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Wiesbadener vEaalilatt.

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„Tagblatthans" Nr. 6650-53.

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Donnerstag» 25. Mai 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 243. ♦ 64. Jahrgang.

Lin italienisches Panzerwerk erobert.

Abermals 83 Geschütze erbeutet.

Weitere Fortschritte nördlich und südlich des Suganatales.—Italienischer Widerstand im befestigten Raum von Asiago und Arsiero.

Lebhafte Geschützkämpfe im Doberdo- Abschnitt.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 24. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 24. Mai, mittags:

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Nördlich des Suganatales nahmen unsere Truppen den Höhenrücken von Salubio bis Burgen (Borgo). Auf dem Grenzrücken südlich des Tales wurde der Feind vom Kempen - Berge ver­trieben.

Weiter südlich halten die Italiener die Höhen östlich des Val d'Affa und den befestigten Raum von Asiago und Arsiero. Das Pauzerwerk Cam- p o l o n g o ist in unseren Händen. Unsere Trup­pen gingen näher an das Val d'Assa- und das Posina- Tal heran.

Seit Beginn des Angriffes wurden 24 400 Italiener, darunter 524 Offiziere, gefangen genommen, 251 Geschütze, 101 Maschinengewehre und 16 Minenwerfer erbeutet.

Im Abschnitt der Hochfläche von D o b e r d o waren die Ge s ch ü tz k ä m p s c zeitweise recht lebhaft. Bei M o n f a l c o n e wurde ein feindlicher Angriff ab- gewiesen.

Eines unserer Fliegergeschwader belegte die Station Per-la-Carmia mit Bomben.

Bei der Räumung von Ortschaften unseres Gebietes seitens des Feindes scheint auch die italienische Bevölkerung teilweise mitzugeben. Leute, die so ihr Vaterland verlassen, werden ihren Anschluß an den Feind strafrechtlich zu verantworten haben.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: „v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

*

Das Vordringen

der österreichisch - ungarischen Truppen auf italienischem Boden.

Nr. Berlin, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dem „L.-A." wird aus dem k. u. k. Kriogsprefsequartier be­richtet: Schon stehen mehrere k. u. k. Armeekorps auf italienischem Boden. Die Plateaulandschasten Vilge- reuth und Lafraun sind in Tirol vom Feinde frei. Ebenso rasch wie seiner Zeit die Thronfolgergruppe den äußersten Gürtel der italienischenReichsbefestigungen auf Vilgereuth ein­geschlagen hat, vollzog sich auch der Durchbruch des zweiten Armeekorps auf der Platte von Lafraun. Unser drittes Korps rückt nun unter steten Kämpfen beider­seits der Straße Vezzena-Sleghen (Assiago) vor. Die nörd­liche Hälfte des Raumes zwischen Astach und Affa ist ge­säubert, der äußerste Gürtel des Sammelraums von Sleghen eingedrückt. Des weiteren entwickelt sich nun auch im Sugana- tal ein st a r k e r Druck unserer Kräfte. Unser Vorgehen gegen die Cima d'Asta-Gruppe nördlich der Brenta und den Monte Civaron macht Fortschritte. Vor dem Fugazza- V a ß leistet der Feind auf Chiesa Widerstand, wo unser An­griff im Fortschreiten begriffen ist. Auf der ganzen Front sind untrügliche Anzeichen unserer scharfen Offensive bemerkbar.

Weitere Einzelheiten über die neuerlichen Fortschritte.

W. T.-B. Wien, 24. Mai. (Nichtamtlich.) über die Tiroler Kampfhandlungen melden die Kriegsberichterstatter der Blätter aus dem Kriegspreffequartier: Der gestrige Tag brachte besonders im ö st l i ch e n Teile des Süütiroler Grenzgebietes bedeutende Fortschritte. Unsere Truppen sind in fortschreitendem Vorgehen gegen die Cima- d'Astra gruppe und den Monte Civaron. Weiter westlich verfolgt das dritte Grazer Korps die Italiener, beiderseits der Straße Vezzena-Asiago vorrückend. Die nörd­liche Hälfte des Raumes zwischen Astach und Assa ist gesäubert, der äußere Gürtel des Sammelraumes von Asiago einge­drückt. Im Brand tal schreitet unser Angriff bei Chiesa aus die italienischen Stellungen fort, welche die Höhenwege gegen die Grenze sperren, eine andere Gruppe nähert sich den Stellungen im Raume des Monte Pasubio. Dieser Raumge­winn bedeutet für das Vorgehen östlich vom Etschtale eine mächtige Unterstützung jener österreichischpungarischen Gruppe, welche den Höhenzug bis zur Zugna Torta schon vor einigen Tagen in Besitz nahm.

