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Samstag, 10. Juni 1916.
Morgen-klusgabe.
Nr. 269. . 64. Jahrgang.
Der erfolgreiche Vormarsch der Cesterreicher bei Asiago.
Weitere 28 Offiziere, 55V Mann gefangen und 5 Maschinengewehre erbeutet. Mehrere rufsische Angriffe unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
^V. T. 8. Wien, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 9. Juni, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe im Norden waren gestern weniger heftig. Bei K o l k i, nördlich von N o w o A l e x i n i e c, nordwestlich von Taruopol und am D n j e st r wurden russische Angriffe unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen. An der bessarabischen Grenze herrscht Ruhe.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Auf der Hochfläche von Asiago eroberten unsere Truppen den Monte Sicemol und nördlich des Monte Meletto den von Alpiui stark besetzten Monte Cascelgomberto. Unsere schweren Mörser haben das Feuer gegen den Monte Lisscr, das westliche Panzermerk des befestigten Raumes von Primolano, eröffnet.
Die Zahl der gefangenen Italiener hat sich um 2 8 Offiziere und 550 Manu, unsere Beute auf 5 Maschinengewehre erhöht.
Unsere Marineflieger belegten die Bah n- a n I a g e n von Portogrnnao, Latisana, Palla, Zuolo, : den Binnenhafen von Grado und eine feindliche S e e- ff flugzeugst atro« ausgiebig mit Bomben. Unsere Landflieger warfen auf die Bahnhöfe von Schio und Piovone Bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
vom künftigen Frieden.
Weil unsere Flotte die englische ruhmvoll geschlagen hat und weil wir bei Verdun schrittweise Raum gewinnen, meinen manche Beurteiler, jetzt sei die Zeit schon da, wo die Reichsleitung laut und deutlich sagen könnte, was wir wollen; der Wille zum Siege und der Wille zu einem nützlichen, dauernden, ehrenvollen Frieden könne jetzt ergänzt werden durch die b e st i m m t e Darlegung dessen, wie der Friede aussehen soll. Vielleicht dachte es sich der amerikanische Botschafter in Berlin ähnlich, als er einer» Ausfrager sagte, die Friedensaussichten seien nach wie vor günstig, wir seien „nur noch einige Monate" vom Frieden entfernt. Im übrigen aber sei er. der Botschafter, davon überzeugt, „daß die allernächsten Wochen noch große militärische Ereignisse bringen werden, wodurch die Friedensstimmung bei den Kriegführenden bedeutend wachsei werde". Lassen wir einmal die amerikanischen Be- mühungen um Vermittlung beiseite und halten wir uns nur an die Lage, wie sie sich dank unserer großen Erfolge; darstellt, so sind wir nicht der Ansicht, daß Ver Zeitpunkt schon da sei, zu welchen! unsere Regierung durch die Bekanntgebung ihrer Kriegsziele die bisherigen unbestimmten Unterhaltungen über den Frieden auf eine feste Bahn zu bringen hätte. Wir können damit warten, und es wird auch nützlich sein, damit zu warten. Denn warum sich v o r z e i t i g festlegen? Wir werden mit unseren Forderungen gewiß innerhalb des Rahmens bleiben, den die vernünftige Einsicht in die Bürgschaften dauernder Wahrung des zu Erringenden ziehen wird, und von den Aus- loschungsabsichten, mit denen sich unsere Feinde halb luarktschreierisch und halb wahnsinnig tragen, kann bei uns, die wir uns das Augennlaß bewahrt haben, keine Rede sein, aber es wird die S ch u I d der Feinde sein, wenn unsere Ansprüche im Maße unserer Siege wachse n, zu denen wir gezwungen sein werden, wenn drüben der törichte W i d e r st a n d gegen ein unabwendbares Schicksal sinnlos wrtdauert und neue Opfer an Blut und Gut bedingt; das hat auch der Reichskanzler gemeint, als er davon sprach, daß sich unsere Bürgschaften für die Zukunft werden st e i g e r n müssen, wenn die Feinde unterer Bereitschaft zum Frieden das Gehör versagen. Was mit den „realen Garantien" gemeint ist, die wir Mis verschaffen wollen und müssen, das wissen die veinde ja so ungefähr, und wir sehen nicht ern, warum wsr ihnen die Einzelheiten schon jetzt gleichsam aus den ^rsch zählen sollen. L>ie wissen, daß wir Belgien nicht ^Ueut zur Einfallspforte für Frankreich und England werden machen lasse« wollen, sie wissen, und in dieser
