Verlag Langgaffe 21
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Zreitag. 9. Juni 1916.
Kbend-Musgabe.
Nr. 268. . 64. Jahrgsng»
weitere Zortschrltte an der Maar.
Feindliche Gegenangriffe bei Thiaumont und der Feste Baux verlustreich zusammen- gebrochen.
Der Tagesbericht vom 9. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Artillerie brachte bei Lihons (südwestlich von Lcronne) feindliche Munitionslager zur Entzündung; sie beschoß feindliche Lager und Truppentransporte am Bahnhof Suippes (in der Champagne) und hatte auf dem w c st- lichen Maasufer sichtlich gute Erfolge gegen französische Batterien sowie gegen Infanterie- und Lastkraftwagenkolonnen.
Rechts der M a »3 schreitet der Kampf für uns g ü n st i g fort. Feindliche, mit starken Kräften geführte Gegenangriffe im Gehöft von Thiaumont und zwischen Chapitre-Wald und der Feste Baux brachen ausnahmslos unter schwerer feindlicher Einbuße zusammen.
(. In den Vogesen, östlich von St. Die» gelang cs durch Minensprengungen ausgedehnte Teile der feindlichen Gräben zu zerstören.
Lftlicher und Balkankriegsfchauplatz.
Bei den deutschen Truppen keine Veränderung.
Oberste Heeresleitung.
China nach yuanschikais Code.
Der wiederholt totgesagte Auanschikai, der zu Beginn diesesJahres beinaheAuanschikaiser geworden wäre, ist nun wohl wirklich tot. Gestorben werden die einen, ermordet werden die anderen tagen. Genau wird das vielleicht nie festgestellt werden, denn die Giftmord- Praxis ist im Reiche der Mitte besser ausgebildet als die Leichenschau. Daß gerade in letzter Zeit wiederholt Anschläge auf das L.eben des Diktators unter- nommen wurden, ist bekannt, und an Widersachern fehlte es ihm wahrlich nicht. Sie waren ebenso bet den Revolutionären des Südens wie in Japan zu suchen, das jene subventionierte. Das Land der ausgehenden Sonne ist auch der H a u p t g e w i n n e r bei Auan- schikais Abgang von der Weltbühne. Von den Verlierern soll noch die Rede sein.
Die Laufbahn des Präsidenten war eine ganz ungewöhnliche. Am 20. September 1859 als Sohn eines kleinen Beamten geboren, begann er seine Karriere als gemeiner Soldat, um nach Durchlaufung der höchsten militärischen und politischen Rangstellungen an die Spitze des Staatswe'ens zu treten, dein er ohne die japanische Einmischung sogar eine neue D y n a st i e gegeben hätte. Auanschikai war eine großangelegte Natur, und so stark auch sein Ehrgeiz war, so war doch noch stärker seine Vaterlandsliebe, die ihm die Umwandlung des derzopften Chinas in ein modernes Staatswesen als höchstes Ziel erscheinen ließ. Diesem Ziel strebte er zu, als er als Truppenkomman- deur in Tientsin', die Grundlagen zu einem modernen Heere legte. Und wenn er bei dem Staats st reich von 1898 die Reformgedanken des jungen Kaisers Kwangsti durchkreuzte und sich mit Hilfe der Kaiserin Tsehsi an die Spitze des Staates brachte, so war sicherlich auch hier neben der Befriedigirng seines unbezähmbaren Ehrgeizes der Gedanke maßgebend, daß er jene Reformbewegung für übereilt und den jungen Herrscher für ein unzureichendes Werkzeug hielt.
