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Verlag Langgaffe 21

„Tagblarthaus".

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„razdlatthaus" Nr. S6S0-SZ.

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Samstag, 20. Mai 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 235. . 64. Jahrgang.

Weitere große Erfolge m her itolieinfihen Front.

< 2 italienische panzerwerte erobert.

Sie Beute auf über JO 000 Gefangene. 51 Maschinengewehre. 61 Geschütze gestiegen!

Neue Siege unserer vundergenossen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

XV. T.-B. Wien, 19. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom IS. Mai. mittags:

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die an der kü st enl »indischen und Kärntner Front eingetretene Feuerpause hielt im allgemeinen auch gestern an. Heute srüh wurden zwei feindliche A n - griffe auf die von unseren Truppen unlängst gewonnenen Stellungen östlich Monfalcone abgeschlagen.

Eines unserer Seeflugzeuggeschwader belegte dio Bahnhofsanlage von San Giorgio Nogaro und die feind­liche Seeflugstation nächst Gradi erfolgreich mit Bomben.

An der südtiroler Front gewann unser Angriff unauf­haltsam Raum. Auf dem Armenterra-Rücken wurden sechs italienische Angriffe a b g e iqj e f e n. Unsere zwischen dem A st a ch - und L a i n - T a l vorrückenden Kräfte unter Führung Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit des Feld- marschalleutnants Erzherzog Karl Franz Joseph trieben den Feind an der ganzen Front weiter zurück und be­mächtigten sich heute früh der italienischen Panzer­werke Campomolou und T o r a r o. Zwischen L a i n - und Brand-Tal (auf Vallorso) erreichten uufere Truppen den Nordrand des Cal Santo. Im Etschtale mußten die Italiener die Orte M a r c o und M o r i räumen. Die Zahl der seit Beginn unseres Angriffes gemachten Gefangenen hat sich auf über 10 0 0 0 und 19 6 O f f i z i e r e. die Beute auf 51 Maschinengewehre und 61 Geschütze erhöht.

Der Stellvertreter des EhefS des Gencralstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Der Krieg gegen England.

Oie Lage in Irland.

Aus der Untersuchungskommifsion für den irischen Aufstand.

XV. T.-B. London, 19. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) In der königlichen Untersuchungskommission über den Aufstand in Irland las Unterstaatssekretär Matthew Nathan eine Erklärung vor, in der die Arbeit der Leute geschildert wird, die R e d m o n d und der irischen Parlamentspartei feindlich gegenüberstanden und die sogenannten irischen Freiwilligen organisierten. Bon 180 000 nationalistischen Freiwilligen, die ursprünglich existierten, hätten sich nur 1 1000 an die un-, loyalen irischen Freiwilligen angeschlossen. Die Anzahl der letzteren sei beim Beginn des Kriegs auf 15 200 geschätzt wor­den, wovon weniger als 3000 sich in Dublin befanden. Die sogenannte Bürgerarmee, die in Dublin ungefähr 3000 Mann stark gewesen sei, müsse man noch hinzurechnen. Die Führer der Bürgerarmee seien für ein gewaltsames Auftreten gewesen. Sie wurden dabei von den irischen republikanischen Führern und einer kleinen Gruppe von Männern, von denen einige bereits wegen Dynamit­anschlägen im Jahre 1883 zu Zuchthausstrafen verurteilt waren, unterstützt. Diese Männer seien mit größter Heimlichkeit borgegangen und hätten mit einer Orga­nisation in Amerika, die sie mit Geld versorgte, in enger Verbindung gestanden. Es sei nach dem September 1914 unmöglich gewesen, herauszufinden, wie das Geld nach Irland gekommen sei. Das Gefd wurde für die Ver­öffentlichung aufrührerischer Blätter und zur Ver­breitung solcher Schriften sowie zur Bezahlung von heimlich herumreisenden Organisatoren der irischen Freiwilli­gen verwendet. Matthew Nathan teilte ferner nnt, auf welche Weise die Freiwilligen in den Besitz von Waffen gelangt seien. Viele seien aus den militärischen Einrichtungen gestohlen worden, andere wurden von beurlaubten Soldaten gekauft. Eine Menge Revolver sei von Reisenden im Gepäck verborgen mitgebracht worden. Munition verschaffte man sich auf ähnliche Weise, aber die Munitionsvorräte waren nicht groß. Gegen Ende des Jahres 1914 war aus dem Widerstand der irischen Freiwilligen gegen die Bemühungen Redmonds und seiner Partei, Irland mit dem Recht des Reiches in eine Linie zu bringen, bereits hervorgegangen, daß die Organisation unlqhal sei. Von da an wurde sie scharf

