Wiesbadener TaMM
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Mittwoch, 31. Mai 1916.
Abendausgabe.
Nr. 234. . 64. Dahrgang.
Oie Laae im Westen.
Oie neuen Erfolge an der Maas.
Von unserem militärischen Mitarbeiter.
Die Eroberung des Dorfes Cumitzres brachte am letzten Dienstag den ersten großen Erfolg infolge feiner flankierenden Stellung zu den Südhängen des „Loten Manne s". In dem Winkel zwischen diesem Südabfall und der Maas stürmten deutsche Truppen nun die feindlichen Stellungen in einer Ausdehnung von annähernd zwei Kilometer. Das Resultat war ein vorzügliches. An unverwundeten Gefangenen büßte der Feind 35 Offiziere und 1313 Mann ein. Zwei Gegenangriffe gegen das Dorf selbst wurden erfolgreich abgewiesen. Abermals machte der Angreifer durch diesen Waffenerfolg einen beträchtlichen Schritt vorwärts. Durch den neuen Erwerb wurde die Flanken- siellung bei Cumitzres in Richtung auf die Höhen nördlich von Esnes beträchtlich verbreitert. Das Dorf Ebattancourt kam dadurch in leicht erreichbare Nähe ilnserer schweren Artillerie. Die geradlinige deutsche Gefechtslinie neigt sich jetzt stark nach S ü d c n und ermöglicht ein Vorgehen gegen die feindliche Ansfallslinie Esnes-Chattancourt. Je mehr deutsche Truppen, angelehnt an die Gefechtslinien rechts des Flusses, in diese Winkelsiellung hineingeschoben werden, um so nachhaltiger wird unser Druck gegen jene Operationsbasis erfolgen können. Ebenso wertvoll ist die Einbuße des Feindes in moralischer Hinsicht, denn immer wieder muß er erfahren, daß dem deutschen Willen zum Siege kein gleichwertiger Faktor entgegengestellt werden kann. Der Verlust einer Gefechtsstärke von mehr als einem Bataillon vorderster Linie, wozu noch mindestens die doppelte Einbuße an Toten und Verwundeten hinzutritt, ist ein empfindlicher Aderlaß für dre französischen Streitkräfte. Insbesondere ist die deutsche Heeresleitung durch den letzten Dienstags- crtolg wohl in der Lage, alle seitlichen Verschiebungen auf jener Operationsbasis Esnes-Chattancourt auf das Unangenehmste zu stören. Für die Gefechtsmoral der Unsrigen wird es von stärkstem Einfluß sein, wenn die Sturmtruppen nach mehrtägiger Panse jedesmal das gewünschte Resultat greifbar sehen können. Der französische Bericht gibt den deutschen Gewinn nordwestlich von Cumidres in einer Ausdehnung von 300 Metern zu, das wäre etwa Vs des tatsächlichen. Stuf der anderen Maasseite wurden die Erfolge der vorhergehenden Woche im Walde von Thiaumont durch örtlich begrenzte Angriffe abermals verbessert. In diesem Kampfraume schwoll das beiderseitige Artilleriefeuer zu größter Heftigkeit an. Für die fran- zösische Führung wird es zusehends schwieriger, das konzentrisch von allen Seiten auf ihre Stellungen gerichtete deutsche Feuer in entsprechender Weise zu beantworten. Tie beiderseitigen Artillerien führen aber immer noch ihre eherne Sprache, so daß größere Jnfanterieangriffe erst dann erfolgen tverden, wexn der feindliche Feuer- druck an Stärke nachgelassen hat.
Ein bescheidener englischer 5-Monatsbericht.
