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Morgen» Ausgabe.

Nr. 253. ♦ 64. Jahrgang.

wieder ein italienischer panzerweri erobert.

Der Übergang über die Posina erzwungen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

kVVk.R Wien, 30. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 30. Mai, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Lebhaftere Feuerkämpfe namentlich an der bessarabi scheu Front und in Wolhpnien. sonst keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsichanplatz.

Gestern fiel das Panzerwcrk P u n t a C o r b i n in unsere Hand. Westlich von Arsiero erzwangen unsere Truppen den Übergang über den Posina-Bach und be­mächtigten sich der südlichen Userhvhen. Vier hef­tig e A n g r i r s e der Italiener aus «nsere Stellungen südlich Battale wurden abgeschlagen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Ruhe.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hösrr. Feldmarschalleutnant.

Zwischen Nordsee und Ägäis.

Bon unserem militärischen Mitarbeiter.

In der Belagerungsschlacht vor Der dun ist der Jnfanteriekampf am letzten Sonntag vorübergehend »um Stillstand gekommen. Auf berden Ufern der Maas hält das Arttlleriefeuer mit ungeschwachter Heftigkeit weiter an. DaS neu eroberte Dorf Cunnäres, am linken Maasufer, wurde ain 28. Mar nochmals an- gegriffen. Da der Angriff jedoch nur mit schwächlichen Kräften unternommen war, machte ferne Abweisung keine Mühe. Im nördlichen Gefechtsabschnrtl ist die Kampftätigkeit ebenfalls nicht mehr die heftige, wie sie am Wochenende war. Im b e l g r f ch e n Streifen Uetz die Artillcrietätigkert an Stärke nach, rm englischen ruhte vorübergehend in dem bekannten Raume Arras- Lens der alte'Minenkampf. Ungeachtet dieser zeitlich nur beschränkten Kampfpause Por Verdun macht sich m den französischen Zeitungen eine starke Unruhe und Enttäuschung darüber bemerkbar, datz das französische Zurückweichen vor der Maasfestung die kurz vorher ge- schürten Hoffnungen auf künftige Erfolge zum Sinken brachte. Der „Temps" spricht von einem Mißerfolge iiv Norden vor Derdnn und bemerkt hierbei: „Unser

Aushalten kommt uns sehr teuer zu stehen." Eine an dere Zeitungsstimme klagt darüber, datz es nicht mog sich sei, auf feiten des Feindes ein Ziel zu erkennen. Drei Momente sind es, welche in erster Lime die öffent­liche Meinung Frankreichs schwer bedrücken: Dre fahr der Erschöpfung, die sorge um die eigenen schweren V e r l u ft e und der dichte Schleier hinsichtlich des deutschen A n g r i f f s p l a n e s. Verdun beherrscht nach wie vor Herz und Sinne ganz Frankreichs.

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz konnte unser Bundesgenosse wieder ansehnliche Erfolge er- zielen. Nur allein der rechte Flügel der Österreicher, welcher zwischen Etsch und dem Brandtal kämpft, wird vom Feinde noch ans ö st e r r e i ch i s ch e m Boden fest- gehalten. In dieseni schmalen Raume scheint General Eadorna starke Reserven ins FeLd geführt zu haben, um eine Umfassung seines linken Flügels im Gesechts- launie westlich von Schio zu verhindern. D,e östlich anschlietzendcn Kampftruppen befinden sich tn dem Ge- sechtsstadiunl, in welchem es für sie darauf ankommt, die neu gewonnenen' Höhenstelftingen a r t i l l e r i st i s ch so stark a u s z u b a u e n, datz neue gute Wir kung gegen die feindlichen Stellungen erzielt werden kann. Es ist eine notwendige Verlang­samung im Angrissstempo, die Streckung des sach gemäßen Unterhaus für künftige Siege. Der Angriff siegen die befestigte Stellung von Arsiero erhielt inzwi­schen eineii neuen Vorwärts trieb. Am letzten Samstag lrnirde ein neues Panzerwerk westlich von Arsiero von den Truppen unseres Bundesgenossen erobert, wodurch der erfolgreiche Kampf gegen den Iirnengürtel dieser Festung mit noch größerem Nachdruck ausgenommen ist. Das zweite Angriftsziel, gegen Asiago, rückt auch seiner Niederkämvsung sichtlich näher. Eine zweite Talsperre südwestlich des am Freitag eroberten Moschice wurde am Samstag erstürnit. Durch diesen Erfolg nähern sich die Österreicher bereits dem Südhange des großen Hochplateaus von „Sieben Gemeinden". Im Suganatalc waren die Italiener bisher nicht in der Lage, von dem verlorenen Boden irgend etwas zurück­zuholen. Mit seltener Energie brauft die bundes- genössische Offensive über Täler und Höhenrücken, jeden Widerstand rücksichtslos brechend, immer näher dem Endzi-ele, dem Nord ran de der oberitalie.

