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M»rge«-A»sgabe. Erstes Blatt.
Krr§ Stabt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
vie Lebensmittelverteilung.
Es ist keine Frage, datz die Verteilung der Lebensmittel zurzeit viel zu wünschen übrig läßt. Das weiß jedermann und das weiß selbstverständlich auch die Stelle, die möglicherweise oder hoffentlich in der Lage ist, verbessernd einzugreifen. Der Irauen hat sich bereits eine recht ungemütliche Stimmung bemächtigt, hervorgerufen durch das entsetzliche rmd nur allzu oft trotz allem nicht zum Ziele führende stundenlange Warten vor den Butter- und Eierhandlungen sowie den Metzgerläden. Daß es nicht wenige Frauen gibt, die keine Zeit haben oder deren Gesundheit nicht so fest ist, daß sie das lange aufregende und anstrengende Herumstehen xn einem dichten, drängenden und stoßenden Menschenknäuel aushalten, sei nur nebenbei erwähnt. Wer den Sturm auf die Läden einigemal mitgemacht hat, der hat das Gefühl, datz es so nicht weitergehen kann. Es soll auch nicht so weitergehen. Der Magistrat beschäftigt sich fortgesetzt mrt der Herbeiführung einer die gegenwärtigen Übelstände vermeidenden Verteilung der Lebensmittel; die Sache ist aber nicht so einfach, datz sie von heute auf morgen erledigt werden kann. Man wird also immer noch einige Tage Geduld haben müssen und auch später nicht erwarten dürfen, datz sich die Verteilung ohne jede unangenehme Begleiterscheinung ermöglichen lassen wird. Die Hauptsache ist, daß sich der Verkauf glatt und ohne die scheußlichen Menschenansamm. lungen vollzieht. Das Recht hat natürlich jeder, auf r a s ch c Ä n d e r u n g des jetzigen Zustandes zu dringen, der von Tag zu Tag unhaltbarer wird. Und wer einen guten Vorschlag zu machen hat, hat ebenfalls das Recht, ihn dem Magistrat z>- unterbreiter. Wir möchten aber an unsere Leser die Bitte richten, ihre Vorschläge und Wünsche nicht auf dem Umweg iiter unser Blatt, sondern direkt an die zuständige Stelle zu richten. Angesichts der großen Zahl der uns fortgesetzt zugehenden Wunsche und Anregungen zur Lebensmittelversorgung sind wir tatsächlich außerstande, sie der Öffentlichkeit zu übergeben.
Wenn wir diesmal trotzdem auf zwei Zuschriften ein- gehen, so geschieht das deshalb, weil sie Wünsche und Auf- sassungen außergewöhnlich zahlreicher E> äsender vertreten. Die eine beschäftigt sich m,t der Dutterfrage. Es heißt darin:
„Es ist Tatsache, daß in der Zeit, die zwischen den Ver- tellungsterminen der von der Stadt erworbenen Buttermengen liegt, dem einen und anderen Geschäft von seiner Molkerei Butter in größerer oder kleinerer Masse zugeschickt wird. Eine Wohltat für die Stadt und die seit Wochen geduldig darbende Bevölkerung — sollte man meinen! Diese Butter, die seit Tagen schon in Wiesbaden in ziemlich reichlicher Menge vorhanden ist, k a n n a b e r nicht verkauft werden, weil die letzte Marke (Rr. 6) nur noch in ganz geringer Zahl vorhanden, die neue aber noch nicht gültig ist. Die so überaus empfindliche Butter lagert, büßt ihren Wohlgeschmack ein, dessen sie um so dringender bedarf, als sie wieder lange Zeit reichen mutz, sie wird ranzig, wie Schreiberin dieses bestätigt wurde, ehe sie in die Hände der Bezieher kommt, die inzwischen immer weiter trockenes Brot essen."