Ein italienischer Frontbericht.

Genugtuung über die Ablehnung der Truppenabgabe an Frankreich.

Nr. Lugano, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Frontbericht des „Corriere della Sera" schildert die öster­reichischen Angriffe in den furchtbar st en Farben. Dagegen müsse selbst Verdun verblassen. Über 2000 öster­reichische Geschütze aller Kaliber, bis zu 30,6, 38 und 42 Zenti­meter, überschütteten die italienischen Stellungen beständig mit solchem Eisenhagel, daß sie einfach fallen müssen. Wir haben zwar Soldaten, die unvergleichlich sind und ihr Leben für nichts achten, aber selbst sie konnten in diesem endlosen Höllensturm nicht aushalten. Sie haben Übermenschliches geleistet und die Grenze der Widerstandsmöglichkeit weit überschritten, aber mehr konnten sie nicht. Unliebsames Auf­sehen ruft aber die Tatsache hervor, daß unter den öster­reichischen Sturmtruppen sich auch das Armeekorps von Graz befindet, das nahezu ausschließlich aus Triestinern, Trien- tinern, Görzern und Jstriern besteht. Jedenfalls äußern die römischen Blätter jetzt ihre Genugtuung darüber, daß Italien keine Truppen an Frankreich abgegeben hat. Jetzt zeige es sich, wie recht die Heeresleitung tat, als sie die Teilnahme am Kriege in Frankreich ablehnte.

Oie £aae im westen.

Neue Schimpfereien vriands.

Die russischen Parlamentarier im Palais Bourbon.

W. T.-B. Paris, 23. Mai. (Nichtamtlich.) Beim Empfange der russischen Parlamentarier im Palais Bourbon hielt Ministerpräsident B r i a n d eine Ansprache, in der er sagte:

Diejenigen, die ihr Blut vergießen, fordern Zeugnis von uns. Sie werden hier bei Parlament und Regierung den gleichen Wunsch finden und das gleiche Ziel erreichen. Daß wir den Krieg nicht gewollt haben, macht unsere Kraft aus. Wir tragen die Stirn hoch und haben ein reines Ge­wissen. Keine der Herausforderungen, u-elche die Welt seit 25 Jahren gehört hat, ist von uns ausgegangen. Wir haben darauf mit einem dauernden Suchen nach friedlichen Lösungen geantwortet. Das Wort Friede ist eine Lästerung, wenn es bezeichnet, daß der Angreifer nicht bestraft werden soll, und daß Europa morgen Gefahr läuft, aufs neue der Willkür einer Militärkaste unterworfen zu wer­den, die von Hochmut und Herrschsucht trunken ist. (LÄihaster Beifall.) Der Friede wird aus unserem Siege her­vorgehen. Der Friede muß auf das Völkerrecht begründet und von Bürgschaften gewährleistet sein, gegen die kein Land aufbegehren kann. Dies Ideal macht die Größe unserer Aufgabe aus. Dieser Sieg kommt! Deutschland triumphiert nicht! Es scheint, daß es sich vor den Augen der Welt mehr und mehr erniedrigt; es lebt in Furcht, Angst und Ge­wissensbissen. Das ist die Macht des Ideals, welche wirkt. Das bedeutet für Deutschland den Anfang des Endes und für uns die Gewißheit, daß die Siegesstunde bald schlagen wird. Die Alliierten geben ihr Blut, ihre Männer und ihr Material an die gemeinsame Sache. Jetzt, meine Herren, wenden wir unsere Herzen und unseren Geist denen zu, die da unten schlafen und über welchen der Ruhm schon aufleuchtet. (Langanhaltender Beifall.)