nischen Tiefebene. Die Frage der nächsten Tage ist diejenige, ob es dem General Eadorna möglich sem wird, schnell genug -jtzrrke Reserven in diese bedrohte Gegend hineinzuwerfen und ob es dieser Krastaufwen- düng gelingen wird, den Einbruch in dre -aont* bardei zu verhindern. Nicht zu vergessen ist, datz die italienische Führung sowohl die Kärntner wie aisd) die Isonzosront stark mit Kräften versehen muß, wenn der österreichisch-ungarische Stotz mcht zu einem Flankenangriff auch dieser Stellungen sich auswachsen soll. Auf strategischenl Gebiete liegt der überaus große Erfolg unseres Bundesgenossen dann, daß die zurückliegenden 14 Tage einen S t r ich durch die Pläne des Generals Eadorna waren. Wird er im­stande fein, ebenso blitzschnell sich der völlig veränderten Lage anzupassen, werden die Eisenbahnen Ober­italiens den gegenwärtigen Belastungen genügen kvn- nen — das sind die nächstliegendsten und über die Zu­kunft Italiens entscheidenden Fragen.

Nach einer Ruhepause von fast 5 Monaten ist nun auch auf dem Balkan wieder eine rege Kampstätrg- feit eingetreten. Im Raume vor Valona scheinen die Italiener iin Gebiete der unteren Vojusa zu einer Offensive überzugchen, ohne daß ein greifbares uno aussichtsreiches taktisches Ziel tu diesem schwierigen Ge­lände sich erkennen ließe. Zunächst handelt es sich nur um Vorpostenplänkeleien, anscheinend nur um ein Vor­fühlen, ob und wieviel an österreichischer Kraft aus Albanien für Norditalien abgegeben wurde. Größeren Umfanges waren die Unternehmungen im Kampf­raume um Saloniki. Im Laufe der letzten Monate ließen die Berichte der Entente über die Kampftätigkeit der Salonikier Orientarinee den Schluß zu, daß ihrer­seits der Übergang aus fünfnwnatiger Verteidigung znm Gegenangriff bald gekommen sei. Die Mel­dungen über die Umgruppierung des Ententeheeres, die widersprechenden Nachrichten hinsichtlich der Über­führung serbischer Heeresreste von Korsn nach Saloniki und endlich die zahlreichen Vorpostens, känkeleien im initiieren Kampfraume zu beiden Seiten des Wardar- flnsses deuteten hieraus hin. Der bulgarische Generab siabsbericht vom 28. Mai bildete dann fraglos eine Überraschung. Bulgarische Truppen eroberten am un­teren Strumaslusse die Talsperre bei Rüpel sowie die anstoßenden Höhen östlich und westlich dieses Fluffes. Es ist ein Vorgehen ans griechischem Boden mit dem Zwecke, die Eisenbahn östlich des Flusses nach Seres in die Hand der Bulgaren zu bringen. Der Vorstoß unseres Bundesgenossen, zunächst noch örtlich begrenzt und von geringem Umfange, trifft den äußer­sten rechten Flügel der Entente, N>e!cher sich an den Struma anlehnt. Die Erweiterung der englisch-franzö- schen Truppen beiderseits des Wardarslusses in östlicher Richtung wurde dadurch bekannt, daß seitens der En­tente trotz des Einspruck>es Griechenlands die aus dem Ostslügel gelegenen wichtigen Punkte von Dova Tepe und Demirhissa besetzt wurden. Das gegenwärtige Kampsgelände ist ein Hochgebirge von durchschnittlich 1 5000 Meter Höhe, liegt im Grcnzwinkel zwischen Griechenland und Bulgarien und hat besondere Bedeu­tung dadurch, daß von hier aus ein feindlicher Stoß in nördlicher Richtung die Hauptstadt Sofia treffen würde. Der bulgarische Erfolg kann daher vielleicht vorläufig auch iiur den Zweck haben, einen Einbruch in eigenes Land seitens des Feindes zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, eb neben Verdun und Tirol noch ein drftter offensiver Kriegsschauplatz für die Mittelmächte in Frage kommt, nämlich der in Mazedonien. M.

