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Freitag» 9. Iuni 1916. _MOvgEN - ^USgLlbE. Nr. 267. . 64. Jahrgang.
Erfolgreicher Vordringen der Gefterreicher bei Asiago.
An der DolomiteNsront mehrere feindliche Bataillone zurückgeworfen. — Bisher im Juni 12 400 Italiener, darunter 215 Offiziere, gefangen.
An der Jkwa und an der Strypa mehrere russische Angriffe abgewiesen.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 8. Juni (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juni, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In Wolhynien haben unsere Truppen unter Nachhutkämpfen ihre neue Stellung am Styr erreicht.
An der Jkwa und nördlich Wizniowzcyk, an der Ctrypa, wurden mehrere russische Angriffe a b gewiesen. An der unteren Strlitia greift der Feind abermals mit starken Kräften an, die Kämpfe sind n o ch n i ch t a ü g e s ch l o s s e n. An dem D n j e st r und an der b e s s a r a b i s ch e n F r o n t herrschte verhältnismäßige Ruhe.
Jtaiiettiinjcr Krregstchanplatz.
Auf der Hochfläche von Asiago gewann unser Angriff an der ganzen Front südöstlich Cemsuno-Gallio weiter Raum. Unsere Truppen setzten sich auf dem Monte Lemerle (südöstlich von Cesuno) fest und drangen östlich von Gallio über Ronchi vor.
Abends stürmten Abteilungen des bosnisch-hcrzcgo- winischcn Infanterieregiments Nr. 2 und des Grazer Infanterieregiments Nr. 27 den Monte Melctta.
Die Zahl der seit diesem Monat gefangen genommenen Italiener hat sich auf 124 0 9, darunter 215 Offiziere, erhöht.
An der D o l o m i t c n f r o n t wurde ein Angriff mehrerer feindlicher Bataillone auf die Croda dcl Ancona abgewiesen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die Arbeit des Reichstages.
Ein Rückblick auf die mit dem gestrigen Donnerstag verflossene Reichstags-Tagung zeigt, daß in den letzten Monaten rm Berliner Reichshause fruchtbringende Arbeit geleistet worden ist. Eine Fülle von wichti- gen Aufgaben ist gelöst worden. Ter Reichstag verdient Anerkennung dafür, daß er auch in dieser schweren Zeit von dem Wege gründlicher Arbeit mcht abgewichen ist. In Ausschüssen und Vollsitzungen hat er mit dazu beigetragen, die Rüstung des deut- schen Volkes zu stärken, das Durchhalten zu erleichtern und die Wunden zu heilen, die der Welt- krieg geschlagen hat. Dem Reichsparlament ist oft der Vorwurf gemacht worden, daß es allzu redelustig ist und über lang ausgesponnenen Redeschlachten oft die Wirklichkeit vergißt. Dieser Vorwurf ist diesmal doch wohl nicht am Platze. Wohl verlängerten auch diesmal geschäftliche Vielredner die Dauer der Sitzungen, aber oer Reichstag als Ganzes hat gute und straffe Arbeit geleistet. Dabei waren es Fragen von größter -Bedeutung, die ihn beschäftigten, Probleme, von deren glücklichen Lösung unserErfolg im Völkerringen und die Zukunft des deutschen Vaterlandes abhängt. Meinungsverschiedenheiten traten natürlich hier und da zutage. Aber es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre. Gerade rer Austausch verschiedener Ansichten schafft die richtige Mittellinie, auf der Giites aufgebaut werden kann. Von wenigen unerquicklichen Ausnahmen abgesehen, war der Reichstag in seiner Gesamtheit denn auch sachlich und bemüht, dem Ernste der Zeit gerecht zu werden.
p Die große Weltvolitik wurde im Haupt- Ausschuß eingehend besprochen, und keine Gruppe kann sich beklagen, dort bei der Aussprache zu kurz ge- ommen zu sein. Die 11-Bootfrage und die anderen Ehernen, die damit in engem Zusammenhang stehen, ^rden dort nach allen Richtungen hin geklärt und die offenen rü ck h a l t l o s e n Mitteilungen der Regierung vrachten es zuwege, daß wohl alle Volksvertreter °esser unterrichtet den vertraulichen Sitzungs- raum des Hauptausschusses verließen, als sie ihn be> rreten hatten. Dabei sind natürlich diejeniaen Herren ausgenommen, die alles besser wissen, und die unbelehrbar sind. Aber sie, die in einem Winkel der äußersten Rechten und in einem Winkel der äußersten sinken sitzen, sind nur wenig zahlreich,
.eine gewaltige Arbeitsleistung war die Erledigung °er Steuergesetze. Eine Unmenge von Zustim
mungserklärungen und Protesten liefen beim Reichstag ein, als die Regierungsvorlagen veröffentlicht wurden. Der Steuerausschnß hatte eine schwere Arbeit. Er wurde mit neuen Vorschlägen überschüttet. In kurzer Frist ist es ihm aber gelungen, eine Vereinbarung zu schaffen, die annehmbar war. Gewiß alle diese fünf Steuervorlagen,, die K r i e q s st c u e r, die Erhöhung der Tabakabgaben, die Reichsabgabe auf die P o st s a ch e n, der W a r e n u m s a tz st e m p e l und das Frachturkundengesetz, sie sind alle nicht sch ö n, und manche von ihnen ist sehr h ä ß l i ch. Sie sind nur in ihrer Gesamtheit zu ertragen. Vor allem galt es, dem Vaterlande die notwendigen Mittel zur weiteren Kriegführung zu geben. Zudem sind es Kriegssteuern, deren Geltungsdauer begrenzt ist.
