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Zreilag. 12. Mai 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 222. . 64. Jahrgang.
Sin erfolgreicher Vorstoß gegen die englische Stellung.
127 unverwundete Gefangene, mehrere Ma- schinengewchre erbeutet. — Ein französischer
Angriff in den Argonnen gescheitert.
Der Tagesbericht vom 12. Mai.
W.T.-B. Großes H a u p tu a r t i e r, 12. Mai.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Südöstlich des Hohenzollernwerkes bei H u l l u ch stürmten pfälzische Bataillone mehrere Linien der englischen Stellung. Bisher wurden 127 unverwundete Gefangene eingebracht und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Der Gegner erlitt außerdem erhebliche blutige Verluste, besonders bei einem erfolglosen Gegenangriff.
In den Argonnen scheiterte ein von den Franzosen unter Benutzung von Flammenwerfern unternommener Angriff gegen die Fälle Morte.
Im Maasgebiet herrschte beiderseits lebhafte Artillerietätigkeit. Von einem schwachen französischen Angriffsversuch im Thiaumontwalde abgesehen, kam es zu keiner nennenswerten Jnfanteriehandlung.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Ein deutsches Flugzeuggeschwader belegte den Bahnhof Horodzieja an der Linie Kraschin-Minsk ausgiebig mit Bomben.
Balkankriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
Deutschland und Amerika.
| Nicht glatte Absage, sondern glatte Annahme
f W.T.-B. Hamburg. 12. Mai. (Nichtamtlich.) Das f „Fremdenblatt" schreibt zu der Antwort Wilsons u. a - Was i nach den bekannten R e u t e r s ch e n Frühgeburten eine glatte : Absage in 200 Worten sein sollte, hat sich als eine ebenso glatte Annahme des deutschen Zugeständnisses herausgestellt. Dieses verfolgte den Zweck, die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika a u f r e ch t z u e r h a l t e n und unseren ü-ernden dadurch die größte Enttäuschung zu bereiten, die ihnen. im gegenwärtigen Moment widerfahren konnte. Dieses Ziel wurde erreicht und damit auch das ^rteil über die letzte deutsche Note abgeschlossen. Dian wird sich erinnern, daß die New Yorker „Evening World" davon sprach, daß Deutschland es der Ehre der Vereinigten Staaten überlassen sollte, das Völkerrecht und die Rechte des Handels unparteiisch gegen alle Kriegführenden aufrechtzuerhalten, bezw. wiederherzustellen. Das ist nach unserer Auffassung auch der Sinn der in dieser Beziehung ausgesprochenen deutschen Erwartung. Die Ehre Amerikas l st e n g a g i e r t Nachdem es unser Zugeständnis nun an- genommen hat, nahm es selbst die moralische Verpflichtung auf sich, nun auch seine Beschwerden gegen die andere Partei Mit dem gleichen Eifer zu betreiben.
Amerikanische Erörterungen über eine etwaige Friedensvermittlung.
..Wilsons herrliche Gelegenheit."
W.T.-B. New York, 12. Mai. (Nichtamtlich. Funkspruch des Vertreters von W. T.-B.) Die Gründe dafür, daß Prä- I'dent Wilson auf die deutsche Antwortnote erwidert hat, wer- °cn in einer Washingtoner Meldung der „Evening Post" wie folgt angegeben: Die amerikanische Regierung konnte, die oeutsche Note nicht unbeantwortet hingehen lassen, °enn das wurde nach diplomatischen Gepflogenheiten gleichbedeutend mit ihrer uneingeschränkten Annahme gewesen sein. In diesem Falle hätten die Vereinigten Staaten auch nicht wegen der Frage der Blockade an England heran- rreten können, ohne den Eindruck zu erwecken, daß sie unter dem Drucke Deutschlands handelten. Die amerikanische Note mußte darauf Hinweisen, daß die Vereinigten Staaten keinen Äder deutschen Regierung über ihre Streitigkeiten mil England annehmen können, sondern volle Freiheit des Hundelns bewahren müssen. Es ist immerhin möglich, daß °er Friedensfühler, der in der letzten deutschen Note enthalten sttz einige Aufmerksamkeit bei Wilson finden w rd aber in einer besonderen Mitteilnug. Niemand hier 5'b streitigen Fragen, die fick, sogleich bei Erörterung des -uropa,schxn Friedens ergeben, mit den unstreitbaren Rechten Vereinigten Staaten in der Frage der Unterseebootkrieg- Mhrung vermengen lassen. Es ist nicht sicher, daß Wilson e ® e rmittlungsversuche wieder aufnimmt, aber darauf hinausläuft. wird ernstlich erwartet. Es » rd vielleicht keine sofortigen Ergebnisse zeitigen, aber es -rd wenigstens die B e r e > t w , l l i g k e i t der Vereinigten S en , dartun, bei der Herbeiführung eines baldigen vNedens nützlich zu fern.