beobachtet. Die Waffeneinfuhr wurde streng ge­regelt, und es wurde viel getan, um die Verbreitung auf­hetzender Literatur zu verhindern. Dennoch schrieb Nathan an den Generaladjutanten in einem Brief, daß er trotz der Lebhaftigkeit der irischen Freiwilligenbewegung nicht glaube, daß die Führer einen Aufstand Hervorrufen wollten, oder daß die Freiwilligen, genug Waffen hätten, um einem solchen Aufttand einen ernstlichen Charakter zu geben. Es fügte hin­zu, das irische Volk sei nicht unlohal. Die Regierung werde keine Entwaffnung der unlohalen Freiwilligen-versuchen, da das ihrer Ansicht nach zu Blutvergießen und sofortigem Aus­bruch des Aufstands führen würde.

Englische Sorgen um einen Stimmungs­umschlag in und wegen Irland.

XV. T.-B. Manchester, 19. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Der Londoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" schreibt: Es ist dringend notwendig, wenn auch nur als Kriegsmaß cegel, den jahrhundertealten Beschwerden Irlands ein Ende zu machen. Die öffentlichen und privaten Nachrichten aus Amerika sind beunruhigend. Die Äußerungen in der neutralen Presse Europas sind bitter. Es ist kein Zweifel, daß, wie Dillon im Unterhaus sagte und wie irische Berichterstatter einiger Londoner Blätter zu sagen versuchen, die Gefahr eines völligen Stirn» mungs Umschlages in Irland besteht.

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Die Rückwirkung des irischen Aufstandes in der Union.

Gebete für die Hingerichteten irischen Führer in Nordamerika. — Sympathiekundgebungen sür die Erhebung Irlands.