Bei dem Empfange der russischen Parlamentarier im Elysee hieß Poincare sie willkommen und richtete eine An­sprache an sie, die das Bündnis mit Rußland zum Gegen­stand hatte.

W. T.-B. Paris, 23. Mai. (Nichtamtlich.) Briand sagte in seiner Ansprache an die russischen Parlamentarier noch u. a.:

Wie ftiedlich Frankreichs Ziel gewesen ist, hat es bei A g a d i r und bei der Annexion Bosniens und der Herze­gowina gezeigt. Aber die Mittelmächte verfolgten im ge­heimen die Verwirklichung ihrer kriegerischen Absichten. Im Jahre 1914 hat Österreich in dem Verbrechen von S e r a - j e w o, gewiß ein verabscheuungswerter Mord, aber eine Tat, für welche die Öffentlichkeit keinerlei Verantwortung trägt, Gelegenheit dazu gefunden.

Der Präsident sagte zum Schluß seiner Ansprache:

Selbst» im Kriege bleiben wir nur zum Zwecke des Frie­dens vereint. Man hat uns gezwungen, zu kämpfen, und so werden wir weiter tapfer kämpfen, bis wir durch den Endsieg das Recht wiederherstellen und die Ruhe der Welt verbürgen.

Scharfe Pariser Kritik an Wilson.

Br. Genf, 24. Mai. (Gig. Lcahtbericht. Zens. Bln.) Paris bekundet gegen Wilson stets wachsende Schärfe, weil er sich wegen der Pressezensur unerbittlich zeigt. Die Presse benutzt das letzte Interview Wilsons und kritisiert es einstimmig höhnisch. Ungewöhnlich bissig sagt der „Temps" wörtlich: Wenn Wrlson be­hauptet, der Weltkrieg habe die Teilnehmer derart fortgerissen, daß sie das Gefühl der Verantwortung verlieren, so begeht er krasse Ungerechtigkeit gegen die Völker, welche ihre Existenz verteidigen. Wenn Wilson schließt, wenn die Welt brennt, haben wir mit Narren nichts zu schaffen, so 'beleidigt er die freien Nationen welche für Würde und Freiheit kämpfen.

Helfferichs neue Aufgaben^

Man begegnet der Ansicht, «daß Herr Helfferich keine rechte Freude mehr air seiner Tätigkeit als Schatz­sekretär gehabt habe, seitdem er mit seinen vorläufigen Finanzgesetzentwürfen auf unerwartet kräftigen Wider­stand bei den Parteien gestoßen sei und sich zu einem seinen Plänen abträglichen Kompromiß habe ent­schließen müssen. Wir sind dieser Meinung nicht. Der bisherige Schatzsekretär mochte uns nicht im geringsten den Eindruck, als ob iiuvermutete Hindernisse (viel­leicht und wahrscheinlich sogar waren sie für ihn gar nicht unvermutet) so einschüchternd ans- ihn wirken könn­ten. Er muß doch selbstderständlicki ein umfangreiches Programm -gehabt haben, als er der Nachfolger des trefflichen alten Kühn wurde, und wir wüßten nicht, was dazu veranlassen könnte, ihm etwas wie Resig­nation ob des schon sicheren Mißlingens seines Pro­gramms zuzuschreiben. Gewiß wird es sich Herr Helfferich so leicht nicht gedacht halben, die Reichsfinan­zen in Ordnung zu bringen, aber als er die Aufgabe übernahm, hat er es sich zweifellos zugetraut, sie zu -lösen. , Damit ist ja nicht gesagt, daß sein Zutrauen auch bis zu Ende berechtigt sein mußte. Enttäuschun­gen konnten ihm und uns in Fülle eiwachsen, nur >daß im bisherigen, doch noch ganz vorläufigen -Stadium der Entwicklung hiervon nicht gesprochen werden sollte. Wenn also Herr Helfferich das Reichsschatzamt mit dem Reichsamt des Innern vertauscht hat, so dünkt es uns ganz verkehrt, darin einen Rültz-u-g zu sehen; es müssen sich diesem Manne violmchr nicht nur erweiterte Möglichkeiten einer verheißungsvollen Wirksamkeit dar-geboten haben, sondern die Zöeichsleitung nmß auch überzeugt davon sein, daß für diese erweiterte Wirk- 'amkeit keine bessere Kraft als eben die des Herrn Helfferich zu finden war. Wir haben schon /davon ge­sprochen, daß dwn neuen Chef des Reichsamts des Innern u. a. die Aufgabe gestellt sein wird, unsere handelspolitischen Beziehungen zmn Ausland nach dem Kriege neu zu gestalten. Wir glauben, daß man dies Moment bei der Würdigung der Gründe, aus denen Herr HMerich zu seinem jetzigen Amt berufen ist, sehr bestimmt betonen muß. Weil die Aufgabe nicht schon heute sozusagen auf den Nägeln brennt, weil sie erst im wiederherg-estellten Frieden durchggführt werden kann, darum tritt sie für eine allgemeine Betrachtung, die sich begreiflicherweise an das Nächfftliegende Hält, hin­ter die unmittelbarere Aufgabe im Bereiche unserer Finanzpolitik zurück. Aber schon jetzt, mitten im Kriege, sind selbstverstänidlich die Vorbereitungen für die Durch­führung einer unserer Interessen entsprechenden Han­dels- und Wirtschaftspolitik zu treffen. Man wird mit diesen Vorberei-tungen niemals zu früh beginnen kön­nen, unid gerade Herrn Helfferich wird .das Vertranen entgegengebvacht, -daß er der rechte Mann dazu sei.

