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„Tagblalthaus".

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Samstag, 27. Mai 1916.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 247. . 64. Jahrgang.

Lin neuer großer Erfolg nördlich von Asiago.

Der ganze Höhenrücken von Corno di Campo Verde bis Meata erobert. — über 2500 Ge­fangene, 4 Geschütze u. 4 Maschinengewehre erbeutet. — Im Suganatal den Civäron er­obert. — Bei Asiero der Cimono-Gipsel be­setzt. — Erfolgreiche Flirgertätigkeit. — Ein italienischer Dampfer versenkt.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 26. Mm. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 26. Mai, mittags:

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Sugana-Abschnitt eroberten unsere Truppen den Civaron (südöstlich Burgen) und er­klommen die Elfer-Spitze (Cima-Undici.)

Im Raume nördlich von A s i a q o erkämpften Teile des Grazer Korps einen neuen groben Erfolg. Der ganze Höhenrücken vom Corno di Campo Ver^c bis Meata ist in unserem Besitz. Der Feind erlitt, auf seiner Flucht in unserem wirkungsvollsten Gc- schützfeuer große blutige Verluste und ließ über 2500 Gefangene, darunter einen Oberst und mehrere Stabs­offiziere, 4 Geschütze, 4 Maschinengewehre, 300 Fahr­räder und viel sonstiges Material in unseren Händen.

Nördlich A r s i e r o wurden die Italiener zuerst aus ihren Stellungen westlich Bacarola vertrie­ben. Sodann säuberten unsere Truppen in sieben- stündigem Kampfe die Waldungen nördlich des Monte Cimono und besetzten den Gipfel dieses Berges.

Im oberen Posino-Tal ist Bcttale ge­nommen.

Unsere Landflieger bewarfen die Bahnhöfe von Peri, Schio, Thiene, Vicenza, unsere Marineflieger die Flugzeughalle und den Binnenhafen von Grado mit Bomben.

Nachts warf ein feindliches Luftschiff zahl­reiche Bomben auf Triest ab, die jedoch niemand ver­letzten und auch keinen Schaden verursachten.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höfer. Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Eines unserer Unterseeboote hat am 23. Mai, morgens, die bedeutenden Hochöfen von Portofcrraio auf der Insel Elba sehr er­folgreich beschossen. Das Feuer wurde von einer Strandbatterie wirkungslos erwidert. Anschließend an die Beschießung ve r j e n k t e das Unterseeboot den italienischen Dampfer „Washington".

Flottenkommando.

Vor der Wiedereröffnung der italienischen Kammer.

W- T.-B. Bern, 26. Mai. Nichtamtlich. Drahtbericht.) Laut Mailänder Blättermeldungen ist gestern die Tagesord­nung für die auf den 6. Juni anberaumte Wiedereröffnung der italienischen Kammer veröffentlicht worden. Darnach sollen die Budgets des Innern, der Finanzen, des Schatzes, der Kolonien, des Krieges und der Marine behandelt werden. „Corriere della Sera" glaubt, daß nur das Budget des Mi­nisteriums des Innern besprochen werde, für die anderen werde wahrscheinlich keine Zeit sein. Die Regierung werde bereits am 9. oder 10. Juni den Voranschlag für 1916/17 ein- bringen. Voraussichtlich werde die Kammer dann sofort in die Ferien gehen. Sehr wahrscheinlich werde der Voran­schlag eine Reihe wichtiger finanzieller, durch die Kriegsbe­dürfnisse bedingter Maßnahmen enthalten.

Ein Sündenbock?

w - T.-B. Bern, 26. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Laut Mailänder Bliittermeldungen -st der Generalleutnant Roberto B o s a t i. dm: Führer der im T r e n t i u o stehen­den italienischen ersten^lrmee, zur Disposition gestellt worden.

Verdun.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

Berlin, 24. Mai 1916.

Drei Monate sind nunmehr seit Beginn des heißen Ringens bei Verdun vergangen. Wen «das lernte 'biinft, der sei an die Dauer der drei, seit der napoleoni- schen Zeit durchgsführten F e st u n g s a n g r i f f e er­innert, die ihrer Bedeutung nach mit den Vorgängen bei Verdun in Vergleich gestellt werden können: die Be­lagerung von Sewastopol (1854/55) > dauerte ein Jahr weniger sechs Tage, die van Paris (1870/71) vier Monate und stoben Tage, die von Port Arthur (1904/05) sieben Monate und sieben Tage, lob>gleich die Fcstungsanlagen von Sewastopol und Port Arthur sich in unfertig om Zustande befanden imd auch die von Paris den Anforderungen der Zeit nicht mehr ganz ent­sprachen. Verdun dagegen ist eine mit den neuesten Mitteln der Kunst und Technik ausgebaute und mit Kriegsmitteln aller Art reich ausgestattete Lager- festunq erster Klasse. Man wird daher die Widerstands­fähigkeit dieses Waffcnpkatzes höher veranschlagen müssen, zumal dem Verteidiger auch die großen Fort­schritte des gegenwärtigen Krieges auf dem Gebiete der Vchelfsbefeitigungskunst zustatten kommen.

