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vonnerslagp N. Mai 1916.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 220. . 64. Iahrgsng.

Abgeschlagene sranzSfische Angriffe.

Weitere Gefangene bei den Kämpfen um Höhe 304.

Gin Erfolg in Kurland.

Der Tagesbericht vom N. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 11. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Deutsche Flugzeuge belegten Dünkirchen und die Bahnanlagen bei A d i n k e r k e mit Bomben.

Auf dem westlichen Maasufer griffen die Franzosen nachmittags beim „Toten Mann", abends südöstlich der Höhe 304 unsere Stellungen an. Beide Male brach ihr Angriff im Maschinengewehr- und Sperrfeuer der Artillerie unter beträchtlichen Verlusten für den Feind zusammen.

Eine bayrische Patrouille nahm im Camard-Wald 54 Franzosen gefangen.

Die Zahl der bei den Kämpfen seit dem 4. Mai u m Höhe 304 gemachten unverwundetcn gefangenen Franzosen ist auf 53 Offiziere, 1515 Mann gestiegen.

Auf dem östlichen Maasufer fanden in der Gegend des Caillettc Waldes während der ganzen Nacht Handgranatenkämpfe statt. Ein französischer An­griff in diesem Walde wurde abgeschlagen.

Lstkichcr Kriegsschauplatz.

Nördlich des Bahnhofes S e l b u r g wurde» 500 Meter der feindlichen Stellung erstürmt. Hierbei fielen 309 unverwundete Gefangene in unsere Hände. Einige Maschinengewehre und Minenwerfer wurden erbeutet.

Balkankrieosschnuplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

Amerika unö unsere Note.

Weitere Peefsestimmen zu Wilsons Antwort

W. T.-B. Köln» 11. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt zu der Antwoct Wilsons: Das wichtigste ist folgendes: Präsident Wilson lehnt es ab, zu sagen, daß er jetzt in dem verlangten Sinne an England herantreten wird und erklärt, daß das deutsche Zugeständnis aufrecht­erhalten werden müsse, ganz gleichgültig, ob er Verhandlungen mit England anknüpfe und wie diese verlaufen oder zu welchem Ergebnis sie führen. Damit ist gewiß noch nicht ge­sagt, daß Wilson die verlangte Einwirkung auf England nicht versuchen werde. Er lehnt nur eine Zusage ab, indem er die Pflicht eines solchen Vorgehens nicht aner­kennen will. Wenn es Wilson nicht gelingt, ein Ergebnis zu erzielen, so wird es dabei sein Bewenden haben. So dürfte sich die Sachlage zukünftig gestalten. Es wird uns nichts übrig bleiben, als sich mit ibr abzufinden, so gut es uns ge­lingt. Für Wilson kommt jetzt nicht nur in Betracht, daß er einen großen diplomatischen Erfolg erzielt, den ec nach Kräften für seine innere Politik ausnutzen wird, son­dern daß jetzt auch seine Wiederwahl als Präsident gesichert erscheint, so daß er jedenfalls bis zum Ende des Krieges Präsident der Vereinigten Stucken bleibt und wir während des ganzen noch kommenden Kriegsverlaufs mit ihm rechnen müssen.

Wilsons „letztes Wort"?

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Times" erfährt aus Washington: Die Anhänger des Präsidenten er­klärten, daß dieser jetzt bestimmt sein letztes Wort gesprochen habe und daß, wenn die vereinbarten Bedingungen nicht ein­gehalten würden, ein Bruch ganz automatisch folgen würde. Die Presse stimmt im allgemeinen mit dieser Äuf- saffung überein, nur die Leute, die jederzeit an der äußeren Politik der demokratischen Partei auszusetzen hätten, scheinen skeptisch und betonten, daß über alle in den letzten Wochen vorgekommenen Versenkungen von Schiffen verschiedener Nationalität, die ohne vorherige Warnung ausgeführt worden seien, kein Wort gesprochen worden sei.

