Verlag Langgaffc 21
„Tagbl«tth«ls".
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Zreitag, 26. Mai 1916.
Kbenü-Kusgabe.
Nr. 246. . 64. Jahrgang»
weiterer 5ortschreiten unserer Angriffe östlich der Maar.
Wieder 600 Gefangene, 12 Maschinengewehre erbeutet. — Ein erfolgloser Angriff von Turkos westlich Höhe 304.
Der Tagesbericht vom 26. Mai.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 26. Mai. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Links der Maas wurde ein von TurkoS ausgeführter Handgranaten - Angriff westlich der Höhe 304 abgeschlagen.
Auf dem ö st l i ch e n Maasufer setzten wir die Angriffe erfolgreich fort. Unsere Stellungen westlich des Steinbruches wurden erweitert, die Thiaumont- Schlucht überschritten und der Gegner südlich des Fort Douaumont weiter zurückgeworfen. Bei diesen Kämpfen wurden weitere 600 Gefangene gemacht, 12 Maschinengewehre erbeutet.
In der Gegend von L o i v r e, nordwestlich von Reims, machten die Franzosen einen vergeblichen Gasangriff.
Das im Tagesbericht vom 21. Mai erwähnte südlich von Chateau-Salines abgeschosiene feindliche Flugzeug ist das f ü n f t e von Leutnant W i n t g e n s im Luftkampf außer Gefecht gesetzte.
Östlicher und Balkankriegsschauplatz.
Keine wesentlichen Ereigniffe.
Oberste Heeresleitung.
Oie Zriedensfrage.
Die Äußerungen des Reichskanzlers zu Herrn von Wiegand waren deutlich genug, «der es kann nur nützen, wenn .man für eine noch desirmmtere Auslegung ihres Sinnes eine Bestätigung empfangt. Ein Wiener Bllatt hat sich aus Berlin melden lassen, 'daß von der „zuständigen Stelle" eine „Interpretierung" jener Erülärun- gen des Kanzlers, die auf unsere Friedensbereitschast sich beziehen, als zutreffend anerkannt woridsn sei. Aus dieser „Interpretierung" seien zwei Punkte als die wichtigsten hervorgehoben, einlnal die Betonung 'des Standpunkts, .daß die einzige Grundlage für Verhandlungen nur die gegenwärtige Kriegslage bieten könne, und daß sich mit der weiteren Entwicklung der Kriegslage auch unsere Friede nsbedin gungen entsprechend ändern würden. Der zweite Punkt betrifft die Feststellung, daß der Reichskanzler nur für DeutsMand und nicht für die Vevbündeten sprach, daß er also nicht die Rolle des Führers einer Mächtegruppe auf sich nehmen wollte. Um von diesem zweiten Moment zuerst zu reden, so hat wohl schwerlich irgendwo bei unseren Verbündeten der Eindruck bestanden, als wollte der verantwortliche deut- sche Staatsmann etwa jene Rolle übernehmen, wie sie das englische Kabinett in der feindlichen Mächtegriwpe sich anmaßen darf. _ Indessen, unbeschadet des Umstandes, daß der Reichskanzler den Eindrnck verimeiden wollte, als spräche er von einer höheren Warte ans als von der eines deutschen Ministers, ist es uns eine e r- treuliche Gewißheit, „daß Deutschland mit seinen Verbündeten konform handelt". Unsere Interessen sind auch die unserer Freunde, die Interessen un- si'ver Freunde sind auch.die unsrigen. Unser Vierbund brauchte sich nicht vertragsmäßig dahin zu binden, daß kein Sonderfriede abgösÄossen werden dürfe, wir werden den Frieden selbstverständlich mit demselben G e- meinsamkeit schließen, wie wir den Krieg gemeinsam führen. In Wien, in Sofia und in Konstantinopel darf man sicher sein, daß jede erfüllbare Forderung, die von den Lebensinteressen dieser Staaten bedingt wird, von uns vertreten wevden wird, und ebenso zweifelt bei uns nieniand daran, daß die weltpolitischen Rechnungen, die wir an unseren Grenzen zu begleichen hoben, von unseren Verbündeten Zugleich mittelbar als die ihrigen betrachtet werden. Was nun aber die Erklärung des Reichskanzlers betrifft, daß nur «die .gegenwärtige Kriegslage eine brauchbare Grundlage für