Inzwischen hat zwar der Magistrat die Butterkarten 2c von heute ab für gültig erklärt, aber die Klage der Einsenderin erscheint doch nicht unberechtigt. Da aber mit Klagen allein nichts getan ist, macht sie einen V o r s ch l a g, den wir, da er beachtenswert ist, dem Magistrat zur Verfügung gestellt hoben. Ihr Vorschlag geht in der Hauptsache' dahin die Stadt in Bezirke einzuteilen; jeden Bezirk einem bestimmten Butterhändler zuzuweisen; für jeden Bezirk Butterkarten von bestimmter Farbe einzuführen, damit keiner aus dem einen in den anderen laufen kann, und die jeweils vochrnd-'nen Buttermengen so nach dem Alphabet zu verteilen, daß an jedem Tag nur eine bestimmte Anzahl von Haushaltungen bezugsberechtigt ist. Ob dieser Vorschlag brauchbar ist, können wir nicht entscheiden; vielleicht wartet man aber, bevor man nlit neuen Vorschlägen an den Magistrat herantritt, erst ein- n-.al ab, wie sich das System der fester: Kundschaft bewährt.
Die zweite Zuschrift beschäftigt sich mit dem städtischen Markt st and. Auch hier herrscht oft großer Andrang und die Käuferinnen müssen sich nicht selten mit viel Geduld wappnen. Da wird denn eine Dezentralisation des, städtischen Kartoffel- und Gemüseverkaufs vo-- geschlagen. Im großen, dichtbevölkerten westlichen und auch ,m südlichen Stadtteil könnten in der Tat Marktstände errichtet werden. Das ließe sich gewiß ohne zu hohe Kosten machen und würde von allen Hausfrauen mit Freuden begrüßt werden. So viel wir wissen, hat sich der M a g i st r a t bereits mit dieser Angelegenheit beschäftigt, so daß auch hier eine Änderung bald zu erwarten ist.
Brlanz herzustellen, mußte der Pensionspreis mehrfach erhöht
werden. Heute beläuft er sich auf 5,50 M. als Minimal- und aus 9,50 M. als Maximalsatz Die Besetzung der Assistentenstelle machte besondere Schwierigkeiten. Zurzeit schweben Verhandlungen wegen Übernahme der Stelle durch einen Balten, der von Rationalität allerdings Russe ist. Die Gesamtzahl der im Laufe des Jahres 1915 verpflegten Patienten belief sich auf 331. Davon waren 13 zum erstenmal in der Anstalt, 138 waren Männer, 193 Frauen, 61 Männer und 98 Frauen waren verheiratet, der Rest war ledig. Die Durchschnittsdauer der Kur belief sich auf 86 Tage, al^eschen von 16 Patienten, welche die Anstalt vor dem Ablauf von 14 Tagen wieder verließen. 8 Patienten wurden au zusammen 523 Tagen frei verpflegt. Von den Pfleglingen waren 34 Kausleute, 24 Beamte, 16 Lehrer, 12 Landwirte usw.
| Im Alter von weniger als 15 Jahren waren 6. Von den entlassenen 261 Patienten waren 79 voll erwerbsfähig, 113 gebessert, 63 ungeheilt. Die Jahresrechnung balanciert mst 234 962 M. in Einnahme und Ausgabe. Im Dezember war eine Bankschuld infolge der gestiegenen Lebensmittekpreise rn Höhe von 21 000 M. vorhanden, während heute die Unter» bilanz sich nur noch auf 7000 M. beläuft. Die Kosten der Haushaltung betragen 168 727 M. gegen 131 972 M. im Vorjahr; die Neuanschaffungen 9427 M. oegeu 18 166 M. und die Außenstände 5230 M. gegen 3727 M. An Stelle des seitherigen Vorsitzenden, Geh. Sanitätsrat Dr. Bind seil, welcher krankheitshalber sein Amt niedergelegt hat, wurde der praktische Arzt Dr. Märker gewählt, der bereits längere Zeit in einem verwandten Verein tätig war und sich daher für den Posten ganz besonders eignet. Der Gewählte nahm die Wahl an. Zurzeit befinden sich in der Naurodrr Anstalt über 180 Personen. Die beiden seitherigen Rechnungsprüfer, Kommerzienrat Wachendorff und Sturm, wurden wiedergewählt.
