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Kbenü-Ausgabe.

Nr. 282. . 64. Jahrgang.

Oie Lage im Westen.

Aus der Geheimsitzung der französischen Kammer.

Br. Genf, 19. Juni. (Eig. Drahtb'richt. Zens. Bln.)

' Aus der Geheimsitzung der französischen Kammer wird bekannt, daß am Fröitagnachmrttag die Deputierten Maginot, Favre, Benacet, Accambay, Margaine und Lhappadelaine das Wort ergriffen haben. Maginot und Accambay sprachen über die allgemeine Kriegslage, i Favre und Chappadelaine im Rahmen ihrer Jnterpella- l tionen über den ungenügenden Verteidigungszustand Der V e r d u n f r o n t vor den .deutschen Angriffen, iBenacet über die gegenwärtige Lage vor Ver­dun. Margaine begründete feine Interpellation, warum die Regierung ihn an der Ausübung seines Abgeord­netenmandats hindere. Beim Verlassen des Palais Nourbon äußerten einige Abgeordneten ihre E n t- r ä u s ch u n g darüber, daß sie bisher eigentlich keine Geheimnisse oder doch nur unbeträchtliche erfahren loben. Bei Beginn der geheimen Sitzung soll der Abge- crdnete Bernard die Erklärung abgegeben haben, da er in der Kammer sitze, um seine Wähler zu unterrich­ten, werde er sich nicht nehmen lassen, ihnen von der ^Debatte in der geheimen Sitzung Kenntnis zu geben. Tie S a m s t a g s i tz u n g, die um 2 Uhr nachmittags begann und sich bis in den späten Abend hinzog, brachte ferst die eigentliche Aussprache zwischen Regie- Mrung und Kammer. Auf B r i a n d s große Rede ant- Wortete für die Sozialisten der Abgeordnete Varrenne. Wllle Andeutungen der Blätter über den sachlichen In­halt der geheimen Verhandlungen sind von der Zen­sur selbstverständlich sorgfältig getilgt worden. Die Mensur hatte außerdem an die Redaktionen noch eine besonders Warnung vor solchen Deröffentlichun- lüen ergehen lassen. Die Artikel der Presse lassen er­kennen, daß in der geheimen Sitzung nicht um B I e i- b e n oder Nichtbleiben Brtands gespielt, sondern daß die Frage nach der Zukunft des ganzen Landes aufgerollt wurde.

k Französische Hoffnungen auf die russische Offensive.

R Br. Bern, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Tie russisch^ Offensive hat unbestreitbar äußerst günstig saus die Stimmung in Frankreich eingewirkt, so daß sür | den Augenblick selbst die Sorge um Verdun ver­blaßt. General de la Croix weiß nun diesen psycho­logischen Umstand geschickt auszunützen, indem er im U.Temps" rn einem Überblick über die Ereignisse bei i Verdun den Boden für die kommenden schlechten Tage , vorbereitet. Der Fall von Verdun, erklärt er — im UGegensatz zu Oberst Rousset —, hätte nicht die gefürch- ' tetc Bedeutung. Cr stellt die Entscheidung des Krieges l heranreifen, erwartet sie aber bezeichnenderweise nicht niebr von Frankreich, dem er nur eine verteidigende | Nolle zuweist, sondern von den Verbündeten. Rußland j habe sie angebahnt. England werde sie abschließen.

Englands Großmütigkeit.

Haag, 19. Juni. (Zens. Bln.) In einer Besprechung der l militärischen Lage an der Westfront sagt der militärische »Mitarbeiter!: des „Manchester Guardian", er habe von zustän- 1 diger Seite vernommen, daß England der französischen Regie- ßruug angeboten habe, seine ganze Truppenmacht zur Ver- I füaung der Franzosen bei Verdun zu stellen.

Wieder ein Zusammenstoß zweier französischer Flieger.

■ W. T.-B. Paris, 19. Juni. (Nichtamtlich.) In Pantin Istießen vorgestern zwei Flugzeuge in einer Höhe von 1800 »Meter zusammen und zerschellten am Erdboden. Wie durch 4 ein Wunder blieben die beiden Flieger unversehrt.

