder ob sie sich zunächst mrt den erzielten Vorteilen begnügen werden. Daß die russische Entlastungsoffensive auf ihre Ent­schließungen wesentlichen Einfluß auszuüben vermöchte, ist nucht wahrscheinlich. Aber es sei daran erinnert, daß über di? Weite des Zieles, das der österreichischen Offensive gesteckt ist. von Hause aus Zweifel bestanden.

Auf der B a l k a n h a l b i n s e l haben sich die Kanonaden an der griechisch-bulgarischen und griechisch- raazedonischen Grenze häufiger wiederholt. Die Be­setzung des Forts Rüpel und der Strumabrücke bei Demihissar durch bulgarische Truppen hat den Entente­mächten willkommenen Anlaß gegeben, ihre völker­rechtswidrigen Zwangsnlaßnahmen gegen Griechenland zu steigern. Ihrem Verlangen entsprechend ist der Be­fehl zur Deinobilmachung des griechischen Heeres ge­geben worden. Gleichwohl haben sie über die Gegend von Saloniki den Belagerungszustand rmd über ganz Griechenland die Blockade verhängt. Solcher Mißbrauch der Macht stellt ihre Ohnmacht nur in uin so helleres Licht und wird schließlich auch den Blödesten die Augen darüber öffnen, was unsere Gegner unter Recht und unter Schutz der schwachen Staaten verstehen, wie er­bärmlich insbesondere die Engländer heucheln, indem sie iioch immer behaupten, durch Verletzung der Neutrali­tät Belgiens zur Kriegführung gegen uns gezwungen worden zu sein. — Im übrigen ist die Lage auf dem Balkan unverändert

Die russische Offensive in Armenien ist in der Mitte, in der Richtung auf Erzerum noch etwas weiter zurückgedrängt, auf beiden Flügeln, von Streifereien abgesehen, mindestens nicht fortgeschritten.

Aus Mesopotamien werden kleine Zusammen­stöße türkiicher Truppen mit schivachen russischen Par­teien, die teils von Norden, teils von Persien her in der Richtung auf Bagdad streiften, sowie auch mit Eng­ländern gemeldet. Klarer Einblick in die dortige Lage ist jedoch aus den dürftigen Nachrichten, die darüber nur zu uns gelangen, nicht zu gewinnen. —

Die Kunde von der Seeschlacht vorm Skagcrak hat erklärlicherweife in der ganzen Welt gewaltiges Aufsehen gemacht, das durch das wenige Tage später auf dem Meere eingetretene tragische Ende Lord Kitcheners noch gesteigert worden ist. Der be­greifliche, aber ungeschickte Versuch der Engländer, die Schlacht als einen von ihnen erfochtenen Sieg darzu­stellen, ist selbst in ihrem eigenen Lande und bei ihren auswärtigen Freunden auf Zweifel gestoßen, überall sonst, jedoch hat die wahrheitsgetreue, das entgegen­gesetzte Urteil begründende deutsche Schilderung des

Schlachtverlaufs obgesiegt. Tie Engländer hohen nun aber versucht, den strategischen Erfolg der Schlacht für sich in Anspruch zu nehinen, indenr sie behaupten, die unmittelbar nach der Schlacht erfolgte Rückkehr der Hauptmacht unserer Flotte in die Häfen beweise, daß der Zweck rhres Unternehmens durch die Schlacht ver­eitelt worden sei. Dem stellen wir die bis heute noch nicht geklärte Frage gegenüber, zu welchem Zweck eigentlich die englische Flotte ihre Rattenlöcher an den nordischen Inseln, in denen sie so lange regungslos fest­gesessen, verlassen hat? Cs geschah doch nicht zu einer Spazierfahrt, sondern zu einem bestimmten strategi­schen Zweck. Gleichviel nun. ob diese ihre Anwesenheit in der Nord- oder Ostsee, an der dänischen oder schles- wig-holsteini'chen Küste erforderte, sie ist durch die Schlacht an der Erreichung des Zwecks verhindert wor­den. Die deutsche Flotte dagegen ist. wie männiglich bekannt, lediglich zu dem Zwecke ausgelaufen, die geg­nerische aufzusuchen und deren Vorhaben zu vereiteln. Das hat sie erreicht, und deshalb ist, wie der t a k t i s ch e, w auch der st r a t e g i s ch e Erfolg auf ihrer Seite.