New Kork, 19. Mat. (Durch Funkspruch von dem Verirrter des W. T.-B.) Gestern wurden in den meisten katholischen Kirchen des ganzen Landes Requiems oder Gebete für' die Hingerich­teten Führer des irischen Aufstandes abgehalten. Monsignore McGuierki v^n der St. Paulskirche in New Jork forderte die Ge­meinde auf, Gott zu bitten, England zu demütigen, indem er die H i » r i ch t u n g der irischen Führer eine Tat des Wahn­sinns nannte. Der Prälat sagte, wen Gott verderben will, den schlägt er mit Torheit. Nachmittags und in der Nacht wurden etwa 120 Versammlungen in den verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten mit Einschluß Washingtons abgehalten, um die Sympathie mit der Erhebung Irlands und den Abscheu über Englands tyranni­sche Maßnahmen zur Unterdrückung des Aufstandes auszudrückcn. Tie Sache der irischen Unabhängigkeit hat hier während der letzten drei Wochen gewonnen. Überall verglichen die Redner den irischen Ausstand imit der amerikanischen Revolution. Sie hoben hervor, daß die barbarische Hinrichtung der 15 irischen Führer das Schicksal Washingtons und der anderen amerikanischen Helden der Revolution gewesen wäre, wenn sic keinen Erfolg gehabt hätte. Auf einer Massenversammlung in der Carnegie Hall in New Bork nahmen über 3000 Personen teil, unter ihnen viele Priester. 20 000 konnten wegen Mangels an Raum keinen Zutritt finden. Der Richter des Obersten Gerichtshofes, Gavegan, führte den Vorsitz in der Versammlung. Er erhob sich zum Gedächtnis „der irischen Märtyrer von 1910" und gab einen Überblick über die Ver­dienste, die Selbstlosigkeit, den Patriotismus und die Tapferkeit der Hingerichteten Führer. Einige Sprecher berührten den jüngsten dcutsch-anrerikanischen Streitfall und wiesen darauf hin, daß Präsident Wilson die Rolle eines Vorkämpfers der Humanität an­genommen und daher verpflichtet wäre, mit England wegen der Ermordung der irischen Führer zu verhandeln, die keine Ver­brecher, sondern Kriegsgefangene seien.- Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der England beschuldigt wird, Männer für die Erstrebung eines Zieles hingerichtet zu haben, das von Carson öffentlich ausgestellt worden sei, der später zum Mitglied des englischen Kabinetts gemacht worden sei. Viktor Hcrbert kündigte eine öffentliche Subskription zugunsten der Witwen und Waisen der Opfer der englischen Brutalität an. Mit stürniischer Begeisterung wurde die Flagge der irischen Republik begrüßt. Die Erwähnung der Slawen der 15 Unter­zeichner der irischen Unabhängigkeitserklärung, die im Wortlaut verlesen wurde, rief begeisterte Beifallsrufe hervor. Auch die Er­wähnung Casemcnts fand wiederholt lauten Beifall, während jede Erwähnung Englands, Redmonds und Carsons anhaltendes Zischen und Ruse „Schmach den Mördern" veranlaßt»:. Ein Telegramm, in dem sich der bisherige Führer der amerikanische» Anhänger Redmonds, Michael Ryan in Philadelphia, zugunsten der irischen Separatisten erklärte, machte gewaltiges Aussehen. Die Redner mit Einschluß von Colby, Rooneh und Cockran sprachen von der hohen Bedeutung des gegenwärtigen Krieges. Jeder kleinen Nation mit Einschluß Irlands müsse das Recht zugebilligt werden, selbst zu entscheiden, unter welchen politischen Bedingungen sie leben wollten. Die allgenieine Ansicht geht dahin, daß infolge der irischen Ereignisse Englands Sache hier schwer gelitten habe und noch weiter leiden werde. Trotzdem englische Meldungen das Gegenteil behaupten, betrachten die irischen Amerikaner das Kapitel der irischen Revolution keineswegs für ge- schlossen. Eine bemerkenswerte Versammlung zum Gedächtnis der Hingerichteten Iren wurde gestern im Tremint-Tempel in Boston, eineni Bollwerk der deniokratischen Iren, abgehalten. Die Bostoner Zeitungen widmeten der Versammlung sieben bis zehn

Spalten. Die Versammlung nahm Entschließungen an, die sich für einen sofortigen Abbruch aller diplomatischen Beziehungen mit England aussprechen. Die Ent­schließungen brandmarken die amerikanische» Presseleutc, welche durch ihre Unterstützung der britische» Propaganda der britischen Negie­rung bei ihrem Verbrechen von Dublin halfen, und forderten die amerikanische Regierung auf, durch den Botschafter in London Eng­land ihren tiefsten Abscheu zum Ausdruck zu bringen über feie Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Moral und Religion, die in Dublin begangen worden seien und noch in dieser Stunde begangen wurden. Die Versammlung wurde durch den Bürgermeister Curley eröffnet. So viele Personen fanden keinen Zutritt, daß eine be­sondere Versammlung abgehalten werden mußte.

*

Balfour über die Freiheit der Meere.

