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Donnerstag» 25. Mai 1916. nr * 244 * * 64 ‘ ^ahrglM-.

Erfolgreiche deutsche Gegenstöße und ' neuer Geländegewinn bei Douaumont.

Östlich der Maas 850 Gefangene und 14 Maschinengewehre erbeutet. Auch der Stein­bruch von Haudromont ganz wiedergewon­nen. Vergebliche französische Gegenangriffe auf Cumieres.

Dar Tagesbericht vom 25. Mai.

W.T.-B. Großes Hckuptquartier, 25. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Englische Torpedo- und Patrouillenboote wurden an der flandrischen Küste von deutschen Flugzeugen angegriffen.

Westlich der M a a s scheiterten drei Angriffe des Feindes gegen das von ihm verlorene Dorf Cumieres.

Östlich der Flusses stießen unsere Regimenter unter Ausnutzung ihrer vorgestrigen Erfolge weiter vor und eroberten feindliche Gräben südwestlich und südlich der Feste Douaumont.

Der Sleinbruch südlich des Gehöftes Haudromont ist wieder in unserem Besitz.

Im Cailletewalde lief der Feind während des ganzen Tages gegen unsere Stellung völlig vergeblich an. Außer sehr schweren blutigen Verlusten büßten die Franzosen 850 Mann an Gefangenen ein, 14 Maschinen­gewehre wurden erbeutet.

Bei St. S o u p l e t und über dem Herbe Bois wurde je ein feindlicher Doppeldecker im Luftkampf ab- peschossen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Balkan-Kriegsschauplatz.

U e s l e b und G j e v g e l t wurden von feindlichen Fliegern erfolglos mit Bomben beworfen.

Oberste Heeresleitung.

wieder einmal Aiedemgerede.