Die Hearst-Zeitungen bringen unter der Überschrift ^rrliche Gelegenheit!" einen Leitartikel, in dem der wird, daß durch Annahme der deutschen Antwort j c Weg für eine ehrenvolle und erfolgreiche V e r m i t t - äwisdhen den kriegführenden Mächten sich vor Wilson >«lt. Wir sind gewiß, daß die Gemeinschaft des amerikani
schen Volkes durchaus bereit ist und den Wunsch hat, daß unsere Regierung wenigstens einen ehrlichen und ehrenvollen Versuch macht, den schrecklichen Krieg zu beenden, ehe er die Kraft unserer Brüdervölker jenseits des Atlantischen Ozeans, ausgesogen und zerstört hat.
Die Enttäuschung der amerikanischen Verbandsfreunde.
W. T.-B. Köln, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." meldet aus Washington: Man glaubt hier allgemein, daß Deutschland die letzte Note Wilsons nicht mehr beantworten wird, da es heißt, daß Wilson dem tiefen Eindruck der deutschen Note durch eine scharfe Antwort entgegentreten mußte. „Die verbandsfrcundlichen Blätter, wie „Times" und „Herald", schimpfen wieder wie Fischweiber. Die Anhänger des Verbandes sind tatsächlich tief enttäuscht darüber, daß die Krise vorüber ist, und zeigen durch ihre Haltung bereits an, daß sie für Wilson jetzt nichts mehr übrig haben. Die Torpedierung der „Cymaric" findet das Land völlig ruhig. Die allgemeine Aufmerksamkeit richtet sich jetzt nach Mexiko, wo ernste Verwicklungen drohen. Eine amerikanische Einmischung wird für unver meidlrch gehalten.
Die Erklärung Lansings.
W. T.-B. Berlin, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Die von Reuter verbreitete Erklärung des Staatssekretärs Lansing lautet nach einem Funksvruch des Vertreters vom W. T.-B. aus New York folgendermaßen: Der größere Teil der deut schon Antwort ist Angelegenheiten gewidmet, welche die amerikanische Regierung mit der deutschen Regierung nicht erörtern kann. Die einzigen Rechtsfragen, welche mit der deutschen Regierung erörtert werden können, sind diejenigen, die sich aus ihrer Handlungsweise oder aus unserer eigenen ergeben, und in keinem Falle jene Fragen, welche den Gegenstand diplomatischer Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und irgend einem anderen Lande bilden. Der Kernpunkt der Antwort ist. daß Deutschland unseren Vorstellungen hinsichtlich der Rechte der Kauffahrteischiffe und Nichtkämpfer auf hoher See n a ch g e g e b e n und sich verpflichtet bat, die anerkannten Bestimmungen des Völkerrechts, durch welche der Seekrieg in bezug auf den Gebrauch der Unterseeboote gegen Kauffahrteischiffe geregelt wird, zu beobachten. So lange Deutschland diese veränderte Politik befolgt, haben wir keinen Grund zu Streitigkeiten mit Deutschland über diesen Gegenstand, obgleich die Verluste im Zusammenhang mit der Verletzung amerikanischer Rechte durch deutsche Unterseebootkommandanten unter Anwendung der früheren Politik noch geregelt werden müssen. Hingegen können unsere Differenzen mit Großbritannien nicht Gegenstand von Er örterungen mit Deutschland bilden. Es soll festgestellt wer- den, daß in unseren Verhandlungen mit der britischen Negierung wir so bandeln, wie wir unzweifelhaft angesichts der klaren Vertragspflichten mit dieser Regierung zu handeln verpflichtet sind. Wir haben Vertragspflichten bezüglich der Art und Weise, in welcher die zwischen beiden Regierungen bestehenden Streitigkeiten zu behandeln sind.