Nun hat es sich freilich bei Sewastopol und Paris mcht lediglich um Angriff und Verteidigung der Festung, sondern um große Entscheidungskämpfe Awi- scheu den Hauptheereskrästen der beiderseitigen Par­teien gehandelt, bei denen die Festung den Kern- und Stützpunkt der Verteidigung und >das Ziel von Endsatzversuchen bildete/ In beiden Fällen entschied die Kapitulation der Festung letzten Endes den Krieg, weil in dem Ringen itim sie die Kräfte «der in der Verteidigung befindlichen Macht sich erschöpft hatten. Geschichtliche Ereignisse dieser Art werden sich nicht oft wiederholen, die Erinnerung an sie ist immerhin für das Verständnis der Vorgänge -bei Verdun nützlich Das Streben einer energischen Kriegführung wird stets in erster Linie auf Vernichtung der organisierten Streit­kräfte und Streitrnittol des Gegners gerichtet sein und das Hauptmittel dafür ist der Kampf, für den günstige Bedingungen wahrzunehmen, womöglich her- berzuführen, die wichtigste Aufgabe der Kriegsleistung und Heeressiührung ist.

In diesem Sinne haben wir gegen• Ende Februar weses Jahres, den Planen unserer zahlreichen Gegner zuvorkommend, die Initiative durch An­griff mit starken Kräften gegen den die Festung Verdun deckenden Abschnitt der Stellung unserer Feinde im Westen ergriffen und dadurch die Franzosen genötigt, sich uns dort mit dem größten Teil ihrer Streit- krafte zum Kampfe zu stellen. Die Eroberung von Verdun wird zwar auch erstrebt, das Ha uptzi el des Angriffs ist jedoch, die französische Armee, von/der uns jetzt etwa die Hälfte mit sehr zahlreicher Artillerie^ gsgenübeustcht, während die andere Hälfte an den üorigen Teilen in der langen französischen Ver­teidigungslinie von Belfert bis zur Somme, mit ge­ringeren Kräften auch in Afrika und am Vardar ge- fesselt ist. Uber weitere nennenswerte Reser­ven verfügt das Land nicht. Wir ,dagegen wissen iins stark genug, um unser Zick bei Verdun zu er- reichen und im Verein mit unseren Bundesgenossen auch allen übrigen Anforderungen, die sich aus der all­gemeinen Kriegslage ergeben, entsprechen zu können. Die von unseren östsrreck>isch-ungarischen Bundes­genossen vor einigen Tagen auf deni italienischen Kriegsschauplätze mit so glänzendem Erfolge ergriffene Offensive ist ein laut sprechender Beweis hierfür.

Da die Franzosen sich, wie wir bereitwillig aner­kennen, tapfer wehren, so ist unser AngrU biGer nur schrittweise und, da wir zur Verminderung unserer Verluste jeden neuen Schritt sorgsältig vorbereiten, entsprechend langsam vorwärts gekommen. Wer auf die Siegeshymnen, die unsere Gegner infolgedessen bereits anstimmen, wird bittere Enttäuschung folgen. Zwar sind auch die Verluste, mit denen wir unsere Erfolge erzielt haben, nicht gering. Aber sie bleiben 'der absoluten Zahl nach und noch mehr im Verhältnis zur Gesamtstärke des Heeres weit hinter den von den Franzosen, beson­ders bei ihren zahlreichen abgeschlagenen Gegen­angriffen erlittenen zurück, und wir verfügen noch über reiche Mittel zu ihrem Ersatz, während die französischen Heeresergänzungsquellen bis aus den letzten Mann er­schöpft sind. Inzwischen werden auch unsere energisch

und erfolgreich m den letzten Tagen foctgssetzten An­griffe jeden etwaigen ZNEifel an der Nachhaltig- feit unserer Kraft und unseres Willens, bei Verdun einen vollen Sieg zu erringen, den Boden entzogen haben. Und wenn es, wie nicht unwahrscheinlich, letzten Enldes auf die Stänke der Nerven ankommt, — die deutschen Nerven sind gesund!

