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Verlag Langgasse 21

„Tagblatihaus".

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Sonntag, 14. Mai 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 225. . 64. Jahrgang.

Rußland und England ln Asien.

O Berlin, 12. Mai.

Asquith hat «den Russen (in seiner Tischrede an die in Lo nbo n emgetrchfenen Mitglieder der D uma) wieder einmal die liebsnswürtdigsten Mnge -gssa-gt. Zwischen beiden Regierungen, so beteuerte er, herrsche völlige llbereinstirmnung hinffchMch der 'Angelegen­heiten des Ostens. Die Mißverständnisse seien vorüber, in der Türkei wie in Persien, überall, wo die beider­seitigen Interessen sich begegnen, sei man zu einer ge» ineiitichaftlichen Politik gelangt. Die Dnmamitglreder, die das mitangehört haben, werden sich dabei Wohl ihre besonderen Gödnnken gemacht haben, aber sie wer­den sie Herrn Asguith ebensowenig mitzutMlen wün­schen, wie dieser es sür out befunden hat, den russischen Herren alle Geheimnisse seiner edlen Seele zu enthüllen. Mit der vermeintlichen Gemeinsamkeit der russischen und der englischen Interessen im Pfortenreiche und in Persien sieht es in Wahrheit anders aus, als es die pjissige Kunst der engli'chen Verschleierungen -darzu- stellen liebt. Ter wachsende Druck, den Rußland aus Persien und damit zugleich auf die Gebiete ausübt, die England als seine zukünftige Land­brücke von Ägypten bis zum Persischen Golf be­trachtet, erweckt tu London die unbehaglichsten Emp­findungen. Das wird durch wichtige Äußerungen in den englischen Zeitungen bezeugt, und diese Beilege werden durch die eifrigen Bömührmgen anderer eng­lischer Blätter, die Bezichungen zu Rußland als vor- zoglia, darzustellen, eher bestätigt als entkräftet. .Man braucht nur an die russisch-japanische Annähe­rung zu denken, nm zu wissen, daß England mit Sorge auf die russischen Bemühungen blickt, sich für die Zu­kunft anderweite Sichenmg zur Durchführung seiner asiatischen Pläne zu verschaffen. England ist mit Japan rmd mit Rußland verbündet, aber beide Verbündete -ver­folgen Richtungslimen, die in ihrer gradlrnigen Fort­setzung Schwierigkeiten sür Großbritannien werden bringen müssen. Man kann die russisch-japani­sche V e r st ä n d i >g u n g ldohin bestimmen, daß das Zarenreich den Rückzug aus dem fernen Osten anzu- rreten ini Begriff ist, tvas es durch die Entfestigung der Ostküste beknndet, und daß Japan sür die Zustinvnung zum Vordringen Rußlands in -der Mongolei die Einwilligung des Petersburger Kabinetts zur Aus­dehnung seines Interessenbereichs nicht bloß in China, sondern auch in der S ü d s e e bis weit hinein in den britischen Interessenkreis erhalten hat. In­soweit diese lapanische AusdehuungsgeLüste bereits mit Gedanken an In dien verknüpft sind, finden sie aber gewiß Seinen Widerspruch in Petersburg, wo der -Weg nach dem Indischen Ozean über das geschwächte Persien hinweg sichtbar emgeschlagen worden -ist. Der Zeit­punkt läßt sich ziemlich genau bestimmen, wo die eng­lisch-russischen Freundschaft in den Zustand der Ab­kühlung überzugehen begann. Seft dem Herbst 1915 beobachtet man diesen Temperaturwechsel, also seit der unleugbar erfolgreichen Tätigkeit des Groß­fürsten Nikolai. England wird sich freilich die Kraft Zutrauen, einem etwa noch unbequemer wendenden Ruß­land später im südwestlichen Asien, von der Grenze zwi­schen Persien und Beludichista-n -bis nach Arabien Haft gebieten m können. Aber daß Asqrrith an die herzliche Freundschaft mit Rußland glaubt, von der er spricht, das wird chm niemand glauben. Inzwischen ist die Lage Großbritanniens, politisch wie militärisch, durch den Fall von K u t - e l - A m a r a und durch die engen Zu­sammenhänge, in denen dies Ereignis mit der gesam­ten Politik des Reichs in jenen Gebieten steht, -noch be­drohlicher geworden; zugleich aber -wird -dadurch, wie wir uns nicht verheplen dürfen, die Entschiedenheit der brrtischen Politik in der Verfolgung ihrer Inter- wen noch gesteigert werden. Rußland kann nicht trollen, daß sich England -in Mesopotamien dauernd fest­st. Die britischen Wünsche aber schwanken zwischen der Sehnsucht nach russftchec Hilfe und • der Furcht da- ÖCI \ daß sich Rußland für solche Hafte -in unange- nohnker Weise bezahlt machen könnte. Die beiden Ver­bündeten müssen einander dort wie in der Frage der Meevengen naturgemäß gründlich mißtrauen. Die Fussen werden niemals ernstlich erwartet haben, -daß England ihnen -den Bosporus und die Tavdan-ellen wirklich überlassen werde, und in England wird man ebensowenig damit rechnen, daß Rußland ruhig wschen werde, wenn Arabien und Meso­potamien unter englische Botmäßigkeit geraten. ~ie Frage nach dem Schicksal cjercübe dieser Länder wird nun Mer durch den Krieg in unmittelbare Nähe gerückt, wird auch für uns drängend. Die Niederlage von ^rbel-Amara entscheidet keineswegs schon zuungunsten englischen Pläne, vielmehr wird England jetzt erst alles anfbieten, imr sich die Herrschaft über Lvs

Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris M stchern, die es durch die Besetzung von Ko weit >/chan vor dem Kriege vorbereitet hatte. In dem oeutlsch-englischen Wkmnmen üb-er das Schlußstück der Bagdadbahn war von uns aus zugestanden wor- >^en, daß die Fortsetzung der Bahn vis nach Basra und Kawort das Werk einer neuen Gesellschaft unter e n g- l r ls ch e r Leitung sein sollte. Dre Voraussetzung dieses Abkamimens war, daß wir uns mrt England f chi e d- Irm friedlich ins Benehmen setzen könnten. Heute kann davon keine Rede mehr sein, heute -müssen wir wollen, daß der Weg für das Pfortenreich ung e- hrnd-ert bis zum Per.srscheu Meer offen EsuEt. Wenn man will, kann man sogar an die Mög- lichtelt eines Interessen a u s g l e i ch s zwischen uns und Rußland denken, insofern w i r gegen ein V o r- -dringen Rußlands bis zum Indischen Meer k e ui e Einwendungen zu machen brauchten, wofür wieder Rußland kein Interesse daran hätte, die Pforte bei ihrem Bestreben nach Fernhaltung Englands von den Strom Mündungen zu hindern. Jedenfalls durchkreuzen sich dort unten die russischen und die englischen Interessen in einer Weise, die sich noch fühlbar viachen müssen, wenn, England zur Wieder- h e r st e l I u n g seines, geschädigten Ansehens und zur Sicherung seiner weibausgreifenden Eroberungspläne erhöhte AnstrenMng-en im Kampfgebiet zwischen Sues- kanasl und Basra machen sollte. Wir werden gut daran tun, den Vorgängen auf diesem poliftsch-inrlitärischen Schauplatz unsere verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen.

Dre Opfer und der Sachschaden des Auf- ' ftandes in Irland.

W. T.-B. Amsterdam, 18. Mm. (Nichtamtlich. Drcchtbe- richt.) Der Dubliner Korrespondent der „Times" meldet, daß Asquith die Zahl der Zivilpersonen, die dem irischen Auf­stand zum Opfer gefallen sind, offenbar unterschätzt habe. J-ch:e Zahl scheine im ganzen 216 zu betragen. Die geforderten Schadensvergütungssumme habe sich gestern bereits auf 1 400 000 Pfund belaufen.

Der Krieg gegen Nutzland.

Einsetzung eines Präsidenten von Warschau.

Berlin, 18. Mai. (Zens. Bln.) Das „23. T." meldet aus Warjchau: Der Warschauer Generalgouverneur hat den fürsten Lubomirski zum Präsidenten von Warschau ernannt.

Übergang der „Petersburger Börfenzeitung" in englischen Besitz.

(Von unserem Sonderberichterstatter.)

S. Haparanda, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Uber den Erwerb der Petersburger „Börsenzeitung" durch emen englischen Jndustriekonzern erfahre ich folgende Einzel­heiten: Die Engländer zahlten. 5 Millionen Rubel ein, wodurch zugleich eine wesentliche Erweiterung des Redaktions- betriebes ermöglicht wurde, besonders in der Ausgestaltung des Nachrichtendienstes. Die Transaktion wurde von der Allgemeinen Volksbcmk ausgeführt. Die Zeitung wird ibren Namen in „Nowoje Gazetta" ändern.

Oie Lage im Westen.

Der französische Jahrgang 1816 an die Front.

Br. Genf, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie ftanzösische Blätter berichten, werden alle Mannschaften des Jahrganges 1916, die im Januar zur Ausbildung ein­gezogen worden sind, nunmehr in Kürze an die Front ver­bracht werden.

Brand einer französischen Schiffswerft.

w - T --B- Bern, 13. Mai. (Nichtamtlich.) Der Lyoner „Progres" meldet aus Toulon, daß in den industriellen Werken von St. Tropez ein schweres Schadenfeuer ausge­brochen ist 2500 Ballen wurden eine Beute der Flammen. Das Feuer griff auf die S ch i f f s w e r f t über, wo 3 Motor­schiffe verbrannten. Personen kamen nicht zu Schaden, der Sachschaden ist sehr beträchtlich.

Oer Krieg gegen England.

Industrieller Dienstzwang sür die englischen Arbeiter!

