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Montag, 22. Mai 19!6.
Abendausgabe.
Nr. 233. . 64. Jahrgang.
vorwärts in Tirol.
Von unserem militärischen Mitarbeiter.
Die glänzenden Erfolge unseres Bundesgenossen ari ^>er Südtiroler Front haben sich auch am dritten, vierter und fünften Schlachttage noch Wetter vergrößert. An dem rechten Flügel ist das Kamipfgebiet um die St-aidi Rovereto von großer Bedeutung, weil hier dei Feind in den beiden von Norden nach Süden ziehende!' Tälern starke Sperren angelegt hatte und sie mi allen Mitteln der Verteidigungskunst in dem Hoch gebirge ausgebcmt hatte. Zwischen dem Flußtal de, Etsch und dem des L e n o erhebt sich der güwaltig- Kegel, welchen die beiderseitigen Berichte Zuganc Torta, in einer Höhe von 1257 Meter, nennen. An 111. Mai erstürmten die Truppen unseres Bundes genossen diese beherrschende Hohe. Seine Erdberunc niachte sich sofort auch auf das Vorrücken der östlich an -schließenden Gsfechtstruppen äußerst günstig -bsmerk- bar. Ein weiterer Ansenthalt der Italiener, sowohl ir fen westlich davon gelegenen Effchtal wie in dom östlichen van Leno war jetzt nicht mehr möglich. Sie sah er sich genötigt. die Orte- Mori und Mgscheri den tapferen Angreifer zu überlassen. Die Ecke zwischer dem Leno und dem Etschtal ist somit vom Feinde gesäubert, eine Einwirkung gegen die rechte Flanke -un- seres Bundesgenossen nicht mehr ausführbar. Ebensc anerkennenswert sind die Gefechtsleistungen der benach- barten Bataillone. Sie erstürmten am 18. Mai den Ort Piazza und überguerten das Dal von Leno. Am nächsten^ Tage wurde der Nordrand des Col Santo erstürmt und am 20. der ganze Berggipfel vom Feinde SkMKert. Das Ergebnis der se ch s e r st e n Kampftage des äußersten rechten Flügels ist ein sehr an- erkennenswertes. Durch tiefe Täler wurden starke ferndlrche Stellungen, seit vielen Monaten für die Verteidigung hergerichtet, in wenigen Stunden -dom Gegner entrissen, ungeachtet aller Schwierig- keiten des Geländes, welches stellenweise aus km er Strecke von einem Kilonreter eine Steigung um 1000 Meter ausweist und trotz des Schnees un^Miises trt diesen Hochgebirgsgegenden. Noch vollständiger wurde der Sieg -dadurch, daß am 19. sämtliche Bergesgipsel Mischen dem Tale von Leno und dem von Astico in österreichischen Besitz überningen. Durch diese Eroberung stcht der Angreifer auf italienischem Boden. Er durchbrach nicht nur die borge- schöbe neu Stellungen, sondern auch diejenigen'der itmrenlichen Hauptverteidigungslinie Der Wiener Bericht nennt bis zum 21. Mai'den Namen von snnf gewaltigen Bergen, deren höchster die beiden Pan- zerfesten T o r a r o sowie C a m p o m o l o n sind. Hierdurch -gewann der Angreifer den Zugang in "das untere Tal von Astico. Zwischen Etsch und die- lwm Flußbette sind die Ha u v t sch w i e r i gke i ten somit, überwunden. Der Nordwestzivsel der ob er- i t a l i e ni j ch e n Tiefebene verlor den ersten starken Berteidiaungsgürtel, und m ehr noch als dies jede greifbare Aussicht, die längst geplante Of'fen- live gegen Trient durchführen zu können. Der Be- richl des (£cti>oirnci ßibt ^u, -frie ©t-elluni^n
QUif der Zuqana Torta geräumt wurden und -daß 'um nutzlose Verluste zu vermeiden", dasselbe mit -dam Monte Mrggio geschah. Mit dem Rej-ultat dieser westlichen Kampfgruppe können, wir und ebenso unser Bund-es- genosse welcher so herrliche Taten vollkührte. mehr als zufrieden sem. Es bleibt der österreichische Führung uberlgssen. ob sie den Stoß zwischen Etsch und Astico -ortsetzen will oder es nur in ihrem Sinne lag, der drohenden feindlichen Offensive auf das gründlichste die Spitze ab-zubrechen.