Österreichische Genugtuung über den diplomatischen Erfolg der Note.

W. T.-B. Wien, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Das „Neue Wiener Abendblatt" schreibt über die Antwort Wilsons an Deutschland: Das Wichtigste, was Deuffchland zu erreichen unternahm, ist herbeigeführt. Der Abbruch der Beziehun­gen zwischen Amerika und Deuffchland ist vermieden. Dessen darf sich jeder freuen, der, wie Deutschland, der Sache des Friedens und der Eingrenzung des Weltbrandes dienen will. An der Erörterung vieler Fragen, welche die deutsche Note aufgeworfen bat. ist die amerikanische Regierung borübergegangen. Für die Erwägung auf unserer Seite gilt uls Hauptsache, daß die Haltung der deutschen Regierung durch ihre glänzende, geschickte Art in dieser gefährlichen Krise obsiegte und daß unseren Feinden wieder einmal die Hoff­nung entschwunden ist, Amerika an die Seite unserer Feinde ^eten zu sehen.

Weitere schweizerische Betrachtungen über Amerikas Antwortnote.

W. T.-B. Zürich, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Zürcher Leitung" und die ,Lürcher Post" begrüßen es in einer Be­

sprechung der Antwort Amerikas lebhaft, daß die Neutralen überall über diese Lösung des Konfliktes aufatmen wer­den. Die „Zürcher Ztg." betont, daß ein Bruch das schwerste Unglück für die neutralen und vielleicht auch für die Länder der Entente bedeutet hätte. Die „Zürcher Post" weist dar­auf hin, daß man rn Deutschland mit peinlichen Empfin­dungen neuerdings aus der Antwort werde schließen können, daß die amerikanische Neutralität sich auch bei dieser Ge­legenheit in ihren Wirkungen als durchaus entente- freundlich erweise. Darf man hoffen, schließt das Blatt, daß die Vernunft, welche hier gesiegt hat, endlich auch dem Kriege in seiner Gesamtheit ein Ende machen wird?

Italienische Täuschungen.

W.T.-B. Bern, 11. Mai. (Nichtamtlich.) In einem Kommentar zu der amerikanischen Antwortnote schreibt der „Corriere della Sera", Wilson habe den Teil der Note wegen der amerikanischen Parteilichkeit zugunsten des Verbandes übergangen. Die wortkarge Note sei erne Lektion für die deutsche Regierung sowie eine Warnung. — Die „Tribun a" schreibt, Wilson fasse die deutsche Regie- rung beim Wort, indem er endgültig von den bestimmten Er­klärungen Kenntnis nehme, welche von jetzt ab die Grundlage oder den einzigen Ausgangspunkt jeder werteren Aktion bilden werden. — „Giornale d'J talia" sagt, die Ant­wort sei ein vollständiger U m st o ß der deutschen Politik des Hinausschiebens. Es gebe keinen seiner Würde bewußten Staat, welcher seine Haltung von dem Ausgang der Verhand­lungen mit einer anderen Regierung, in diesem Falle der englischen, abhängig machen wolle. Wenn nicht alles täusche, sei Wilson, falls nicht eine gewissenhafte Einhaltung seiner Versprechen erfolge, gezwungen, den Abbruch der Beziehun­gen herbeizusühren.

Wilson und seine Beschwerdenote »rn England.

W. T.-B. Köln, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." führt zur amerikanischen Note aus: Trotz seiner Weigerung, die Dinge im Z u s a ni m e n h a n g zu sehen, wird Präsident Wilson nicht umhin können, auf die nunmehr ein halbes Jahr hinausgeschobene Antwort Englands und auf seine große Beschwerdenote zurückzukommen. Jedenfalls ändert Wilsons Antwort nichts an der deutschen Erklärung, nach der für uns ein ganz enger Zusammen- Hang zwischen Englands völkerrechtswidriger Blockadepolitik und unserem Tauchbootkrieg besteht.

