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Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 17. Mai 1916.
Morgen-ktusgabe.
Nr. 229. . 64. Jahrgang.
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Größere Erfolge unserer Bundesgenossen
an der italienischen Zront.
Im Ganzen 74 VMere, 2906 Mann gefangen. - (3 Maschinengewehre. 7 Geschütze erbeutet.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 16. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 16. Mai. mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Artilleriekämpfe dehnten sich gestern auf die ganze Front aus und steigerten sich vielfach zu großer Heftigkeit.
Im Abschnitt der Hochfläche von D o b e r d o drang das bewährte Egerer Landsturmregiment in die feindlichen Gräben östlich von Monfalcone ein. nahm 5 Offiziere und 150 Mann verschiedener italienischer Kavallerieregimenter gefangen und erbeutete ein Maschinengewehr. Unsere vorgestern gewonnene Stellung westlich von San Martina wurde trotz aller Anstrengungen des Gegners, sie zurückzuerobern. behauptet und befestigt. Hier fielen 3 Offiziere, 140 Mann, ein Maschinengewehr und viel sonstiges Kriegsmaterial in die Hände unserer Truppen. Heute früh warfen feindliche Flieger auf Kostanjevica und auf mehrere deutlich gekennzeichnete Sanitätsanstalten Bomben ab. ohne Schaden anzurichten. Am Görzer Brückenkopf. bei Plava und am Tolmeiner Abschnitt hielt unsere Artillerie die Deckungen des Gegners unter kräftigem Feuer. Verschiedene Jnfanterieunternehmungen an dieser Front brachten 1 Offizier und 116 Mann als Gefangene ein.
An der Kärntner Front entspannen sich bei guter Licht gleichfalls lebhafte Geschützkämpfe und bei P o n d e b b a auch Jnfanteriegefechte unserer Truppen mit Bcrfaglieri- abteilnngen. In den Dolomiten wurden mehrere italienische Angriffe auf unsere Stellungen amColdiLana und Tresasi-Gebiet abgewiesen. In Südtirol nahmen unsere Truppen, unterstützt durch überwältigende Artilleriewirkung, die erste feindliche Stellung auf dem Armen- terra-Rücken (südlich des Suganatales) auf der Hochfläche von V i l g e r e u t. nördlich des Terragnolo- Tales und südlich von R o v r e i t (Rovereto). In diesen Käurpfen wurden 65 Offiziere, darunter 1 Oberst, und über 2560 Mann gefangen genommen und 11 Maschinengewehre und 7 Geschütze erbeutet. Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Die bevorstehende Neuregelung unserer Lebensmittelversorgung.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
Br. Berlin, 16. Mn. (Eig. Dvähtbericht. Zens. Mn.) Wer die „LsoMsimitteldiktatur" gehen die widersprechendsten Ddeldungen Lurch die Presse. Das erklärt sich davaus, daß tatsächlich iygendwslche endgültige Beschlüsse nach immer nicht vorliegen. Nach dem Ergebnis der bisherigen Beratungen und BerhLNidlungen scheint nur festzustehen, daß der .ganze Komplex der Ernährungsfrage vom Reichsamt des Innern abgesondert und in die Hand eines besonderen „R e i ch s a in t s für Ernährungsfrage n" gelegt werden soll. Das neue Amt, an dessen Spitze nicht ein St a a t s s e k r e t ä r, sondern ein Präsident treten wird, wird vermutlich direkt dem ReichsLcmzler nachgeordnet sein. Es wird die Beschlüsse des Bundesrats in allen Fragen der Er- nährungspvlitik vorznbereiten und neben diesen Beschlüssen auch alle die Maßnahmen anszusühren ihaiben, zu denen der Bundesvat den Reichskanzler ermächtigt. Deni Präsidenten soll ein Beirat bei gegeben werden, an -dessen Beschlüsse er indes nicht gebunden sein soll. Die Hanptschwierigkeit des'Problems liegt in der Frage der Exekutive, d. h. darin, wie die neue Reichsbehörde in die Lage versetzt werden soll, ihre Maßnahmen selbständig, also auf -dem Wege der direkten Anordnung an die Verwaltung s- b e h ö r d e n der B u n d e s st a a t e n durchznsetzen. Dazu soll für die Dauer des Belagerungszustandes eine lnri il i t ä r i s ch e Instanz dienen: Denr neuen Reichs- amt soll in der Person eines kommandierenden Generäls. vielleicht Oberkommandierenden in den
Marken, sozusagen ein „Chef der Exekutive' beigeordnet werden, der durch kaiserliche Ermächtigung bevollmächtigt sein soll, sämtlichen stellvertretenden Generalkommandos in allen Fragen der Lebensmittel- verisorgung usw. bindende Weisungen zu erteilen. Das sind ungefähr die Vorschläge, die in dleisem Augenblick dem Bundesrat und dem preußischen Staatsministerium vorlrogen. — Als künftiger Leiter des neuen Er>nährungs,amtes wich übrigens jetzt in unterrichteten Kreisen mit großer Bestimmtheit ein p r e u- ßischer Ober Präs ident ftencmnt, der viele Jahre hindurch in der Berwaltuiig dreier großer östlicher Provinzen eine Rolle gespielt hat. (Wobei also die Kandidatur der Herren v. Batocki und v. Rhein- haben ausscheiden würden.) Die „Deutsche Tagesztg." verzeichnet das Gerücht, daß außer Staatssekretär Dr. Helfferich auch Geh. Rat Dr. Rathenau als Nachfolger Delbrücks genannt werde. (Gell eimrat Rathenau hat während des Krieges sich um die Schaffung und Organisation der industriellen und wirtschaftlichen K ri eg sges eIlschasten bezw. um die deutsche Rohstoffversorgung außerordentliche Verdienst evwoben und entfaltet noch heute eine außerordentlich reiche Tätigkeit. Schriftl.) ,
Die Zusammenkunft der bundesstaatlichen Zinanzminifter.
