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Verlag Laugsasse 21

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Nr. 250. . 64. Jahrgang.

Montag, 29. Mai 1916.

Kbend Ausgabe.

heftige ArtilleriekSmpfe beiderseits der Maas.

Neue fruchtlose Angriffe auf Cumieres.

Der Tagesbericht vom 29. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 29. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Feindliche M o n i t o r r» die sich der Küste näherten» wur­den durch Artilleriefeuer vertrieben. Den Flugplatz bei F u r n e s bewarfen deutsche Flieger erfolgreich mit Bomben.

Auf beiden Ufern der Maas dauert der Artilleriekamp ' mit unverminderter Heftigkeit an. Zwei schwächliche fran­zösische Angriffe gegen das Dorf Cumieres wurden mühe­los abgewiesen.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Die Lage im westen.

Die Pariser Blätter zu unseren neuen Erfolgen vor Verdun.

W. T.-B. Bern, 29. Mai. (Nichtamtlich.) Die Pariser Blätter suchen in der Besprechung der Schlacht von Verdun die letzten Erfolge der Deutschen damit zu erklären, daß sie Verstärkungen erhielten. Die Blätter räumen jetzt ein, daß das Ende der Schlacht noch weit entfernt sei. Die Auf­gabe der Franzosen sei hart, aber sie würden durchhalten.

Die noch unbelehrbaren französischen Offiziösen.

Der „Temps" zur Antwort des Kanzlers an Grey.

W. T.-B. Bern, 29. Mai. (Nichtamtlich.) Unter Zu­grundelegung der Antwort des deutschen Reichskanzlers an Grey beschäftigt sich die „Temps" mit Deutschlands Friedens- beieitschaft. Utopisten und Träumer nennt das Blatt die Förderer und Anhänger der Friedensidee in den alliierten wie den neutralen Ländern, die so wenig den Frieden machen würden wie eine Schwalbe den Frühling. Der deutsche Kanzler aber rechne daraus, datz ihre Zahl größer werde und arbeite mit aller Kraft darauf hin. In Erwiderung auf die Erklärungen des Reichskanzlers greift „Temps" wieder zu den gewohnten Verdrehungen und schließt mit den Worten: Möge der Kanzler sein Doppelspiel fortsetzen. Die Alliierten haben den Zweck des Manövers erkannt und ihm ihren unerschütterlichen Entschluß entgegengesetzt, den sie nicht nur durch Erklärungen ihrer Regierungen und Staats­männer bekräftigen. Sie setzen ihn auch auf dem Schlacht- felbe und in Kriegswerkstätten in die Tat um. Deutschland wird uns nicht mit Li st den Frieden aus den Händen nehmen können, den es uns mit Gewalt nicht entreißen kann. (Das warten wir getrost ab. Schriftl.)

Das Sträuben der französischen Regierung gegen die geheimen Sitzungen.

Erneute heftige Kritik an der Militärleitung im Heeres- ausfchuß.

