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Berliner Abteilung dre Wi,Sba.mer TasU«te:^Lnlii>N^P^tS>>»erStrN2IN^F»nsI-r^A«lL ützowk202«^e200^^nln^a^lw!i^t-t«ki»-br^^oE-.
vienstag. 20. 2uni 191b. Abend rAusoabe. Nr. 28«. . 5«. Jahrgang.
klbend-Ausgabe.
Tagesbericht vom 20. Juni.
i Der russische Widerstand bei Luck gebrochen.
! Vorstöße der Russen gegen die Styrlinie erfolglos.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Juni.
1 Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Deutsche Patrouillenunternehmungen bei Beuvraig- ,es und Niederafpach waren erfolgreich.
Unsere Flieger belegten die militärischen Anlagen von Sergen bei Dünkirchen und Souillv (westlich von Verdun) ausgiebig mit Bomben.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Vorstöße deutscher Abteilungen auf der Front südlich von Smorgon bis über Cary hinaus und bei Tanoczyn 1 brachten an Gefangenen 1 Offizier, 143 Mann, an Beute vier i Maschinengewehre, 4 Minenwerfer ein.
Ein russischer Doppeldecker wurde westlich von K«l»do»
! (südlich des Narocz-Eces) zur Landung gezwungen und durch ! llrtilleriefeuer zerstört.
Auf die Bahnanlagen von Wileyka wurden Bvmben gbgeworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
; Die Fliegerangriffe auf die Erfenbahustrecke : iiachowitschi-Luniniec wurden wiederholt.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
! Starke russisech Angriffe gegen die Kanalstellun, südwestlist von Logischin brachen unter schweren Verlusten im ' Cherrfeuer zusammen.
Die fortgesetzten Bemühungen des Feindes gegen die Ztyr-Linie bei und westlich v,n Kolli blieben im allge- ] «einen ohne Erfolg. Bei Gruziacyn ist der Kampf besonders heftig.
Zwischen der Straße K o w e l - L u ck und der Turya ) brachen unsere Truppen an mehreren Stellen den z 8 h e n, bei j Sisielin besonders hartnäckigen ruffischcn Widerstand ' unb drangen kämpfend weiter vor. Südlich der Tnrva fvurden feindliche Angriffe abgeschlagen. Die Ruffen haben ihr Vorgehen in Richtung auf Gorochow nicht fortgesetzt.
Die Lage bei der Armee des Generals Grafen von * Bothmer ist unverändert.
Balkan-Kriegsschauplatz, k Feindliche Bombenabwürfe auf Ortschaften hinter unserer 1 8r,nt richteten keinen Schaden an.
Oberste Heeresleitung.
Dar neue italienische llabinett.
s. Das Kabinett Boselli-Sonnino-Bissalatti hat nach 'schweren Geburtswehen bas Licht der Welt erblickt. Die Schwierigkeiten, die sich seiner Bildung entgegenstell- Itt, und die teils auf den inneren, Gegensätzen und scharfen Parteikämpfen, terls auf der in Italien landesüblichen Ämterjägerei beruhten, waren derart, daß der ^jährige B o f e l I i Grund zu Bedenken bekam, ob er bei seinem hohen Alter die Lösung dieser Krisis noch stieben werde. Nun ist es doch gelungen, aber was ift aus dem angekündigten großen Kabinett der Nationalen Einigung geworden? Llultn, ■'on multum. Vielerlei, nicht diel. Das Kabinett bedeutet nicht eine Zusammen s a s s u n g, sondern eine ; Zusammenwürfelung der verschiedenartigsten Parteien, s ber entgegengesetzten Richtungen, die sich bei der Bildung des Kabinetts bekämpften, um ihre Portefeuilles s schacherten, und deren Presse jetzt- die Fehde fortsetzt. Die sollen die Konservativen Boselli, Sonnino, blrlotta, Denava, Ruffini und der Katholik Dceda sich mit den Radikalen Sacchi und Ferra, :den Reformsozialisten Bissolatti und Bonomi jUnd dem Republikaner Eomandini vertragen, wie die konstitutionellen Demokraten Orlando, Carisano, Ra inert und Co lo s imo mit den Kollegen »bvn rechts und links, wenn sie auch ebenso wie die bei- §{tat Militärminister Morrone und Corsi als I Mittel- und Bindeglieder des Ministeriums gedacht I Nftd?