Eine falsche Reutermeldnng über Ver­mittlung des Papstes.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter ist amtlich ermächtigt, mitzuteilen, daß der Vatikan die Nieldung für durchaus unbegründet erklärt hat, wonach der Papst an den deutschen Kaiser und den Prä­sidenten Wilson telegraphiert und ihnen ans Herz gelegt habe, sich zu verständigen. Der Vatikan erklärt, daß der Papst keine derartigen Schritte unternommen hat.

©er Krieg geaent England.

Wie Balsour die Küstenstädte über die Gefahr neuer deutscher Flottenvorstöße zu beruhigen sucht.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) In einem Brief an die Bürgermeister von Darmouth und Lowestoft anläßlich der deutschen Angriffe auf die Ost- und Südostküste schrieb der Erste Lord der Admiralität Balsour u. a.: Es ist den Deutschen nicht sehr zu raten, das Experiment zu wiederholen, selbst wenn unsere See- streitkräfte an der Ostküste nicht anders verteilt wären als früher. In den früheren Phasen des Kriegs mutzten wir aus strategischen Gründen unsere Schlachtflotte in mehr nördlichen Gewässern bereithalten für den Fall einer langdauernden militärischen Aktion des Feindes, wie zum Beispiel für einen Landungsversuch. Sie konnte aber nicht gegen kurze Angriffe unter dem Schutz der Nacht verfügbar sein. Im Lauf des Kriegs hat sich unsere maritime Lage gebessert. O-B o o t e und M o n i t o r e, die einen Bestandteil der großen Flotte bilden, sind jetzt in w a ch s e n d e r Z a h l für Zwecke der Küstenverteidigung verfügbar, und das Anwachsen der Stärke unserer gro­ßen Flotte selbst ermöglicht es uns, wichtige Seestreit- k r ä s t e nach dem Süden zu bringen, ohne unsere Über- l e g e-n h e i t an anderen Stellen im geringsten zu gefähr­den. Es wäre nicht zweckmäßig, weitere Einzelheiten anzu- führen, aber ich glaube, ich habe genug Gründe für meine Überzeugung angegeben, daß weitere Angriffe auf die Küste von Norfolk in Zukunft für die Angreifer sehr viel ge­fährlicher sein würden, als bisher. Und wenn der Feind weise ist, vermindert sich die Wahrscheinlichkeit solcher An­griffe.

Der „größte Fabrikant von Siegen".

Das bitter ironische Urteil eines Wahrheitsliebenden in der „Daily Mail".

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich.) In der „Daily Mail" schreibt Lobat Fraser: Die englische Re­gierung ist der größte Fabrikant von Siegen, den man je in der Geschichte gekannt hat. Wenn sie im Krieg selbst eben­so kühn wäre wie in ihren „E r k l ä r u n g e n", so wäre der Kampf längst vorbei. Sie hat es sogar verstanden, Galli- *

polt auszunutzen. Wir haben, sagte sie, die Achibaba-Höhen von Anaforta allerdings nicht genommen, aber seht doch, wis wundervoll wir uns aus dem Staub gemacht haben. Die Regierung hat sich der irischen Dinge beinahe gerühmt. Sie gab zu, daß gegenüber den Sinnfeinern wohl ein kleiner Fehler genracht worden sei, aber sie verlangte Bewunderung für die Energie ihrer Aktion, nachdem die besten Stadtteile von Dublin in Trümmer geschossen worden waren. Jetzt versucht sie, die Nation zu überreden, daß sie einen erstaunlich geschickten und weitschauenden Zug getan habe, als sie General TownShend in Kut-el- A m a r a einschließen lieh. Aber tatsächlich war es die Über­gabe der größten britischen Streitmacht, die die Geschichte kennt. Man mutz dazu die Verluste in der Schlacht von K t e s i p h o n rechnen. Kein einziger Abgeordneter hat bisher im Parlament gefragt, wie groß die Gesamtver­luste in Mesopotamien gewesen sind. Mit leichtferti­gen Erklärungen können die Tatsachen nicht ausge­löscht werden, daß wir zweimal die größten Niederlagen von den Türken erlitten haben, auf G a l l i p o l i und am Tigris, und nicht durch Mangel an Mut unserer Truppen, sondern durch den Wechsel zwischen zögernder Schwäche und impulsiver Leichtfertigkeit unserer Regierung in der Leitung des Kriegs.