Ne-. Genf, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Ministerpräsident Briand erklärte gestern vor Deputierten der Kammergruppe, daß er den Antrag auf Abhaltung von geheimen Sitzungen zurückweisen müsse, der im Laufe der parlamentarischen Debatte plötzlich gestellt wurde. Er lehne jedoch nicht ab, dieses außerordentliche Verfahren an­zunehmen, wenn ein vorheriges Übereinkommen zwischen der Regierung und dem Parlament über die Tagesordnung sowie den Tag des Zusammentritts eines geheimen Konvents abge­schlossen werde. Eine Debatte, über irgend ein Ereignis, sei es militärischer oder anderer Art, in einem beliebig gewählten Augenblick könne die Regierung nicht gestatten. Briand und der Kriegsmini st er antworteten vor dem Heeresaus- schuß des Senats, der unter dem Vorsitz Clemenceaus zusammengetreten war, auf Fragen bezüglich der zur Vertei­digung von Verdun vor und während des Angriffes der Deutschen getroffenen Maßnahmen. Besonderes Interesse dnirde dem Bericht des Senators Beranger über das für Verteidigung der Festung als ungenügend befundene «i s e n b a h n s y st e m um Verdun zugewandt. In der uächsten Konferenz, an der die Regierung teilnimmt, wird denawr H u m b e r t über die Verwendung der schweren Ar- nllerie um Verdun sprechen. Die Besorgnis, daß die unver­meidlich scheinenden Geheimsitzungen der Kammer dem Ministerium Briand gefährlich werden konnten, veranlaßten Herve im „Victoire" von der innigen Verbindung zwischen den gegenwärtigen politischen und mili- tarischen Machthabern Frankreichs zu sprechen. Angenom­men, es gelänge den Umsturzmännern, die Regierung in einer i*" Oberbefehl berührenden Frage zu beseitigen, so würde die ^rise dabei nicht stehen bleiben und absehbare unheilvolle ^lyen für die Regierungsform und die Landesverteidigung ^ren zu befürchten, falls gleichseitig ein besonderes Mißge-

m ^ ^#1- y» Routen fjffi frTft f.,

Die Flucht des französischen Fliegers Gilbert aus der Schweiz geglückt.

W. T.-B. Bern, 29. Mai. (Nichtamtlich.) Pariser Blättern zufolge ist die Flucht des Fliegers Gilbert nach Frankreich geglückt. „Temps" bestätigt z. B. ausdrücklich, daß der Flieger sich bereits auf französischem Boden befinde.

Der Krieg gegen Italien.

Der Einbruch in die Linie Arsiero-Astago.

Das Übergewicht der technischen und artilleristischen Über­legenheit der österreichisch-ungarischen Armeen.

Br. Berlin, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus dem k. k. Kriegspressequartier wird unter dem 28. Mat gedrahtet: Vor den Toren Arsieros und Schlegens (Asiago) stehend, haben unsere Truppen in Südtirol in rascher Zeit voll und ganz erfüllt, was man sich von der Offensive gegen die Italiener versprochen hatte. Nachdem sie täglich in schwie­rigem Gebirgsgelände Raum gewonnen und schier unein­nehmbare feindliche Bollwerke erstürmt hatten, gelangten sie vor den inneren Kern der Befestigungen beider Räume, in den sie auch schon Bresche gerissen haben. Nunmehr, da die ersten Ziele unserer Offensive erreicht, die befestigten Räume von Arsiero und Asiago betreten und die feindlichen Verbin­dungswege von uns bedroht sind, können unsere Truppen ein wenig verschnaufen. Mittlerweile werden unsere Nachschublinien ausgebessert, die schwere Artillerie sowie nötiges Kriegszeug herangeschafft. Unsere Führung legt größten Wert darauf, durch planvolle Kräfteverteilung und mustergültiges stetes Zusammenwirken aller Faktoren den Sieg zu erringen, und darum geht man österreickischerseits systematisch vor. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dutz die bisherigen Verluste verhältnismäßig sehr ge­ring waren. Nun kann eine Verlangsamung des Tempos um so mehr eintreten, da wir das Übergewicht unserer tech­nischen und artilleristischen Überlegenheit stets aufrecht er- balten müssen, um den bisher errungenen Sieg Vollendes aus- zudehnen.

Ein italienischer Protest gegen die Schön­färbereien und Vertuschungen.

Br. Lugano, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Trotz aller Schönfärberei Cadornas und trotz der optimistischen Erläuterungen der meisten italienischen Blätter scheint dennoch die Mißlich!eit der Lage immer mehr bekannt zu werden. Dafür spricht auch der heutige Artikel der kleri­kalen „I t a l i a", der gegen das Verbot, die österreichischen Kriegsberichte zu veröffentlichen, energisch protestiert. Durch dieses Verbot müsse außerhalb Italiens die Meinung er­weckt werden, daß Italien Furcht hätte. Durch das Ver­schweigen der Gefahr wird die Gefahr selbst nicht be­seitigt, sondern nur die Enttäuschung vorbereitet. Nur wenn man die Größe der drohenden Gefahr vollkommen er­mißt, und alle Träume und Phantasien ausrottet, könne man einen klaren Begriff der Wirklichkeit erhalten und Energie finden, die Gefahr zu überwinden.

