Verlag Langgasse 21
„Tagblatthaus".
Echallrr-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.
wöchentlich
Bezugs-Preis für beide Ausgaben: 7S Big. monatlich, M. 2.25 vierteljährlich durch den Verlag Langaaife 81. ohne Bringerlodn. ®1.3.30 vierteljährlich durch alle deulichen Poltanstalten, ansschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckrrng IS, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der statt; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreisenden Tagblatt-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 30 Pfg. in davon abweichender Catzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Mk. für örrliche Reklamen: 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
müi-g»lfä?düÄiörgkw«u»g.^rs iwr'nachmittags Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Etr. 121K. Fernspr.: Amt Lützow 6202 u. 6203. ^agenünd Wä^wüd "änkGewähr'ubeniomm/n!
Sonntag» 11. Juni 1916.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 271. ♦ 64. Jahrgang.
Äußerst erbitterte Wiederaufnahme der russischen Offensive.
Die Kämpfe jetzt auf dem Westufer der Strypa und des Styr.
1600 neue italienische Gefangene.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wie», 10. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 10. Juni, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Im Gegensatz zum vorgestrigen Tage sind gestern wieder an der ganzen Nordostfront äußerst erbitterte Kämpfe entbrannt.
Zwischen Okna und Dobronoutz wurden an einer Stelle acht, an einer anderen fünf schwere An- iffe abgewicsen, wobei sich unser Schlesisches ägerbatarllon Nr. 16 besonders hervortat.
An der unteren Strypa haben starke rusiische Kräfte nach erbittertem Rrngen unsere Truppen vom Ostufer auf das Westufer zurückgcdrängt.
Nordwestlich von Tarnopol schlugen wir zahlreiche russische Vorstöße ab.
Im Raume von Luck wird westlich des Styr gekämpft.
Bei Colki und nordwestlich von Czartorysk wurden rusiische Übergangsversuche vereitelt.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Vorstöße der Italiener gegen mehrere Stellen unserer Front zwischen Etsch und Brenta wurden avgewieseu.
Zu den bisher gezählten Gefangenen im Angriffsraum sind über 1600, darunter 25 Offiziere, daZuge k o m m e
Vor dem Tolmeiner Brückenkopf zerstörten unsere Truppen nach kräftiger Artilleriewirkunq die Hinder- nisie und Deckungen eines Teiles der feindlichen Frozrt und kehrten mit 8 0 Gefangenen, darunter 5 Offiziere, ferner mit einem Maschinengewehr und sonstiger Kriegsbeute von dieser Unternehmung zurück.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der unteren V o j u s a wurden italienische Patrouillen zersprengt.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
pfingstgedankn im Weltkrieg.
Und wieder Kriegspfingsten. Ein Pfingstfest, das in so schroffen Widerspruch steht zu jenem ersten Pfingsttage, von dern uns die Schrift berichtet: „Und da der Tag der Pfingsten erfüllet war. waren sie alle einmütig beieinander/' Wre anders heute, wo statt mit den „feurigen Zungen" der beredten Liebe mit den Feuerzungen der Geschosse eine ganz andere, eine unerbittliche Sprache gesprochen wird.