Eine nene Europareise des Obersten House?
Genf, 12. Mai. (Jens. Bln.) Dem „Pariser Journal" wird aus New York gemeldet. Oberst House habe die Absicht, eine neue Reise nach Europa zu unternehmen.
Verschärfung der Lage in Mexiko.
Br. Amsterdam, 12. Mai. (Gig. Dvcchtbertcht. Zeus. Bln.) Der Londoner Gewährsmann des Korrespondenten der „Voss. Ztg." meldet auf Grund von Berichten seines engltschen Berichterstatters in Mexiko, das? sich an der amerikanischen Grenze große Ereignisse vorbereiten. Truppenabtcilungen Billas sind an mehreren Stellen auf amerikanisches Gebiet übcrgc- gangen und haben amerikanische Grenzposten vertrieben. Villa hat die Absicht, die Eisenbahnverbindungen mit Amerika zu zerstören, um die noch in Mexiko be- sindlrchcn amerikanischen Truppen erfolgreich angreifen zu können.
Verstärkung der amerikanischen Truppen in Mexiko.
Haag, 11. Mai. (Zens. Bln.) Um der an Her meri- kaniischen Grenze durch die jüngsten Ereignisse geschaffenen Loge .gewachsen zu sein, ordnete Wilson, wie eine Meldung des „Petit Parisien" aus Washington besagt, die Einberufung von Truppen in Texas. A r i z o n a und Neumexiko cm. Außerdem befinden sich zwei neue Regimenter der aktiven Truppen unterwegs, so Haß die herang fführten Verstärkungen sich insgesamt auf 7000 Dhaun beilousen. Der Sekretär des Kriegsdepartements erklärte, es feien Maßnahmen getroffen worden, nm nene Einfälle m die Grenzgebiete der Union zu verhiitdern.
Carranza wiederholte die Forderung auf sofortigen Abzug der amerikanischen Truppen mit aller Schärfe.
Br. Berlin, 12. Mai. (Eig. Drolhtbericht. Zeus. Bln.) Das „Berl. Tag-M." meldet über Hie Verschärfung der Lage Amerikas in Mexiko folgende Einzelheiten aus Amsterdam: In Waislhington find neuerdings
sehr ernste Nachrichten von Hem aimerikcmifchen Expeditionskorps von Mexiko eingelaufen. Nach einer Mel- Hcmg der „Times" hat Carranza feine Forderung auf sosortlgen Abzug der amerikanischen Truppen mit aller Schürfe wiederholt und steht im offenen Gegensatz zu Hem amerikanischen Oberkommando. Präsident Wilson JE/ccLTttoortete S&rrctrtäci^ SoribetUiTW} Mtttf) 'UlMsuiMsg-e Entsendung neuer Verstärkungen. Vorgestern sei eine neue Verschärfung Her Lage durch einen wütigen Einfall starker Abteilungen ans amerikanisches Gebiet ein- getreten. Diesmal sei sestqestellt worden, daß Billas Banden nicht in Frage iiommen, Her Überfall vielmehr durch reguläre Truppen Carranzas a,us,gesnhrt wurde. Die Lage an der amerikanischen Grenze aelte als sehr- ernst, falls der Einsall mit starken Kräften wiederholt werden sollte. Die „Times" glaubt, daß General Pershings Truppen, die nach anderen Berichten jetzt auf mehr als 25 000 Mann gebracht sind, nicht genügen werden, und Truppen der zweiten Linie ausqernfen werden müssen. Andere Nceldnngen sprechen von einer Schlappe, die Perhings Unterführer in Chihuahua erlitten. _
Oie Lage im westen.
