Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgaste 21

ESalter-HllLe gkiffnn von « Uhr morgens bis 7 Uhr abends.

wöchentlich

12 Ausgaben.

Fernruf r

„Tagblatihaus" SJr. 6G50-Ü3.

Bon 8 Uhr morgen» bis 8 Uhr abend», anher Sonntag».

mn^g»^r^d^Ä"rgen-'Aus'g ^dis g^tUir^nachmiltag^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Petsdamer Str.121 K. Feruspr.: Amt Liitz-w 6202 u. 6203. UgenündWAn w7r?"An°Ge^

Samstag, 13. Mai 19!6. Nr. 224. . 64. Jahrgang.

Oer Zriedensfühler.

Wilsons „herrliche Gelegenheit".

Im Verlauf öer internationalen Debatte über «den letzten dentsch-umerilanischen Notenwechsel stellt sich her­aus, baß die amerikanische Presse in der deutschen Ant­wort einen „FriodensftiÄer" entdeckt haben will. Ge­meint ist ossenoar die Stelle, in der es hieß, das Be­wußtsein der Starte habe es der deutsck)en Re­gierung erlaubt, zweimal im Laufe der letztenMonate ihre Bereitschaft zu einem Deutschlands Lebens­interessen sichernden Frieden offen und vor aller Welt zu bekunden. Also das offene ehrliche Friedens­angebot, wie es der deutsche Reichskanzler wie­derholt vor aller Welt erftärt hat. Von einem „Frie- denssühler" könnte nran doch nur sprechen, wenn Deutschland bisher nicht znm Frieden bereit gewesen wäre und nun unter d e r H a n >d anklopfen wollte. Aber wir wollen mit den amerikanischen Zeitungen dar- tiber nicht streiten, wenn nur bei dem weiteren Hin und Her etwas Vernünftiges herauskommt. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Mit einer gewissen Herablassung, deren Ton eben auch nicht sehr gefällt, läßt sich, wie wir mittelsten, die New Jorker „Edening Post" aus Washington melden, cs sei immerhin mög­lich, >datz der deutsche Friedensfiühler bei Wilson einige Aufmerksamkeit finden werde. Mer dos werde in einer hesonderen Mitteilung geschehen. Ob Wilson seine — Vermittlungsversuche wieder aufnehmen werbe, wisse man nicht, aber etwas, das hierauf hinausläuft, werde ernstlich erwogen. Diese Wendungen sind aller- brngs etwas ausfallend, besonders im Zusammen­hang« mit der Tatsache, daß Oberst H o u s e — auch das teilten wir bereits mit —, der Vertraute Wilsons, be­absichtigen soll, eine neue Reise nach Europa zu unter­nehmen. Man erinnert sich jetzt in politischen Kreisen, daß Wilson vor einigen Monaten alle amerikanischen Vertretungen Europas angewiesen hat, ihm über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Staaten, bei denen sie beglaubigt sind, einen ganz eingehenden vertraulichen Bericht zu liefern. Das war ungefähr um die Zeit der e r st e n Reise des Obersten Haufe. Der aus Deutsch­land bezügiliche Bericht wurde von dam amerikanischen Botschafter Herrn Gerarb und dem Generalkonsul Hay ausgearbertet. Ter Präsident wollte nur Tat­sachen wissen, aus denen er sich die Schlüsse selbst ziehen könne. Die Botschafter und Generalkonsuln in Eng­land, Frankreich, Rußland, Italien, Österreich-Ungarn und der Türkei sandten aleicksialls ihre Berichte ein. Präsident Wilson ließ nichts in seinen Anweisungen dar­über verlauten, wozu er diese Informationen brauche. Man glaubt aber, daß er aus den Tatsachen fesistellen ivollte, wieviel Anforderungen die kriegführenden Mächte noch an Amerika stellen würden, und um sich ein Bild darüber zu machen, ob im weiteren Verlauf diese wirtschaftlichen Verhältnisse die Friodensinöglich- keiten näher rücken. Es scheint nun, daß eine ähnliche Aktion zurzeit van Washington aus im Gange ist. Wohin sie aber führen soll, zu einer persönlichen Vermittlungstätigkeit Wilsons oder zum Versuch etwa eines vorbereitenden Friedenskongresses, das bleibt noch reichlich unklar. In jedem Falle darf gesagt werden, daß Deutschland und seine Verbündeten solchen Be- mühuuaen nicht nur vollständig fern stehen, sondern ihnen auch mit großer Kühle, um nicht zu sagen, mit Mißtrauen begegnen. Auf die a m e r i k a n i- i ch e „U n p a r t e i I i ch k e i t" in Blockade- und lknter- secbootsfvaaen braucht jetzt wohl nicht mehr zirruckae- grissen zu werden. Es genügt, die eine kleine Tatsache zu erwähnen, daß ini Staatsdepartement zu Washington immer noch 125 britische Unter- tauen beschäftigt sind. Von einer .diplomatischen Be- Horde, in der die englische Hand so offenbar gegen uns arbeitet, kann das Deutsche Reich niemals eine ersprießliche Tätigkeit zur Anbahnung eines vermittelnden Ausgleichs erwarten. Wir müssen also gleich von vornherein wieder dankend ab lehnen. Wenn die (übrigens deutschsreundlickien) Hearst-Zeitun- gen jetzt nack) der Annahme der deutschen Antwort von Wilsons „herrlicher Gelegenheit" sprechen, eine neu« Vermittlung zwischen den kriegführenden Völkern zu versuchen, so mag das ja ganz gut gemeint sein, irgend einen praktischen Sinn uud Wert hat es nicht. Die neutrale Regierung, die durch Gestattung der unge­heuren Waffenlieferungen an unsere Feinde und dann durch Nötigung, unseren U-Bootskrieg 'einzuschränken, ihre Ungeeignetheit bewiesen hat, zwischen den Parteien zu stehen und beide Teile zu hören, wird niemals unser Vertrauen zu einem Schiedsrrchteramt gewinnen. ..Wegen Befangenheit abaelehntl" Das bleibt das Wort, das ihr von deutscher Seite stets entgegentönen wird. Und daran ändert auch die glück­lich durchgeführte Einigung in der Torpodierungsftage nicht das mindeste.