Und dennoch Pfingsten. Dennoch das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes, jenes heiligen Geistes, der sich auch heute noch über uns ergießt, der sich gerade jetzt m diesem blutigen Weltkrieg so reich und herrlich über uns ergossen hat. Oder ist es nicht ein heiliger Geist, der uns alle erfüllt, der Geist einmütiger Brüderlichkeit, eisernen Pflichtgefühles, selbstloser Opferfreudigkeit. unerschütterlichen Ausharrens, der Treue bis in den Tod? Ist dieser Geist der alles überwindenden Vaterlandsliebe, der so viel Unheiliges, Eigennutz. Zwietracht und Parteistreit in uns ertötet hat, nicht auch ern heiliger Geist? Von diesem Geist, der unser tapferes Heer, der unser Volk in Waffen erfüllt, mag ein Feldpostbrief Zeugnis ablegen, den ein auf der Wacht an der Ostfront stehender Offizier nach Haus geschrieben hat, ein Gruß und zugleich ein Mahnruf aus dem Felde, der in seiner Schlichtheit um so beredter wirkt und es wohl verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden. Dieser friedliche Brief aus dem Felde lautet:
„Es ist rührend, mit welchem Fleiß hier bei uns die Truppen unmittelbar hinter der Front die Felder bestellen. Der Roggen hat ichon Ähren, der Hafer ist schon gekommen, Kartoffeln werden in möglichsten Mengen gepflanzt. Hier hat der Soldat im wahren Sinne des Wortes in der einen Hand das Schwert, in der anderen den Pflug, und die gleichen Pferde, die Geschütze ziehen, legen sich mit dem gleichen Fleiß in die Kumte, um den Acker zu pflügen und zu eggen. Überall grünt und sproßt neues Leben, ein hofsnungsfroher, heimatlicher Anblick: grüne Saaten!
Wo der Deutsche hingekommen ist. da ist auch Ordnung. Auf den russischen Kämpen und Roggenschlägen stehen genau wie bei uns daheim überall gemalte Schilder: „Eigentum der oder der Formation. Betreten
verboten!" Die Äcker sehen mustergültig aus. So will es der Deutsche. Wenn er alles genau oder doch möglichst genau so hat wie daheim, dann ist er zufriedener, denn er hat ja auch hier ein gewisses Eigentumsrecht auf die Scholle, die er bebaut, erworben. Tns Familienleben und die Bodenständigkeit hängen beim Deutschen mit vielen Fasern aneinander. Aber da bei uns nie etwas gut genug sein kann, so wird immer hin- zirgeschafft und dem Lande immer mehr abgerungen.
Ein gewisses Gefühl von Behagen überkommt einen, wenn man abends durch die Stellung geht und hier und da noch einen Landwehrmann über ein eigenes Radieschenbeet gebückt stehen sieht, die kurze Pfeife im Munde, väterliche Behaglichkeit im Spiel seiner Züge. Tie Kontraste in und uni den Soldaten haben in ihrer Stärke im Laufe des Krieges verloren, eine gewisse Gewöhnung ist eingetreten. Und so warten die Männer hier draußen auf das, was von ihnen verlangt wird, und auf das Endziel. Wie viele Friedensgedanken sind den Leuten ber der Fricdensarbeit durchs Gehirn gezogen, und doch ist die Friedensarbeit nur für den Krieg. Die alten Landsturmleute wie die jungen Burschen tun in gleicher Weise und mit gleicher Freudigkeit ihre Pflicht, sind in gleicher Weise erfüllt von der Erkenntnis, daß das Leben nicht der Güter höchstes ist. Es ist der Wille, der uns Stärke verleiht, und der Wille, der in unserem Volke lebt, ist unüberwindlich, inacht es unüberwindlich."
In der Tat. nicht nur in unserem Heere, sondern in iinserem ganzen Volke, das ja ein einiges Volk in Waffen ist, lebt dieler Wille, der Wille zum Turchhalten, der Wille zum Sieg, dieser Geist, der uns bisher Kraft verliehen hat und uns den endgültigen Sieg über alle unsere Feinde sichert, flacht nur zu Lande haben unsere wackeren, todesmutigen Streiter alle Gegner geschlagen, ihre Waffen in West und Ost wert in Feindestand hineingeixagen, sondern auch zur See hat'sich der Sieg an die Flagge Schwarzweißrot geheftet, hat sich unsere jungeFlotte der stolzen britischen Armada überlegen gezeigt. Jetzt ist die letzte Hoffnung unserer Gegner, uns, denen sie militärisch nicht gewachsen sind, mit der unmenschlichen Waffe der Aushungerung zu bezwingen. Aber auch diese ihre letzte Hoffnung muß scheitern, wird scheitern, an der deutschen Organisation, an unterer felsenfesten Entschlossenheit, nicht nur unsere Vorräte, sondern auch unsere Geduld, unsere Ausdauer zu strecken, wird scheitern an dem Geist deutscher Opferfreudigkeit. Wenn wir alle uns mit diesem Geists erfüllen, dann werden wir das Pfingstfest, das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes, recht begehen.