Bienenzüchter-Versammlung, Der Dringlichkeit wegen wurde hier die auf den 18. Juni d. I. auf Chausseehaus anberaumte Versammlung des Bienenzüchter- Vereins, Sektion Stadt- und Landkreis Wiesbaden, schon vorgestern, und zwar im „Hotel Union", abgehalten. Der Verein unter dem Vorsitz des Lehrers B o h r b a ch (Biebrich) zählt zurzeit 104 Mitglieder, die zum großen Teil zu de- Versammlung erschienen waren. Rach den Erfahrungen, die die Imker bis jetzt gemacht, ist dieses Jahr eine schlechte Honigernte zu erwarten, da bis jetzt noch kein Honig geschleudert werden konnte. (Aus Kurhessen wird'das Gegenteil berichtet. Das Erträgnis der Honigwaben sei dieses Jahr, namentlich infolge des vermehrten Rapsanbaues, doppelt sogroh als sonst. Schrift!.) Der Vorsitzende inachte den Vorschlag, das Pfund ohne Glas mit 1,60 M. zu berechnen. Die Einberufung der Bersanrmlung geschah | hauptsächlich, um über den gemeinsamen Bezug von ver- I zolltem Zucker zur Einwinterung der Bienen zu beraten. Die j Freimachung des Zuckers für diesen Zweck ist bestätigt worden; sie geschieht aber bis jetzt nur für Mitglieder des Vereins. Bestellungsformulare können von Mitgliedern von dem Sekretär des H ruptvereins, Lehrer a. D. Strack (Hofheim im Taunus), bezogen und alsbald dem Vorsitzenden, Lehrer Bohrbach, eingesandt werden. Nichtmitglieder können ein Be- stellungsfocmul rr ausfüllen und von dem Bürgermeisteramt zwecks Richtigkeit der Angaben bestätigen lassen. Ob dann ihrem Antrag stattgegeben wird, ist noch unbestimmt.
— Goldene Hochzeit. Am 10. Juni begehen in oller Stille die Eheleute Schreiner Emil Neugebauer und Frau Karoline, geb. Löffler. Emserstraße 43, ihre goldene Hochzeit.
— Kleine Notizen. Der beliebte Abend-Dampfer ab Biebrich 6.20 Uhr der Köln-Düsfeldorfer Rheindampf, s ch i f f a h r t verkehrt von morgen ab auch mit Bingen, Ankunft 7.45 Uhr. Abfahrt von Bingen 7.50 Uhr, Rüdesheim 8.05 Uhr, Geisenheim 8.20 Uhr, Freiwciuhcim 8.40 Uhr, Ostrich 8.50 Uhr, Eltville 9.20 Uhr, Niederwalluf 9.85 Uhr, in Biebrich 9.55 Uhr abends.
vorberichte über Xunst, Vorträge und verwandtes.
* Konzert. Im heutigen Mittwochskonzert in der Marktkirche, welches wie stets um 6 Uhr beginnt, wird die hiesige, bestens bekannte Sängerin Katbiuka Gcricke Mitwirken. Außerdem hat der Harfenist Maxincsak, König!. Kammermusiker von hier, seine Mitwirkung zugesagt. Es werden Werke von Karg-Elert, Rheinberger, Schubert, Arnold, Mendelssohn, Beethoven und das „Dies irae" von Otto Dorn zu Gehör kommen. Jeder Besucher ist zur Entnahme eines Programmes zu 10 Pf. verpflichtet. Der Reinertrag ist für das Rote Kreuz bestimmt.
Mittwoch. 7. flfom 1916.
Nr. 263.
handeispreis versehen sein. Der Kriegsausschuß für öle und Fette in Berlin macht bekannt, daß die Ablieferung der Sonuenblumenernte in der Weise geregelt ist, daß jede Station der deutschen Eisenbahnverwaltungen Sonnen- blumensamen gegen ein Entgelt von 40 Pf. für das Kilogramm entgegennimmt.
