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..... N vr _„ _ . , .. Kür die Ausnahme von Anzeige» an vorgeichriebenen

Anzeigen-Auna^me: Kirr die Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W,, ^>t8bawer

Mittwoch, 17. Mai 1916.

Kben-rklusgabe.

Nr. 230. . 64. Jahrgang,

Ein Angriff der zranzojei! ans die höhe 304 zujammengebrochen.

Rege Fliegertätigkeit. — Oberleutnant Jmmelmann schoß das fünfzehnte feindliche Flugzeug ab.

Der Tagesbericht vom 17. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 17. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südwestlich Lens fanden im Anschluß an Minen- fprengungen lebhafte Handgranatenkämpfe statt.

Auf beiden Maas »fern steigerte sich zeitweise die gegenseitige Fenertätigkeit zu großer Heftigkeit. Ein Angriff der Franzosen gegen den Südhang der Höhe 304 brach in un­serem Sperrfeuer zusammen.

Die Fliegertätigkeit war auf beiden Seiten rege. Oberleutnant Jmmelmann schoß westlich Donai das fünfzehnte feindliche Flugzeug herunter. Ein englisches Flugzeug unterlag im Luftkampfe bei Fournes. Die In­sassen, 2 englische Offiziere» wurden unverwundet gefangen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Balkankriegsschauplatz.

Eine im Wardargebiet gegen unsere Stellung vorgchende schwache Abteilung wurde abgewiescn.

Oberste Heeresleitung.

Ein Seegefecht an der flandrischen Küste.

W. T.-B. Brüssel» 17. Mai. (Nichtamtlich. Drahtber.) Gestern nachmittag erschienen englische Seestreit- k r ä f t e vor der flandrischen Küste. Deutsche Torpedoboote und Bewachungsfahrzeuge liefen daraufhin aus» wobei es zu einem kurzen Artilleriegefecht auf große Entfernung kam. Eines der deutschen Flugzeuge warf während des Gefechtes auf einen feindlichen Zerstörer Bomben ab und er­zielte dabei einen Treffer im Hinteren Kommandoturm des feindlichen Fahrzeuges.

Die feindlichen Uriegrziele.

Es genügt nicht, öas Mißverhältnis zu ken­nen, das zwischen den Großsprechereien «der Herren Grey und P oi n c a r 6 und der wirklichen Kriegslage besteht. Über dies Mißverhältnis ist kaum ein Wort zu verlieren. Der engftlsche Minister und der Präsident der französischen Republik s ch r e i e n es laut in die Welt hinaus, daß sie nnd ihre Verbündeten g a n z g e w i ß siegen werden, daß wir nm Frieden werden bitten imüssen, und daß uns der Friede diktiert werden wrvd. Diese Ruihm- redigleiten erlauben sich unsere Feinde in einem Zeit­punkte, wo wir so e i s e n s e st wie n u r j e w e i t Hinein in Rußland, Belgien, Frankreich, Serbien stehen und gerade dnbei sind, den Fran- zosM bei Verdun neue furchtbare Schläge auszu- teilen. Wie kommt es nun, ,daß Grey nnd Poincarä trotz dieser Sachlage, die ihnen und ihren Völkern ja nicht unbekannt geblieben sein kann, .den Mund so voll nehmen können? Das wird nicht damit erklärt, daß man sagt, die Verzweiflung laste diese Männer irre reden, sondern es muß etwas ,dv sein, was ße aus ihrer eigenen Betrachtung und aus der Einrpfindungsweilt der feindlichen Völker heraus, als welche ihre Reden uns erscheinen, einigermaßen berechtigt. Unserer eigenen Sache können wir nur nützen, wenn wir uns von der gewiß naheliegenden, doch aber nur die Oberfläche be­rührenden Vorstellung freiinachen, als glaubten die Feinde selber nicht an die Möglichkeit ihres Sieges. Sie glauben trotz aller erlittenen Fchlschläge durch­aus daran, sie müssen daran glaNben, wenn sie nicht sofort Frisdensvorschläg» machen sollen, und sie machen sie nicht, weil sie noch immer nicht lahm- g e s ch l a g e n worden imd. Wenn uns gelingt, was wir bei Verdun Vorhaben (und es wivd gelingen), dann wird auch der Vierverband lernen, die harte Wirklichkeit zu achten. Bis dahin »nüssen sich die Feinde von Hoffnungen nähren, und idas wollen wir ihnen iricht nur nicht verdenken, vielmehr ist es durch­aus begreiflich, weil der Zusammenbruch erst kommen kann, wenn das Erdbeben nicht bloß droht, sondern a u ch d a i st. Schließlich sieckt^hinter den jüng­sten Kundgebungen der feindlichen Staatsmänner so viel wirklich nicht, wie es beim flüchtigen Mick aussieht. Verglichen mit dem, was Herr Grey früher als eng- lftches Krieg schel erklärt hat, ist er doch eigentlich ziem­lich bescheiden geworden. Das mit der Vernichtung unseres Militarismus und unserer Herrschsucht ist ja überhaupt nur Beiwerk, und wenn der britische Minister