Br. Berlin, 16. Mai. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Beratungen des Reichsschatzsekretärs mit den Finanzministern der Bundesstaaten sollen heuteabendzuEnde geführt werden. Man erwartet dem „L.-A." zufolge frühestens für die morgige Sitzung des Hauptausschusses bezm. Steuer- . ausschusses des Reichstags eine Erklärung des Schatzsekretärs über die endgültige Stellungnahme des Bundesrats, namentlich zur Frage zur Neuerhebung des Wehrbeitrages sowie zu der Umgestaltung, welche dieKriegs- gewinnsteuer im Hauptausschuß des Reichstags erfahren hat. Ein Weg, auf welchem die weit auseinandergehenden Wünsche und Forderungen der Parteien mit dem grundsätzlichen Standpunkt der Reichsleitung in Einklang gebracht werden können, scheint bis zur Stunde noch nicht gefunden worden zu sein. Der „Tägl. Rundschau" zufolge ist bei den Besprechungen vor allem in Bestätigung unserer Meldung die U m s a tz st e u e r der Mittelpunkt eingehender Erörterungen gewesen Im Reichsamt ist zu Ostern der Entwurf einer Reichsumsatzsteuer ausgearbeitet und dann den Regierungen der Bundesstaaten zur Prüfung übermittelt worden. Nach dieser Prüfung sind die Bundesstaaten im allgemeinen mit der Umsatzsteuer einverstanden. Sie haben zwar noch dieses oder jenes an dem Entwurf auszusetzen, aber mit dem Plan an sich haben sie sich befreundet. Augenscheinlich suchen die Bundesstaaten die mittelbare Umsatzsteuer der unmittelbaren Vermögenssteuer entgegenzusetzen.
Eür srhunssfreier Tag der Ausschüsse.
Br. Berlin, 16. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Steuerausschuß des Reichstags hat die für heute vorgesehene Sitzung auf morgen Mittwoch verschoben. Auch der Hauptausschutz des Reichstags hielt heute keine Sitzung ab.
Die Delprinksche KriegsernKhrungspolitik.
Die „Norbd. Allg. Zig." zum Scheiben Delbrücks.
W. T.-B. Berlin, 16. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer wirtschaftspolitischen Wochenschau: Blickt man heute, da eine Erschütterung seiner Gesundheit den bisherigen Leiter des Reichsamts des Innern von seiner Kommandoftelle abruft, in welcher er als Leiter der inneren Kriegführung die Armee der um den Sieg Ringenden führte, auf sein Kriegswerk zurück, so darf man ruhig sagen: dieses Kriegswerk und sein Schöpfer werden vor der Geschichte bestehen. Von dem ersten großen Wurf, der Regelung der G e - treideverwaltung, gegen die es heute eine grundsätzliche Kritik überhaupt nicht mehr gibt, bis zu der letzten umfassenden und kühnen Konzeption einer grundlegenden Reform der Verordnungs- und Verwaltungs- o p p a r a t e für die Lebensmittelversorgung, mit welcher der Scheidende der künftigen Entwicklung die Richtung gewiesen hat, ist die Delbrücksche Kriegsernährungspolitik ein restloses Streben nach immer vollkommenerer Organisierung und Beherrschung der vorhandenen Kräfte und Mittel, ein nimmermüdes Suchen nach neuen Wegen, um dick bisher nicht gekannten tausendfältigen Schwierigkeiten einet abgeschlossenen, durch den Krieg gehemmten und beeinträchtigten Bedarfsdeckung zu überbrücken und zu überwinden. Krank und dringend Erholung bedürftig, hat er bis zuletzt die Arbeiten seines Amtes geleitet, gefördert und beschleunigt. Die Vorbereitungen für
den Kriegswirtschaftsplan des neuen Erntejahres sind im Reichsamt des Innern so weit abgeschlossen, dah er zu einem sehr frühen Zeitpunkt veröffentlicht wird. Und als es sich allmählich herausstellte, datz gewisse Hemmungen in dem Aufbau der Verwaltung einer raschen und einheitlichen Durchführung zentraler Ernährungspolitik da und dort -— ohne Verschulden der beteiligten Stellen und Behörden — im Wege standen, da entwarf Dr. Delbrück einen Reformplan, mit dem selbst weiterzuarbeiten ihm ein tragisches Geschick versagte. Es ist noch nicht an der Zeit, diesen Plan zu erörtern, über dessen Einzelheiten von den zuständigen Stellen noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Oer Krieg gegen England.