Am Getreide markt war die Stimmung in der abgelaufenen Woche sehr still, da das Angebot nur klein blieb. Von Saatgut war nur Saatbuchweizen gefragt. Sommersaatweizen war vergeblich augeboten. Für Saatlupinen forderte man 100 M., für Saatwicken 92 M. und für Saatpeluschken 93 M. Pommern. Aus dem Angebot an Futtermitteln ist zu erwähnen: Mischmehl 695 M. brutto mit Sack Holstein, Hafermisjhfuttermehl 840 M. Hamburg, Holl. Schwarzhafermehl 690 M., Tapiokamischluttermehl 690 M. Hamburg, Hafersehalsn 420 M., Kaffeeschalen 310 M. brutto mit Sack wgfr. Hamburg, Zuckerschnitzel Steffens 58 M. mit Sack und Troekenschni tzel 47 M. per Zentner Danzig, Häckselmelasse 230 M. und Torfmelasse 200 M. Holstein.
BefHuer Börse.
$ Berlin, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht) Unter dem Druck der angekündigten Erschwerung des s p e k u - 1 a t i v e n Handels herrscht an Stelle des lebhaften Treibens in den Börsensälen jetzt geradezu auffallende Ruhe. Das Geschäft scheint gänzlich eingeschlafen zu sein. Nur ab und zu fanden Abschlüsse statt, aber mehr im Flüsterte n, anstatt wie früher mit Aufbietung aller Lungenkraft. Der Kursstand ist im allgemeinen gut behauptet bei etwas Kaufneigung für oberschlesisshe Montanwerte.
Industrie und Handel.
. w - Personalien. Dresden, 5. Juni. Heute ist hier im Alter von 55 Jahren Exzellenz Karl August L i n g e r (ein bekannter Chemiker und sächsischer Großindustrieller, der insbesondere durch die Herstellung des Mundwassers „Odol“ bekannt wurde) gestorben.
* Die Vereinigung Deutscher Gaskoeherfabrikanten hat einen weiteren Preisaufschlag von 10 Proz. beschlossen, so daß der Teuerungszuschlag auf Gaskocher am 1. Juni 1916 mit 40 Proz. auf Reinrechnungsbeträge zur Anwendung kommt.
* Die deutsche Verkaufsstelle für gewalzte und geprägte Bleifabrikate teilt, wie aus Halle geschrieben wird,
j den „verpflichteten“ Händlerfirmen mit, daß sie infolge j der Aufhebung der Beschlagnahme von Blei bei den Verbandswerken wieder in der Lage ist, Aufträge ohne Freigabe- bezw. Belegscheine auszuführen, soweit die Werke in einzelnen Fällen noch über beschlagnahmefreies Rohmaterial verfügen. Ferner können ohne weiteres solche Aufträge in Bleifabrikaten wieder ausgenommen werden, bei denen das betreffende Quantum Blei vom Besteller zurückgegeben wird.
* Die Kapitalserhöhung bei der Stahlwerk Becker A.-G. in WHüch bei Krefeld. In der Aufsichtsratssitzung wurden die Vorschläge der Verwaltung genehmigt, die das Ziel haben, auf Grund der bisherigen Erfahrungen das Stahlwerk Becker für bevorstehende große Aufgaben zu rüsten. Um sich neben den großen flüssigen Mitteln für diese Aufgaben finanzielle Unterlagen zu sichern, soll — wie schon angekündigt — die Erhöhuug des Aktienkapitals, und zwar von 8 auf 16 Mill. M., vorgeschlagen werden. Die neuen Aktien werden von einem Bankenkonsortium, bestehend aus der Deutschen Bank, der Berliner Handelsgesellschaft, der Essener Kreditanstalt, dem Barmer Bank- veiein und dem Bankhause Frank in Krefeld zu 150 Proz. übernommen md den Aktionären derart zum Bezüge an- geboten, daß auf eine alte Aktie eine neue Aktie zum gleichen Kurse spesenfrei bezogen werden kann Die neuen Aktien sind vom 1. JuM 1916 ab dividendenberechtigt.
Marktberichte.
W. T.-B. Berliner Produfetenmarkt. Berlin, 6. Juni. Frühmarkt. Im Warenhandel ermittelte Preise: Die Preise sind gegen gestern unverändert.