Herr WUon bietet sich als Frieden sverlinitt- l e r an. Das ist der Sinn seiner Rede, die er am letz­ten Samstap „vor hunderttausend Menschen" geheckten hat. Man braucht nicht erst zu sagen, welche GsfüUe der Erbitterung und des Hohnes es in deut­schen Herzen erwecken mutz, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten salbungsvoll seine „Ausgabe als Hüter der Menschlichkeit" preist, nachdem Amerika durch seine Kriegslieferungen alles getan hat, um diesen Krieg zu verlängern, im me r bluti­ger zu machen und uns Schaden zuzufügen. Wer wie der Reichskanzler in seiner Unterredung mit Herrn v. Wigand meinte, daß es keinen Zweck habe, immer wieder in die Vergangenheit zurückzüblicken, so .wollen auch wir uns nicht bei der Betrachtung der gegen uns gerichteten Parteilichkeit der Vereinigten Staaten auf­halten, sondern die Lage von heute .allem prüfen und so einen Ausblick in dre Zukunft gewinnen. Warum geberdet sich Herr Wilson zur Stunde als eifervoller Friedensagent? Wer die Kriegslage überblickt, findet.die Antwort auf die Frage schnell. Es gcht u n- seren Feinden überall schlecht, und da ihre üble Lage sichtbavlich die Folge unserer unwidersteh­lich wirksamen Methode ist, so müssen sich die Staatsmänner .des Dierverbandes und die zu ihnen haltenden „Neutralen" sagen, daß die Wirkungen mit automatischer Sicherheit fortschreiten und .sich steigern werden. Die letzte Hoffnung unserer Feinde war die auf unsere Aushungerung. Da die Re­gierungen im gegnerischen Lager doch besser Bescheid wissen als die lärmenden Zeitungen, so müssen wir wohl annehrnen, daß nunmehr in London ein zuver­läff i g e s Bild der Wirklichkeit auf Grund objektiver Ermittelungen gewonnen worden ist, die jede Regie­rung ja mit ihren reichen fachmännischen Hilfsmitteln anftellen kann. Man hat bei uns ja niemals verschwie­gen, wie es mit unserer Volksernährung steht, und für manchen Betrachter war es beinahe ein Z u v i e l der Offenherzigkeit, das in deutschen Landen geübt wurde und das den Feinden in der Tat unsere Zustände mit einer Deutlichkeit zeigte, wie wir sie bei der Würdigung der entsprechenden Verhältnisse auf der anderen Seite in dieser Bestimmtheit nicht haben erhalten können. Aber wenn das vorübergehend geschadet hat, weil die Hoffnungen aus unsere Aushungerung dadurch be­stärkt werden, so erleben wir jetzt offenbar die g ü n st i- gere Wirkung des Sachverhalts. England weiß, und zwar gerade infolge unserer offenen Dar­legungen, daß der Hunger krieg schon zuschan- den geworden ist und sein Ziel, unsere Vernich­tung, nicht erreichen kann. Somit tritt der Krieg selbst wieder sein ehernes Entscheidungsrecht an, auf den Schlachtfeldern fallen die Würfel. Alle unsere Fc-inde haben aus den Gedanken, uns und unsere Ver­bündeten durch einen gemeinsamen Vorstoß über den Haufen zu rennen, gründlich ver­zichten .müssen. Den Engländern ist es wohlbekannt, und sie verschweigen es auch gar nicht, daß selbst die entschiedenste Durchführung der allgemeinen W e.hr- p f li ch t die britische Truppenstärke in Nordsrankreich nur um ein Geringes vermehren könnte. Der g e- plante große Angriff an der Westfront ist längst durch unsere Offensive bei Verdun vereitelt wordew. Wem es bei uns zu Iangs.am mit dem Vordringen au dieser Stelle zu gehen scheint, der berücksichtigt nicht, daß unser Z i e l in der wichtig- freit Hinsicht schon erreicht ist. Dies Ziel war es doch wohl, dem feindlichen Angriff z u v o r z u k o m- nk e n, ihn auszuschalten, ihn dadurch zu ersetzen, .daß wir das Gesetz des Kampfes diktierten. Das ist im vollsten Umfange bereits gesichert worden, und damit allein schon ist dort die Entscheidung für u n s gefallen. Frankreich verblutet sich bei Verdun, seine Truppen sind in einem für sie aussichtslosen Ring gefessölt und gelähmt, und ob dieser Kantpf noch Wochen oder Monate dauert, das kann.nichts mehr an der wuchtigen Tatsache ändern, daß der Feind f e st- gelegt ist und es sich gefallen lassen muß, wie wir mit ihm umgehen. Die drei Monats seit dem Beginn unserer Offensive haben aber auch gezeigt, daß Eng­land vollkommen unfähig ist, den Ausschlag für Frankreich zu geben. Auch die Engländer können sich an der von ihnen eingenommenen Front nur gerade not­dürftig behaupten, auch sie müssen es dulden, daß wir Wesen und Richtung der Kampfhandlungen bestimmen. Die Regierungen und die Heerführer der Feinde wer­den es natürlich der Welt nicht sagen, daß sie dies alles mit schmerzlicher Wut genau erkennen, aber erken­nen tun sie es ganz gewiß. Können sie uns nicht be­siegen und können sie uns nicht aushunqern, verblutet sich Frankreich dafür bis zur entsetzlichsten Grenzen­losigkeit, warum sollte England somit nicht der- suchen, leise an das Friedensglöcklein zu rühren, zumal die Aussichtslosigkeit einer Wendung zugunsten des