Br. Amsterdam, 19. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Einstimmig und ohne Parteiunterschied, so daß die Hand des amtlichen Pressebureaus deutlich durchblickt, erörtern Leit­artikel der englischen Presse, was Balfour in einer Unter­redung mit dem amerikanischen Journalisten M a r s ch a l l über die Freiheit der Meere sagte. Alle lohenden Randbemerkungen sind ausgesprochen an Amerikas Adresse und unterstreichen Balfours Worte, daß eine An­erkennung der Seefreiheit für Amerika mißlich sein könne. Noch klarer als Balfour es aussprach, betonen sie, daß ein amerikanisch - englisches Bündnis die See be­herrschen müsse und solle. Im Verlauf der langen Unter­redung sagte Balfour zu Marschall: Die Ausführung des Vor­schlags Deutschlands würde die Last der Rüstungen in keiner Weise vermindern. Flotten wären nach wie vor unent­behrlich, könnten aber gegen einen Feind nur noch in Ver­bindung mit der Armee Verwendung finden. Folglich wür­den nur militaristische Monarchien den Vorteil haben. Der Handel würde ungestört bleiben, aber Übersee-Inva­sionen immer möglich sein. Die Wichtigkeit der Seemacht wäre vermindert, namentlich in nicht militärischen Staaten wie Amerika und England. Wenn z. B. Deutschland versuchen würde, germanisierte Teile Süd­amerikas (!) sich anzueignen und käme dabei mit der Monroelehre in Konflikt, dann müsse Amerika, gebunden durch die Freiheit der Meere, warten, bis es eine große Armee zusammen habe, ehe es den Feind angreifen kann. Balfour legte dann den englischen Maßstab an und fragte, wer denn überhaupt garantieren könne, daß der deutsche Generalstab nachher nicht die Freiheit der Meere zum Teufe! schicke und den Handel seiner Feinde zerstört. Amerika und England, fährt er fort, haben die gleichen Ideale. Über zwei Generationen hindurch war England seit dem letzten großen Krieg ohne Rivalen zur See. In dieser Zeit entstand Belgien, Griechenland wurde frei, Italien vereinigt, die südamerikanischen Republiken entstan- den und die Monroedoktrin wurde aufgestellt. Hieraus leitet Balfour ab, daß England und Amerika ihre Seemacht nicht nur nicht verringern dürften, sondern sie beide möglichst orga­nisieren müßten im Interesse des gemeinsamen Ideals beider Staaten, von dessen Erfüllung Glück und Frieden der Welt hauptsächlich abhängt.

Die allgemeine Finanzlage Englands.

Etatsrede des Schatzkanzlers.

XV. T.-B. London, 19. Mai. (Nichtannlich. Drahtbericht.) Bei der zweiten Etatslesung behandelte der Schatzkanzler die allgemeine Finanzlage und sagte: Die gegenwärtige Lage unserer Finanzen hat nach einer beispiellosen Störung des Verkehrs die Kräfte der Nation gezeigt. Wir steigerten die Einnahmen von 200 auf 500 Millionen Pfund, »kein anderes Land hat Gleiches versucht und konnte Gleiches versuchen. Der Minister stellte das Vorgehen Englands, das 300 Millio­nen Pfund neue Steuern erhebe, dem Vorgehen Deutsch­lands gegenüber, das 25 Millionen Pfund erhebe. Er sagte' Wenn wir unsere Hilfsquellen überangestrengt hätten, würde eine Abnahme der Steuereingänge vorhanden sein. Aber das sei nicht der Fall, da die gegenwärtigen Einnahmen den Voranschlag weit übertreffen würden, über den kommer­ziellen Wiederaufbau nach dem Kriege sagte er: Niemand könne sagen, welches die Grenze der möglichen Abkommen wäre. Kein Teil des Hauses meine, daß das Werk des Wiederaufbaues dem Zweifel überlassen bleiben könne, niemand glaube, daß man eine Politik laisser faire verfolgen könne. Es sei gemeinsame Grundanschauung, daß die Regierung helfen, organisieren, unterstützen und darauf sehen müsse, daß die wichtigen Industrien erhalten bleiben und daß die Industrien, die man bei Kriegsausbruch nicht be­sessen hat, die aber von vorteilhafter Wichtigkeit seien, nicht wieder zermalmt werden würden, sondern erhalten bleiben müßten, so weit eS für das volle Leben der Nation wesentlich sei. Weder jetzt noch zukünftig werde er sich genau an die Richtlinien gebunden erachten, die er vor dem Kriege befür­wortet habe. Er forderte das Haus auf, mit neuen Ge»