Verhandlungen abgeben könne, so wollen wir bei der Darstellung des Sachverhalls, der sich somit darbietet, nicht unnötig verweilen, sondern nur das eine sagen, daß die Feinde allen Grund haben, sich nüt der Erweiterung dieses Satzes zu beschäftigen, mit der Hinzusügung also, .daß sich mit der ferneren Entwicklung der Kriegslage auch u n- sere Fr ie d en sb e d i n g u n gen werden ändern müssen. Wenn die Fernste nicht auf Wunder rechnen, .müssen sie wissen, 'daß sie die v e r I o r e n c Partie, nicht wivderherstÄlen können. Seit dem ' 3. Mai 1915, seit dem Tage von Gorsice-Tornow, hat
jede Kriggshandlung die Überlegenheit unseres Vierbundes und die entsprechenden großen Fortschritte in Feinsteslanst hinein bewiesen. In diesem Jahre seit der entscheidenden Wendung haben wir im Osten Tausende von Quast ratmreilen in unseren festen Besitz gebracht, haben wir im W e st e n die Front gehalten, um sie jetzt durch den Kamps um Verdun zu erweitern, haben wir Serbien und Montenegro wegge- wischt, die Meerengen befreit, die englischen Truppen vom Tigris zurückgetrieben, den Kriegsschauplatz von Tirol nach O b e r i t a l i e n verlegt. Jede dieser Kampfhandlungen aber hat die mit jedem Tage neu bestätigte, Kraft der Erweiterung in sich. Der Traunl von einer Offensive der Feinide an der Westfront, oder von einem russischen Angriff oder von der Möglichkeit, unseren Verbündeten wieder die eroberten Balkau geb i e t e zu entreißen, oder wohl .gar von einem, italienische Vorstoß, oH das ist zerronnen. Die einzige Stelle, an der die Feinde geringe Vorteile erstritten haben, ist Armenien. Wenn hiernach jetzt der Vierverband die Einsicht zeigte, die der Reichskanzler in seiner .Kundgebung 'mit warnendem Hinweise, auf oie Folgen ihres Unterbleibens erwähnt, so würde er noch größere Opfer abwenden, von deneii er so sicher betroffen werden müßte, wie. es sicher ist, daß -wir bei längerer Verzögerung des rettenden Entschlusses der Feinde unsere Vorteile nur noch steigern würden. Es ist wieder einmal die Geschichte von den sibyllinischen Büchern: -das Geschäft muß sich für die Gegner unweigerlich verteuern, wenn sie nicht einen Strich unter 'die verfehlte Rechnung sitzen. Die Frage, -ob 'das geschehen wird, läßt sich mit einiger Bestimmtheit nicht beantworten. Me leidenschaftlichen Versicherungen des Herrn P o i n c a r 4 , daß Frankreich und seine Freunde uns den Frieden ^diktieren" werden, sind fteftich nur wie der Wind, der durch den Schornstein geht, und auch die jüngsten Äußerungen des Herrn Ssasonoav zu Herrn Paschitsch, 'daß wir unter allen Umständen aus den besetzten russischen ^Gebieten vertrieben werden müßten, sind nur erne Sammlung von aneinander gereichten leeren Worten. Die Entscheidung steht jetzt wie immer bei England. Der Reichskanzler hat recht, wenn er meint, Herr Grey müsse selber wissen, ob seine Kundgebung ein Entgegenkommen bedeuten solle. Wie die Roichsleitung denkt, das weiß Grey jetzt; er kann sich danach richten, er kann das aber muh unterlassen, wie er 'das letztere offenbar einstweilen will noch den in der Morgenausgabe mitgeteilten neuen Äußerungen im Untevhou'se, deren beleidigender Ton gegen den Reichskanzler itm so mehr zurück prweffen ist. Äs Grey den alten Lügen und Entstellungen nur neue hinzu fügt. Grey ist,demnach offenbar noch nicht zur Einsicht reif. Wir dagegen sind der nützlichen Gewißheit, daß die Zeit noch nie so gut wie jetzt für un s gearbeitet hat. Wenn wir alles in allem nehmen,, -hoben w t r nicht den geringsten Grund, uns enttäuscht oder gar unglücklich zu suhlen, weil die Feinde in ihrer Verblendung ibebarren und nicht begreifen, daß wir nicht abgeneigt sind, ihnen goldene Brücken zu bauen.