W. T.-B. Berlin, 6. Juni. Getreidemarkt ohne Notiz. Das Geschäft am Produktenmarkt bewegte sich in gewohnten Bahnen. Hafer war gegen Bezugsschein auch heute von seiten der NährmitteÜabriken gesucht, jedoch schwer zu erlangen. Spelzspreumehl wird in greifbarer Mare knapper. Runkelrüben, Steckrüben begehrt. Von Saatartikel herrschte Nachfrage für gelbe und blaue Lupinen ui d Peluschken.
— Kriegsauszeichnungen. Dem Unteroffizier Louis S ch e u e r m a n n aus Wiesbaden, zurzeit in einem Reserve- Infanterie-Regiment im Osten, sowie dem Gefreiten und Offizier-Aspiranten Arno Laue, Sohn des Direktors B Laue in Berlin-Steglitz (vordem Magistraissekretär in Wiesbaden), wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
— Jubiläum. Auf eine 40jährige Tätigkeit im Betriebe rer L. Schellenbergschen Hofbuchdruckerei kann heute Herr Obermaschinenmeister Adolf N e u m a n n zurückblicken. T>er Jubilar, von den Angestellten und dem Inhaber der Firma gleich geschätzt, ist einer der ältesten Mitarbeiter des Hauses Schellenberg.
— Der Eisenbahnüberwachungsdienst. Der stellvertretende kommandierende General des 18. Armeekorps hat angeordnet daß Militärpersonen, die von ihm mit der Ausübung des Eisenbahn - Überwachungsdienstes beauftragt sind, die Rechte und Pflichten eines Polizeibeamten haben, und daß Militärpersonen, die von einen! anderen kommandierenden General mit der Ausübung des Eisenbabn- Überwachnngsdienstes beauftragt sind, im Bezirk des 18. Armeekorps zur Ausübung dieses Dienstes berechtigt sind.
— Naffauftcher Heilstätten-Berein für Lungenkranke. Der Verein hielt gestern nachmittag unter der Leitung seines zweiten Vorsitzenden, Direktor Schipper, im Wintergarten des „Rhein-Hotel" seine Generalversammlung ab. Nach dem e: statteten Jahresbericht hat die Ernährung der Kranken, deren Zahl infolge des Eingehens verschiedener anderer Anstalten zurzeit die größte bisher vorhandene ist, besondere Maßnahmen nötig gemacht, welche jedoch infolge des energischen Eingreifens des derzeitigen Verwalters Günther vorläufig ofS überwunden angesehen werden können. Um di-
Handelsteil.
Vom Nahrungsmittel- und Getreidemarkt.
Der Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 30. Mai bis 5. Juni führt aus: Der Zentral-Viehhandelsverband in Preußen hat die ihm angeschlossenen Viehhandelsverbände aufgefordert, vom 4. Juni an folgende Stallhöchstpreise für Kälber einzuführen: bis 50 kg Lebendgewicht 60 M., mit 50 bis 75 kg Lebendgewicht 80 M., mit 75 bis 100 kg Lebendgewicht 100 M , mit über 100 kg Lebendgewicht 120 M. für den Zentner. Die Preise der höheren Gewichtsklasse dürfen jedoch nur dann bezahlt werden, wenn die Tiere das Gewicht der vorigen Gewichtsklasse um mindestens % kg überschreiten. Die Preise bedeuten gegenüber den jetzigen eine Ermäßigung um 10 bis 20 M. für den Zentner. Die Verteilungsstelle für die KaUindustrie hat die früher festgesetzte Menge des auf tiie Kaliwerksbesitzer für das Kalenderjahr 1916 entfallenden Absatzes von Kalisalzen für das Ausland auf 350 000 dz reines Kali für Düngesalze mit 20 bis 22 Proz. K-0 und auf 45 000 dz reines Kali für Düngesalze mit 30 bis 32 Proz. K-0 erhöht.