Lierverbandes an der russischen Front, auf deni Balkan und an der i t a I i e n rs ch e n Front brennend deutlich geworden ist? Sir Grey hat jüngst in seiner Unterredung mit einem ZeitungJvertreter den Pflock ja schon ganz gehörig z u r ü ck g e st e ck t, er sprach nicht mehr von der Vernichtung _ unserer Kriegsflotte, von der Zerstücklung unseres Gebiets, von der Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich. Er schwieg über Palen, er wollte eigentlich nur^ den Zu­stand vor dem Kriege wiederhergestellt wissen, und darum sprach er von Belgien, Serbien und Montenegro. Er betvegte sich mit alledem freilich ans einem Boden, den wir so, wie es drüben gemeint ist, selbstverständlich niemals betreten können, aber ein Nachlassen der früheren Verstiegenheiten ist doch zu beobachten. Und nun lehrt uns Herrn Wilsons Kundgebung, daß das bedrückte englische Gemüt in Amerika verständnisvolle Teilnahme gefunden hat, daß die Hilfe angeboten wird. Herr Wilson will es nmchen. Aber dieser Mann gerade ist der Friedensvermittler, den wir am wenigsten brauchen können, und weil darüber kein Wort weiter zu verlieren ist, so erwächst für uns die sehr lohnende' Aufgabe, mit weite­ren wuchtigen Hammeffchlägen die Feinde mürbe zu machen, damit sich, wie es Hindenburg knapp und klug ausgebrückt hat: „Alles unserem Willen fügt." Wie wir auf allen Kampfplätzen stehen, kann das geschehen, und es wird geschehen.

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Der Krieg gegen Italien.

Zunehmende Beunruhigung in Italien.

Sr. Zürich, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

Die „Reuen Zürcher Rachr." erhalten folgendes Privattele- gramm aus Mailand: Nach italienischen Privatmeldungen ist die Beunruhigung über die Lage an der Frvnt in s ch n e l l em Zunehmen. Namentlich in Süditalien wächst die Unzufriedenheit des Volkes, das durchaus den Frieden will. Bedenkliche Symptome zeigen sich. Eine Reihe von Tuchfabriken hat den Betrieb eingestellt.

Die Flucht der Bevölkerung der bedrohten Gebiete vor den Österreichern.

W. T.-B. Bern, 25. Mai (Nichtamtlich.) „Jtalia" ent­hält eine Meldung aus Vicenza, wonach die Bevölkerung der Alpentäler vor den Österreichern in die Städte flüchte. In Vicenza seien in den letzten Tagen 20 000 Personen an­gekommen, welche jetzt unterstützt werden müßten. Ebenso seien in Thienne, Bussano, Schio Breganze, Lugo, Marostica, Marano und Robe viele Flüchtige angekommen. Die Be­völkerung von A st a g o sei nach Noventa, diejenige von A r s i e r o nach Lonigo geflüchtet.

Sr. Zürich, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Seit Samstag sind die italienischen Anschlüsse der Eisen­bahnen ausgeblieben. Reisende aus Mailand berichten, daß die Schulen und öffentlichen Gebäude Mailands von den Flüchtlingen aus der oberitalienischen Ebene be­zogen wurden. Die Zahl der aus den Grenzgebieten ge­flohenen Zivilbewohner wird auf mindestens 60 000 angegeben.

Der Ruf der Bedrängten nach russischem Gegendruck.

W. T.-B. Bern, 25. Mai. (Nichtamtlich.) Italienische, besonders römische Blätter erinnern an die militärischen Ab­machungen mit den Alliierten, betreffend einen gleichzei­tigen Druck auf allen Fronten. Während der „Messaggero" in einem Pariser Briefe schreibt, es würde weder recht noch angemessen sein, zur Zcit der österreichisch-ungarischen Offen­sive auf die verbündeten Heeresleitungen oder Regierungen einen Druck auszuüben, meint die „Tribuna", es sei nicht nur zu wünschen, sondern auch wahrscheinlich, daß nächsten? die Ereignisse an der Ostfront beweisen würden, daß die russischen Truppen diese Gelegenheit nicht un­benutzt vorübergehen lassen würden. „Giornale d'Jtcrlia" sagt, man dürfe fragen, ob die weitere Verzögerung der Aus­führung des Planes einer gleichzeitigen Offen­sive diesen nicht ernstlich beeinträchtigen würde, und ob es nicht richtiger wäre, wenn Rußland die Entblößung der Ostfront und die Verluste vor Verdun ausnutzen und seine Aktion wieder aufnehmen würde.

Ein französischer Divisionsgeneral in Rom.