Sogenannte Vorschußlorbeeren wird er nicht be­ehren, und es -wäre gewiß eilfertig, sie ihm aufs Haupt rücken zu wollen. Indessen braucht man mit über­großer Zurückhaltung weniger des Urteils -As der Emp- findung wohl nicht daran voröeizu gehen, daß Herr HMerich in seiner Vergangenheit manche Bürgschaften für die Erwartung enthält, er werde der großen Auf- gäbe gewachsen sein, Der Nachfolger -des Herrn Del­brück kommt aus seinen neuen Posten aus der bewegten Fülle wichtiger praktischer Erfahrungen heraus. ' Er .'hat sich viel in -der Welt umgesehen, immer lernend, immer -mit klugen und forschenden Augen den Punkt erspähend, wo Gelerntes in praktffche Verwirklichung umgesetzt werden kann, er ist aus seiner mehrjährigen Tätigkeit an der Spitze der Anatolischen Eisenbahn ein guter Kenner der türkischen Verhältnisse, und wer Direktor der Deutschen Bank, der größten Privatbank der Erde, war, der beherrscht ein Gebiet von grenzen­loser Ausdehnung, wofern er diese Wirtschaffs- und finanzpolitisch so hochragende Stelle dazu benutzen konnte, so weit in die Welt hinauszuschauen, wie diese Stelle es eben ermöglicht. Als einer der Mtleiter der Bagdadbahn mit ihrem weitverzweigten politischen und in die Zukunst hlneinüoachsenden kolonialpolitischen Interessenbereich hat Herr Helfferich gewiß gute Füh­lung nicht bloß init den führenden Finanzkräffen be­halten, sondern auch mir den maßgebenden Stellen ini Pfortenveich, dessen Entwicklung doch mit zu unseren weltpolitischen Aufgaben gehört.

Wir sind der Meinung, daß Herr v. Bethmann-Holl- weg, als er sich Herrn -Helfferich als Mitarbeiter beim künftigen Aufbau unserer Handelspolitik sicherte, be­reits ein Programm and-eutet, -das wir mit guten Er­wartungen begleiten können. Jedenfalls ist -Wohl die Wichtigkeit des Weges erkannt worden, den wir nach) deni Kriege werden gehen müssen, um den feindlichen Absichten wirksam zu begegnen. Wir brauchen eine ge­lenkige, in der Schule der praktischen Erfahrung be­währte. außerhalb des Bereichs behördlicher Voreinge- nomm-enheiten sich betätigende Kraft, und die ist denn hoffentlich in Herrn Helfferich gewonnen worden.