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Verlag Langgasse 21

„Tagblaithaus".

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Zreitag, 12. Mai 1916.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 221. . 64. Jahrgang.

3um Besuch der bulgarischen Sobranjemitglieder.

Von Rudolf.Zabel.

Sofia, Enbe April 1916.

Es ist mehr als ein Häslcchkefts-bssuch, .um >den es sich hier handelt, es ist eine bewußte Unter­streichung der nahen unld engen Beziehungen, in die Bulgarien zu den Zentvalinächten lgetreten ist. Auch ist es kein reiner ZusM, daß die interessanteste Persönlich­keit unter diejsen bulgarischen Gästen Deutschlands her bulgarische Aögeovdneie in der Schrifileituug der ,,Mttsleurop.äischen Wirtschastszeikuug" ist, her be­kannte bulgarische Politiker "Kaltschess, ;der neben hem Vizepräsidenten des bulgarischen Reichstages Dr. Momschilofs als Führer her Stuidienkollumission anzusprechen -ist. Auch in Bulgarien hat her Gedanke einer engeren wirtschaftlichen Anlehnung an idie Zentvalmächte lebhaften Widerhall erweckt. Die Donau in erster Linie ist die Grundlage gemeinsamer Hoffnungen und Wünsche.

Der Vizepräsident, der bulgarischen Sobvanje, Dr. Ivan Momschiloss, stammt aus Gorna Orchowitza. Von Haus aus Mediziner, wurde er in diesem in hohem Grade politisierten Lande sehr tote vom politischen Lwen in Anspruch genommen. Als Anhänger von Stephan Stombuloff trat er m das Parlwuent ein und erwies sich dort als ein Redner von aus gezeichneter politischer Kultur. .Während des türkisch-bulgarischen Krugges stellte sich Momschilolff als Arzt zur Verfügung, und ihat in dreier EigensilM während der schrecklichen Choleraseuche vor Dschataldscha aufopferungsvolle Be­rufsarbeit geleistet. Nach allen den für Bulgarren so traglichen Begebenheiten -der Jahre 1912/1913 hat Momlschilaff, bereits als Vizepräsident des Parlaments rn ausgesprochener Gegnerschaft zu der verhängnis­vollen Polrtrk Geschaffs die Worte von der Tribüne .des Hauses aus in >den Sitzungssaal gerufen: „Tie Er­lösung Bulgariens liegt in Berlin und Wien, dahin müssen wir unsere Blicke wenden." In diesem Sinne hat Moinschilofs auch in der Zeit vor den letzten Entscheidungen mit Tatkraft weitergearbeitet und fmner Politik zu den Triumphen verhaften, als veron Früchte die Wivderevwerbung >der in Mazedonien und ldem Momwagübiete verloren gegangenen bulgari Ichen Landesteile heute bereits zur Gewißheit gewor- den ist. Für ihn ^bedeutet .bie Reise nach Ofen-Pest Wren und Berlin den Ausdruck seiner politischen ' ^ ^ r z e u g u u g, idaß der Vierbuud, h. h. die enge Anlehnung an die Mittelmächte und die ausrichtige Vflege der Beziehungen Bi«lgariens zu der neuerstar­kenden Türkei das politische ' Programm Bulgariens Mn muß.

Konstantin H KalGchefs ist bereits als Senior- Politiker der Bulgaren zu!bezetchnen. Er stammt aus oer Hauptjtadr des ehemaligen Oftrmnoften, aus Filippopel., schon lwls junger Mann, als diese Gebiete Et und -onders einschließlich des späteren Fürsten­tums Bulgarien: noch unter der Dürkenherrschaft stan

er te 0 r sogenannten Srehna-Gorar

Aufstande vom April 1876. Er geriet in türkischv Ge­fangen, cha ft und wurde zum Tode verurteilt, aber durch Ubevölukommen besreit. Rach Ausbruch des Russisch- ^urkischen Krieges wurde Kaltscheft evneut von den ^uvken gefangen, jedoch beini Einzug der Russen in Filrppvpel wieder befreit. In >der Zeit der OK-Waffon wurde er als erster 'Abgeordneter des Filippopelei Be­zirks rn die erste bulgarisä)e SdationallversaminftiUiq nach ^irnowa, der alten bulgarischen Krönnngsstadt ent 'gndt, wo er mit blendender Rednerkunist die Idee ver-

gebildet werden müsse, einschließlich Ojtrumeliens, das bekanntlich vorn B c r-

Mndermrg des Friedens von Dan Stefano zwar Autonomie erhalten hafte, aber s"rkrsche Provinz gMreoen war. Da die Be-