W.T.-B. London, 30. Mai. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. General H a i g h sagt in einer Depesche, in der er die Operationen schildert, seit er am 19. Dezember 1915 das Oberkommando über die britischen Streitkräfte übernommen hat: Eine größere Offensive des Feindes während dieser Periode war gegen unsere französischen Verbündeten bei Verdun gerichtet. Während dieses ganzen Kampfes waren meine Truppen bereit, mit- zuw i rken, wenn sie gebraucht würden. Aber die einzige Unterstützung, die von unseren Verbündeten verlangt wurde, war mittelbarer Natur, nämlich di« Ablösung der französischen Truppen auf einem Teil unserer Berteidigungsfront. Die Durchführung der Ablösung auf einer ausgedehnten Front und überall in unmittelbarer Nähe des Feindes war ein etwas heikles Unternehmen, wurde aber mit vollkommenem Erfolge durchgeführt. An der britischen Front kam es während der letzten fünf Monate zu keinem größeren Kampfe. Die britischen Streitkräfte sind durch die Ankunft neuer Formationen von Hause und durch die Verlegung anderer Truppen, die im nahen Osten abgelöst wurden, beträchtlich vermehrt worden. Diese Vermehrung ermöglichte die Ablösung der ftanzösischen Armee während der Schlacht vor Verdun. Unter den Neuangekommenen Truppen befindet sich ein australisches Korps, mit ihm Kanadier sowie ein Teil Süd- aftikaner. Seit dem letzten Berichte haben die Inder dieses Land zum Dienste im Orient verlassen.
Ein holländisches Urteil über Haigs mageren Bericht.
W.T.-B. Amsterdam, 31. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Nieuwe van den Dag" bemerkt zu dem Bericht des Generals H a i g, in dem als einzige Tat der englischen Armee an der Westfront zwischen dem 19. Dezember 1915 und heute gemeldet wird, daß die Engländer es den Franzosen ermög- ,ik$t hätte», Truppe» van di-smn Teile der Frust zurück
zuziehen und dem Druck der Deutschen bei Verdun Widerstand zu leisten. Dieses Kunststück erscheint uns als einzig es Resultat und die Tätigkeit der Millionen- Armee in mehr als 5 Monaten recht armselig. Wenn wir englische Bürger wären und mit Vertrauen, aber auch ungeduldiger Spannung, einem entscheiderwen Siege der Entente-Armee entgegensähen, so würde uns der Bericht Haigs ärgerlich stimmen, denn damit wird mit vieler Genugtuung registriert, daß es den Engländern mit großer Mühe gelungen ist, den Bundesgenossen bei der Aufrecht- erhaltung des gegenwärtigen Zustandes zu Helsen. Das ist eigentlich nicht, worauf sie hinaus wollen. Die Engländer und Franzosen führen an der Westfront keinen Defensivkrieg mehr, sondern wollen dem Feinde das eroberte Gebiet wieder entreißen. Daß die Hunderttausend«, die nach Frankreich geschickt worden sind, nicht mehr erreichen können, als den Franzosen zu ermöglichen, Truppen, die zwischen Souchez und Virny standen, nach Verdun zu schicken, würde uns, wenn wir englische Bürger wären, mutlos stimmen oder erzürnen. Wir glauben auch, daß die Oppositionspreste diese Stimmung ausdrücken wird. Natürlich wird wieder gesagt werden, daß es n ich t in der Absicht der Entente gelegen habe, in dem Zeitabschnitt über den Haig berichtet, eine große Offensive anzufangen, sondern, daß damit gewartet werden müsse, bis Derbys andere Rekruten in genügender Zahl an der Front erschienen seien. Wenn aber die Neuangekommenen Rekruten indirekt dazu dienen müßten, die Lücken in der französischen Armee infolge der Kämpfe bei Verdun auszusüllen, so wären sic n i ch t m e h r für die große Offensive verwendbar, die schon seit Wochen im Gauge sein müßte, wenn sie noch in diesem Sommer zu einem entscheidenden Erfolge führen sollte. Dies alles bestärkt unsere Ansicht, daß die Deutschen bei Verdun dadurch, daß sie die ftanzösischen Truppen an sich zogen, tatsächlich ihr Ziel erreicht haben, nämlich die große Offensive zu erschweren oder unmöglich zu machen.
Die französischen Minister aus Rußland zurück.
W. T.-B. Paris, 31. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) D i v i a n i und Thomas sind aus Rußland wieder ein- getroffen.