Ob der am 18. Juni 1838 geborene Paolo Bosellr, der zuerst Advokat, dann Universitätsprofessor und dann nacheinander Unterrichtsminister, Ackerbauminister, Finanzminister und Schatzminister nt. den Kabinetten Crispi, Pelloux und Sonnino war, wirklich der g e i st i g e Leiter des Kabinetts sein wird, kann bezweifelt werden, schon deshalb, weil der Hal b- cnglander «Lidney Sonnino, der schon als das Haupt des Kabinetts Salandra galt, im neuen Ministerium die Leitung des Auswärtigen beibehält, weil die Botschafter Englands, Frankreichs und Rußlands in Rom, die Herren Rodd, Äarrdre und G i e r s auf dem Verbleiben des „zuverlässigen" Sonnino' im Amt bestanden. In bezug auf die G e- s i n n u n g freilich steht Boselli seinem Adlatus des Auswärtigen nicht nach. Hat er doch als Berichterstatter der Kommission unmittelbar vor der italienischen Kriegserklärung in der Kammer das Wort gesprochen: „Der Augenblick ist gekommen, unser den un- erlösten Provinzen gegebenes Versprechen zu erfüllen." Ob. er jetzt wirklich noch ani Grabe die Hoffnung auf- pslanzt? Daß der Jrredenta- Minister Salvatore D a r z i l a i, der „Generalkommissar für die unerlösten Provinzen", nicht in das neue Kabinett übernommen wurde, und daß man mangels ausreichender Beschäftigung diesen Posten hat e r n g e h e n lassen, spricht nicht sür die Erlösungshofsnung. Das Wort nomen et omen hat sich nicht bewahrheitet. Der Name Salvatore, zu deutsch Retter, war kein omen.
Oder hofft Sidney Sonnino, der ja hierfür im neuen Kabinett zuständig ist. immer noch, das phantastische italienische Kriegsziel zu verwirklichen? Oder betrachtet er sich schon als künftigen Liquidator des Weltkrieges? Er, der Oktober 1914 als Nachfolger des Marquis di San Giuliano in das Kabinett Salandra berufen wurde, um die Schwenkung der italienischen Politik vom Dreibunde zum Dreiverband vorzubereiten, hat seinen Namen unter die Kriegserklärung gesetzt, die Italien Pfingsten 1915 in Wien überreichen ließ und, mehr der Not gehorchend als dem eignen Trieb, auch unter die Kriegserklärungen an die Türkei und Bulgarien. Wird er, jetzt auch die Forderung erfüllen, die Leonida B i s s o- latti-Bergamaschi im Kabinett vertritt, nämlich daß dieser Krieg „ein gemeinsamer Krieg" sein soll, „ein Krieg des ganzen Vierverbandes gegen die deutsche Tyrannei?"