Auch auf dem Gebiete der Ernäyrungs- fragen ist man durch freie Aussprache ein Stück vorwärts gekommen. Das neue Kriegsernährungsamt arbeitet bereits. Hoffentlich wird es nun auch wirklich gute Wirkungen erzielen. Jedenfalls steht schon jetzt fest, daß in der Volksernährung der kritische Punkt überschritten ist. Das bedeutet, daß man uns überhaupt nicht mehr aushungern kann. Denn wenn die zwei letzten Mißernten uns nicht geschadet haben dann sind wir vor dem englischen Hungerteusel sicher.
Die Kriegskosten erfordern monatlich 2 Milliarden Mark. Eine neue Auffüllung unserer Kriegskasse war daher notwendig. 12 Milliarden wurden vom RMhstag zu diesem Zweck bewilligt, und hier machte auch die alte sozialdemokratische Gruppe mit.
Der Etat gab Gelegenheit zu ausführlicher Erörterung der Zustände im Innern, Auch im Kriege darf die Sozialpolitik in Deutschland nicht stille stehen. Die vom Reichstag gebilligte Abänderung des Vereins- g e s e tz e s ist ein guter Schritt vorwärts. Sie be- freit die Gewerkschaften von lästigen Fesseln und gibt auch den Jugendlichen das Recht, sich den Berufs- vereinen anzuschließen. Eine große Wohltat ist die vom Reichstag beschlossene Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Rente vom 70. auf das 65. Lebensjahr. Eine Abänderung zum Kali ge setz entspricht den Wünschen dieser Industrie. Die vom Feinde verursachten Kriegsschäden sollen nach einem besonderen Gesetz vergütet werden. Für die Vereinfachung in der Rechnungslegung sorgt das neue Kriegskontroilgesetz, während das KäpitaI- abfindnngsgesetz unseren Kriegern hilft und zugleich die A n s i e d l n n g fördert. Auch eine Milderung des Militärstrafaesetzbucbes ist erreicht worden. Ebenso eine Verbesserung des B e- soldungsgesetzes. Gute Arbeit wurde also geleistet. Dazu tritt noch der Umstand, daß die Stellung des Kanzlers durch dessen Rede gegen die Piraten der öffentlichen Meinung g e f e st i g t und gestützt wurde. Alles in allem, ein reiches Ergebnis einer kurzen Tagung von wenigen Monaten.' Der Reichstag kann mit seinerTätigkeit zufrieden sein und das deutsche Volk mit ihm.
Oer Krieg gegen Nutzland.
Der Druck gegen die wolhynische Front unserer Bundesgenossen.
Br. Berlin, 8. Juni. lEig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Dem „L. A." wird aus dem K. und K. Kriegspresse, guartier vom 7. Juni gedrahtet: Die Schlacht an der Nordfront von Wolhynien bis zur bessarabischen Grenze war gestern stellenweise noch intensiver. Der Hauptangriff richtet sich gegen unsere wol- hvnische Front, trotzdem auch gegen die Abschnitte der übrigen Front große Angriffswellen eingesetzt wer- den, werden die russischen Massenangriffe auch jetzt ohne Rücksicht auf Menschenmaterial durchgeführt. Besonders groß sind die feindlichen Verluste dort, wo die stürmende Infanterie in das Feuer unserer flankierenden Stellungen geriet. Einen Begriff von der russischen Angriffsmethode kann man bekommen, wenn man einige Teile aus dem Befehl des russischen Oberkommandos liest. Die Instruktion haben wrr bei Gegangenen der letzten Tage gesunden. Sie endet mit den üblichen Drohungen, daß jede Kolonne von der Artillerie erbarmungslos beschossen wird, wenn sie z u r ü ck w e i ch t oder wenn sie durch ihre zaghafte Haltung die moralische Kraft der anderen Truppen beeinflußt. An der bessarabischen Front haben wir dank der Tapferkeit der dort kämpfenden Truppen die weit überlegenen feindlichen Angriffe zurückgeschlagen und hier unsere Stellungen bei Ja s l o w t c e und bei Sapanow be- bauptet. Hier verbluteten sich die Russen schon in den ersten Gefechtstagen derart, daß der feindliche An- griff zum Stehen gebracht wurde. Besonders hartnäckig sind die Angriffe des Feindes geaen die Armee B o t h m e r, hauptsächlich nordlvestlich Tarno-
Pol. Der Feind erlitt hier ungewöhnlich starke Verlust e. Im Raum zwischen MI y n o w und O l i k a haben wir unsere Linie etwas zurückgenommen.
