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Verlag Langgasse 21

„Tagblatlhaus".

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„Tagblatthans" Nr. 6650-53.

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Sonntag. 21. Mai 1916.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 237. . 64. Jahrgang.

Mitere Fortschritte der Wnsioe in SiiDtirol

Ein neuer Lustangriss aus England.

weiteres Vordringen des Angriffs unserer Bundesgenossen.

Jetzt bereits über IS 000 Monn gefangen. 107 Geschütze, 08 Maschinengewehre erbeutet

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien. 20. Mai. (NtchtaMÜich.) Amtlich verlautet vom 20. Mai, mittags:

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Lage unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz,

An der S ü t i r o l e r Front warf unser Angriff den Feind weiter zurück.

Im Suganata! drangen unsere Truppen in R u » d s ch e i n (Ronsegno) ein. Auf dem Armen- terrarücken bemächtigten sie sich des Sass o Alto. Östlich des eroberten Werkes Campomolon sind die T o n u e z z a - S p i tz e u der Passo della Verna und der Melignonc in unserer Hand.

Hier versuchten die Italiener mit eiligst zusammen- gerafftcn Kräften einen Gegenangriff, der so­fort abgeschlagen war. Auch vom Col Santo iit der Feind bereits vertrieben.

Seit Angriffsbeginn nahmen unsere Truppen 257 Offiziere, über 12900 Mann gefangen und erbeuteten 107 Geschütze, darunter zwölf 28-Zentimeter-Haubitze» und 68 Maschinen­gewehre.

Unsere Flieger belegten die Babnhöfe von Peri, Vicenza, Cittadella Castelfranco, Treviso, Cassara und llividalg sowie die feindlichen Seeflugstationen mit Bomben.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnaut.

*

Das weitere siegreiche Vorrücken der österreichisch-ungarischen Truppen in Südtirol.

Le. K. und K. Kriegspressequartier, 20. Mm. (Eig. Drähtbericht. Jens. Mn.) Die unter dem Beschs des Erzherzogs - Thronfolgers sichenden Verbände, unter ibnen Alpentruppen, waren auch schon auf rtalieNi­sche m Boden siegreich. Östlich des Grenzkammes stürmten sie in unw idersteh lichem A n st u r ni gegen die hochragenden italienischen permanenten Werke Comcamolon und Monte Toraro (1899 Meter) an, die zuvor von der Artillerie fürchterlich zusamm-engeschosse-n waren, setzten sich in deren Besitz und rissen auf diese Weise eine breit kl affende Bresche im die erste gegnerische Sperrsortkette, die sich -vor die Strohe nach Bio legt. Nachdem die Eroberung der Monte Maggio und der Costa Bella den Abstieg nach Süden ermöglicht hatte, wurde der weichende Gegner gegen die in diesem Raum wohl wichtigste und stärkste Stellung, den Col Santo, verfolgt und am Berqsuße geworfen, woraus die Angreifer die Nordhänqe erkletterten und sich am Rande des Berges verbissen. Die Eroberung der Zugna Torka wirkte stark auf die Lage im Etsch tale ein, wo die erschütterte italienische Front beiderseits der von Rovereto nach Süden Mrenden Straße ins Rollen kam und aus Marco und M o r i geworfen wurde. Dadurch ist auch das Frontstück im Loppio-rAe arg bedroht. Die Italiener setzten Gegenangriffe gegen den Armenterrarücken ein, um jedesmal blutig geworfen zu werden.

Die Häfen und Befestigungsanlagen von Dover, Deal, Namsgate, Vreads- faire und Margate erfolgreich bombardiert.

Alle Flugzeuge unversehrt zurückgekehrt.

^ W. T.-B. Berlin, 20. Mai. (Amtlich. Drahtbericht.) j$tt der Nacht vom 19. zum 20. Mai hat ein Marine- lluggeschwadcr von der flandrischen Küste ans Häfen und Befestigungsanlagen von Dover, Deal, Ramsgate, BreadSfa; re und M a r- ä a t e ausgiebig mit Bomben belegt und dabet an zah l-

reiche n St eilen g n t c Brand- und Spreng­wirkungen beobachtet. Die Flugzeuge wurden von feindlichen Landbatterien nnd Bewachangsfahrzeugen heftig beschossen. Sie sind f ä m t l i ch unversehrt zurückgekehrt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Oie Reichsvermögenssteuer.