Beziehung war der Reichskanzler ja deutlich genug, daß vom Rigaische »Meerbusen bis nach Wolhynien neue Staatsgrenzen werden gezogen werden, sie wissen ferner, daß die Neuordnung der Verhältnisse auf dem Balkan von uns und unseren Verbündeten, entsprechend der völligen Niederzwingung Serbiens und Montenegros, vollzogen werden wird. Endlich wissen sie, daß Italien jeden Anspruch aus irgendwelche Festsetzung am Ostufer der Adria aufzugeben haben wird. Das kann sür den Augenblick doch Wohl genügen. Würde heute in bestimmter Weise mitgeteilt werden, wie sich unsere verantwortlichen Stellen die Zukunft der im Westen besetzten Gebiete, sowohl territorial wie verfassungsmäßig denken, w wäre die Folge voraussichtlich die, daß der Wille zum W e iterkampsen bei den Feinden bestärkt würde, und dies wäre trotz der Aussichtslosigkeit des Weiterkämpsens wieder daruni begreiflich, weil wir das L e tz t e und Entscheidende erst noch zu tun haben, weil wir also die bei Verdun gestellte Aufgabe erst völlig lösen müssen und weil auch unsere Verbündeten noch mancherlei zu Ende führen müssen, besonders in Oberitalien. Ist dies aber alles erst gelungen, und es wird gelingen, dann könnte es doch wohl geschehen, daß eine Erweiterung der Ziele, die wir auf der Grundlage des heutigen Zustandes bekanntgeben würden, unvermeidlich sein wird. Kluge Zurückhaltung wird sich auch deshalb einstweilen empfehlen, weil die geschäftige Verwicklungslust des Herrn Wilson heilsamerweise vor vollkonunene entscheidende und nicht bloß werdende Tatsachen gestellt werden muß. Wir wollen damit nicht sagen, daß es überhaupt schon eine Selbstverständlichkeit sei, auf das Anerbieten des Präsidenten der Vereinigten Staaten einzugehen. Wie wir darüber denken, haben wir oft genug betont. Angenominen aber, der Fall käme überhaupt in Frage, so wäre dann erst recht geboten eine ganz klare Lage zu schaffen, und dazu müssen uns unsere Waffen zu Lande und zu Wasser noch verhelfen, wahrscheinlich sogar noch sür eine längere Zeit. Diese Zeit aber wollen wir, wie gesagt, ruhig abwar. ten. Wir haben nicht die geringste Veranlassung zu irgendwelchen Übereilungen, und immer wieder muß betont werden, daß d i e Z e i t t ü r u n s arbeitet. Wir sehen es bei jedem Rückblick in die Vergangenheit, wir erleben es in diesen Wochen der gewaltigsten Entscheidungen auf allen Kampsschauplätzen, wir baben> keine Ursache, für die nächste und auch fernere Zukunft einen Umschwung in dieser Hinsicht zu vermuten. Ge- wiß sind wir jetzt dem Frieden nähergekommen, aber nachdem von unserer Seite die Bereitwilligkeit zum Frieden wiederholt ausgesprochen worden ist, möge es nunmehr den besiegten Feinden überlassen bleibt, die Formen anzugeben, in denen sie sich unserem Willen fügen wollen und rnüssen. _;_
Der Krieg gegen England.
Die englischen Offiziersverluste in der Seeschlacht am Skagerak.
Englische Verlustlisten zur Seeschlacht und zum Untergang des „Hampshire".
W. T.-B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Admiralität macht bekannt, daß der Verlust an Deck- offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften von der „Queen Mary" 1290 beträgt, von „Jnvincible" 968 und von „D e f e n c e" 869. Beim Untergang des „Hampshire" sind 38 Offiziere umgekommen.
Große Truppentransporte während der Schlacht.
Br. Basel, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Baseler Nachr." melden aus London: Eine Zusatzliste über die Verluste an Schiffsoffizieren während der Schlacht am Skagerak enthält 32 Namen, darunter 24 von verwundeten und 8 von vermißten Offizieren. Die Gesamtverluste an Offizieren übersteigen jetzt 500, darunter drei im Admiralsrang.
Während der Schlacht in der Nordsee haben, wie Andeutungen in der „Daily Expreß" ersehen lasien, große Truppentransporte aus England nach Frankreich stattgefunden. Man spricht von 80 bis 90 Dampfern.
Die mituntergegangenen Geldsummen.
Berlin, 9. Juni. Die „Voss. Ztg." berichtet aus Amsterdam: Mit den untergegangeuen englischen Kriegsschiffen sind folgende Summen verloren gegangen: „Queen Marie"
2 085 000 Pfund, „Jndefatigable" 1,5 Millionen Pfund, „Jnvincible" 1,75 Millionen Pfund, „Defence" Ich Millionen Pfund, „Warrior" und „Black Prince" 700 000 Pfund.
Das Ende ttitcheners.
Ein amerikanisches Urteil.
W. T.-B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Daily Mail" meldet aus New Kork: .New Dock World"
erörtert die Verantwortlichkeit für den Tod Äitcheners. Das Blatt schreibt: Das Schiff, das ihn nach Rußland führte, trug Englands Prestige und großen Faktor in der britischen Militärmacht. Die Tatsache, daß es in der Kriegszone, die die britische Flotte mit Übermacht behauptete, versenkt werden konnte, gleichviel, ob es durch eine Mine oder einen Torpedo geschah, enthält eine Stümperei-, die eine Abrechnung erfahren wird.