Die Ereignisse auf dem BalRait«

Der deutsch-bulgarische Vormarsch in Mazedonien.

Bereits 5 griechische Grenzscstungen besetzt.

Br. Chrlftiania, 30. Mai. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Paris wird vom 29. d. M. gemeldet: Da die Bulgaren die telegraphische Verbindung abgebrochen haben, ist man über das bulgarische Vorrücken ohne ge­naue Nachrichten. Einige Telegramme inelden, die Bulgaren hätten bereits fünf griechische Grenzfestungen besetzt. Aus Athen wird gemeldet: Nach den

letzten Nachrichten handelt es sich bis jetzt um 39000 Jnvafionstruppen, von denen mehrere deut- scheEskadronen ra'ch in der Richtung auf Kavalla Vorrücken. Aus Saloniki wird gemeldet: Als dos

Rupelfort von den Bulgaren besetzt wurde, weinten die griechischen Soldaten beim Hissen der weißen Flagge. Die Bulgaren rückren unter begeisterten Hurras ein. Stach der Besetzung von Demir-Hissar setzten zwei deut­sche Eskadronen im Eilteinpo den Marsch gegen S P a t o v o fort, das von dem 6. Ulanen- '-egiment besetzt wurde. Am Samstagmorgen besuchten General Sarrail und General^Bagowitsch die zwei serbischen Divisionen, die-nahe bei Saloniki lagern. Du die Verbindung zwischen der griechischen Fronr

und dem Generalstab unterbrochen ist, begab sich Gene­ral Moschupulos mit dein Stabe nach der Front. A-to t oit den Bulgaren bis jetzt besetzten Stellungen betrach­tet man griechischersefts als Schlüssel zwischen Bul­garien und Griechenland. Das griechische Heer in Ostmazedonten ist wegen der Unterbrechung der Ver­bindungen in schwieriger Situation. 2o 000 Komitatschis sind bei Lauft zusammengezogen. Zehn französische und englische Flieger verließen am 28. Mar Saloniki in der Richtung auf die bulgarischen Lftel- lungen. Aus Athen wird berichtet: In Saloniki ist die Stimmung natürlich nervös. Die bulgarischen Vor­posten und die Hauptverteidignngslinie der Verbünde­ten liegen zwei Tagemärsche voneinander entfernt. Tie Verbündeten stützen sich an das Wardar-Delta bei Topozrn, Airali, Langaza und Bezik-See. Bei der Rendunabucht wurde das Meer erreicht.

Gin Reuterbericht über das Vordringen der Bulgaren.