Der Rücktritt de; §taat;sekret8r; v. Delbrück.

W.T.-B. Berlin, 12. Mai. (Amtlich.) Wie wir Horen, hat sich der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück wegen seines Gesundheitszustan­des genötigt gesehen, ein Abschiedsgesuch einzureichen. Dir Minister leidet an Furunkulose als der Folge einer leichten Zuckerkrankheit und bedarf nach ärztlichem Rat einer längeren Kur.

Über die Person des Nachfolgers ist mit Rücksicht auf die schwebenden O r g a n i s a t i o n s f r a g e n eine Entscheidung erst in einiger Zeit zu erwarten.

* 4 - *

Clemens Delbrück wurde am 19. Januar 1856 in Halle als Sohn des Kreisphysikus Dr. Ernst Delbrück und feiner Gemahlin Aima Klenge geboren. Er kam 1882 als Rsgierungsassesior nach DLarienweuder, wurde 1885 Land rat m Tuchel und im Januar 1892 Regie- rungsvat beim Oberpräsidium in Danzig.

Im Jahre 1896 wurde er zum Oberbürgermeister von Danzig gewählt uud war in dieser Stellung be­strebt, die finanzielle Betastung .der Großstädte durch die Landesgesetzgebung zu verringern. Im September .desselben Jahres Wunde Dr. Delbrück als Nachfolger des Staatsminlsters v. Goßler Oberpcäsident von West- Preußen. Er verblieb drei Jahre in diesem Amte und wurde am 19. Oktober 1905 an Stelle des zurücktreten- den Staatsnr'inislers v. Möller preußischer Haudels- mrnister. Als am 14. Juli 1909 Reichskanzler Fürst v. Bülvw die nachgesuckte Entlassung erhielt und von Bethmann-Hollwcg an seine Stelle trat, wurde Delbrück gleichzeitig zum Staatssekretär des Innern ernannt. Im Laufe seiner Amtszeit hat StaatssekroLär Delbrück von größeren Gesetzentwürfen, die m sein Ressort fallen, vor allem die RelchSverstcherungÄovdnung und die Vri- vatangestelltenversichevung üurchgeführt. Im übrigen galt er als Anhänger eines gemäßigten Tempos in der Sozialpolitik.

Teilung des NeichsamtS des Innern.