Die Pariser Aushunserunssberhanblunsen
W. T.-B. Paris, 31. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbecicht.) Lord Robert C e c i l ist abend» hier angekommen, um mit Briand und dem Minister ohne Portefeuille Denys Cochin Fragen wegen der Konterbande und Einschränkung der wirtschaftlichen Hilfsquellen des Feindes zu erörtern.
Die französische Zuckerkrisis.
W. T.-B. Paris, 31. Mai. (Nichtamtlich.) Der „Temps" schreibt über die Zuckerkrise, daß die Festsetzung von Höchstpreisen bisher keine Zunahme des Zuckervorrates aus dem Markte bewirkt habe. Viele Kleinhändler seien ganz ohne Zucker. Auch Bordeaux fordere dringend Zuckersendungen. Indessen habe das Handelsministerium darauf immer nur die Antwort, daß Zucker für jedermann massenhaft da sei.
Klagen über mangelnde Ernährung der französischen Soldaten.
Br. Gens, 31. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Zahlreiche aus der Front einlaufende Klagen über die mangelnde Ernährung der Soldaten veranlaßten den französischen Mmisterrat zu eingehender Beratung. Es wurden Maßnahmen getroffen, durch die die Beschaf- fung des Fleisches und der Gemüse verbessert werden soll. Außerdem wird die Weinration erhöht.
Oie Ereignisse aus dem valkan.
Die Bulgaren vor Kavalla!
Nr. Genf, 31. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Französische Blätter melden aus Saloniki, eine bei Xanthi liegende bulgarische Division babe sich in Marsch gesetzt, um sich der griechischen Sperranlagen bei Kejlar zu bemächtigen und Kavalla zu besetzen.
Br. Rotterdam, 31. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus London wird gemeldet: Reuters Mitarbeiter in Maze- druien berichtet: Man setzt voraus, daß die Absicht der Bulgaren sei, Kavalla zu besetzen; doch noch wahrscheinlicher sei es, daß Bulgarien aus Furcht vor der zunehmenden Kraft der Eiitentefront seine Verteidigungslinien vervollständigen wollte.
Griechenlands Einverständnis mit der bulgarischen Besetzung Rüpels.
Br. Genf, 31. Mai. (Eig. Drahtbevicht. Zens. Mn.) Der griechische Ministerrat erklärte sich, wie ftanzösischen Zeitungen aus Athen gemeldet wird, mit der Anwesenheit der bulgarischen Armee auf griechischem Gebiet und der Besetzung des Forts Rüpel einverstanden. Zwischen bulgarischen und deutschen Offizieren einerseits und griechischen Offizieren andererseits ist ein Abkommen unterzeichnet worden, in welchem die spätere Rückgabe des Forts und aller Schadenersatz zugesichert wird. Dagegen berichtet die „Tägl. Rundschau" aus Wien nach einer Meldung der „Narodni Prava" aus Sofia folgendes: Die griechische Heeresleitung verstän- digte die Teilkmmnandcmten der Truppen, daß sie persönlich
verantwortlich seien, daß sich die griechischen Truppen von den am 10. Mai besetzt gehaltenen Punkten nicht weiter zurückziehen.
Die Überführung der serbischen Truppen nach Saloniki beendet.
W.T.-B. Paris, 31. Mai. (Nichtamtlich, Dcahtbericht.) . Havas meldet: Der Marineminister Lacaze hat dem Ministerrat mitgeteilt, daß die llberfiihrung der serbischen Truppen von Korfu nach Saloniki beendet sei. Er verlas einen Brief des serbischen Kronprinzen, der die französische Marine dazu beglückwünscht.
Französisch-englische Offensiv - Maßnahmen in Saloniki?
Br. Amsterdam, 31. Mai. (Etg. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der Londoner Gewährsmann des Berichterstatters der „Voss. Ztg." meldet, daß General S a r r a i l in Saloniki Maßnahmen trifft, die auf die Eröffnung der Operationen schließen lassen. Alle Urlaubsbewilligungen für Offiziere sind zurückgezogen, die auf den Transportschiffen im Hafen liegenden Lazaretteinrichtungen wuvden an Land gebracht und weiter befördert. Indische Truppen der Saloniki-Armee sind nach Ägypten gebracht und durch ftcmzösische Truppen in Saloniki ersetzt worden.