Oie Laae im westen.
Ernstere Pariser Betrachtungen über die Bedeutung von Fort Vaux.
Nr. Genf, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Den anfänglichen Bestrebungen der Pariser Presse, den Verlust des Forts Vaux als bedeutungslos für den weiteren Verlauf des Angriffs gegen den Festungskern darzustellen, folgen heute ernstere Betrachtungen. Übereinstimmend wird nunmehr anerkannt, daß durch die neue Gefechtslage die schweren deutschen Batterien auf Douaumont, die sich bei der Zerstörung von Fort Vaux außerordentlich bewährten, jetzt er st zur vollen Geltung gelangen können. Ferner sind die französischen Fachkritiker darin einig, daß die französische Verteidigung endgültig mit dem Verzicht auf die äußere östliche Fortslinie rechnen müsse. Das Hauvt- bestreben gelte nunmehr der inneren Linie, die in der Feste Souville ihren Hauptstützpunkt besitzt.
Oer ttrieg gegen England.
König Georg empört über den Verlauf der Seeschlacht am Skagerak.
Br. Hamburg, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In einem dieser Tage stattgefundenen englischen Kronrat bat nach einer Meldung des „Hamb. Fremdenbl." König Georg seiner Empörung über den Verlauf der Seeschlacht an der jütländischen Küste Ausdruck gegeben. In politischen Kreisen schließt man daraus, daß demnächst ein g r'o her Personenwechsel in der Admiralität stattfinden wird.
Ein verlassenes Kriegsschiff in der Nordsee gesichtet.
Br. Rotterdam» 10. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ein holländischer Dampftrawler sichtete in der Nordsee ein terlassenes, stark havariertes Kriegsschiff unbekannter Nationalität.
Staatssekretär v. Tirpitz zum Ehrendoktor ernannt.
Sr. Berlin, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Auf Antrag der Abteilung für Schiffsmaschinenbau der Tech
nischen Hochschule in Beriin-Charloitenburg wurde Staatssekretär a. D. v. Tirpitz zum Dr.-Jng. ehrenhalber ernannt. Tos Doktordiplom feiert ihn als Schöpfer der deutschen Seemacht. .
Reiche Spenden für die Hinterbliebenen der gefallenen deutschen Helden.
Wilhelmshaven, 8. Juni. Beim Flottenchef Admiral Scheer sind bisher 260 000 Mark freiwillige Spenden zur Unterstützung der Hinterbliebenen gefallener Helden eingegangen.
Die Unterseebootbeute in den ersten fünf Monaten dieses Jahres.
788 500 Registertonnen.
Br. Berlin, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie bereits gemeldet wurde, beträgt der Ilmfang der von den deutschen und österreicMschen Unterseebooten einschließlich der durch Minen versenkten feindlichen Schiffe im Monat Mai 118 500 Registertonnen. Er umfaßte im Januar und Februar zusammen 238 000 Tonnen, im März und April 432 000 Tonnen. Insgesamt sind danach einer Zusammenstellung des „L.-A." zufolge in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 788 500 Registertonnen versenkt worden.
Weitere Einzelheiten über den Untergang der „Hampshire".