Doch 12 Gerettete vom „Hampshire"!
W. T.-B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Admiralität teilt mit, daß ein Deckoffizier und 11 Mann von der Besatzung des „Hampshire" am Abend auf einem Floß angetrieben sind.
Die hohen englischen Offiziersverluste.
W. T.-B. London, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Verlustlisten der Armee vom 7. und 8. Juni verzeichnen die Namen von 2 7 7 bezw. 91 Offizieren.
Der englische Bunkerkohlenzwang.
W. T.-B. Amsterdam, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Wie die Niederländischen Zeitungen melden, hat die englische Regierung verfügt, daß in Ballast fahrende Schiffe nur dann englische Bunkerkohle erhalten sollen, wenn sie aus den Häfen nördlich von Bergen kommen oder nach Häfen fahren, die nördlich von New D o r k liegen, oder wenn es sich um Tankschiffe handelt.
Kriegsgerichtsverhandlung gegen einen englischen Hauptmann in Dublin.
Zur widerrechtlichen Erschießung irischer Aufständischen.
Br. Amsterdam, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) In Dublin begann Dienstag die Kriegsgerichtsverhandlung gegen den Hauptmann Bowen Colthurst vom 3. Bataillon der Irish Rifles. Er wird für die widerrechtliche Erschießung des irischen Schriftstellers Skeffington sowie zweier weiterer Iren verantwortlich gemacht. Ein Major, der die Anklage vertritt, bejahte die Schuldfrage. Aus der Anklagerede geht hervor, daß die drei Erschossenen während der Unruhen in Dublin am 25. April abends verhaftet und in das Militärarrestlokal verbracht wurden, wo am Mittwochmorgen Colthurst erschien und erklärte, daß ec die drei hin- ousführen werde, um sie erschießen zu lasten, da er dies für das einzige Richtige halte. Alle drei wurden dann gegen eine Mauer gestellt und auf Befehl Eolthursts erschossen. Als Grund für seine Handlungsweise gab Colthurst später au, daß er die F l u ch t dieser Leute und ihre Befreiung durch die Aufrührer verhindern wollte. Auf Befragen durch den Gerichtsvorsitzenden gab ein Zeuge an, daß er bemerkt hat. wie die Beine des einen Erschaffenen, cs war Skeffington. sich noch bewegten. Er schickte einen Unterleutnant in das Wachtzimmer, um dies zu melden, worauf diesem Unterleutnant der Auftrag gegeben wurde, noch einmal zu schießen An dieser Stelle erscholl ein Aufschrei der dem Prozeß beiwohnenden Frau Skeffington. Bei der Fortsetzurig der Verhandlung am Mittwoch erklärten drei Ärzte übereinstimmend, daß der Angeklagte „geistig nicht normal und für sein Tun nicht verantwortlich sei". Der Anklagevertreter bestritt die Auffassung der Verteidigung. Der beigeord- nete Zivilrichter trat aber dem ärztlichen Gutachten bei. Das Urteil wird später gefällt werden.
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Doch eine Teilnahme Japans auf den europäischen Kriegsschauplätzen?
Ein japanisches Geschwader in England.
Br. Kopenhagen, 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach Berichten von Reisenden, die aus England in Bergen ankamen, traf ein japanisches Geschwader in England ein. Der Admiral und sein Stab wurden Samstag vom König empfangen. Das Geschwader begleitete wahrscheinlich die russischen Truppentransporte nach Frankreich, die teilweise auf japanischen Schiffen ausgeführt wurden. In England läuft ein Gerücht um, wonach Japan aus dem europäischen Kriegsschauplatz sowohl zur See wie auf dem Land am Krieg teilnehmen wird.
Der Krieg gegen Nutzland.
Eingeständnis der schweren russischen Verluste bei der neuen Offensive.
W. T.-B. Amsterdam, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ein hiesiges Blatt meldet aus London: Der Berichterstatter der „Times" aus Petersburg berichtet, man gebe in dortigen amtlichen Kreisen offen zu, daß die Russen ihre leh- t e n Erfolge mit schweren Verlusten erkaufen mußten.
Italienisches Mißtrauen in die russische Offensive.
Lugano, 9. Juni. (Zens. Bln.) Obwohl die italienische Presse die russischen Berichte unterstützt und große Anstrengungen macht, die Offensive in Wolhynien als die ersehnte Entlastung der eigenen Lage in Südtirol hinzustellen, herrscht doch ein gewisses Mißtrauen gegen die Riesenziffern der russischen Siegesnachrichten. (Die Russen reden jetzt schon von 40 000 Gefangenen, 77 Geschützen usw. Schrift!.) Vor allem aber beunruhigt die italienische Prestc die russische Feststellung, daß die Mittelmächte der Offenskve