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Österreichische Kriegsgefangene in Frankreich.

1200 österreichische Kriegsgefangene, die von der serbischer Armee auf ihrem Rückzug mitgenommen und dann in Sar­dinien untergebracht worden waren/sind in Toulon gelandet worden. Sie werden in der Umgebung der Stadt interniert. Für die nächsten Tage werden weitere 1300 Gefangene er­wartet.

Oer Rrieg gegen Rußland.

17 000 russische Eisenbahn-Waggons verlorengegangen!

Die Verwaltung der russischen Südwestbahn hat, dem „Rußkoje Slowo" vom 9. Mai zufolge, vom Verkehrsministe- rium eine Drahtung erhalten mit dem Befehl, alle Maß­nahmen zu ergreifen, um die 17 000 verlorengegangenen Waggons aufzusuchen. Das Verschwinden dieser Waggons ist auf der letzten Tagung der Vertreter russischer Eisen­bahnen fesigestellt worden. Der Chef der Südwestbahn hat auf allen Linien seines Bezirks die Jagd nach den 17 000 Waggons angeordnet.

Verteidigungsmaßnahmen an der Küste des Weißen Meeres.

Stockholm, 25. Mai. (Jens .Mn.) Dem „Aftonbladet" wird ans Kopenhagen gedrahtet: Nach hier eingetrosfenen Nachrichten werden energische Vorbereitungen zur Verteidi­gung an der Küste des Weißen Meeres und der mur­manischen Küste gemacht. Unter den zu befestigenden Orten werden in erster Linie Archangelsk und Semjenowa ge­nannt. Mit den Verteidigungsmaßnahmen in Zusammen­hang steht der Bau einer Eisenbahn vom Ural bis zum Weißen Meer mit 1410 Kilometer Länge. Sie läuft durch das Waldgebiet von Mesenob und Petschora und soll die Nutzbar­machung der nordrussischen Wälder ermöglichen und einen Ausfuhrweg für die sibirischen Rohprodukte eröffnen, besonders für Getreide.

Die Kriegseinkommensteuer in Rußland.

Gründung einer neuen Agrarpartei.

w - T.-B. Kopenhagen, 26. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) „National Tidende" meldet aus Petersburg: Der Ministerrat hat das Gesetz für die Kriegseinkmirmensteuec bestätigt und in der van dem Reichsrat und der Reichsduma angenommenen Fassung angenommen. Sobald die Unter­schrift des Zaren vorliegt, wird mit der Durchführung des Ge­setzes sofort begonnen werden. — In der Reichsduma hat sich eine neue Partei gebildet, die sich Agrargruppe nennt. Sie zählt 40 Mitglieder. Den Vorsitz fiihrt Fürst Tscherbatow.

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Die englischen U-Boote in der Ostsee.

Kopenhagen, 25. Mai. (Zens. Bln.) „Politiken" berichtet, daß gestern fünf deutsche Dampfex Falsterbö pas­sierten. Sie waren von Kriegsschiffen begleitet. Auf der Höhe von Kullen wurde ein englisches Unterseeboot wahrge­nommen. Vier deutschen Schiffen gelang es, die schwedischen Territorialgewässer zu erreichen, ohne angegriffen zu werden.

Oer Rrieg über §ee.

Fernlvirkungen der „Möwe".

Die Korrespondenz „Deutsch-Übersee" erzählt ein hübsches Beispiel dafür, wie stark den Engländern die kühne Fahrt der „Möwe" in die Knochen gefahren ist. Als die Nachricht von der Kaperung der „Appam" nach unserer von Engländern und Franzosen besetzten Kolonie Togo gelangte, wurden in der am Meer gelegenen Hauptstadt Lome in aller Eile fieberhafte BerteidigungSmaßregeln ergriffen. Schützen- grüben wurden längs des ganzen Strande« aufgeworfen, in denen Tag und Nacht englische Truppen den Angriff er­warteten, und die ganze Küste wurde in waffenstarrenden Verteidigungszustand gesetzt. Die gefährlichen anderthalb Dutzend Deutschen, die noch in Lome waren, wurden Hals über Kopf 120 Kilometer weit ins Innere der Kolonie nach Palimc verbracht, wo sie in dem Polizeimeisterhaus inter­niert wurden. Erst nach wochenlangem vergeblichen Warten uuf den Angriff traten allmählich wieder „friedliche" Ver­hältnisse ein.

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