Oer Gegendruck im Osten.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Der deutsche Tagesbericht vom letzten Dienstag nennt seit vielen Monatei: zum ersten Male wiederum sämtliche Heeresgruppen, welche an unserer Ostfront teils ini Angriff, teils in der Verteidigung treue Wacht halten. Das Hauptkampfgebiet rst der Gefechtsraum, in welchem die Heeresgruppe des Generals v. Linsingen kämpft. . Gegen ihre nördlichen Stützpunkte, am Kanal von Oginsti, versuchten die Russen ohne Erfolg starke Angriffe, welche jedoch bereits in unserem Sperrfeuer auf dem lenseitigen User zusammenbro.chen. Weiter si'idlich liegt das Hauptkampfgebiet zwischen den Zuflüssen des Pripjet, dem Styr, dem Stochod und dem in den letzten Tagen viel genannten Turja. Im ersten Anlaufe war es den Russen gelungen, westlich von Luck diese drei Stromschranken in ihrem Oberlarge zu über­schreiten, am Unterlaufe stießen die AngrcifSr immer wieder auf den härtesten Widerstand. Die Tagesberichte während dieser kriegerischen Ereignisse melden immer wieder dieselben Namen, die Übergangsstellen bei Kolki und Sokol sowie einzelne Punkte zwischen diesen beiden Uferwechselstellen. Alle Anstürme brachen au den mutigen Verteidigern blutig zusammen. Das heiß erstrebte Ziel, der Bahnknotenpunkt K o w e l, blieb den Russen unerreicht. Während die russi- 'che Heeresleitung immer wieder danach trachtete, sich nach Norden zu weiter Luft zu verschaffen, setzte von eben jenen: Kowel her der deutsche Gegen­angriff, am 17. Juni beginnend, mit gutem Erfolge ein. Diejenigen Teile des Feindes, welche den Tourja im Oberlauf überschritten hatten, wurden wieder auf das östliche Ufer zurückaeworfen. Zwilchen der Straße, welche von Luck nach Kowel führt, und jenem Flusse hat der Gegner bereits erheblich an R a u m ver­lor e n. Der deutsche Tagesbericht nennt am 20. Juni den Ort Kisielin am Oberlaufe des Stochodflusfes, woraus hervorgeht, daß der Feind in seinem Vordrin­gen in westlicher Richtung dem ebenso wichtigen Knotenpunkte Wladimir-Wolpnski uin nichts näher ge­kommen ist. Südlich von diesen deutschen Truppen kämpfen Leeresteile unseres Verbündeten, gegen welche die russischen Truppen unentwegt anstürmen, um sich in südlicher Richtung den Weg auf Lemberg, von dem sie als Ziel in ihren amtlichen Berichten sprachen, zu bahnen. Die Kampflinien unseres Bundesgenossen haben allen Anstürmen erfolgreich getrotzt, so daß sich der Feind am 19. Juni gezwungen sah, sein Vorgehen in südlicher Richtung als aussichtslos aufzugeben. Die südliche Grundlinie dieses Angrisfsraumes besteht aus einem zusammenhängenden Hügelgelände von durchschnittlich 200 Meter Höhe, durchsetzt von wenigen, nur kleinen Wasserläufen Ein Vordringen des Fein­des in diesem Gelände mußte daher auf weniger Hin­dernisse stoßen, als wie sich im Norden und Westen an dem Flußsystem des Styr und Stochod ihm entgegen­stellten. Gelingt es unseren Truppen, was schön an einzelnen Stellen der Fall ist, das Ostufer jenes Ge­wässers zu er reichen, so wird sich der Druck Noch mehr verstärken, welchen der Feind hier zu gewärtigen hat. Die Ereignisse der lebten Tage zeigen eine e r- f r e u l i ch e Wendung zugunsten der verbündeten Mittelmächte. Gestützt auf die stark ausgebauten Waffenplätze hinter ihrer Front, ergriffen sie schon a m 10. Tage nach dem gewaltigen russischen Einbrüche bei Luck eine kräftige Offensive, führten diese mit gutem Erfolge weiter und drängten den Feind, vorläufig allerdings noch in geringem Maße, aber dennoch d c u t l i ch sichtbar nach Osten zurück. Die so­fortige Preisgabe ansehnlicher Geländeteile seitens un­serer und unserer verbündeten Heeresleitung machte sich wohl bezahlt, wenn sie auch auf den ersten

Blick dem Nichtfachmann etwas reichlich erscheinen konnte. Sie brachte untere Heere den rückwärtigen- Verbindungen in demselben Maße näher, wie der Feind sich von den seinen entfernte und dazu noch in die schwierige Lage versetzt wurde, hinter sich einen breiten Strom, den Styr, in den Rücken zu bekomiuen. Aus dem monatclangen Stellungskriege sehen wir in dem Gebiete westlich Luck operative Unternehmun­gen sich entwickeln, welche entsprechend der Kürze der bisher abgelaufeneu Zeit noch in ihrem Anfangs- ft a d i u ni stehen. Mit dem 19. Juni machte sich nicht nur der erzielte Geländegewinn gut bemerkbar, wir sehen auch, daß die einzelnen Gefechtsgruppen, von Norden nach Süden hart kämpfend, iinnier festeren A n- s ch l u ß gegenseitig gewinnen.