P.>ege pch nicht abaudern ließen, so gärte es in ^st- rumelien wmter. In dieser Zeit war' Kaltschess stell- T^euder Flnanzirftnister von OsftumeliM ^sowie Vizepräsident der vsftumelischen Kammer und außerdem Mitglied des Senats., Bald schlvang er sich zum Führer der oft r u m e I ischen Anschluß v e w e g u n g an Bulgarien aus und gehörte der Ab- füuS"' TirnoMa geschickt wurde, um den

bulgarischen Fürsten,Alwander v. Battenhera für ö e ^dee d« Derermgunq von Ostblilgarien mit Süd S r f, lOstrume rens zu gewinnen uud chn einzu

^ m öie Spitze dieser Be-

^egunq stelle und in Ostrumelien einrllcke Fürst Alexander.machte sich diese Auffassung m eigen und Kaltscheff mt Gefolge den SbSm

§ 1887 erfolgte

f e a Proftamafton beider Bulgarien. Als inivlaadessen

^ aus bas Erstarke» des -tachbEsürsreuMms ch^.

suchftge Ser b i e n an Bulgarieir den Krieg erklärte, nahm Kalffchgfs als Kriegsfreiwilliger am Kriege teil iind wurde Ordonnaiizoslftzier heim HöchsftoMmandie- renden General Rftolajefs. J>i den aufgeregten Zeiten, Vre säxieUich mit der Abdankung ides Fürsten AleMnder v. Battenberg endeteir, stand Kaltscheff denr Fürsten frsuudschastlich zur Seite und deckte den Fürsten unerschrocken gegenlüver' gewissen Geihässig- ^^1§u, die dessen Feinde ihm .wegen seines angeblichen g^^E)altMs im serbischen Feldzüge in Der europäffcheii Presse anzuihängen versuchten. Im gleichen Jahre, 1 ^ 8 1 , 'wuriöe -biann Kailtschefif >a,ls Mitglied Äer großen. Ra t r o n a l v e r s a m m ! u n lg in Tirnowa von chsser einstimmig ziisammen.mit Grekoff und Stoiloff rn die Dreierahorduung gewählt, .deren Au>fg>abe es war, me europäischen Hofe und Regieiuug zu besuchen und das Recht des vereinigten Bulgariens zu vertreten, sich unabhängig vom russischen «Gängelband einen eigenen F ü r si e n zu erwählen. Die Abord- ining bchuchte Wien, Benlin London, Paris nrid Rom, und der sprachgewandte Kaltscheff war ihr Wortführer, v» Berlin wurde .die Abordnung vom Fürsten B i s- m a r ck empfangen. Späterhin in Wien gewann sie Fühlung mft dem damaligen Prinzen Ferdinand von S. a chis e n ° K o b u r g - G o t h a, der jetzt als Zar von Bulgarien im Begriff sicht, die Früchte einer gLück- lichen Politik und Leben sabbeit zu ernten. Auch ' hier iDQT es Kaltscheff, der den jungen Fürsten vorbereiten tonnte auf die seiner in Bulgarien harrenden Auf­gaben und der von ihm die Annahme des Thrones des damals noch so wenig bekannten Fürstentumes er- Ä ider Neuordnung der Verhältnisse setzte zkaltscheff seine poliftsche Tätigkeit fort, und es ist inter- cssant festzustellen, daß gerade er schon vor 25 Jahren die Überzeugung ausgesprochen .hat, -daß die Zukunft Bulgariens m einer, auch wirtschaffftch cugen und ffekindfchaftlichen Gestaltung .der Beziehungen zu >der Türkei und Qsterreich-Ungar-n und Deutschlaiid gelegen fei,. Im 1912, als nach der siegreichen Schilacht

Der L ule Burmas von Kiaimrl-P'a.scha ^ricÄensver- nanimiMMn .angoknüpft n>nnd?n, ,wur.d>e Kviltschchf als Unterhändler nach Koustanttnopel cnffaudt. Seine Mission hatte vollen Erfolg, aber äußere Ursachen hMben dieses gute Werk damals zunichte gemacht. Kalt- -scheff gehörte zu den a u s r i ch t i q st e n F r e u n d e n Deutschlands und vertritt seme Ansichten auch mit der Feder m derselben Gewandtheit und Wärme die Mne Reden auszeichnet. Man kann daher nur hiffsen daß dreier Geist rn Deutschland arff herzliches Entgegen- koinMen stoßen wird.