Einweihung einer deutschen Kirche in Brüssel.

W. T.-B. Brüssel, 19. Juni. (Nichtamtlich.) Gestern I vormittag hat die katholische deutsche Gemeinde in Brüssel Mine deutsche Kirchd, die Pauluskirche, eingeweiht. Die I Weihepredigt hielt der Generalpräses der Katholischen Ge­ck sellenvereine Prälat Dr. Schweitzer aus Köln. Der ein- I drucksvollen Feier wohnten der Genercälgouverneur sowie »Vertreter aller Abteilungen des Generalgouvernements, viele I Offiziere und zahlreiches deutsches Publikum bei. Nach der ^kirchlichen Feier fand ein Festakt statt, in dem zum Ausdruck I kam, welche Bedeutung gerade die während der Kriegszeit er- 1 folgte Vollendung dieser Kirche sür die deutsche Kolonie |tn Brüssel habe. _

Oer Krieg gegen England.

Neue Opfer unserer U-Boote.

W. T.-B. London, 19. Juni. (Nichtamtlich.) Lloyds >«leidet, daß der englische Dampf« „Gassa" (3022 Brutto- I regiftertonnen) versenkt wnrde.

Ein englischer Dampfer gesunken.

W. T.-B. Marseille, 19. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der kleine englische Dampfer „Dardinia" ist g e s u n k e n. 20 Mann der Besatzung sind gerettet.

Wrackstücke aus der Seeschlacht vom Skagerak.

W. T.-B. Kopenhagen, 19. Juni. (Nichtamtlich.) Nach Btättermeldungcn sind während des letzten Nordseestnrmes an verschiedenen Stellen der Westküste Jütlands zahlreiche Wrackstücke, aus der Seeschlacht vom Skagerak stammend, angespült worden, darunter eine Munittonskiste, die eine Metallplatte mit der Bezeichnung „Queen Mary" trug, ferner Teppiche, Westen und zahlreiches Schiffsgerät.

Der bescheidene König Georg.

Die geheuchelten „Glückwünsche" zum Nordseeschlachtfieg.

W. T.-B. London, 19. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: König Georg hielt bei dem jüngsten Besuch der großen Flotte bei einer Parade von Mannschaften ver­schiedener Schiffe folgende Ansprache: Ihr habt fast 2 Jahre in musterhafter Geduld auf die Gelegenheit gewartet, der feindlichen Flotte in der Schlacht zu begegnen. Ich verstehe wohl, wie angreifend die Zeit war und wie groß die Erleichte­rung sein mußte, als ihr am 31. Mai hörtet, daß der Feind gesichtet worden sei. Ungünstiges Wetter und ei »treten de Dunkelheit verhinderten ein voll­ständiges Ergebnis, das ihr alle erwartet hattet. Aber chr habt alles getan, was unter den Umständen möglich war. Ihr triebt den Feind in seine Häfen, brachtet ihm sehr schwere Verluste bei und fügtet den glorreichen Traditionen der briti­schen Flotte ein neues Blatt bei. Mehr konntet ihr nicht tun und ich danke euch für eure vorzügliche Leistung. — Der König sandte zum Schluß des Besuchs an den Oberst­kommandierenden der großen Flotte folgendes Telegramm: Ich bin dankbar dafür, Gelegenheit zu haben, Sie und die große Flotte zu dem Ergebnis der jüngsten Schlacht in der Nordsee zu b e g l ü ck w ü n s ch e n. Ich versicherte den Mann­schaften aller Rangesklassen, daß der Name der britischen Flotte in den Augen ihrer Landsleute nie höher dagestanden habe, und daß der Stolz und das Vertrauen auf ihre Leistun­gen unvermindert sind. Mögen ihre künftigen Be­mühungen mit vollem Erfolg gesegnet sein.

Wie Kitchener starb . . .