Der offensichtliche Rückschlag, welchen die russische Offensive in Wolhynien erlitten hat, zeitigte auch auf den übrigen Frontteilen harte Mißerfolge. Die Armee des Grafen B o t h m e r verlor keinen neuen Boden. Teils östlich, teils westlich der Strypa verbluten sich die dicht gedrängten russischen Massen. Auf dem rechten Flügel können die Russen nur die Eroberung von Tschernowitz melden, in militärischer Hinsicht von geringerer Bedeutung, wenn sie auch unter dem politi­schen Gesichtspunkt nicht angenehm ist. Die übrigen deutschen Frontteile tragen ebenfalls ihrerseits zu den Erfolgen in Wolhynien nicht Geringes bei. Zwischen Dünaburg und den Pripietsümpfen herrschte deutscher­seits die regste Tätigkeit, zu Luft und zur Erde, durch erfolgreiche Bombenwürfe auf die feindlichen rück­wärtigen Verbindungen und gewaltsame Erkundungen über Truppraverschiebungen. Die feindliche Heeres­leitung kann aus dieser angespannten Tätigkeit zum mindesten den Schluß ziehen, daß von der Ostsee bis zur rumänischen Grenze ein Massenangrifs ihrerseits ebenso scheitern wird wie gegenwärtig im Raunie der Festung Lack. Die Freiheit des Handelns wird in die­sem Frontabschnitt von unserer Heeresleitung ausge­übt. Die feindliche mußte sie n n s schon nach zehn Tagen überlassen. ' M.

*

Der glänzende Sturmlnuf unserer Truppeil in Wolhynien.

(Telegrumrn unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.)

Bor dem Orte Kisielin, 19. Juni. (Jens. Bin.) In zwei­tägigen harten Kämpfen wurde die russische Hauptlinie süd­lich Woronwzhn durchbrochen. Trotz des hartnäckigen Widerstandes der russischen eisernen Schützen-Division wurde heute mittag von deutschen Regimentern Vorwerk Leonowka und die Höhe 229 gestürmt, das Dorf Kisielin genommen und die Russen noch dieser Durchbrechung ihrer in den Linien stark ausgebauten Stellung in rückläufige Be­wegung gebracht. Ein kurzer Gegenstoß konnte den glän­zenden Sturmlouf unserer Truppen nickt aufhalten. Vor­läufig wurden an dieser Stelle allein 600 Gefangene, 6 Offi­ziere gezählt. Die Operation geht weiter.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Ein neutrales Urteil zur russischen Offensive.

Unter den neutralen Stimmen zur russischen Offensive gibt die „Köln. Ztg." die Äußerungen des militärischen Mit­arbeiters des Cbristianiaer „Morgenbladet" wieder, der sagt: Nur an einem Punkte sei es den Russen nach ungeheuersten Anstrengungen gelungen, etwa 60 Kilometer von der ur­sprünglichen Front vorwärts zu kommen. Es seien aber noch viele Hunderte Kilometer, bis sie dorthin kämen, wo sie einmal gestanden: vor den Wällen Krakaus. Bis dahin sei noch ein langes Ende, wenn man den günstigsten Fall für sie annähme. Trotz des Fortschrittes der Russen sei es- doch immer noch die W e st f r o n t, wo die große Entschei­dung des Krieges fallen werde. Hieran habe die russische Offensive keine Veränderung bewirken können und werde dieses wohl auch kaum jemals tun.

Eine englische Trnppennbteilung in Archangel gelandet?

XV. T.-B. London, 20. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Reutersche Bureau erfährt, daß eine selbständige und vollständig ausgerüstete britische Truppeuabteilung in Archangel angekommen ist. „Daily Graphic" bemerkt dazu, dies sei ein neuer Beweis für das enge Zusammengehen ser Alliierten, und Deutschland werde auf diese Weise er­innert, daß Großbritannien trotz der Prahlerei Deutschlands mit seinem Scesieg nach wie vor die Meere beherrsche.

Kokowzow wieder in Gnaden ausgenommen.

Berlin, 21. Juni. (Zeus. Bln.) Wie mehrere Blätter er­fahren haben wollen, sei cs K o k o w z o w , der längere Zeit in Ungnade war, gelungen, das Vertrauen des Zaren wieder zu gewinnen.

Ein neues Abschreckungsmittel der Russen gegen das überlaufen.

Berlin, 21. Juni. (Zeus. Bln.) Der russische General­stob soll, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, sämt­lichen Generalkommandos- der Feldarmee wiederholt zur