Deutschland und Amerika.

Der amtliche Wortlaut der amerikanischen Note.

W. T.-B. Berlin, 11. Mai. «Amtlich. Drahtbericht.) Die am 10. Mai von denk amerikanischen Botschafter über­reichte Antwortnote lautet, wie die „Nordd. Alla. Zta " mit­teilt, in der Übersetzung wie folgt:

B e r l i n, 10. Mai.

Eurer Exzellenz! Ich habe die Ehre, auf Weisung meiner Regierung Eurer Exzellenz folgende Antwort auf die Note Eurer Exzellenz vom 4. Mai mitzuteilen:

Die Note der kaiserlichen Regierung vom 4. Mai ist von der Regierung der Vereinigten Staaten sorgfältig erwogen worden. Es ist besonders an ihr beachtet worden, datz sie als Absicht der kaiserlichen Regierung für die Zukunft kundgibt, daß sie ein letztes dazu beitragen will, um — so lange der Krieg noch dauert — eine Beschränkung der Kriegführung auf die kämpfenden Streitkräfte zu ermöglichen, und daß die kaiserliche Regierung enffchloffen ist, allen ihren Befehls­habern zur See Beschränkungen nai^ dift anerkannten völker­rechtlichen Grundsätzen aufzuerlegen, auf denen die Regie­rung der Vereinigten Staaten in all den Monaten bestanden bat, seit dre kaiserliche Regierung am 4. Februar 1915 ibre jetzt glücklicherweise aufgegebene Unterseebootspolitik ankün­digte. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich in ihren geduldigen Bemühungen um einen freundschaftlichen Ausgleich der aus jener Politik erwachsenen kritischen Fragen, welche die guten Beziehungen zivischen den beiden Ländern so ernstlich bedrohten, beständig durch Beweggründe der Freundschaft leiten und zurückhalten lassen. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird sich darauf verlassen daß die jetzt geänderte Politik der kaiserlichen Regierung hin­fort gewissenhafte Ausführung findet und die hauptsäch­lichen Gefahren für die Unterbrechung der guten, zwi­schen den Vereinigten^ Staaten und Deutschland bestehenden Begebungen beseitigt werden. Die Regierung der Ver­einigten Staaten hält es für notwendig, zu erklären, daß sie f ausgemacht ansieht, daß die kaiserliche Regierung nicht beabsichtigt, zu verstehen zu geben, daß die Auftechterhaltuna rer neuangekündigtcn Politik in irgend einer Weise von dem Verlauf oder dem Ergebnis diplomatischer Verhandlungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und irgend eruer anderen der kriegführenden Regierungen, abhänge, obwohl

einige Stellen in der Rote der kaiserlichen Regierung vom 4. Mai einer solchen Auslegung fähig sein könnten. Um jedoch die Möglichkeit eines Mißverständnisses zu ver- meiden, teilt die Regierung der Vereinigten Staaten der kaiserlichen Regierung mit, daß sie keinen Augenblick den Gedanken in Betracht zieht, geschweige denn erörtern kann, daß die Achtung des Rechts amerikanischer Bürger auf der hohen See seitens der deutschen Marinebehörden in irgend einer Weise oder im geringsten Grunde von dem Verhalten irgend einer anderen Regierung, das die Rechte der Neu­tralen und Nichtkämpfenden berührt, abhängig gemacht wer­den sollte. Die Antwort in diesen Dingen ist getrennt, nicht gemeinsam; absolut, nicht relativ.

Ich ergreife die Gelegenheit, uin Eurer Exzellenz di« Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu er­neuern. gez. James W. Gerard.

Seine Exzellenz v. Jagow,

Staatssekretär des Auswärtigen Amts.

Die deutsch-amerikanische Angelegenheit zunächst abgeschlossen.

Br. Berlin, 11. Mai. (Cig. Drahibcricht. Zens. Bln.) Zur Bestätigung unserer Meldung dürste der Notenwechsel zwischen Berliii nnd Washington, dem „B. T." zufolge, mit der gestern hier überreichten Antwort der amerikanischen Regierung zunächst abge­schlossen sein. Wie wir hören, wird vermutlich von hier aus eine neue Antwort nicht effolgen. Siach Lage der Dinge besteht kein Grund zu einer abermaligeri schriftlichen Äußerung. Eine he- stimmte Entschlikßnng ist allerdings noch nicht gefaßt.