wieder und wieder die Herstellung Belgiens, Serbiens und .Montenegros verlangt, so wollen wir bei diesen positiven Forderungen nicht vergessen, .wie wichtig ihre negative Seite ist. Sir Grey sagt nämlich k e r n Wort mehr davon, daß die deutschen und auch die öster- reichisch-nngarischen Grenzen zurückgeschoben werden allen, er schweigt bedachtsam von Elsaß- Lothringen, er hält keine Ermunterung für dre italienischen Ansprüche ans Südtirol_ und Triest in Bereitschaft, er wäre offenbar mit der W ied>erh er­teil u n g des Z u st a n d e s vor dem Kriege zu­frieden. Das verschleiert der in Kniffen nnd Pfiffen erfahrene Herr gelschickt genug, und so mögen sich ferne der Ermunterung wahrlich bedürftigen LaNdsilente über diese Unbeugs-anrkelt ihrer Negierung_ freuen, aber die tönenden Worte verbergen, !Pie gesagt, einen Inhalt, der rm Vergleich mit den früheren Forderun­gen einen ziemlich dürftigen Eindruck macht. Auch von Polen hat Grey nicht gesprochen, Vergeßlich­keit kann das nicht sein, sondern der britische Mavts- mann scheint gar nicht ungern bereit, seinen russischen Freunden zuzureden, sie möchten um dieser Frage willen nicht hartköpfig lein. Die Hauptsache,laiber ist: das Wort Elsaß-Lothringen kommt in Greys Friedens- und Siegesprogwmm nicht vor! Grey wird es nicht zugestehen wollen, aber Wir «dürfen fest davon überzeugt sein, daß die britische Regierung um Elsaß-Lothringen willen auch nicht einen Finger rühren wird, wenn sie uur sonst einen, dm Interessen des Jnsel- reichs dienenden Frieden erlangen kann. Znsanmnen- fassend möchten wir sagen: Das geschwollene

Übermaß «der feindlichen Drohungen und For- ,derungen ist nicht bloß ein bewußter Se lb st­ill e trug, sondern solange unsere Feinde noch Hilfs- .mittel zur Verfügung haben, wenden sie solbstverftänd- lich mit äußerster Kraftanstrengung kämp­fen und die Hoffnung auf Erfolg nicht sinken lassen; aber die Erkenntnis ist doch schon öurchgeÄrungen, daß bestenfalls nur ein geringfügiger Teil.dessen erreich­bar wäre, was vor Jahr und Täg als erreichbares Kriegsziel hingcftellt worden war. Damit müssen wir uns begnügen, einmal weil wir nichts daran ändern können/ und sodann, weil der Rest der Erkenntnis schon Nachkommen wird.

Poinear6§ Nanziger Rede.

Bescheidene französische Ansprüche.

W. T.-B. Bern, 17. Mai. (Nichtamtlich.) Im „Figaro" schreibt Alfred Capus zur Rede des Präsidenten Poincare an die lothringischen Flüchtlinge: Die Rede in Ranzig kam gerade zur rechten Zeit, nach solchen Vorfällen, wie sie jetzt glücklicherweise beendet sind, die aber die Öffentlichkeit ängstigten. Nun könnte ein unruhiger Geist sagen: Das sind Morte; was wir brauchen, sind Taten! Die Wendung wäre richtig, wenn so feierliche Erklärungen, wie die des Staatsleiters in Ranzig, nicht sichere Zeugen dafür wären, daß die Anstrengungen des ganzen Landes heute auf die höchste Kraftentfaltung gerichtet sind. Es ist sogar ein Haupt­vorteil der W o r t e, die van oben kommen, daß sie einen Vertrag zwischen den Regierenden und dem Lande feststellen, der von keiner Seite verletzt werden darf.