Griechisch-französische Zusammenstöße bei einer englisch-französischen Demonstrations- Prozession in Saloniki.
Br. Amsterdam, 31. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) In Saloniki wurde am Sonntag, wie die „Times" berichtet, eine große Straßendemonstration, die unter Führung englischer und französischer Abteilungen den Schmerz Griechenlands über die letzten bulgarischen Sicherungsmaßnahmen gegenüber Sar- rails Stellung dartun sollte, peinlich gestört. Als dre Prozession, in der englisch-französische und serbische Fahnen getragen wurden, die Hauptstraße passierte, veranstalteten griechische Soldaten trotz der Absperrung durch französische Gendarmerie eine Gegendemostration und überschrien den Lärm der Prozession mit Hochrufen auf König Konstantin und Deutschland. Damit erreichte die Prozession ihr Ende, und es kam zu Zusammenstößen zwischen französischer Gendarmerie und griechischen Soldaten.
Entlassung griechischer Reserven?
Br. Genf, 31. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Eine Meldung des Lyoner „Räpublicain" aus Athen besagt, daß die griechische Regierung beschlossen habe, die Reservisten der Jahresklassen 1893 bis 1900 zu entlassen. _ __
vom möglichen Zrieöen.
Wenn man sich in die Seelenverfassung unserer Feinde versetzt, so kann man sagen: Beides ist wahr, sowohl die Neigung zum Frieden wie die Begierde, den Krieg zu unserer Vernichtung sortzusetzen. Aber weil das Zweite erhebliche Schwierigkeiten mit sich brmgt, darum wird das Erste mindestens erwogen, stets jedoch von dem Gesichtspunkte aus, daß der Vierver- b a n d von uns und unseren Verbündeten als unbezwingbare Überlegenheit anerkannt werden müsse, daß also die Feinde den alleinigen Gewinn vom Frieden haben müßten. Sie würden sich ja mit weniger begnügen als mit dem, was sie bei der ersehnten Zertrümmerung unserer Macht erreichen könnten, indessen sollen wir doch ungeheure Opfer bringen. Es braucht kein Wort, darüber verloren zu werden, daß auf dieser Grundlage der Friede nickt zustandekommen kann, wie denn wir unsererseits die Sache ganz ebenso wie die Feinde meinen, nur eben von der anderen Seite her, und zwar von: Boden unserer unbezwei- felbaren und nicht mehr zu erschütternden Erfolge auf a l I e n K r i e g s s ck a u p l ä tz e n. Wie sich dre Unterhaltungen über die Friedensmöglichkeit weiter entwickeln werden, darüber hat man, was schon mehr- fach gesagt worden ist und wiederholt werden muß, gegenwärtig kein zutreffendes Urteil. Diese Unterhaltungen können noch lange fortdauern, um dann im Sande zu verlaufen, sie können freilich auch einen Übergang zu Verwirklichungen bedeuten. In jedem Falle jedoch wird die Entscheidung immer nur fallen, nachdem eine der beiden Mächtegruppen ihre Niederlage als besiegelt anznerkennen haben wird, i-nd das wird ganz bestimmt n i ch t die u n s r i g e, sondern die gegnerische sein. Wie steht es denn mit dem Kriege? Wir wollen nicht nochnials aufzählen, wie i'bel die Lage der Feinde in Ost und West wie auf den südlichen Kriegsschauplätzen ist, wir wollen vielmehr an- erkennen, daß unsere und unserer Verbündeten Erfolgs noch nicht hingereicht haben, um den Feinden die Möglichkeit zur Fortsetzung des Karnpfes aus der Hand zu schlagen. Vom russischen Standpunkt aus betrachtet, könnte es so, wie es jetzt liegt, vrelletcht noch lange weitergehen. Rußland hat seine Grenzgebiete