Kriegserklärung gegen Deutschland, das ist die Losung der Nationalisten, die aber in dem neuen Kabinett sehr schwach vertreten sind. Der Minister des Innern Orlando, der sich früher für die „Der- knüpfung des Krieges Italiens mit dem Weltkriege" erklärte, hat dies doch schon dahin erläutert, daß man sich an einen „verständigen Egoismus" halten könne. Im übrigen wird dem Minister des I n n e r n am Ende die schwerste Arbeit im Kabinett zufallen. Denn da die empörten Nationalisten bereits die Piazza mobilisieren, um auf die neue Regierung einen Druck auszuüben. während die kriegsgegnerischen Sozialisten beschlossen haben, „die Freiheit der parlamentarischen Abstimmung durch alle ihnen zur Verfügung stehenden Machtmittel zu sichern" und sogar mit dem Gene- ralstreik drohen, kann man sich vielleicht wieder auf turbulente Szenen bei der auf den 27. Juni angesetzten Vorstellung des neuen Kabinetts in der Kammer gefaßt machen, und der Polizeiminister könnte dabei Beschäftigung finden; im übrigen spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß dies bunt zusammengewürfelte Ministerium, das römische Zeitungen selber als „vielköpfiges Ungeheuer" bezeichnen, keinen allzu langen Bestand haben wird. Von dem Fortgang der militärischen Ereignisse wird es abhängen, ob das Kabinett Boselli mehr sein wird als ein Übergangskabinett, nnd nach welcher Seite der Übergang vollzogen werden wird.
*
Die amtliche Bekanntgabe.
W. T.-B. Rom, 20. Juni. (Nichtamtlich. Agencia Stefani.) Der König Unterzeichnete gestern das Dekret zur Neubildung des Kabinetts, das folgendermaßen zusammengesetzt ist: Boselli, Ministerpräsident; Sonnino, Auswärtiges; Orlando, Inneres; Colosima, Kolonien; Sacchi, Justiz; M eda, Finanzen; Carcano, Schatz; Fera, Post; Morrone, Krieg; C o r s i, Marine; Ruffini, Unterricht; B o n o m i, öffentliche Arbeiten; A r l o t t a, Seetransporte und Eisenbahnen; Raineri, Ackerbau; de N a v a, Industrie, Handel und Gewerbe; Bissolatti, Bianchi, C o m a n d i n i und S e i a s o j a lverden Minister ohne Portefeuille. Die Minister haben gestern morgen dem König den Eid geleistet.
Vorstellung in Kammer und Senat.
W. T.-B. Bern, 20. Juni. (Nichtamtlich.) Dem „Corriere deüa Sera" zufolge wird sich das neue Ministerium am 37. Juni der Kammer -und den; Senat vorstellen.
Der Krieg gegen England.
England stellt sich gegenüber der Union wirtschaftlich sicher.
Besorgnis und Mißtrauen auf amerikanischer Seite.
W. T.-B. Hamburg, 20. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Dem „Hamb. Fremdenbl." wird aus New Dorker Schiffahrtskreisen berichtet, daß in letzter Zeit die Einkäufe der englischen Regierung in Amerika von fast allen für die Industrie und Munitionsherstellung nötigen Rohstoffen einen auffällig großen Unfang annehmen. Im Zusammenhang damit behauptet man, daß von englischer Seite alles versucht wird, die in Amerika irgendwie verfügbaren Schiffsräume zu 'chartern, damit eine schleunige Beförderung aller Rohstoffe von Amerika nach England sichergestellt werden kann. Nicht nur in Schiffahrtskreiscn, sondern auch in maßgebenden industriellen Kreisen Amerikas werden diese Bestrebungen der englischen Regierung dahin ausgelegt, daß sich England für den R e st der Kriegsdauer um jeden Preis wirtschaftlich unabhängig von Amerika machen möchte, damit sich die englische Negierung für den Fall eines energischen Auftretens der Vereinigten Staaten nicht im geringsten gebunden zu fühlen braucht. Man scheint in England mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die kommende Präsidentenwahl zuungunsten der englischen Interessen ausfallen könnte und England bann nicht mehr auf die-bisherige umfangreiche wirtschaftliche Unterstützung Amerikas rechnen darf. Wie in New Aork verlautet, ist man im Weißen Haus in Washington gegen diese eigenartigen charakteristischen englischen Bestrebungen keineswegs gleichgültig, denn erstens wird damit kein großes Vertrauen auf den Sieg der W i l s o n s ch e n Partei bekundet, und zweitens wäre es der Wilsonschen Negierung selbst für den Fall eines für sie g ü n st i g e n Wahlergebnisses nicht erwünscht, sich des wirksamen wirtschaftlichen Drucks beraubt zu sehen, der die einzige Waffe gegen die englische Willkür sei. Bekanntlich verkündet jetzt auch Wilson mit allmählich merkbarer Entschlossenheit den Willen seiner Regierung, die Freiheit des amerikanische« Handels und der amerikanischen Industrie gegen jeden krieg- führenden Staat ohne Ausnahme in Schutz zu nehmen. Diesem Versprechen kann er aber nur dann Nachkommen, wenn er in der Lage ist, seinen in dieser Beziehung an England zu stellenden Anforderungen den nötigen Nachdruck zu geben. Man ist sich in New Jork völlig bewußt, daß die Aussicht Amerikas, seine Rechte geachtet zu sehen, sich in gleichem Verhältnis vermindern würde, wie England in der Lage ist, sich von den Vereinigten Staaten wirtschaftlich unabhängig zu machen.