Eine Stimme zu Greys nnd Poincares Reden uns Ungarn.

W. T.-B. Budapest» 17. Mai. (Nichtamtlich.) Der .Pester Lloyd" meldet aus Wien: Die Äußerungen Sir Edward Greys gegenüber dem Vertreter der Chicagoer „Daily News" werden in unterrichteten Kreisen als ein Beweis dafür erachtet, wie sehr sich Grey durch den ihm und der Entente gemachten Vorwurf der Verschleppung desKrieges getroffen fühlt. Der englische Staatsmann spricht wesent­lich gedämpfter und maßvoller als dies bei den führenden eng­lischen Staatsmännern noch vor wenigen Monaten üblich ge­wesen ist. Insbesondere findet er es nicht mehr für zeitgemäß, sich öffentlich zu dem gegen Deutschland und unsere Monarchie gerichteten Zerstörungsgedanken zu be­kennen. Ein Programm aber hat der englische Staatssekretär des Äußern in seinem Interview schwerlich entworfen, und die Deutung, als ob er sich die Beendigung des Krieges im Wege einer internationalen Konferenz vorstelle, ist kaum ge- i echtfertigt. Dies ergibt sich auch aus der Ansprache des Prä­sidenten Poincare an die lotbringischen Flüchtlinge in Ranzig. Der Präsident der französischen Republik, der doch sicherlich nicht Lust haben dürfte, sich in bezug auf die Mittel, wie zum Frieden zu gelangen wäre, in einen wesentlichen Gegensatz zu England zu begeben, ist von jeglichem Kon­ferenzgedanken weit entfernt. In seiner Rede findet man nicht einmal die leiseste Spur von Versöhnlichkeit, die man bei gutem Willen allenfalls in den Worten Greys zu ent­decken vermöchte. Herr Poincare wird seine Gründe haben, warum er den wilden Mann spielt, wie Grey die seinen haben wird, die es ihm richtig erscheinen lasten, eine um eine Nuance versöhnlicher klingende Walze einzulegen.

Die Meinung über Greys Rede in Dänemark

W. T.-B. Kopenhagen, 17. Mai. (Nichtamtlich.) Das Blatt „Sozialdemokraten" erklärt in einer Besprechung der vorgestrigen Ausführungen Greys, man erhalte den Eindruck,

daß England zu einem Frieden bereit sei, der B e l g i e ii, Serbien und Montenegro die Unabhängigkeit wieder­gibt und ein int Lr nationales Schiedsgericht einführt. Greys Erklmmng und die neue Friedensankündi­gung, von welcher die letzten Wochen so viele gebracht haben, würden nicht wenig darauf hindeuten, daß in diese m Sommer Friedensverhandlungen eingeleitet würden. Auch andere Blätter fasten die Ausführungen Greys als für den Frieden günstig auf.

Eine kriegerische Stimme aus Italien.

W. T.-B. Mailand» 17. Mai. (Nichtamtlich.) In einer Besprechung von Greys Erklärungen über die Kriegsziele be­tont der „Corriere della Sera", der beutegierigen Ab- icht der Mittelmächte, andere Nationen zu vergewaltigen, tehe die Gruppe gegenüber, die weder die deutsche Nationali­tät noch die Lebensrechte des großen Volkes bedrohe. Die Besprechung schließt: Die Leiter des Vierverbands be­weisen, daß sie nicht beutegierige Feinde sind, sondern den Weltfrieden wünschen. — Der „Secolo" schreibt: Alle wissen, daß die deutsche Zukunft nach den in Berlin vorherrschenden Gedanken in einer Verwirklichung des stolzen Traumes von der Beherrschung Europas besteht. Das ist der deutsche Friede. Es ist daher natürlich, daß die Völker der Entente den ihnen ' aufgezwungenen Kampf zur Verteidigung der eigenen Frei­heit so lange ruhmreich fortführen, bis die Feinde sich für besiegt erklären.