Me Finanzminister der deutschen Einze-lstaaten sind kein „Völkchen", sondern vornehme Leute auf sozial und geistig gehobener Stufe, der Zwang zur direkten Reichs» steuer ist kein „Teufel", sondern ein segensreicher Dänwn, dom wir noch) viel Dank schulden zu müssen hoffen. Wer bei unseren Finanzministern wie bei der Stenersrage fällt uns denn doch das Wort Mephistos ein: „Den Teufel merkt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte!" Nämlich das ist der Humor davon. Die Finanz-minister »vollen unter keinerlei Uinstäuden direkte Reichsfteuern haben, dulden, zulassen. Nein, unter gar keinen Umständen! .Zwar ging nicht gleich die Welt unter, wenn wir direkte Reichssteuern bekämen, aber das Unglück wäre trotzdem grenzenlos, lind darum milh man es mit allen Mitteln' abwchren. So denken, so sprechen die Fiimnzminister. Handln sie auch so? Es scheint, als ob sie es täten, aber sie tiin es nicht. Sie müssen uachgeben, und dies gerade tun sie. Sie wchren sich mit Händen nnd mit Füßen gegen die Grenzverwischung zwischen Reichs- und Einzelstaats, steuern, sie erklären laut und überlaut, daß die direkten Steuern den Sinzelstaaten verbleiben müßten, und dann Verden chre guten Herzen weich, und sie sagen: Nun ja, weil es denn nicht aiiders sein kann und damit man unseren >guten Willen sieht, einimal, aber auch wirklich nur einmal, -darf es geschehen; einmal werden wir die Reichsverinögens-steuer gewähren, dann jedoch niemals, bestimmt niemivls wieder. So sagen sie, und zweifel­los meinen sie es furchtbar ernst. Ein Jahr weiter, und wir werden sehen, ob die Wirklichkeit dem Bor- hoben noch entsprechen kann. Dieser Krieg hat so vieles über den Hausen geworfen, er wird auch mit dem Dogma von der Unmöglichkeit direkter Reichs steuern ausräumen. Das ist uns so gewiß, daß wir den heutigen Vorgängen mit einer sehr heite­ren Aufmerksamkeit folgen können. Wir müssen es immer wieder betonen, die Einmali giert ist nur das Handgeld auf unvermeidliche Dauer. Es ist sehr hübsch, und auch daraus möchten wir wieder­holt Hinweisen, daß der Wehrbeitrag ebenfalls nur einmalig sein sollte und nun in der Reichsvermögens- sieuer zwar nicht seine unmittelbare Fortsetzung erhält, doch -aber gewissermaßen einen Schößling treibt, der keimkräffig genug ist, um später wieder neue Triebe anzusetzen, Wehrsteuer und Vermögenssteuer sind natürlich verschiedene Dinge, jedoch sind sie gleich­sam Vettern von frappanter Familienähnlichkeit. Und das freut uns, das erweckt die allersichersten Hoffnun­gen für die Zukunft.

Schließlich, was will man machen, wenn nach dom Kriege mehrere Milliarden jährlich an neuen Steuern aufgebracht werden müssen? Man wird — das können wir nur immer wieder betonen — jede MöglickLeit in Betracht ziehen müssen, ohne Rücksicht auf verhärtete Doktrinen, einfach weil ein unwidersteh­liches M u ß die Stunde, den Tag, das Jahr und sine lange Zukunft regieren wird. Die jetzt zu bewilligen­den Steuern, alles ineinander gerechnet, sollen nach vor­läufiger Schätzung 760 Millionen einbringen. Unge­fähr 200 Millionen würden aber schon im Jahre daraus wieder fortfallen, eben die als einmal gedachten Erträge aus der Reichsvermögenssteuer. Wir müssen sagen: diese ganze Rechnung ist iwiv. Wie kann man gegenüber dom gewaltigen Umfange des Bedarfs auch nur einen Augenblick glauben, daß diwe 200 Millionen wieder entbehrlich wenden könnten! Man wird sie unt ein Vielfaches steigern müssen, wenn unsere Kriegsanleihen verzinst werden sollen, oder wie sonst will -man den Fehlbetrag ausgleichen? Die beküm­merten Verfechter ^des durch direkte Reichsfteuern an­geblich bedrohten Spartriebes haben natürlich die Ant­wort schnell bei -der Hand: die indirekten Steuern und die Monopole sollen cs machen. Gegen indirekte Steuern und Monopole haben wir nichts einzuwenden, auch sie müssen heran, ob sie einem gefallen oder nicht, und die Vorstellung, daß sie, ebenfalls um eines

„Prinzips" willen, nicht ausgenützt werden sollten, ist ebenso wiMichkertsfern, wie es der dogmatische Gedanke ist, daß wir mit den direkten Steuern ein Ende machen müßten, vielmehr gar nicht erst einen Anfang machen dürften.