Eine Spaltung des englischen Kabinetts.
W. T.-B. London, 20 Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" schreiben: Die Verhandlungen über die provisorische Beilegung der irischen Schwierigkeiten, die günstige Fortschritte gemacht hatten, führten zur Spaltung des Kabinetts. Ein Teil des Kabinetts ist entschieden gegen Lloyd Georges Vorschläge. Es ist möglich, das; einige Minister a b- danken.
Englands schwere Verluste in der Seeschlacht.
„Naval and Military Record" vom 7. Juni schreibt: Churchill sagt, daß unsere Seeherrschaft auf den Schiffen mit 34- und 38-Zentimeter-Geschützen ruht, von denen wir nur eines, die „Queen Mary", verloren hätten. Die Deutschen batten auch ein „gleichartiges" Schiff, „Lützow" oder „Derff- linger", verloren. Aber nach dem Maßstub, den Churchill an- legt, ist keines der beiden deutschen Schiffe der „Queen Marti" gleichwertig, denn sie haben nur 30-Zentimeter-Geschüstc. Weder die öffentliche noch die Marine-Meinung wird sich da- mil abfinden, daß Churchill in dem Falle von „Defence", .Black Prince" und „Warrior" die Auffassung wiederholt, sie er über den Verlust von „Aboukir", „Hogue" und „Cresiv" äußerte. Die drei Schiffe haben an dem Kampf zusammen mit Dreadnoughts, Über-Dreadnoughts und Über-Über-Dread- ncuahts teilgenommen, und zwar so entschieden, daß sie dabei zugrunde gegangen sind. Das zeigt, daß die verantwortlichen Stellen ihren Kampfwert keineswegs für verächtlich hielten. Es ist jammervoll, denkt man an die vielen hundert tüchtiger Männer, die in einem Kampf zugrunde gegangen sind, der — was die materiellen Verluste betrifft — nur un- entschieden genannt werden kann. — So ein englisches Fachblatt sogar!
Die Vergewaltigung der neutrale» Post durch England.
W. T.-B. Kopenhagen, 19. Juni. (Nichtamtlich. Dü Die dänische Generalpostdirektion teilt mit, daß die Engländer in Cirkwall von dem norwegischen Dampfer „Ehristiania Fjord" 32 Postsäcke, die von Amerika nach Dänemark bestimmt waren, beschlagnahmt hat.
Der deutsche Danrpser „Ems" an der norwegischen Küste versenkt.
V/. T.-B. Falkenberg (Schweden), 20. Juni. (Nichtamtlich.) Das Blatt „Falkenbecgs Posten" erfährt, daß der deutsche
Erfolgreicher zlirgerangriff auf (, russische Zerstörer.
. IV. T.-B. Berlin, 20. Juni. (Amtlich.) Am 19. Juni hat nnes unserer Marineflugzeuge im Rigaischen Meerbusen bei Ürensburg zwei russische Zerstörer mit Bomben angegriffen und auf einem derselben einen Volltreffer erzielt.