Asquith in Belfast.
IV. T.-B. London, 16. Mai. (Nichtamtlich.) Asquith ist nachmittags in Belfast angekommen.
V/. T.-B. London, 16. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Asquith hat sich nachmittags von Belfast nach Dublin zurückbegeben.
Die Untersuchung gegen Sir Roger Casement
Br. Haag, 16. Mai. (Eig. Dvahtbeoicht. Zens- Bin.) Reuter meldet: Sir Roger Casement erschien gestern
zum ersten Male vor dein Polizeirichte t:.. in D owstreet unter Anklage des Hochverrats. Gm Sdldat, der gestern in London verhaftet wurde, inß mit ihm unter der gleichen Anklage ailf der Bank. Cäie- nient sah sehr bleich und hinfällig ans. Ein großer Teil des kleinen Sitzungssaales war von Jour- nälisten und neutralen Pressevertretern besetzt. Ter Staatsanwalt begann mit einer Darlegung der Anklagen und schilderte Casements Laufbahn im diplomatischen Dienst.
Die Sommerzeit in England.
W.T.-B. London, 16. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Das Unterhaus hat die Sommerzeitbill in dritter Lesung einstimmig angenommen.
Italien und Deutschland.
Haag, 16. Mai. (Jens. Bln.) Auf eine Frage im Unterhaus, ob die britische Regierung Verhandlungen mit Italien eingeleitet habe, damit dieses Land Deutschland den Krieg erkläre, antwortete Grey ausweichend.
Oer Krieg gegen Nutzlcmd. Russische Nusreden zur Vsfsftigung der Nlandsinseln.
W. T.-B. Kopenhagen, 16. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Petersvürger „N o w o j e W r e m j a" schreibt über die Interpellation Steffens bezüglich der russischen Befestigung der Alandsinseln in der schwedischen Ersten Kammer: Der Vertrag von 1856 verbietet allerdings Rußland, auf. den Alandsinselu seine Befestigungen anzulegen. Der Vertrag sei aber zwischen Rußland einerseits und England und Frankreich andere r s e i t s abgeschlossen. Schweden habe somit kein Recht zum Einspruch.
Das „Ergebnis" der Verhandlungen Paschitschs in Petersburg.
Russisch-offiziöse Bersicherungcn.
W. T.-B. Petersburg, 16. Mai. (Nichtamtlich.) Das Pressebureau des Ministeriums des Äußern verbreitet folgende Mtteilung über das Ergebnis der Verhandlungen Paschitschs in Petersburg: Unsere gut unterrichteten politischen Kreise stellen mit großer Beftiedigung die tatsächlichen Ergebnisse der Sendung Paschitschs fest, welcher nacheinander Mom, London, Paris und Petersburg besucht hat. Die nationalen Ideale Serbiens, die Vereinigung der serbischen Länder und Völker und die Angliederung Mazedoniens an Serbien sind, wie wir schon berichtet haben, von allen Ententemächten ohne Ausnahme mit Zustimmung begrüßt worden. Es gilt als ein gutes Zeichen, daß bei Beginn des Kriegs das zwischen Italien und Serbien bestehende Mißtrauen und die gegenseitige Verdächtigung jetzt völlig beseitigt sind, obwohl die künftige Verteilung und Organisation der adriatischen Küstc in ihren Einzel? heilen jetzt noch im ungewissen bleiben muß, erwecken die zwischen Italien und Serbien entstandenen friedlichen Beziehungen die volle Zuversicht, daß diese Frage zur Beftiedigung beider Staaten gelöst werden wird. Dieser Lage entspricht es, datz der italienische Botschafter Marchese Carlotti Paschitsch zu Ehren ein Frühstück gibt, zu dem die Diplomaten der alliierten Länder geladen sind.