Rückwärts gestaffelt kämpft südlich des Tales von S u fl e n a eine zweite Kampfgruppe unseres Bun- desgenossen. Ihr linker Flügel lchnt sich an das Tal ^r miftleren Brenta, während die äußerste Rechte die KElache von Lafraun erklommen hat. In -diesem Abschnitte ist -das Hauptkampfgeviet der 1500 Meter hohe und etwa 8 Kilometer breite Rücken von Arme n- terra welcher am 16. Mai erstürnit wurde und im Lause der nächsten Tage anscheinend in seiner ganzen Breite von unserem Bundesgenossen erstürmt .worden & Am 19. Mm wurde der Ort Roncegno, westlich der Stadt Borgo, erobert. Die rtalienischen Stellungen wer- dm hier an den Grenzhohen noch gehalten Die Besetzung des Avmentervarückms diente wahrscheinlich der Sicherung des Vorgehens in dem Abschnitt -zwischen Astico und Lenotal, denn ein italienischer Gegenstoß ourch das Dal von Sugana kann von ihm aus wirksam verhindert werden. Zwischen dieser Hochfläche und der rtalimrschen Grenze zecht sich tief einschneidend -das ^ellatal hm. Dies liegt somit unter dein wirk- wmen Feuer der österreichisch-ungarischen Avmenterra- Itellung.
In erster Linie kann nicht qmuq bewundert werden »er kraftvolle Schwung, mit welchem unser
Bundesgenosse die Offensive ini Trentino ergriffen hat. Hierzu war eine lange und sorgfältige Vordere i- t u n g nötig, das Heransügren gewaltiger M n n i- t i o n s m e n g e n aus T a l st r a tz e n, welche ihrer Zahl nach nur beschränkt sind, gegen ivelche feindliche Flieg-erunternehnmngen besonders wirksalin sein mußten und die zur Zeit der beginnenden Schneeschmölze mancherlei Schwierigkeiten boten. Das siegreiche Vordringen der westlichen Karnps-gruppe bedeutet einen empfindlichen Schlag gegen die Absichten der italienischen Führung. Dieselben beherrschenden Grmzhöhen, welche von feindlicher Seite ans ein Vordringen nach
„Giornale d'Jtalia" die Lage und urteilt, daß es sich beim Borgehen der Österreicher in Südtirol wahrscheinlich nur um einen ernsten Versuch handele, die Italiener von ihrem Angriff auf die Jsonzofront abzulenken. Er hält es aber doch für nützlich, das Publikum auf die Möglichkeit weiterer österreichischer Angriffe aufmerksam zu machen, die das italienische Kommando nötigen könnten, weitere Berichtigungen der ganzen Front durch Zurücknahme zu weit porgc- schobener Truppenkörper vorzunehmen. Das Publikum brauche sich jedoch deswegen durchaus nicht zu beunruhigen, daß es sich auf jeden Fall nur um strategische Maßnahmen handeln werde.
Übersicht zu den Kämpfen in Sird-Tirof
N-ovd-m unterstützen sollten, liegen jetzt im Rücken unseres Bundesgenossen und dienen -seinen Zwecken. Das Hauptergebnis der fünf Kampftage ist das endgültige Scheitern aller rtalienischen Angriffsabsichten rn diesem Kampfabschnitt. Die Rolle des Verteidigers ist ihnen nun aufgezwungen und es hat nicht den Anschein, als ob es ihnen gelingen könnte, sie in -diesem Kampfabschnitte je wieder aufzngeben. Besonders auffällig ist die außerordentlich große Einbuße des Feindes an Mannschaften und Kriegsmaterial. Sie erreicht bereits eine Höhe von über 16 000 Mann, darunter 348 Offiziere, sowie 132 Geschütze und 76 Maschinengewehre. Diese sehr ansehnlichen Zahlen lassen darauf schließen, daß der Feind beträchtliche Teile auch von dem Menschen- und Kriegsmaterial verlor, welches für den kommenden großen Angriff in Aussicht genommen war. Unter den erbeuteten Geschützen befinden sich fünfzehn 28-Zentimeter-Haübitzen. Trotz aller Beschönigungs- Versuche der italieni-ichen Heeresleitung liegt es klar zutage, daß die „Berichtigung" der Südtiroler Frontlinie unter dom starken Drucke -des Angreifers erfolgt, daß die Preisgabe wertvollen Bodens einen schweren Schlag für den Feind be-deutet.