Amsterdam, 19. Juni. (Zens. Bln.) Die „Times" ver­öffentlicht eine Unterredung mit einem Matrosen, der als Letzter das Kriegsschiff „Hampshire" verließ. Dieser be­streitet, daß Kitchener in einem Rettungsboot Platz nahm, das dann umschlug, vielmehr habe Kitchener das Schiff nicht verlassen. Der Kommandant habe nach der Explosion Kitchener zugerufen, er solle in ein Boot steigen. Im Sturm aber habe Kitchener die Worte nicht verstanden. Als der Matrose als Letzter über Bord sprang, stand Kitchener noch auf dem Deck.

340 000 Kanadier im englischen Heeresdienst.

W. T.-B. Ottava, 19. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Zahl der Kanadier, die im überseeischen Heeresdienste stehen, beträgt 340 000.

Ein neuer Zwischenfall in Dublin.

W. T.-B. London, 19. Juni. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus kam es gestern in D u b l i n zu Unruhen, als die Polizei gegen einen Umzug einschritt, der mit einer r e - publikanischen Fahne von der Gedächtnis­feier für zwei kürzlich Hingerichtete Sinn- feiner zurückkehrte. Drei Polizisten trugen Ver­letzungen davon. 7 Personen wurden verhaftet.

Englands Druck auf Holland.

Genf, 19. Juni. (Zens. Bln.) Hiesige Blätter erfahren aus London: Es kann keinerlei Zweifel darüber bestehen, daß die englische Regierung fest enffchloffen ist, jedes dienliche Mittel zu ergreifen, um Holland zur Aufgabe seiner Neu­tralität zu zwingen oder ihm mit dem Schicksal Griechenlands zu drohen. Die englischen maßgebenden Kreise glauben ganz bestimmt an den Erfolg ihrer Bemühungen, denn der angeb­liche Vertrag Hollands mit Amerika zum Schutze der hollän­dischen Kolonien durch Amerika gelte nicht, da die Ver­einigten Staaten bestimmt niemals England den Krieg erklären werden. Dazu seien jetzt schon einmal die anglq-amerikanischen Handelsbeziehungen und finanziellen Bande zwischen New Jork und London viel zu eng, als daß Amerika daran denken kann, mit England Krieg zu führen, geschweige denn von anderen Rücksichten und aus­schlaggebenden Gründen. Die Entwicklung der Kriegslage habe die englische Regierung zu der Überzeugung gebracht, daß nur durch die Niederzwuigung des holländischen Wider­standes, die Neutralität zugunsten der Entente aufzugeben. Deutschland durch England der Stoß ins Herz gegeben werden kann.

Die Verlegung des Leuchtschiffes Noordhinder.

W. T.-B. Haag, 19. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Amtliche .Meldung.) Das Leuchtschiff Noordhinder ist auf einen Punkt ungefähr 52 Grad 4 Minuten nördlicher Breite

und 2 Grad 40 Minuten östlicher Länge von Greenwich verlegt worden. Die genaue Länge und Breite wird später bekannt- gemacht.

Der Krieg gegen Rußland.

Die Besetzung von Tfchernowitz durch die Russen.

Br. Bukarest, 18. Juni. (Eig. Drahtbecicht. Zenj. Bln.) Von der Bukolvmaer Grenze wird gemeldet, daß heute früh 6 Uhr die Russen in T z u r c n i ein­marschiert sind und uni 8 Uhr in T j ch e r n o .v i tz ein- zvgen. Die Stadt wurde nicht schwer beschädigt, bloß der Bahnhof und Umgebung wurden von den Russen bombardiert. und in Flammen gesteckt.

Weitere Einzelheiten über die Aufgabe der Stadt.