Wie es sich mit Lansings Erklärung verhält.

Kein englisch-amerikanischer Geheimvertrag. — Der allqemeinc Schicdsgerichtsvertrag Amerikas von 1914 .

»r. Berlin, 11. Mai. «Erg. D-ahtberichi. Zeus. Bln.) Ein Vertreter der „Voss. Zig." hatte eine Unterredung mit dem amerikanischen Botschafter Gerard. Auf die Frage des Vertreters, was unter den ausdrücklichen Ver- tragsverpftichtungen der amerikanischen Regierung zu ver­stehen sei, antwortete der Botschafter offen und rückhaltlos. Don irgend welchen Geheimverlrägen, gleich welcher Art, kann in Amerika nie und nimmer die Rede sein. Kein amerikanischer Präsident kann nach der Verfassung staatliche Bindungen eingehen, die nicht durch eine Zwei­drittel-Mehrheit des Koiigresses genehmigt werden. Es ist völlig ausgeschlossen, daß irgend welche Verträge existieren, die nicht zur Kenntnis des Senats gelangten, ,und dessen Zu­stimmung nicht erhalten haben. Auf die weitere Frage? ob nicht Geheimsitzungen des Senats stattftnden könnten, in denen solche Verträge borgelegt würden, so daß vielleicht mitten im Krieg derartige Abkommen oder Verträge mit Zu­stimmung des Senats in geheimer Sitzung beschlossen Wer­ren können, antwortete der Botschafter in duxchaus verneinen­dem Sinne. Es sind zwar Geheimsitznngen des Senats statt­haft, aber zu derarügen Beschlüssen kann es in geheimen Sitzungen nicht kommen. Jedenfalls würden die Gegner sol­cher Verträge an keine Verschwiegenheit gebunden sein, und ihrer Opposition in der Presse Luft machen. Die Äußerungen Lansings können sich nach alledem keineswegs auf geheime Verträge beziehen, die nicht zur Kenntnis der ganzen Welt gelangt sind, noch viel weniger auf Abmachun- gen, die etwa im Senat während des Kriegs vereinbart wor­den waren, sondern nur auf schon bekannte Verträge, die vor der Kriegserklärung für alle Welt offenkundig waren. Auf die letzte Frage endlich, ob sich die Lansingsche Erklärung etwa auf den Schi e d sgericht sb ertrag beziehe, den Amerika im Frühjahr 1914 mit 21 Staaten, darunter auch mit England, geschlossen hat, antwortete der Botschafter in bejahendem Sinne.

Der Eindruck in Wien.

W. T.-B. Wien, 11. Mai. «Nichtamtlich.) Das „Frem­denblatt" will vorerst den amtlichen Text der amerikanischen Note abwarten, stellt aber schon heute fest, daß das B e - sc reden Deutschlands, durch weitgehendes großzügiges Entgegenkommen die mehr als hundertjährige Freundschaft n;,t den Vereinigten Staaten nicht der Vernichtung preiszn- geben, nicht ohne Erfolg geblieben ist und der Abbruch der diplomatischen Beziehungen vermieden wurde, welche Wen­dung für die Gegner der Mittelmächte, die bereits ern vorzeitiges Siegesgeschrei anstimmten, eine schwere Enttäuschung ist. Die Ententemächte hofften, daß ihr Mißerfolg auf den Schlachtfeldern und die wachsenden Schwie- riakeiten im Innern wenigstens scheinbar durch eineii diplo­matischen Sieg wettacmacht werden könnten. Nun wurde dieser diplomatische Sieg ebensowenig errungen, wie der oft angekündigte Triumpf auf den Schlachtfeldern.

Mühsam verhaltene Wut in Italien.

Airgebliche deutsche Friedeusbedrugungen.

c-yl i S , uconB ' 11- Mai. «Zens. Bln.) Die italienische Presse fährt fort, die Ainwort Wilsons mit mühsam verhaltener Wilt besprechen. DaS offiziöse „Giornale d'Jtalia" schreibt: Amerika iverde den Bruch doch nicht vermeiden können, da Deutschland unter dem Vorwand der englischen Blockade mit dem UiAerseebootkrieg fortfahren werde. Zugleich verbreitet die Presse angeblich deutsche Friedensbedingun­gen aus der „Times", die, da sie für Italien sehr ungünstig sind, natürlich sehr erbittern, ohne daß ihre Richtigkeit ge­prüft wird. - •