D-ie Gesamtcrnbuße des Feindes kann man aus über 40 000 Mann beziffern. Das bedeutet ein Gesechtsa-us- fall von m-ehr als einem Armeekorps. Die Zahl der Gefangenen übertrifft die Stärke einer Division, das verlorene Material wäre ausreichend für beide. Diese Abaänge können die Italiener kaum entbehren. Weigerte sich doch die italienische Keeresleitung noch vor zwei Monaten 120 000 Mann dem französischen Bundesgenossen vor Verdun ,zur Verfügung zu stellen. Mn- destens ebenso wie dieser muß auch Italien seine ganze, Kampfkraft zusammenhalten.
Die Wucht -des „ ost»rr eichisch»un-garischen Stoßes, seit einem Jahre zurückaehalten, da wichtigere Aufgaben zu erfüllen waren, wird noch getragen durch die b e- rcchtigte Erbitterung gegen den treu- brüchigen Bundesgenossen. Dieses moralische Element ist nicht von aeringec Bedeutung. Es bildet einen der Sregesfgktoren und ist eine sichere Bür-gsckaff. ldaß die Abrechnung mit Italien schnell und gründlich erfolgen wird, soweit dies in einem -derartigen schwierigen Hochgebirgsgelände möglich ist. M.
„Berichtigungen" der italienischen Front.
Beschönigungen der Niederlagen.
Br. Lugano, 22. Mai. lEig. Drabtbericht. Jens. Bln.) Der Militärschriftsteller Oberst Barone bespricht im
„Für den Endsieg erflehen wir das Gesetz der Solidarität und Zusammenarbeit."
Die italienischen Ängste.
T. W.-B. Berlin, 21. Mai. lNichtamtlich.) In einem Artikel führt der „Corriere della Sera" aus, jetzt sei die Stunde des gemeinsamen Handelns gekommen. Die Heftigkeit, mit der die österreichische Offensive losgebrochen sei, bestätigte neuerdings den Vorteil, der den großen feindlichen Mächten aus ihrer zentralen Stellung erwachse. Dieser Standpunkt sei nunmehr allgemein anerkannt. Die Verbandsmächte würden einen Kreis um die Mittet- . machte bilden. Sie müßten manövrieren, sich verschieben und um die äußeren Linien kämpfen, während ihre Feinde für die inneren Linien kämpfen würden, was ihnen den Vorteil gebe, ihre Kräfte schneller konzentrieren zu können, sowohl für die Defensive als für die Offensive. Das Blatt
schreibt weiter, es gebe nur ein Gegengift gegen das österreichisch-deutsche Vorgehen: S o l i d a r i tä t und Z u-
s a m m e n a r b ei t zur Wahrnehmung der höchsten Interessen aller Alliierten. Für den Endsieg erfleheri wir das Gesetz der Solidarität und Zusammenarbeit. Es bewirke, daß die mit vermehrter Kraft und einem besseren Zusammenwirken von dem Verband in Paris vorbereitete g e m e i n sa m e Aktion auf der geeigneten Front wieder aufflamme.
Französische Kritik an der italienischen Kriegssührung.
W. T.-B. Bern, 22. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Kaum sickern die österreichisch-uligarischen Erfolge in Süd- Urol in der französischen Öffentlichkeit durch, so setzt auch schon die Kritik an der italienischen Kriegssührung ein. Der „Temps" schreibt in einer Besprechung der militärischen Lage: Wir haben vorausgesagt, daß unsere Alliierten in den Bergen laugen Widerstand würden leisten können. Jetzt melden die Österreicher, daß sie zahlreiche Stellungen besetzt haben, was der Bestätigung bedarf, denn es wäre erstaunlich, wenn der italienische Führer, der zwei Monate den feindlichen Truppenbewegungen aufmerksam folgte, Ansammlungen und Stärkerwerden sah, nicht Maßnahmen getroffen haben sollte, nm dem Stoß zu begegnen und nicht imstande gewesen sein sollte, die Lage wiederherzustellen. Der Stillstand an der Ost- und Südfront, meint das Blatt, würde den Österreichern erlauben, Truppen wegzunehmen, die ihnen gegenüber dem unbeweglichen Gegner entbehrlich sind. Wir wollen über diese Bewegungslosigkeit nicht streiten, wir kennen ihre Gründe und können sie also nur feststellen.
Eine bulgarische Stimme zum Jahrest«ure des Treubruchs.
W. T.-B. Sofia, 21. Mai. Zum Jahrestage des unwürdigen Verrats Italiens an seinen Bundesgenossen schreibt