Lugano, 24. Mai. Der französische Divisionsgeneral G a g l i a r d i traf heute in Rom, angeblich in besonderem militärischen Aufträge, ein.

Weitere neutrale Urteile aber Italiens lächerliche Rolle.

V/. T.-B. Wien, 25. Mai. (Nichtamtlich.), Das „Fremden- blatt" meldet aus dem Haag: Gegenüber einem Bericht­

erstatter des „Fremdenblattes" betonte der ehemalige hollän­dische Staatsminister L o h m a n n seinen neutralen Stand­punkt, welchen er in seinem Buche über den Krieg dargelegt habe. Er identifizierte seine Grundprinzipien mir denen seines Freundes Höfrat Lammasch. Die allgemeinen Sym­pathien Hollands seien Österreich-Ungarn zugewandt.

Zur Lage.

Vollkommen erfundene französische Mel­dungen über Douaumont.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Französische Berichte hatten den Erfolg des Angriffes auf unsere Stellungen bei Douaumont in ganz unglaublicher Weife übertrieben. Zweifellos um den in Frankreich sinkenden Mut und die politische Mißstimmung gegen das Ministerium B r i a n d sowie die Kriegsführung I o f f r e s zu beeinfluffen. Ferner aber auch, um die Italiener glauben zu machen, in Frankreich hätte die erbetene Ent- lastungsosfensive mit bedeutender Wirkung eingesetzt. Die französischen Berichte hatten behauptet, die Franzosen hätten d^s Fort durch ihre Angriffe wieder in ihren Besitz gebracht Und es wären sogar schon deutsche Gegenangrise dort abge­schlagen worden. Daher die Freude in der Republik. Wir sind in der Lage, auf Grund zuverlässigster deutscher Meldun­gen, diese französischen Berichte als vollkommen erfun­den zurückzuweisen. Das Fort Douaumont ist f cst i n deutscher Hand. Während der ganzen Dauer der Kämpfe ist es uns nicht verloren gegangen. Es ist wohl möglich, daß bei den Vorstößen des Gegners einzelne Leute bis in den südlichen Kehlgraben des Forts eingedrungen sind, aber wenn dies tatsächlich der Fall war, so gelangten sie nnr dorthin, umsofortgefangcn und abgeführt zu wer­den. Französische Patrouillen kamen wohl auch bis an die Schulterpnnkte der Besestigungsausläufer heran, konnten sich aber dort nicht festsetzen. Daß die dort kämpfende deutsche Division einen Teil ihrer vorderen Linien hatte aufgeben müffen, war ja in dem deutschen Heeresbericht erwähnt wor­den. Seit gestern aber hat sich das Blatt völlig gedreht. Die deutschen Gegenangriffe haben die Franzosen nicht nur aus unseren ftüheren, zeitweise aufgegebenen Stellungen wieder hinausgeworfen, sondern sind noch beträchtlich weiter vorgcstohen. So wurde der Caillette-Wald in dem Teil, den die Franzosen in Besitz nehmen konnten, wieder gesäubert. Bei diesen Kämpfen vor Donanmont machten wir gestern 75V Gefangene und erbeuteten 13 Maschinengewehre. Cs war aber in einem der letzten Heeresberichte gesagt worden, daß wir den bekannten Steinbruch von Haudromont zum Teil aufgegeben hatten. Auch diese wichtige Stellung ist wieder in unserem Besitz und 100 unvcrwundrte Franzosen wurden dort von uns gefangen genommen. Westlich der Maas richteten dir Franzosen drei Angriffe gegen Cumieres, die abgewiesen wurden. Südlich von Cumieres hält der Feind nur einen Obstgarten und ein Waldstück, die jedoch nicht zum eigentlichen Dorf, das ganz in unserer Hand ist, gerechnet werden können. Die Engländer geben jetzt zu, daß sie die von uns bei Gi»enchy-en-G,helle verlorene Frontstücke nicht zurückgewinnen konnten. Bei den gestrigen L u f t k ä m P f e n sind, wie weiter gemeldet wird, zwei frän­kische Flugzeuge abgeschoffen worden.