Nach dem Tode der Kaiserin zu Anfang des Jahres 1909 in Ungnade gefallen, wurde er bei der Revolution vom Oktober 1911 als Retter in der Not von der b e- drohten Tsingdynastie zu Hilfe gerufen. Der Premierminister Auanschikai schlug auch die Revolution nieder, aber er rettete nur das Land, nicht die D y n a st i e, wollte sie nicht retten. Zweifellos war es auf seine Einwirkung zurückzuführen, als die junge Kaiserin-Witwe am 15. Februar 1912 dekretierte, daß China von nun an eine Republik sein solle. An demselben Tage wählte die Nationalversammlung in Peking Fuanschikai zum Präsidenten, bestätigte ihn dann Anfang November wieder als ersten Präsidenten der Republik, und am 11. Dezember 1915 erklärte der Präsident in einem Erlaß, daß er „auf die Bitte des Volkes pflichtgemäß die K a i s e r w ü r d e annehmen" wolle. Auf den 9. Februar dieses Jahres war bereits die Thronbesteigung angesetzt, und er batte durch die Verlobung seiner Tochter mit dem jetzt 10 Jahre alten Kaisersohn a. D. H s u a n g t u n g sich auch bereits die Thronfolge gesichert, als der Einspruch Japans seine hochfliegenden Pläne durchkreuzte. In den beiden Edikten vom 21. und 22. März erklärte er, daß er aus die ihm angebotene Kaiserwürde endgültig verzichte. Bei Auanschikais Veranlagung war es aus- ÄHchlaffen, daß ein endgültiger Verzicht ein endgülti
ger war. Nun hat er doch auf Krone und Leben verzichten müssen, vielleicht also nicht ohne Nachhilfe von außen.
Wem zum Nutzen? Die Gewinner des Spiels sind in erster Reihe die s ü d ch i n e s i s ch e n Revolutionäre, die ihm wiederholt nach dem Leben trachteten. Aber ein gewaltiger Erfolg wird, wie- gesagt, auch Japan durch den Tod des Mannes erwachsen, der sein Todfeind gewesen war. Das Ziel der Tokioter Politiker war ein schwaches China, das der Einmischung von außen Tür und Tor öffnet. Deshalb unterstützten sie die Revolution in Südchina mit Geld und Waffen und machten die Sunyatsen, Wangwanjang, Hsiehksiungfei und Genossen zu ihren gefügigen Werkzeugen Jetzt werden diese und dannt der j a p a n i - sche Einfluß in China die Oberhand gewinnen. Schon der Streit um die Nachfolge wird den Bürgerkrieg aufs neue entfachen, denn von Ifuanschikais elf Söhnen hat schwerlich einer Aussichten auf die Erb- schast, und der junge Kaisersohn kommt erst recht nicht in Frage.
Japans Gewinn an Einfluß in China aber bedeutet den Verlust der Konkurrenten, und das sind nach der Ausschaltung Deutschlands die Vereinigten Staaten von Amerika, Rußland, Frankreich und vor allem England. Der Dreiverband hatte dem Präsidenten Iuanschikai gegen Japan den Rücken zu stärken versucht. Freilich nur heimlich, und auch Präsident Wilson, der sonst so tatenlustige, versagte, als Auanschikai ihn offen um Hilfe gegen die japanische Bevormundungstaktik und Aussaugungspolitik anrief. Mit Iuanschikai dürfte jetzt der letzte Damm gegen die Überschwemmung durch die Japs durchbrochen sein, und Japan kann nun ganz ungestört den Weltkrieg zur wirtschaftlichen und politischen Durchdringung des Reiches der Mitte benutzen. Das bedeutet den größten Verlust für den, der bisher die gr ö ß t e n Interessen in China hatte, nänilich für England, das seine in vielen Jahrzehnten inühsamer Arbeit erworbenen ostasiatischen Errnngenschasten in Trümmer gehen sieht. Die Niederlage in S k a g e r a k, der Verlust Kitcheners und der Tod Auan- schikais, das ist ein böser Dreiklang für Albion!
Oie Lage im Westen.
Ein Artillerirgefecht an der flandrischen Küste.