Br. Berlin, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dem „B. T." wird aus dem k. k. Kriegspressequartier ge­drahtet: Sobald es den Russen geglückt war, aus der lang- nmkämpften Dnjestrschleife herauszukommen und über O l n a binaus vorzustoßen, mußte der ganze österreichisch-ungarische Frontabschnitt zwischen Dnjestr und Pruth an der beffarabi- schen Grenze zurückgenommen werden. Der Südflügel der Armee Pflanzer-Baltin wurde daher aus diesen Stellungen auf die Pruthlinie verlegt. Ihr Aufgeben war das merkliche Vorzeichen für die Aufgabe der Stadt Tscher- > owitz selbst, da der nur noch sckimale und inselreiche Pruth von den anstürmenden Russen trennte. Es war daher not­wendig, den unglücklichen Bewohnern der Stadt Zeit und tun­lichst auch Gelegenheit zur Flucht zu schaffen. Das Pruthufer wurde deshalb vor und beiderseits Tfchernowitz mit aus­reichend starken Nachhuten besetzt. Russische Über- gongsversuche gegen die steilen Waldhöhen des südlichen Pruthufers scheiterten an der Wachsamkeit der Verteidiger. Aber schon waren im Osten und Norden die ruffischen Ge­schütze in Reichweite der Stadt gelangt und begannen nicht allein die Uferschanzen und den Bahnhof, sondern auch die Innen st adt zu bombardieren. Um die Stadt nicht nutzlos dem völligen Verderben preiszugeben, wurde desbalb -hre Aufgabe befohlen. In späten Nachhutkämpfen mit den inzwischen über den Pruth gelangten feindlichen Abteilungen zogen sich die Verteidiger auf das Gros der Bukowinatruppen zurück. Die hartgcprüfte Hauptstadt der Bukowina, von der sich der Geschützdonner während des ganzen Feldzuges nicht außer Hörweite entfernt hat, ist somit von neuem dem ruffi­schen Einfall ausgesetzt, der hoffentlich noch kürzer als de» frühere währen wird.

Das Erlahmen der russischen Offensive?

Budapest, 19. Juni. Nach einer Meldung des „Az Est" aus dem Kriegspressequartier, in welcher die Ereignisse der letzten Tage zusammengcfaßt werden, kann gesagt werden, daß die russische Offensive in dieser Zeit nicht fähig war, den Erfolg der ersten starken Stürme zu steigern.

Neue russische Verstärkungen sür Wolhynien

Br. Bern, 18. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Schweizerische Blätter melden aus Petersburg, daß neue russische Streitkräfte nach der Kampffront in Wolhynie r ge­worfen wurden; man schätzt ihre Zahl ans 250 000 Mann. In Moskau und den umliegenden Etappenorten werden zahlreiche neu formierte Divisionen sibirischer Truppen zur Ab­fahrt nach der Front bereitgehalten.

Der Krieg gegen Italien.

Die Bildung des Kabinetts Boselli.

Verschärfte Kriegspolitik?

Nr. Lugano, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach achttägiger Arbeit ist es nunmehr Boselli gelungen, ein großes nationales Ministerium zu bilden. Schwie­rigkeiten hatten sich in letzter Stunde ergeben, weil in der radikalen Partei Streitigkeiten über die Besetzung der ihr an­gebotenen Portefeuilles ausgebrochen waren und Carcano nachträglich Bedenken trug, auch im neuen Kabinett das Schatzamt beizubehalten. Darauf drohten Boselli und Bisso- latti, den Auftrag zur Bildung des Kabinetts abzulehucn. Der König ließ nun Carcano zu sich kommen, um ihn zum Bleiben zu bereden. Beides übte die erhoffte Wirkung aus, so daß die Arbeiten zur Bildung des Ministeriums über­raschend schnell beendet wurden. Von den Ministern gehören Boselli und Bonomi der reformsozialistischen Partei an, Commandini der republikanischen, Sacchi und Ferader der radikalen, Orlando, Carcano, Raineri und Colosimo der demo­kratischen, Meda der katholischen, Boselli, Sonnino, de Nava, Ruffini und Arlotta der liberal-konservativen Partei. Gegen­über dem Ministerium Salandra ist das neue also nach der interventioni st ischenLinken orientiert. Zwei Mitglieder sind' Piemotesen, 5 Lombarden, 2 Emilianer, 1 Toskaner, 1 aus Latium, 5 aus dem Süden, 1 aus Sizilien. Auffallend ist, daß Venetien, welches als Nachbar von Öster­reich am stärksten am Krieg beteiligt ist/ keine Vertretung im Kabinett hat. Die Ernennung der Unterstaatssekretäre steht noch aus.

Absturz eines italienischen Fliegers.

W. T.-B. Bern, 19. Juni. (Nichtamtlich.) „Temps" zu­folge stürzte der italienische Flieger Mandelli, der über dem

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