Englische Eingeständnisse der italienischen Niederlage.

Br. Amsterdam, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In einem Artikel der „Times", die bisher immer betonte, man könne sich auf die Geschicklichkeit der italienischen Heerführer und die Tapferkeit der Truppen ruhig verlassen, heißt es am Freitag: Es

wäre dumm, sich zu verhehlen, daß der österreichische Aufmarsch einen bedeutenden Erfolg hätte. Die Italiener mußten schwer erkämpfte Stellungen aufgeben und führen den Kampf bereits im eige- n e n L a n d e. Es sei ein großer Erfolg, daß die Hsterreicher über das Gebirge hinüber seien, da es für sie jetzt auf der anderen Seite leichter h i n a b g i n g e. Die Bedrohung gehe alle Der- hündete an. Das Blatt glaubt sich schließlich damit trösten zu können, der österreichische Angriff sei eigent­lich nur noch ein Beweis mehr für die wachsende Ve r z w e i f I u n g der germanischen Mä ch t e (!).

Erneutes englisches Drängen auf Italien zu einer Kriegserklärung an Deutschland.

Br. Amsterdam» 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie der Berichterstatter der „Voss. Ztg." aus London erfährt, wird der italienische Ministerrat sich in der nächsten Sitzung erneut mit der Frage beschäftigen, ob Italien den Krieg an Deutschland erklären soll. Die Veranlassung dazu geht wiederum von England aus, das in der letzten Zeit noch­mals einen Versuch unternommen hat, Italien zu dieser Kriegserklärung zu bewegen.

ver Krieg gegen Niitzland.

Großfeuer in der Petersburger Admiralität.

Ein Racheakt eines hochstehenden Beamten?

Berlin, 29. Mai. (Zens. Bln.) In der Petersburger Admiralität brach, wie der „B. L.-A." meldet, am Donnerstag­mittag ein gefährliches Grotzfeuer ans. Der Marineminister Grigorowitsch entkam mit knapper Not, indem er aus dem dritten Stockwerk sprang. Der Ministergehilfe Muradjew erlitt schwere Brandwunden. Der Schaden sei

außerordentlich bedeutend; unersetzliche Akten seien verloren gegangen. In der Gesellschaft spricht man von dem Racheakt eines sehr hochstehenden Beamten.

Russische Kriegssteuern und Zölle.

W. T.-B. Petersburg, 29. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur: Fol­gende gesetzliche Bestimmungen werden veröffentlicht: 1. Für 1916 und 1917 wird eine zeitweilige Steuer von den durch den Krieg erworbenen Einkommen erhoben werden, derart, daß auf Mehreinkommen von 8—15 Prozent eine Ab­gabe von 20—30 Prozent dieses Mehreinkommens und von Mehreinkommen von 15—20 Prozent und darüber hinaus eine Abgabe von 30—40 Prozent des Mehreinkommens zu entrich­ten ist.. 2. Zur Abschätzung des Schadens, den die russischen Untanen im A u s l a n d e durch den Krieg erlitten haben, w-ird ein Ausschuß gebildet, dem gleichzeitig obliegt, pflicht- mäßige Erklärungen über das unbewegliche und bewegliche Eigentum feindlicher Untertanen und Korporationen in Ruß­land entgegenzunehmen. 3. Die eingeführten Tabaker­zeugnisse werden mit einem Zoll belegt. 4. Die Aus» fuhr von nichtboarbeitetem und bearbeitetem Leder wird untersagt. 5. Es werden gewisse Erleichterungen für die Ein­fuhr fremder Waren in das Gebiet von I a t u t s k festgesetzt. 6. Für gewisse Maschinen, die in Goldbergwerken Verwendung finden, wird, Zollfteiheit bewilligt.