W. T.-B. Brügge, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Am 8. Juni, morgens, fand an der flandrischen Küste ein Artilleriegefecht auf große Entfernungen zwischen deutschen Vorpo st en booten und feindlichen Monitoren und Zerstörern statt. Mehrere unserer Geschützsalven wurden als gutdeckend beobachtet. Der Feind zog sich darauf in Richtung Dünkirchen zurück. Die deutschen Streitkrüfte erlitten keinerlei Beschädigung. Am Nachmittag wurde von einem unserer Seeflugzenge ein französisches Kampfflugzeug abgcschossen. Die Insassen wurden von einem unserer in der Nähe befindlichen Unter seeboote ausgenommen und in den Hafen verbracht.
Br. Amsterdam, 9. Juni. (Eig. Drahtöericht. Zevs. Bin.) Dem „Telegraaf" wird aus Middelburg gemeldet: Heute morgen wurde wiederum heftiges
Schießen gehört, das von See herkam. Kurz zuvor hatte man in der Nordsee vier Kriegsschiffe, vermutlich englische, wahrgenommen, die in der Richtung auf die belgische Küste steuerten, also einen Angriff auf die belgische Küste unternahmen.
Zur Eroberung von Fort Baux.
Die Würdigung des Erfolges in Österreich.
W. T.-B. Wien, 9. Juni. (Nichtamtlich.! Die Blätter heben die große Bedeutung der Einnahme der Festung Vaux hervor, die eigentlich in den Worten des Kaisers bereits angekündigt worden sei. Das „Neue Wiener Tag- blatt" sagt: Als donnerndes Echo der Rede des obersten Kriegsherrn kommt von der Maasfestung die Kunde, daß die deutsche Riesenkraft dort wieder einen der stärksten Eckpfeiler des französischen Bollwerks zum Einsturz gebracht hat. Verheißungsvoll klingt das Katserwort m Milhelmshaben, daß der Feind im Westen langsam zusammenbricht. — Die „N cue Freie Presse" betont: Der endgülftge Verlust von Vaux seitens der Franzosen bedeutet einen gewaltigen Schritt vorwärts für die Deutschen. Deutschlands Landsoldaten werden die Voraussage des Kaisers in die Tat umsetzen. — Das „Neue Wiener Journal" führt aus: Noch nie, vielleicht mit Ausnahme jener historischen Rede im Weihen Saale rm Berliner Königsschloß, als Wilhelm II. den Eid oer Volksvertreter cntgegennahm und sein Gelöbnis -erneuerte, hafte der Kaiser solche in der Volkstümlichkeit wurzelnden Worte gefunden, wie in der Rede am Montag.
Keine geheime Kammersitzung in Frankreich.
W. T.-B. Bern, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Der Gesarnt- ausfchuß der Parteien der französischen Kammer hat sich in gruppenweiser Abstimmung nach der vorgestrigen Kammer
sitzung mit sechs Gruppen gegen vier bei zwei Stimmenthaltungen gegen jede Gehei msitzung ausgesprochen. Die Geschäftsordnungskommission beschloß ihrerseits, in dem Wortlaut des früheren Beschlusses, der bekanntlich die Geschäftsordnung für eine Geheimsitzung nach dem Willen der Regierung abgeändert hat, weitere Änderungen vorzunehmcn. Nach Blättecmeldunaen hat sie die Zahl der nötigen Nnter- schriften auf hundert erhöht. Diese betrug ursprünglich 20, dann 50.
Offiziöse Drohung mit der Kammerauflösung in Frankreich.
Br. Genf. 9. Juni. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Zum ersten Male seit Beginn der Kampagne Clemen- ceaus gegen die Regierung weist ein offiziöser „Temps"- Artikel auf das Regierungsrecht der Kammerauflösung hin. Der „Temps" hofft, die Besonnenheit der Opposition werde dieses Äußerste vermeiden.
England und die Pariser Wirtschaftskonferenz.