Br. Berlin, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die „B. Z." schreibt: Der Krieg scheint den Tieilungs- plan des Reichsamts des Innern wenn nicht schon zur Lösung selbst, so doch mindestens ein mächtiges Stück zu ihr hinzubriugen Mt dom Krieg sind dem Reichsainit des Innern neue und gewaltige Aufgaben ent­standen, die für sich allein erneu ganzen MLmn erfor­dern. Die in pflichttreuester Arbeit verzehrte Kraft des Staatssekretärs Dr. Delbrück war ihnen nicht mehr gewachsen und es ist heute scdevinann Kar, daß eine einzige Persönlichkeit unmöglich die Geschäfte ides .gan­zen Amtes so ganz souverän beherrschen könnte, wie es iinbadiugt notwendig ist. Wenn nun mich Herr von Bethnmnn-Hollweg sich, noch nicht entschließen möchte, das Reichsamt des Innern in wenigstens zwei gleich­berechtigte Roichsamter zu teilen, so wird doch die innere Teilung des nach außen einheitlich blei­benden Amtes so woit gehen müssen, daß sie als vor­läufige und endgültige Auflösung zu betrachten ist. Wir geben zu, daß die endgültige Teilung die Mög­lichkeit rrchiger Erwägungen beansprucht, tvie solche nur im Frieden möglich sind. Vielleicht wird sich im Frieden die Notwendigkeit zeigen, die Teilung des Reichsamts des Innern nach anderen Gesichtspunkten vorzunehmen, als diejenigen sind, die sich heute allein aus dem Kriagsbodürfnis ergeben.

Staatssekretär Graf Rödern der voraussichtliche Nach­folger. — Die Einrichtung einer Lebensmittclzcntrale im Reichsamt des Innern.

L. Berlin, 13. Mai. ('Eigene Meldung. Zens. Bln.) Von allen Kandidaten für die Nachfolge Delbrücks scheint, wie wir hören, der elfaß-ilothringrsche Staats­sekretär Graf Rödern die meiste Aussicht zu haben, da er politisch rechts auf Sympathien zählen könnte, >die an leitender Stelle letzt zum Ausgleich gewisser Spannun­gen für taktisch erstrebenswert gehalten weiden mögen. Aber dieser Ernennung jteht die Frage entgegen, öb sich ein Amtswechsel im elsaß-lothrrngischen Grenzgebiet jetzt sehr empfehlen lnürde. Man nennt auch neben Graf Posadowsky den Untevstaatsfekretär des Reichsamts des Innern Freiherrn v. Stein, mit dem der Reichskanzler eingehende Besprechungen hatte, und neben dem Qberpräsidenten der Rheinprovinz, Freiherrn v. R h e i n b a b e n, den Reichsschatzsekretär Dr. H e l f f e r ich. Das ganze Geheimnis >der verlängerten Krise beruhe daraus, daß man den: Reichsschatzsekretär Gelegenheitjidkit wollte, vor den Ausschüssen seine Steuervorschläqe bis zuletzt zu verteidigen. Dr. Helffe- rich wäre nicht abgeneigt, daun die Berfechtring der ans den Ausschüssen hervorgehenden Borlaqen eineni Nach­folger zu überlassen, zunwl von seinem ersten Projekt nicht allzuviel ilbrig geblieben wäre. Wir können uns nicht recht denken, daß man höchsten Orts unseren be- tvährten Reichsschatzsokretär für die fernere Kriegsdaner

nicht cm seinem Platze belassen möchte. Zweifellos würde Dr. Helsferich, der feine hoh.en parlamentarischen Fähig­keiten "bewiesen hat, auch als Sraatssekretär des Innern tedeutende.Dienste zu leisten vermögen. Man will so­gar schon .den Nachfolger Helsserichs im Neichsamte kennen. Das „B. T." nennt den Unterstaatssokretär im preußischen HaudelSministerium G ü p p e r t, der früher Bövsenkommissar gewesen ist. Göppert hat sich zuletzt init der Fleisch'evsovglung der Städte und der Organi­sation der Viehh-audelSverHäude besaßt. — Die Ein­richtung einer besonderen Wteilung für Lebens- m i tt elv e r s o r g u n g im Rölchsarnt des Innern, die Dr. Delbrück vor seinem Scheiden selbst beantragte, ist bestimmt beschlossen worden. An ihre Spitze soll ein Vevwaltungsbeamter treten. Das „B. T." nennt den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Freiherrn v. Ba tackt. Gleichzeitig soll in dieses Lebensmittel­amt auch ein General treten, der sich schon in .der militärischen Lebensmittelversorgung betätigt hat. Er soll mit besonderen Vollmachten ausgerüstet werden. Die Person steht noch nicht fest, doch dürste auf eine Persönlichkeit zurückgeg reffen werden, die in, Inten» dantuvwefen praktische Erfahrung gesammelt hat.

Aus der Berliner Presse.

L. Berlin, 13. Mai. (Eigene Meldung. Zens. Bin.) Alle Morgenblätter, auch die rechtsstehenden, erkennen in ihren Besprechungen die hohe Befähigung und die große Arbeitskraft des scheidenden Dr. Delbrück an, der nicht allein für die Mängel in der gewaltigen Er- nährungsorganisation während des Krieges verant­wortlich zu machen fei.