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weiteres von der Zriedensdebatte im Unterhaus.
W. T.-B. Rotterdam, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Bei der vorgestrigen Friedensdebatte im Unterhaus sagte der liberale Abgeordnete Ponsenbh: Es ist ebenso Pflicht des Unterhauses, die Arbeit der Diplomatie zu leiten, wie über die Kriegführung zu wachen. Wir haben keine Ursache, uns zu diplomatischen Erfolgen vor oder während des Krieges zu beglückwünschen. Wenn der Krieg fortdauern soll, bis der deutsche Reichskanzler und der Staatssekretär des Äußern sich darüber geeinigt haben, wer für den Ausbruch des Krieges verantwortlich ist. fürchte ich, daß das Ende noch in weiter Ferne liegt. Hat Deutschland sich geweigert, Belgien wiederherzustellen und Frankreich und Serbien zu räumen? Hat es sich geweigert, ein unabhängiges Königreich Polen aufzurichten und an der Ernennung einer internationalen Kommission zur Erhaltung des Friedens mitzuwirken? Wir wissen es nicht und Deutschland wurde nie darum geftagt. Das englische Volk muß wissen, ob Deutschland diese Dinge verweigert hat, oder ob ein anderes Geheimabkommen England daran hindert, Friedensverhandlungen anzufangen. — Ramsey Macdonald (Arbeiterpartei) sagte: England kann, wenn es noch einiges Ehrgefühl bat, keinen Frieden annehmen, der den Verlust der belgischen Souveränität mit sich bringt. Grey sollte aber Deutschland fragen, ob es Belgien räumen werde, sobald die Friedensverhandlungen beginnen. Es ist auch notwendig, in Europa den beunruhigenden Einfluß von Nationen zu beseitigen, die sich unter fremder Herrschaft unglücklich fühlen. In diesem Zusammenhang, sagte der Redner, möchte ich den Staatssekretär des Äußern ersuchen, das Gerücht in Abrede zu stellen, daß wir mit den Russen ein Abkommen getroffen haben,, wonach das Nationalitätenprinzip nicht in Anwendung gebracht werden kann. Dieser Krieg
muß mit der Vernichtung des Militarismus in Europa enden. (Beifall.) Wir müssen aber erklären, daß wir selbst bereit sind, das Unsrige dazu beizutragen, um dem Militarismus ein Ende zu machen, wenn wir von Deutschland verlangen, seinerseits damit aufzuräumen. Die deutschen Sozialdemokraten verbreiten Reden Runcimans in den Schützengräben als Beweis dafür, daß es Englands Absicht sei. die deutschen Familien in Armut zu stürzen. Macdonald schilderte dann die furchtbaren Leiden der neutralen Länder, wie Norwegen, Schweden und Holland, vor allem in Holland, wo die Löhne nicht im Verhältnis zu den Hungersnotpreisen gestiegen seien. Er setze sich dafür ein, daß der Krieg nicht länger dauern würde, als bis er sein höchstes Maß an guter (!) Wirkung erreicht habe. Grey und das Unterhaus seien nur dann wert, den tapferen Männern, die für England ihr Leben aufopfern, in die Augen zu sehen, wenn sie dafür Sorge tragen, daß keine Gelegenheit zu diplomatischen Verhandlungen versäumt werde.
Der Nrieg gegen Italien.
Italienische Zugeständnisse.
über 35 000 Flüchtlinge aus den bedrohten Gebieten in Vicenza angekommen.