B*. Haag, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Reuter meldet amtlich: Die Minister Long, Bonar Law und Henderson verhandelten gestern früh mit einer Abordnung des Ausschusses des Bergarbeiterverbandes über die Dienstpflicht. Verschiedene Angelegenheiten, die damit in Verbindung stehen, wurden ausführlich besprochen, hauptsäch­lich die Frage des internationalen Dienstzwanges für die Arbeiter.

Das deutsche Eigentum in England.

Berlin, 13. Mai. (Zens. Bln.) Das „B. T." meldet aus Amsterdam: Eine offizielle englische Statistik beziffert den Wert des deutschen Eigentums in dem Vereinigten Königreich auf 134 Millionen Pfund, den englischen Gegenwert in Deutschland auf 90 Millionen Pfund.

Englische Lieferung medizinischer Artikel nach Deutschland.

W.T.-B. London, 13. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Ein Vertreter der „Associated Preß" hatte im Auswärtigen Amt eine Unterredung mit Sir Maurice de Bunsen über die Lieferung von medizinischen Artikeln nach Deutschland. De Bunsen sagte, die britische Regierung sei bereit zuzugeftehen, daß niedizinische Artikel an das ameri­kanische Rote Kreuz in den Ländern der Mittelmächte gesandt werden, wenn sie entsprechende Zusicherungen über deren Verwendung erhalte. Die Regierung könne aber nicht gestatten, daß medizinische Artikel vom Feinde selbst einge- rihrt würden. Die Erlaubnis zu einer solchen Einfuhr würde dem Feinde gestatten, seine Vorräte an Artikeln, wie Gummi, ausschließlich für Kriegszwecke zu verwenden.

Zum Untergang des Dampfers „Cymric".

Br. Amsterdam, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der White-Star-Dampfer „E y m r i c", der vor der englischen Westküste angeblich torpediert wurde, war für 2 Millionen Pfund versichert. Der Wert der Ladung war jedoch erheblich höher. In Reuters Meldungen über den Untergang der „Cymric" fehlt die übliche Anmerkung, daß der Dampfer un- bewaffnet war.

Der amtliche türkische Tagesbericht.

Ein zurückgrschlazener Gegenangriff zweier Bataillon, an der Kaukasus front.

IV. M-L. Konstantinopel, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Bericht des Hauptquartiers:

An der Jrakfront keine Veränderung.

- Kaukasussront konnte der Feind, der

im südlichen Abschnitte am Tschoruk znrückgcschlagcn wurde, fernen Rückzug teilweise 6 bis 8 Kilometer östlich von semen alt en-Stellungen zum Stehen bringen. Ern, Ge g en a n griff des Feindes, den er gestern auf seinem rechten Flügel in der Stärke von zwei Bataillonen ausführte, um seine alten Stellungen wieder zu nehmen, wurde für ihn vcrlnstreich zurück- geschlagen. Keine wichtigen Bewegungen auf den anderen Abschnittei; der Front.

Ein feindlicher T o rp c d v b o o t sz c r ft ö r e r, der a» der pnfel Krusten am 11. Mai kreuzte, in-istte sich infolge des Feuers unserer Artillerie entfernen. Kein wichtiges Ereignis auf den anderen Teilen der Front.

Französische Meldungen über einen schnellen Vormarsch der Russen gegen Bagdad.

Br. Kopenhagen, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach einem Pariser Telegramm bringen alle französischen Blätter einen Artikel über einen russischen schnellen Vor­marsch gegen Bagdad. Der „Matin" schreibt: Unsere Alliier­ten sind weniger als 50 Meilen von Bagdad entfernt. Gorringes Truppen sind vollständig intakt. Bald verschwinden die überschtoemmungen, und die Zeit, wo die Sommerwärme eintritt, ist günstig für eine gemeinsame An­strengung, um die Zarenfahne an der Seite der Farben des englischen Königs und des indischen Kaisers auf Baqdads Minaretts zu hissen.

Meutereien indischer Soldaten am Sueskanal.

W. T.-B. Zürich, 13. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Wie den „Neuen Zürcher Nachr." aus Berffeba gemeldet wird, verweigerten bei den letzten Kämpfen am Sueskanal die i n - di scheu Soldaten in vielen Fällen den Gehorsam. Es sei zu Meutereien und Kämpfen zwischen den australischen Offizieren und den indischen Truppen gekom- men, bei welchen es mehrere Tote und Verwundete gegeben hatte.

vis Ereignisse auf dem Balkan.

Ein griechisch-rumänischer Vertrag.

Br. Berlin, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

Wie die „Kampana" in Sofia berichtet, erhielt die „Esti Ujsag" aus unbedingt zuverlässiger Quelle die Nachricht, daß der italienische Gesandte in Athen seiner Regierung Mittei­lung über den Abschluß eines neuen griechisch-rumänischen Vertrags gemacht hat, dessen Hauptpunkt dir Erklärung beider Staateu bilde, daß sie ihre Neutralität um jeden Preis aufrecht erhalten wollen und trotz schwerster Verge­waltigungen diesen Standpunkt vertreten werden. Ferner werden sie jedem italienischen Einspruch mit größtem Nachdruck e n-t-g egentreten.

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