N i eh t s wird uns gchchenki bleiben, dafür wird eine gigantische Wirklichkeit sorgen, von der die meisten Zeitgenossen gewonnen haben. Immer aufs neue aber und Werl es nicht eindringlich genug in Her- Zen nnd Hirne eingchäm-mert wenden kann, sagen wir, daß wir alle ans dem Gebiete der Steuerfragen noch ganz anders als bisher um lernen müssen. Unsere Pflicht ist es, uns mit dem Bewußtsein vom Zwange zur Opserwilligkeit zu erfüllen. Denn wenn wir es nichr als Psli cht fühlen, als ein sittliches Gebot, werden wir es auch nicht machen.

Mitteleuropa.

Wir hören viel von Mitteleuropa, aber -sind die Dcänner, die uns Mitteleuropa schassen sollen, auch schon am Werk? Wir wissen cs nicht, wir können es hassen, aber wenn die Vorarbeiten im Gange sind, dann müssen wir sagen: sie entziehen sich meisterhaft der Sichtbar­keit. Vor etwa zwei Monaten erfuhr man ans W i e n, daß einige höhere deutsche Beamte zu Verhandlungen über wichtige Wirtschaftstragen dort erwartet würden. Die Mitteilung wird richtig gewesen sein, nur daß seit­dem nichts weiter über die Angelegenheit verlautet hat. Das braucht uns nicht mutlos zu machen. Es kann ja <Äis vielen Gründen ratiam sein, -das Geheimnis dieser Unterhaltungen mit äußerster Sorgfalt zu hüten. Im- .merhin wäre man dankbar für irgend einen Fingerzeig, schon damit die tragende und fördernde K rast der öffentlichen Meinung ungeschmälert bleibe, die sich mit erfreuliche in V e r st ä n d n i s sehr schnell ans den Gedanken eines Mitteleuropa eingestellt hat, indessen doch einer fortdauernden Ermun­terung bedarf. Denn mit dem bloßen Gedanken und seiner Billigung ist nichts getan. Nun hat Graf A n- d r a s s y in München vor einer erlesenen Zuhörerschaft, zu der neben .den Mitgliedern des Königshauses und den Ministern fast alle -Persönlichkeiten -des politischen Lebens gehörten, über die mitteleuropäische Gemein­schaft gesprochen, er hat damit seine rühmliche Tätigkeit für ein löbendiges Jnein-ander-wachs-en der beiden Reiche fortgesetzt, und wir müssen den ungarischen Staats­männern d ankba r sein für seine kluge Erfassung der Notwendigkeiten, vor denen dfe verbündeten Reiche stehen. Wir brauchen auch nicht au fürchten, daß Gras Andrassy innerhalb der ungarischen Welt allein steht, wir dürfen vielmehr annchmen, daß die ungarische Re­gierung begriffen hat, welche Schicksalsstunde ihrem Lande jetzt schlägt. Entscheidend aber ist es nnd bleibt es, -daß Mitteleuropa o h n e den Willen U n g a r n s und namentlich Ungarns nicht geschlossen werden . kann. Es -wäre schief, zu sagen, -daß Ungarn in dieser Beziehung viel wichtiger ist als Österreich. Denn auch Österreich muß -wollen, und ahne Österreich geht es selbstverständlich nicht. Aber -von -der zisleithanischen Reichshälste konnten wir eher als -von der tra-ns- leithanischen vora-ussetzen. -daß sie zu einer V e r» tiesung des Bündnisses mit uns bereit sein werde. Diese Bereitschaft würde jedoch -das große Werk nur -aufbauen helfen können, wenn nicht Ungarn mit dem Verstände wie nrrt dem Herzen mit dabei sein wollte. Die sorgende Frage, ob das geschehen werde, scheint nach alle -dem, was aus Budapest verlautet und was die Münchener Rede des.Grafen Andrassy erkennen laßt, hinfällig werden zu sollen. Wir sind wohl noch nicht so weit, daß wir lagen dürfen, sie sei schon hin­fällig, aber es eröffnen sich freundliche Ausblicke. Die Magyaren haben aus dam ungeheuren Erlebnis dieses Krieges gelernt, daß ihr Dasein verankert i.st mit dem Wohl und Wehe des Deutschen Reiches, sie werden sich freilich, wenn sie an eine neue Bündnisfovm denken, manches wohl anders vorstellen, als wir in Deutschland es tun, nnd die Schwierigkeiten eines wirklichen und nicht bloß mechanisch aneinander angepaßten Mittel­europa werden -damit, daß man in Verhandlungen cin- treten will, noch lange nicht überwunden sein, sondern -gerade -diese Verhandlungen werden viele Hindernisse erst a u f -d e ck e n, zu deren Bewältigung Entsag,ung nnd Opserwilligkeit auf beiden -Seiten gehören werden. Man kann sich -die Ansimbe kaum schwer genug dar­stellen, und -doch -mutz sie gelöst werden. Sie braucht