Ein britischer Dampfer gesunken.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Lloyds.) Der britische Dampfer „Colcoath" (1706 Brutto­tonnen) ist gesunken.

Churchill will seine Politischen Hetzarbeiten wieder ausnehmen.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich.) „Daily Chronicle" melvet, daß Churchill seine militärische Laufbahn «ufgeben und seine parlamentarischen und politischen Arbeiten wieder aufnehmen will. Er beabsichtigt, mit der liberalen und der unionistischen Kriegspartei eng zusammenzuarbeiten.

Asquith über die englisch-russische Politik.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) Asquith hielt bei einem zu Ehren der russischen Duma­abgeordneten veranstalteten Bankett eine Rede, in der er sagte, daß die beiden Regierungen sich über die türkische und persische Frage und alle anderen Punkte, wo sich russische und englische Interessen berühren, geeinigt haben, um eine Politik festzulegen die sie in Zukunft in gegenseitigem Einvernehme» loyal befolgen werden.

Die zunehmende Flerschteuerung in England.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich.) ' Die Preise für eingeführtes Fleisch sind jetzt 12 bis 16 Pf. für das Pfund höher als die für englisches oder schottisches Fleisch, während das Verhältnis früher umgekehrt war. Die „Times" meint, daß die allgemeine Einführung eines fleischlosen Tag cs in der Woche die Preise um 14 Prozent herabsetzen würde.

Die Lage in Irland.

Der Vizekönig von Irland zurückgetreten.

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Lord Crewe teilte im Oberhaus mit, daß der Vizekönig von Irland Lo'd Wimborne zurückgetreten ist.

Der Krieg gegen Rußland.

Die Verstimmung in Rußland gegen England und Japan.

(Von uirserem Sonderberichterstatter.)

Br. Haparanda, 11. Mai. (Erg. Drahtbericht. ’ )en,f. Mn.) Fimmzmmister Bark wird auf seiner Auslands­reise den Petersburger Blättern zufolge nur wenige Lage in London bleiben irnd sich sodann nach Amerika begeben zwecks gründlicher Balancierung der russischen Finanzen. Einen bezeichnenden Kommentar zu der englischen Kredrtverweigerung gibt das Organ der Moskauer Großindustriellen „Utro Rosste"; es schreibt unter der Spitzmarke „Aufregung": England behandelt Rußland täglich mehr als nicht mehr zur Entente gehörig. Bei dem Empfang der französischen Pa r l a m e n t a r i e r hat weder der König noch Asquith Rußland erwähnt, dagegen Belgiens und Serbiens eingehend gedacht. ®r bekommen jetzt Eng­lands e g o i st i s ch e Grimasse zugewendet. Darnm herrscht allgemeine Verstimmung und Aufregung. Das russische Volk will wissen, wohin es geführt wird. Auch die Rede des japanischen Führers der Regierungs- Partei Kato bei Eröffnung des Dosikai-Kongresses in Kioto, der das englisch-japanische Bündnis als Grundgesetz der japanischen Politik bezeichnete, erregt in Rußland viel böses Blut.

Deo größte Mititärskandal der russischen Geschichte.

Br. Haparanda, 11. Mai. (Eig. Drahtbevrcht. Zeus. An Von uniferem 8-Berichterstatter.) Die Ereignisse, wÄche zur Verhaftung Suchomlmows führten, wuchsen sich zu dom vielleicht größten Mtlitärskandcck der russi­schen Geschichte aus. Der Krieg Sminrster war nach seiner Absetzung mit den großen Waffensabriken in