Nach der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 31. Mai wird bei landwirtschaftlichen Brennereien, die im Laufe des Betriebsjahres 1915/16 Kartoffeln oder Mais verarbeiten, für dieses Betriebsjahr von der vorgesehenen Erhöhung der Betriebsauflage um 3 M. vom Hektoliter abgesehen. Brennereien, die bisher Getreide nicht oder nur teilweise verarbeitet haben, wird gestattet, im Betriebsjahr 1915/16 Mais ohne Hefenerzeugung zu verarbeiten, ohne daß die mit einem solchen Übergang zur Getreideverarbeitung verbundenen oder sonstige steuerliche Nachteile eintreten. Die Zentral-Ein- kaufsgeseUschaft hat den Handel mit Käse aus Schweden und Norwegen unter gewissen Bedingungen frei- gegeben. Auch die Einfuhr von Schweizer Käse ist zunächst bis zum 31. Juli unter gewissen Bedingungen, die von der Verrechnungsstelle für Schweizer Käse in’ München 8 zu beziehen sind, freigegeben. Der Höchstpreis für den Verbraucher beträgt 2.30 M. für das Pfund. Nach Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 26. Mai müssen die Packungen oder Behältnisse von Fleisch-, Gemüse-, Obstkonserven usw. mit bestimmten Angaben über Herstellung, Inhalt, Maß, Gewicht und Kletin-
Bus unserem Leserkreise.
Einsendun,», tönno weder iariWutfe*«. noch -mwewndrtwerdei^,
. * Das „Eingesandt" vom 6. Juni (Morgenblatt) beleuchtet mit zwingender Klarheit die Frage der Lebensmittelversorgung. Wenn d,e Angabe richtig ist, daß hier deshalb 70 009 Eier zum Verkauf bereit liegen, aber nicht verfällst werden dürfen (das trifft jetzt weljr zu. Die Schrift!.) und an Qualität Einbuße erleiden > müssen, weil noch Marken der Gruppe 1 sich in der Bevölkerung befinden und deshalb die Gruppe 2 noch keine Gültigkeit hat, so I wird hierdurch ein drastisches Schlaglicht auf die ganze Lebensmittel- Verteilung geworfen. Es wird immer so sein, daß einzelne TeUe der Bevölkerung entweder freiwillig bestiinmte Nahrungsmittel be- Vorzügen gegenüber anderen, oder dazu gezwungen sind tmrch ihr« materielle Lage. Daß deshalb aber andere Bevölkeruugskreise darunter leiden sollen, ist schlechterdings nicht einznseben und hllst den ersteren gar nichts. Das wird sich besonders nach Einführung der Fle-fchmarken zeigen. Was sollen Leute, die schon jahrlang als Vegetarier leben und als solche weiter leben wollen, mit Fleisch» marken anfangen, und was die, denen die Fleischpreise zu hoch sind? Die von der Einsenderin geforderte städtische Aus- gleichsstelle ist ein unbedingtes Erfordernis An dieser Stelle muß tabellarisch festgelegi sein, wie viel Brotmarken entsprechen so und soviel Fleischmarken, oder Eiermarkei: oder Buttermarken usw. Dort muß ununterbrochen während der Dienststunden der Umtausch inöglich sein. Wenn dem Verderben oder der Verschlechterung ausgesetzte Nahrungsmittel, Fleisch, Butter. Eier, vorhanden sind, muß ihr Verkauf stattfinden. Sie dürfen aber Nicht zurückgehalten werden, weil wahrscheinlich aus zwingenden, aber unbekannten Gründen eine Anzahl Marken einer vorbergehen- dcn Gruppe noch nicht benutzt und eingegangen sind. Wenn dieser Grundsatz Gültigkeit behielte, könnte es kommen, daß die Grilppe 2 der Eiermarken vor dem Kriegsende noch nicht an der Reihe wäre Ganz besonders drastisch würde sich dieser Fehler nach Einführung der Fleischmarken zeigen. Die Stadtverwaltung würde sich al o durch sofortige Einführung dieser Ausgleichs- oder Austaiischstelle ein großes Verdienst um die Bevölkerung und deren Zufriedenheit erwerben. x D
Die Morgen-Ausgabe umfasst 8 Setten _und die Verlagsbeilage „Der Roman".
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Ewechüund« der Echrtftlemi»,: U bi* 1 Uhr.