Nr. Lugano, 26. Mai. (Eig. DrahtberiM Zens. Bkn.i Der „Secolo" gibt nunmehr in einem von der Zensur vielfach gestrichenen Artikel die österreichisch-ungarischen Erfolge offen zu. In Vicenza sind über 35 000 Flüchtlinge aus den von den Österreichern besetzten und bedrohten Gegenden angekommen. „Jtalia" und „Messaggero" stellen traurige Betrachtungen darüber an, daß die Verbündeten, insbesondere die Russen und Franzosen, nicht durch einen Angriff im Osten zu Hilfe kommen können, während der „Corriere della Sera" sich über die Lügen entrüstet, die in russischen Blättern verbreitet werden und von einem Stillstand der österreichischen Offensive erzählen. Die „Tribuna" bekämpft in einem heftigen Artikel das Verhalten Campolonghis, der im „Secolo" noch vor wenigen Wochen darauf drang, daß Italien den Franzosen Hilfe leiste und jetzt die Verbündeten warnt, sich durch diese österreichische Offensive nicht zu vorzeitigen Gegenangriffen und lokalen Aktionen verleiten zu lassen. ES scheint nun selbst in Italien klar zu werden, daß der „Secolo" wesentlich französische, nicht-italienische Interessen vertritt.
Der Orden Pour le m^rite für den Erzherzog- Thronfolger.
W. T.-B. Wien, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Das Heeresverordnungsblatt meldet: Der Kaiser hat dem Feldmarschallleutnant und Vizeadmiral Erzherzog Karl Franz Joseph die Bewilligung zur Annahme und zum Tragen des ihm vom deutschen Kaiser verliehenen Ordens I>our lg merite erteilt.
Eine weitere italienische offiziöse Beschönigung.
W. T.-B.. Bern, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Die Agenzia Stefani gibt eine Schilderung des ersten Abschnittes der österreichisch-ungarischen Offensive, in der es heißt: Unsere Infanterie leistete den feindlichen, zum Sturm vorgeworfenen Jnfanteriemassen zwischen Etsch und Brenta, besonders aber zwischen Teragnolo-Tal und Hoch-Astice hartnäckig Widerstand. Um den Wirkungen der heftigen feindlichen Beschießung zu entgehen, zogen sich unsere Vortruppen nach und nach auf die rückwärts liegenden Verteidigungslinien zurück. Hätte sich die Verteidigung versteift, die vorgeschobenen Stellungen zu behaupten, so hätte man zwar eine tapfere Tat vollbracht, aber sehr schwere unnötige Opfer gebracht. Die Kommandanten zogen sich deshalb aus verschiedenen Abschnitten nach den Hauptwider- ftandslinien zurück. In dem Frontabschnitt, in dem der Feind seine Hauptanstrengungen machte, nämlich auf dem Tonojsa-Plateau, hatte uns die Beschaffenheit des Geländes gezwungen, unsere Hauptverteidigungslinie auf den Monte Maggio, Monte Tarana und Campolenzo zu legen, weil hinter diesen Höhen das Gelände jäh in die Täler abstürzt. Diese Linie war aber nur 4 bis 7 Kilometer von den feindlichen Batterien entfernt. Diese äußerste unvermeidliche Nähe veranlaßte uns, in diesem Abschnitt auf die Hauptverteidigungslinie zu verzichten und die Verteidigung zurückzuverlegen. Natürlich hatte die Zurücknahme unserer Truppen Verluste an Menschen und Ge- schützen, da sie in rauhem, abschüssigem Gelände ausge- siihrt werden mußte.
Porto Ferrajo von einem Unterseeboot beschossen.
Rotterdam, 26. Mai. (Zens. Bln.) Einer Meldung aus Rom zufolge schoß vorgestern ein feindliches Unterseeboot auf Gebäude bei P o r t o F e r a j o. Verletzt wurde niemand. Der Schaden ist unbedeutend.
Der Kamps eines österreichisch-ungarischen Motorbootes.
Eine neue italienische Falschmeldung.
W. T.-B. Wien, 25. Mai. (Nichtamtlich.) Die Meldung der Agenzie Stefani von der Versenkung eines österreichisch, ungarischen Motorbootes in der oberen Adria ist unrichtig. Das österreichisch-ungarische Motorboot wurde von zwei italienischen Panzermotovbooteu beschossen und gerammt.