Berlin, 13. Mai. Zum Rücktritt des Staatssekretärs Dr. Del­brück wird daran erinnert, daß es der frühere Kultusminister von Goßler war, der als O b e r p r ä s i d e n t den damals am Dan- ätfjcr Oberpräsidimn arbeitenden Regiernngsrat Delbrück so sehr schätzen lernte, daß er nach dem Tode des Oberbürgermeisters Banm- bach den Regiernngsrat Delbrück aufs wärmste empfahl. Er bewährte sich aufs beste. Es kamen bedeutungsvolle Tage sür die alte Hsnsa- stadt an der Weichsel. Das Interesse des Kaisers für die Stadt war sehr rege. 1901 fand die Verlegung des Posener Leib-Husaren- Rcgiments hierher statt und die Vereinigung mit den Danziger Leib-Husaren. Vor dem schlanken würdigen hohen Rathansturm begrüßte Delbrück den Kaiser und den General v. Mackensen, der jetzt an die Spitze der Leib-Husaren-Brigade trat. Der Monarch fand an dem Haupt der Stadt und seiner eindrucksvollen Rede Ge­fallen und schon damals wußte man, daß Delbrück der kommende Mann Wilhelms II. war.

Das „Berliner Tageblatt" bespricht dann die Leitung des preußischen Handelsministeriums durch Delbrück und dessen Wirken als Staatssekretär des Innern und sagt: Es scheidet jetzt ein überarbeiteter kranker Mann aus dem Amte. Die Aufgaben sind ihm über den Kopf gewachsen. Den meisten anderen, die nur kritisieren können, wäre es sicher nicht besser gegangen.

In der „Bofsischen Zeitung" heißt es: Das Reichsamt des Innern bürdet schon in ruhigen Zeiten seinem Leiter eine ge­waltige Last auf. Sie drückte auf Delbrück doppelt und dreifach schwer, als bei Ausbruch des Krieges der Kreis seiner Pflichten erweitert wurde durch dir Ernennung zum Stellvertreter des Reichskanzlers. Mit Delbrücks Name ist die Reichsver- s i ch e r u n g s o r d n n n g auf immer verknilpst. Den Sozial- Politiker Delbrück kennzeichnet ein Wort, das er als Handels­minister gesprochen hat, als er der scharfen Betonung des Herren st andpnnktes entgepentrat.

In der „Krrnzzeitnng" wird gesagt: Übel vermerkt wurde es von den rcchtssiehende'n Parteien, daß er sich' gegen eine Sonder­gesetzgebung zum Schutze der Arbeitswilligen aussprach.

Die „Deütsche Tageszeitung" hebt die außerordentliche Arbeits­kraft und rasche Aussassungsqabe sowie das rechnerische Geschick Delbrücks hervor.

Im „Lokal-Anzeiger" wird das Wirken Delbrücks im Reichs­amt des Innern ausführlich gewürdigt und dann gesagt, daß seine Erkrankung zeitlich mit Angriffen zusnmmenfiel, die gegen sein Amt erhoben wurden, weil es sich der Ausgabe der Lebensmittel­versorgung während des Krieges nicht in vollem Maße ge­wachsen zeigte.

Deutschland und Amerika.

Man erwartet auch in Washington keine weitere Antwort von uns!

IV. T.-Jß. New Jork, 12. Mcm. (Nichtliimttich. Funk- 'pvuch öes Vertreters des W. T.-V.) In amtlichen Washinfltoner Kreisen erwartet man keine Antwort auf die letzte amerikanische 9totc, und man hofft auch, daß keine Antwort kommen werde, so daß drc Ausein­andersetzungen beendet sind und die Aufregung sich legen kann.

Die Befriedigung über die deutsche Note in Amerika.

Eine Untersuchung des „Cymric"-Fallrs.

Br. New stark, 13. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dem „B. T." wird durch Fnnkspruch gemeldet: Der allgemeine Eindruck der deutschen Note ist die Befriedigung darüber, daß Deutschland den Forderungen Amerikas nachgegeben hat. Man ist der Ansicht, daß Deutschland sich geschickt aus einer mißlichen Lage herausgezogen und die Fortdauer freund­schaftlicher Beziehungen möglich gemacht habe. Das ameri­kanische Volk habe kein Verlangen nach einem Kriege mit Deutschland. Der Streit sei zum mindesten vertagt. — Die amerikanischen Konsuln sind angewiesen worden, eine Unter­suchung über den Untergang des Dampfers „C Y ni r i c an­zustellen