Oie £aae im westen.

Die allgemeine militärische Lage.

Eine neutrale Betrachtung.

In „Kövenhavn" vom 4. Mai wird ausgeführt: Es scheint, als ob die Kriegführung von 1915 im Jahre 1916 wiederkehren solle. Im vorigen Jahr haben die Deutschen an der Mer tni Frühjahr angegriffen. Darauf folgte dann der große Durch­bruch an der russischen Front und im Westen blieb es für Deutschland bei der Defensive. Auch beim Merangriff scheint es sich damals um ein Zuvorkommen gegenüber Engländern und Franzosen gehandelt zu haben, deren Angriffsstestungen dort zu bloßen Verteidigungsstellungen reduziert wurden. Mt den späteren Offensiven der Engländer und Franzosen kam dann nichts Wesentliches heraus, und Deutschland und Öster­reich konnten im Verein miteinander erst Rußland gründlich vbführen und dann Serbien vernichten. Daß der diesjährige Angriff auf Verdun außerordentlich viel kräftiger war und sich über 2% Monate erstreckte, im Gegensatz zu dem schwäche­ren Angriff an der Mer im Vorjahr, der nur zehn Tage dauerte, ist auch vollkommen erklärlich. Die Westmächte haben offenbar jetzt an der Westfront eine viel stärkere Angriffskraft als im Vorjahr. Dieser mußte mit kräftigeren Mitteln ent­gegengearbeitet werden. Und dazu kam noch, daß in diesem Jahr von Deutschland die russische Widerstandskraft ganz ücher geringer eingeschätzt werden kann, während Bulgarien Re Sache auf dem Balkan schieben soll und Österreich für Serbien keine Kräfte mehr zu reservieren braucht. Strategisch betrachtet, dreht es sich überhaupt nicht um die Frage, wird Verdun genommen, sondern um die Frage, ob die franzö­sischen Reserven für die Frühjahrsoffensive bei Verdun aufgebraucht wurden.

Erneute englische und französische Hilferufe nach Japan«

Wenig Neigung zum Anbeitzen bei Japan.

Br. Amsterdam» 17. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie der Londoner Gewährsmann des Berichterstatters der „Boss. Ztg." aus zuverlässiger Quelle meldet» stehen England und Frankreich mit der japanischen Regierung in Unterhand­lung, um Japan zu veranlassen» Truppen zur aktiven Teilnahme am Krieg nach Europa zu senden. Das japanische Kabinett ist wenig geneigt» diesen Wünschen zu entsprechen.

Die Ablehnung des Vorschlages eines Waffenstillstandes zur Aufnahme der Toten durch die Ententemächte.

W. T.-B. Bern, 17. Mai. (Nichtamtlich.) „Temps" bring! Antworten der kriegführenden Staaten auf den Vorschlag des Roten Kreuzes» es möchte jeweils ein Waffenstillstand ver­abredet werden, während dessen die Sanitätsmannschaften die Toten aufnehmen und identifizieren könnten. Deutschland antwortete, daß es die Frage von der Initiative der G e g n e r abhängig mache. Dem gegenüber stehen die Antworten Ruß- lands, Frankreichs, Belgiens und Italiens, die sämtlich aus militärischen Gründen glatt a b l e h n e n. Trotzdem bringt , Temps" es fertig, zu behaupten, daß offenbar, wenn Deutschlands Antwort günstig gewesen wäre, die ge­wünschte Vereinbarung hätte besprochen und zum guten Ende geführt werden können.

Französische Ärzte.

W. T.-B. Berlin, 17. Kar. (Amtlich.) Wie manche fran­zösische Ärzte ihre Berufs- und Menschenpflichten erfüllen, ergibt sich wieder einmal aus der Aussage eines französischen Kriegsgefangenen. Dieser wurde ausweislich seiner Ver­nehmung vom 26. Juli 1915 von seinem Sergeanten zum Mafferhölen für die Feldküchen fortgeschickt, die sich nicht weN von Mont Saint Eloy befanden. Es war dies am Tage nach dem Angriff vom 16. Juni bei Souchez. Der Zeuge bekundet