W.T.-B. Saloniki, 30. Mai. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) „Reuter" melöet: Die Bulgaren haben das

griechische Fort an der Gorje-Mündung in die Struma, sowie die Station und Brücke von Demir-Hissar besetzt. Deutsche und bulgarische Offiziere erklärten ain Donnerstag deni g r i e ch i f ch e n Ko mm a n- d a n t e n von Rüpel, sie Hütten den Befehl, die bul­garische linke Flanke gegen einen Angriff der Ver­bündeten zu decken. Sie schlugen vor, das Fort in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der N e u t r a- l i t ä t, wie sie in Athen ausgelegt seien, zu besetzen und verlangten den Abzug der Griechen binnen 24 Stun­den. Der Kommandant telegraphierte nach Athen: In einem Protokoll verpflichten sich die deutschen und bulgarischen Offiziere, das Fort zu räumen, sobald die Ursache dieser Okkupation aufhöre. Hier­auf zogen sich die Griechen mit Ausnahme einer Kom­pagnie zurück, die 24 Schüsse abgab und sich dann auf einen bestimmten Befehl aus Athen ebenfalls znrück- zog. Die Deutschen und Bulgaren sind sehr tätig bet Xanthi (Eskidze) und nördöstlich Kavalla, wo sie Pontons zusammenbringen, um die Meesta überschreiten zu können.

Der Standpunkt der griechischen Regierung.

Br. Lugano, 30. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Rln.) Der Mailänder „Secolo" nieldet aus Athen: Amtliche griechische Kreiie rechtfertigen den Rückzug der griechischen Truppen mit der Notwendigkeit, eine Neutralitätsverletzunq zu v e r m c i d c n. Griechenland müsse den bulgarischen Streitkräften das gleiche gestatten, wie den Franzosen und E n g- ländern, die Saloniki besetzten.

Ein griechischer Protest bei den Mittel­tnächten?

Br. Amsterdam, 30. Mai. lEig. Drahtbericht. Zenl. Rln.) Nach einer Athener Havas-Meldung beschloß die griechische Regierung, gegen die militärische Opera­tionen der Mittelmäckste und Bulgariens in Maze­donien zu protestieren. Sofort nach seiner Ankunft in Athen hatte der König erne Besprechung mit Skuludis.

Zunahme des Überlaufens der Serben.

W.T.-B. Athen, 29. Mai. (Don, Privatbericht­erstatter des Wolffschen Telegraphen-Bureaus. Der- ipätet eingetrosfen.) Aus Saloniki wird gemeldet, daß dos Überlaufen der serbischen Soldaten überhand nehme. _

Die Caae Im Westen.

Das Programm der Pariser Wirtschafts- konserenz.

W. T.-B. Paris, 30. Mai. (Nichtamtlich. Drahlbericht.s Im „Watin" machte Cruppi Mitteilungen über die Mit­glieder und das Programm der Wirtschaftskonferenz, die am 14 . Juni in Paris stattfinden soll. England wird durch R u n c i m a n und Bonar Law vertreten; Belgien durch Broqueville und Baron Betzens; Italien durch D a n e o, Rußland durch P o k r o w s k i und P r i l e j a j e f f; Serbien durch Marinkovitsch und Japan durch Saka- t a n i. Den Vorsitz führt C l e m e n t e l. Das Programm zerfällt in Maßnahmen für die Zeiten des Krieges und des Überganges zum Frieden. Während der Dauer des Krie­ges komme es bei der Zusammenarbeit besonders darauf an, die Maßnahmen zu vereinheitlichen, die den Handel mit dem Feinde untersagen. Die übergangsmatzregeln sollten vor allem die Schäden wieder gut machen, die die Deutschen in Nordfrankreich durch den Raub aller Erzeugnisse und Ma­schinen verursacht hätten, ferner den beträchtlichen Verlust cm gekaperten oder zerstörten Handelsschiffen ausgleichen. DaS wirksamste Mittel hierfür sieht Cruppi darin, den Län­dern der Verbündeten den bevorrechteten Gebrauch ihrer eigenen natürlichen Hilfsquellen vorzubehaltcn. Ferner müsse die Konferenz der Ausbreitung des deutschen Unternehmungsgeistes durch mögl-ichst umsastende neue