W. T.-B. Bern, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Der Londoner Vertreter des „Temps" schreibt über die bevorstehende Wirtschaftskonferenz unter anderem: Die Hauptfrage wird sein, welche Handelsbeziehungen mit Deutschland die Alliierten am Tage nach dem Friedensschluß haben werden. Zu dieser Frage haben sich die meisten Kabinette der Alliierten bisher merkwürdig zurückhaltend verhalten. Sie haben es sorgfältig vermieden, sich für die Zukunft zu binden. Den entscheidenden Einfluß wird die englische Regierung ausüben. Obgleich sie bisher in allen ihren Erklärungen sehr vorsickitig war, scheint sie heute in der Tat entschlossen zu sein, viel radikalere Maßregeln zu ergreifen, als man noch vor einigen Wochen erwarten konnte. Die Erkrankung des Handelsministers R u n c i m a n wird sicherlich nicht ohne Einwirkung auf das Ergebnis der Kon. ferenz bleiben. Der Vertreter des „Temps" erörtert des längeren Englands Pläne, die in ihren Hauptzügen auf eine nationale Handelspolitik nach dem Krieg abzielen würden mit dem Zweck, dem Eindringen der Deutschen eine Schranke zu ziehen. Man könne es als sicher ansehen, daß England nach dem Frieden seinen alten Grundsatz: Laissez faire,
laissez passer! nicht wieder aufstellen werde. Demnach mühten sich die alliierten Mächte auf der Konferenz über die zukünftigen Zollschranken schlüssig werden, die sie von den feindlichen Mächten trennen sollen. Sie würden eine Art riesiger Zollunion bilden müssen, welcher alle Staaten anqehören würden, die für die Freiheit und das Recht die Waffen ergriffen hätten. Der Berichterstatter ftagt hier allerdings zweifelnd: Oder würde diese Zollunion vielleicht nur teilweise sein und nur eine kleine Zahl dieser Staaten umfassen? Für den Augenblick sei es indessen wichtig, zu wissen, daß England, bevor es sich in eine wirtschaftliche splendid Isolation zurückziehe, bereit sei, die Vorschläge zu erwägen, welche ine Alliierten ihm machen würden.
W. T.-B. Bern, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Laut „Petit Journal" sind die Vertreter Rußlands für die Wirtschaftskonferenz der Alliierten in Paris etngetroffen.
Die Einführung der Sommerzeit in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 9. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Havas.) Kammer und Senat nahmen einen Gesetzentwurf über die Kriegsgewinnsteuer an sowie einen Entwurf über die Einführung der Sommerzeit. Darnach wird die Zeit in der Nacht vom 14. zum 15. Juni 1 Stunde borge st e l l t.
ver Krieg gegen Nutzland.
Der Dank des Zaren an feinen Retter!
Ein russischer Unteroffizier zum Obersten befördert.
Sr. Basel, 9. Juni. (Eig. Drohtbericht. Zens. Bln.) Die „Basler Nachr." melden aus Petersburg: Das Amtsblatt veröffentlicht einen Ukas des Zaren, durch den Dr«Avner Gadowski vom Unteroffizier zum Rang eines Obersten befördert wird. Die außerordentliche Beförderung wird sehr lebhaft kommentiert und in Zusammenhang einer Rettungsaktion bei der Gefährdung des Lebens des Zaren und de? Thronfolgers gebracht.
Der neue Leiter des russifchen Flugwesens.
Keine Kriegskopffteuer in Rußland.
W. T.-B. Kopenhagen, 9. Juni. (Nichtamtlich.) Die „Berlingske Tidende" bringt aus Petersburg nachstehende Meldungen: Der Gehilfe deS Kriegsministers, General
Frolow, ist zum Chef des russischen Flugwesens ernannt Worden. — Der Reichs rat hat die Vorlage, betreffend Erhebung einer außerordentlichen Kriegskopfsteuer, die für jeden Russen im Alter von 20 bis 65 Jahren 10 Rubel betragen sollte, ab gelehnt.
Graf Julius Andrassy gefallen.
Berlin, 9. Juni. (Zens. Bln.) Im „L.-A." oird gemeldet, daß Graf Julius Andrassy (aus der Prehburger Linie), der als Beobachtungsdienftoffizier Drehst tat, seinen schweren Verletzungen erlegen ist.