Oie Lage im Westen.
French Nachfolger Kitcheners.
W. T.-B. Paris, 8. Auni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Blätter eriahren aus London, die Wahl der Regierung für die Nachfolgerschaft Kitcheners werde aus French fallen.
Ein französischer Torpedobootzerstörer verloren.
W. T.-B. Paris, 8. Juni, (Nichtamtlich. Draht- bericht. Agence Havas.) Der Torpedobootszerstörer „Fanfassin" wurde am Montag von einem anderen französischen Torpedoboot im Mittelmeer gerammt und versenkt. Die Bemannung und alles Material ist gerettet.
Der Krieg Hegen Italien.
Viktor Emanuel krank nach Rom zurück- gekehrt?
Genf, 8. Juni. (Zens. Bln.) Gerüchtweise verlautet, König Viktor Ernanuel sei in eikranktem Zustand mittels Automobil in Rom eingetroffen. (K. V.)
Aus der italienischen Kammer.
W. T.-B. Rom, 8. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Agenzia Stefan: meldet: Die Kammer hat nach zweitägiger Debatte über die Anträge Turatis und Genossen über die Internierung verdächtiger Bürger und nach einer mit Beifall aufgenommenen Rede Salandras gemäß seinem
S insche den Antrag Turatis in namentlicher Abstimmung t 211 gegen 45 Stimmen abgelehnt.
Ein italienischer Dampfer vernichtet.
W. T.-B. Paris, 8. Juni. (Nichtamtlich. Agence HavaS.) Der französische Dampfer „Duk de Bragance" hat 29 Mann des italienischen Dampfers „Hemersberg", der im Mittelmeer versenkt worden isi, in Marseille gelandet.
Die Sommerzeit nun auch in Italien eingesührt.
Nun ist auch Italien dem Beispiel Deutschlands gefolgt und hat, nach einer Meldung der „Neuen Zürcher Ztg.", in der Nacht zum 4. d. M. die Sommerzeit eingeführt.
Ein früherer italienischer Unterstaatssekretär verhaftet.
Berlin, 8. Juni. (Zens. Bln.) Verschiedenen Blättern zufolge wurde der frühere italienische Unterstaatssekretär C o r t e s e, jetzt Sergeant bei der Festungsartillerie, wegen Unterschlagung militärischer Papiere verhaftet.
Oie Ereignisse aus dem valkan.
Eine neue unannehmbare Forderung Sarrails an Griechenland.
W. T.-B. Athen, 8. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Sarrails Forderung, daß Oberst M e s s a l a und zwei andere Ofsiziere aus Saloniki abberufen werden sollen, wird als unstatthafte Einmischung eines ausländischen Offiziers in die Angelegenheiten der griechischen Armee betrachtet und Re Regierung nimmt in dieser Angelegenheit eine sehr feste Haltung ein. Skuludis besuchte gestern, wahrscheinlich im Zusammenhang mit Sarrails Forderung, den britischen Gesandten.
Italien und die Handelsblockade Griechenlands.
W. T.-B. Bern, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Der „Corriere della Sera" schreibt, es scheine, daß eine wirkliche Blockade ganz Griechenlands nicht beschlossen worden sei, sonst hätte auch Italien gefragt werden müssen, was nicht geschehen sei. Die Maßregel werde sich wahrscheinlich nur auf das Tätigkeitsgebiet der Alliierten erstrecken.
W. T.-B. Bern, 8. Juni. (Nichtamtlich.) Mailänder Blätter melden ans Saloniki, das Hasenkommando habe die amtliche Mitteilung der Handelsblockade der griechischen Häfen bekommen. Kein griechisches Schiff dürfe die hellenischen Häfen verlassen.
.Oer Krieg über §ee.
Eine portugiesische Schlappe in Deutsch- Ostasrika?
Br. Basel, 8. Juni, (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In der „Madrider Dubais" wird ein Telegramm aus Badajos veröffentlicht, wonach in der Schlacht an der Südostgrenze von Deutsch-Ostairika eine portugiesische Kolonne von )200 Mann vollständig ausge- rieben wurde. Die Deutschen hätten einige Ge - .schütze erbeutet.