Der deutsche Druck bei Avocourt.
Br. Genf, 12. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) heute vorlregenden Pariser Berichten Mer den taM der Kämpfe im Abfchnrtt nächst des Avooourt- geyoffs ist zu entnehmen, daß hie deutsche Feuerzone sich nach L a h m l e g u n,g des französischeln Widerstandes vor der Höhe 304 weiter südwestlich erstreckt. Sehr bezeichnend -hierfür ist der ausfallend knapp gehaltene soeben erschienene französische Dages- berrcht, der darauf hindeutet. daß die Franzosen um die Noyja-Ucptung ihrer Stellitngen h-art vix^exi imiüssen.
Die französischen Befehle zum Ausharren um jeden Preis.
W- T.-B. Paris, 12. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Infolge jungst erschienener Artikel in verschiedenen Zeitungen wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: In keinem Zeitpunkt während der Schlacht bei Verdun hat die Oberleitung einen Befehl zum Rückzug auf das linke Maasufer er- teilt. Im Gegenteil ist am Morgen des 23. März den Truppen auf dem rechten Maasufer vorgeschrieben worden, um jeden Preis die Stellung zu halten, auch wenn sie umfaßt, ja selbst eingeschlossen wäre. Sie möchte nur einen Be- fehl beachten: Festhalten. Am Abend des 24. befahl die Oberleitung, die Front zwischen dem Maas- und dem Woevregebiet unter Anwendung aller verfügbaren Mittel zu halten und schickte General Castelnau nach Verdun. Am nächsten Tage, am Morgen des 25. März, übermittelte Eastelnau telephonisch, daß die Stellungen auf dem rechten Maasufer entsprechend dem Befehl des Ober- kommandterenden um jeden Preis gehalten werden müssen. Endlich, am Abend des 25., gab der Oberkvmman- dierende General Petain, der das Kommando übernommen hatte, folgenden Befehl: Ich gab gestern, am 24., den Befehl, auf dem rechten Maasufer, nördlich von Verdun, auszuharren. Jeder Befehlshaber, der den Befehl zum Rückzug gibt, wird vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Vivianis Mission in Petersburg gescheitert.
(Von unserem Sonderberichterstatter.)
Huparanda, 12. Mai. (Eig. Dcalhtborlcht. Zens. Bin.) Viviani hatte in Petersburg eine dreistündige, iehr ervegte Unterhaltung mit -d-sm Reichskontrolleur Potr-awski Mer das russisch-französische W i r t s ch a s t s a b k o m m e n. Vivimri stellte nochmals die Forderung, welche die Pariser Konferenz >den russischen Deputierten vorkegen soll, nämlich zollfreie Einfuhr französischer Waren nach Rußland. Potrowski lehnte kategorisch dieses einseitige Wkainmen ab mit der Begründung, cs sei nachteilig kür RuUaM. Viviani stellte als Gegenleistung der Verbündeten deren Kapitalbeteiligung ent Her- russischen Industrie in Aussicht. Potrowski nannte das allzngrohe Eindringen französischen Kapitals unerwünscht. Nach dem Kriege erhalte RilßlaM überall Kredit. Während des Krieges seien auch Frankreich ilnd England zu finanzischwach. Die Mission Mvianis ist sonnt gescheitert.
Neue heftige Anklagen Ekemenceaus gegen England.
W. T.-B, Bern, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Die Pariser „L'Homme enchaine" läßt in einem von der Zensur mehrfach arg beschnittenen Leitartikel deutlich durchblicken, daß die Fragen der Lebensmittel- und Kohlender- s o r g u n g nicht zum wenigsten infolge der Lässigkeit der englischen Regierung gegenüber der gewissenlosen Ausbeutung der Notlage durch britische Spekulanten unter den Reedern eine so drohende Gestalt angenommen haben. Um hier wie in anderen Fragen eine wirkliche Lösung zu finden, bedarf es, so heißt es weiter, vor allem des festen Willens, Abhilfe zu schaffen. Es wäre