Sr. Amsterdam, 10. Juni. (Eig. Drabtbericht. Zens. Bln.) Der Berichterstatter des „Scotsman" in Kirkwall gibt über den Untergang des „Hampshire" noch folgende Einzelheiten: Die Nacht war stürmisch, doch war der Kreuzer von der Küste aus noch gut sichtbar. Plötzlich sah man in der Nähe des Schiffes eine große Wassersäule aufsteigen, auf die dichte Rauch- und Dampfwolken folgten. Zwanzig Minuten später war das Schiff in die Tiefe gesunken. Vier Boote trurden noch niedergelassen, doch sind diese wahrscheinlich alle gesunken.
W. i’.-B. London, 10. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Der Berichterstatter der „Daily Mail" in Aberdeen meldet, daß die Dampfer, die Aberdeen anlaufen, nochstehende Einzelheiten über den „Hampshire" mitteile a: Kitchener und sein Stab fuhren mit der Bahn nach dem äußersten Norden Schottlands und gingen dort an Bord des Dampfers. Am Montagabend etwa um 7 Uhr fuhr der Kreuzer ab. Es ging heftiger Wind in Richtung der .Küste. Das Unglück ereignete sich gegen 8 Uhr zwischen Mackwickhead und Broughhead, nördlich der Bucht von Skaill, an der Westküste der größten der Orkney-Inseln. Um 8,35 Uhr berichtete in Brand 'stehe, daß man aber keine Explosion gehört ein Patrouillenboot, daß ein KriegsschiffHr Nähe habe. Zwanzig Minuten später war der Kreuzer ge» s unke n. Die Bevölkerung sah vom Lande aus, daß vier Boote vom Kreuzer ausgesetzt wurden, die an den Felsen und Klippen zerschellten. Es fuhren Schifte aus, um Hilfe zu leisten, sie fanden aber keine Spur von dem Kriegsschiff. Die Kapitänsschaluppe wurde an Land gespült. Ein Floß oder eigentlich ein aufgeblasener Ring in Form eines riesigen Rettungsgürtels wurde ebenfalls angetrieben. Zwölf Mann hatten sich daran fest geklammert. Obwohl sie -sehr erschöpft waren, vermochten einige von ihnen doch noch, mit flüsternder Stimme mitzuteilen, daß Kitchener an Bord des Kriegsschiffes war; dann fielen die Leute in einen Schlaf. Siebzig bis achtzig Leichen wurden auf den Klippen gefunden; einige waren noch warm. In den furchtbaren Kämpfen mit der See waren manchen alle Kleider vom Leibe gerissen. Andere hatten sich bei den verzweifelten Versuchen, die Felsen hinauszuklimmen, alle Nägel von den Händen und Füßen gerissen.
•
Der auf eine Mine aufgelaufene norwegische Dampfer „Orkedal".
W. T.-B. Amulden, 10. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der norwegische Dampfer, von dessen Besatzung 32 Mann in Pinniden gelandet wurden, ist der Dampfer „O r k e d a l" (2716 Bruttoregistertonnen von der Reederei Jsdal in Christiania). Das Schiss war mit einer Maisladung von Rosario nach Aalberg unterwegs. Am 9. Juni lvurde in 53 Grad 10 Min. nördlicher Breite und 4 Grad östlicher Länge 10 Uhr 30 Min. vormittags eine schwere Erschütterung wahrge- nommen.
Ein Vertrag der südafrikanischen Minenbesitzer. betr. Nichtbezug deutscher Erzeugnisse.
W. T.-B. London, 10. Juni. Nichtamtlich. Reuters Die Mehrheit der M i n e n b e s i tz e r g c u p p e n von Wit- waterrands hat einen Vertrag geschlossen, dem sich alle Minengesellschaften Rhodesias anschliehen werden und in dem sich die Gesellschaften dahin einigen, all ihr Cyanid während des Krieges und fünf Jahre danach von zwei britischen Gesellschaften zu beziehen. Der Bedarf Südafrikas an Cyanid beläuft sich auf eine halbe Million Pfund jäbrlich, von dem vor dem Kriege Deutschland drei Viertel lieferte.