Der U-voot-ttrieg.

Englische Maßnahmen gegen die vermehrte U-Bootgefahr im Mittelmeer.

Berlin, 29. Mai. (Zens. Bln.) Ein Gewährsmann der „Voss. Ztg." meldet aus London, daß die Furcht vor der U-Bootgefahr erneut gestiegen sei, so daß ein Teil der englischen Flotte aus dem Ärmelkanal nach dem Mittel­meer beordert worden sei, um die englisch-französischen Transporte nach Saloniki und Ägypten zu beschützen. Die Engländer benutzen jetzt vielfach für die Truppen- und Munitionstransporte im Mittelmeer griechische und spanische Dampfer.

Zwölf italienische Dampfer in den letzten Tagen vernichtet.

Br. Lugano, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Tie Presse gibt heute die Torpedierung der italienischen Handelsschiffe „H e r k u l e s", „A u st r c I i a", „R i t a", „M o r a w i a" und „E r m e n i a" zu. Damit hat die Zahl der torpedierten italienischen Schiffe in kürzester Frist zwölf erreicht.

vie Ereignisse auf dem valkan.

Bulgarisches Vordringen im Strumagetziet.

W. T.-B. Sofia, 28. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom 27. Mai. Heute drangen unsere im Strumage­biet operierenden Truppen aus ihren Stellungen vor. Sie besetzten den Südausgang des Engpasses von Nupel (?), sowie die anstoßenden Höhen östlich und westlich des Strumaflusses.

Br. Amsterdam, 29. Min. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Eine Mitteilung der Agence Havas aus S a I o n i k i bestätigt die amtliche bulgarische Meldung, daß bulgarische Abteilungen aus ihrer Stellung im Strumitzatale vorgegangen sind und den Südausgang des Engpasses von Rüpel sowie die an­stoßenden Höhen östlich und westlich des Strumitzaflusses be­setzt haben. An der ganzen Front finden lebhafte Geschütz­kämpfe und Gefechte statt.

Die Drohung einer VicrverbandSoffensivc in Mazedonien nur ein Bluff?

Berlin, 29. Mai. (Zens. Bln.) Das „Berl. Tagebl." er­hält von besonderer Seite die Mitteilung, daß die Drohung einer Ententeoffensive in Mazedonien ein reiner Bluff sei. Das in Saloniki versammelte Ententeheer habe 240 000 Mann betragen, .hiervon seien 20 000 Mann krank, 40 000 Mann für den Traindienst abgezogen, 30000 Mann, meist Australier und Neuseeländer, seien in letzter Zeit nach Frankreich zurückbefördert worden. Die Nachricht über die Versammlung von 100 000 oder mehr Serben in Saloniki sei gleichfalls unwahr. Alles in allem seien nur 6000 Ser­ben von Korfu nach Saloniki abgegangen. In Korfu stünden heute noch 100 000 Serben, wovon aber nur 39 000 kampf­fähig seien.

Der Transport der Serben nach Saloniki.

W. T.-B. Mailand, 27. Mai. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Secolo" wird die Verschiffung der Serben nach Saloniki, die ohne Zwischenfälle erfolgt ist, nächstens be­endet sein. Das reorganisierte serbische Heer zählt danach 100 000 Mann (!), wovon 50 000 nicht mehr feld- diensttauglich sind und hinter der Front arbeiten.

Paschitschs große Enttäufchung über feine, Rundreise.

Nur mitleidiges Achselzucken für die Wünsche Serbiens.

Sr. Lugano, 29. Mai. (Eig. Drahtbepicht. Zens. Bln.) Wie von unterrichteter Seite bekannt wird, ist Pasch itsch von den Ergebnissen seiner Rundreffe sehr niedergeschlagen.