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6 Ausgaben.

Wöchentlich

Berliner Abteilung der Wiesbadener logblatt»; Berlin-Wilmersdorf, Laubacherstratze 35, Fernsprecher: Rheingau 2186.

Samstag, 12. Januar 1924.

72. Jahrgang.

Nr. 10

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Paris wie in B r ii

reichung eine m ü n b ...----, r ------ .. . .

in der in beiden Räßen betont wurde, daß, wenn auch die Antwort nicht die Erfüllung aller deutschen

Verlag Langgasse 21

®e[<t8fte,ett: »VSr morgr». bi» « Ut)r abenb», außer Smmtay». gr.nlfurt «.SR. Nr. 741».

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T»ftf*e<!onte: Frankfurt ». 5R. Nr. 7436.

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Poris, 11. Jan. Der deutsche Geschäftsträger. Bot- fdiohnrat r> soesch. ist beute nachwittaa 5 Uhr vom volUUcken Direktor des Ministeriums des An Hern Perettt de la Rocca empfangen worden da Pmncarö durch tr.e Kammertihung über di« auswärtige Politik nerhindert war. • Peretti de la Rocca lat dem deutschen Geschnftstroner als Antwort auf die deutsche Rote vom 24. Dezcmber ein Memorandum im Umfang von 14 Seiten überreicht- D'eles Memorandum gebt Punkt für Punkt auf die deut- fchrn Ausführungen vom 24. Dezember ein. um den fron« sMchen ?tandvunkt der. wie man nach den rlugerungen der Prelle in den letzien Tagen annebmen konnte t m welentlichen ablehnend ist zu begründen, vieram entstund zwilchen dem deutschen Gefchästcträner und de la 'Rccca eine lehr ausgedehnte Unterhaltung. bk füll auf alle Fragen über die Lane des besetzten Gebietes bezog. Peretti de la Rorra erklärte- Di« mehr te mtibe Antwort die die froniöl!s-''e Regiert,iw «uf die deutlche Dentlchrist erteilt bade, wolle die Fragen nicht erschöpfen. Eie bedeutet keinen Abschlutz. Wie Poincar4 bereits am 15. Dezember erklärt habe, sei die französische Regierung bereit, iederzeit beutidx Anregungen entgegcnzunebmen

Wünsche darstelle, doch

die Tür zu weiteren Verhandlungen geöffnet bleibe. Auf diesen Punkt wird man zunächst den grötz- ten Wert legen müllen. Die Note selbst ist im amtlichen Wortlaut im Augenblick noch nicht bekannt, da natur- gsmäst die Übermittelung, die Dechiffrierung und schließlich auch die Übersetzung eines so umfangreichen Schriftstücks einige Zeit in Anspruch nimmt. R-.ch den zahlreichen Mitteilungen der französischen Presse über die Antwort sind besondere Überraschungen wohl kaum zu erwarten. Gleichzeitig mit der Deröffentlichung der französischen und belgischen Ant­wort dürfte nunmehr auch

das deutsche Memorandum vom 24. Dezember offiziell veröffentlicht werden, besten Inhalt 'chon zum grasten Teile durch eine noch nicht aufgeklärt; Indis­kretion vom „Daily Telegraph" bekanntaegeben wurde. Sollte es zutreffen, datz die französische Regierung d i e Erweiterung der Besprechungen vor allein durch

die Siubeziehnu, der Reparationsfrage wünscht. so kann die Auftastung der mastgebenden Ber­liner Stellen aus früheren Äusterungen der Regierung ohne weiteres entnommen werden. Wiederholt ift. sa früher von deutscher Seite die Bereitwillig­keit zu solchen Besprechungen verküftdigt worden und diese Bereitwilligkeit besteht auch heute unverändert fort. Bor allem dürfte es freilich dabei der Reichs­regierung darauf ankommen,

die Frage der besetzten Gebiete

zu lösen, da man das als das wichtigste Problem be­trachtet, und da man auf dem Standpunkt steht, daß eine gedeihliche Erörterung des Reparationsproblemq gar nicht münlid) ist, ehe nicht feststeht, ob Dsuftchland auf das Erträgnis in den besetzten Gebieten rechnen kann oder nicht. Gerade also, wenn man die Bespre­chungen aus das Revarationsproblem ausdehaen will, wird man wach deutscher Auffastung in erster Linie be­müht sein müllen, die Zustände in den defekten Ge­bieten zu ordnen. Dabei tft auch nicht zu übersehen, bah etwaige deutsch-französische Besprechungen

keine endgültige Regelung

des Reparationsproblems bringen können, sondern dast dieses nur in Verhandlungen mit der ge­samten Entente gelöst werden kann. Zweifellos könnte aber in solchen deutsch-französischen Verband- lungen eine sehr wichtige und sehr bedeutsame Vor­arbeit für die endgültige Lösung geleistet werden. Man gebt auch wohl nicht fehl tn der Annahme, dast der deutsche Geschäftsträger Herr v. Hoesch nunmehr ferne angekündigte Reise nach Berlin antreten wird, um hier Bericht zu erstatten und die Richtlinien für die weiteren Besprechungen festzulegen. Er wird dann vermutlich als Botschafter nach Paris zurückkehren. Im Intereste der besetzten Gebiete, nicht minder aber im Intereste Frankreichs und Deutsch­lands niust man hoffen, dast sich nunmebr Verhand­lungen ermöglichen lasten und dast diese Verhandlun­gen zu einem befriedigenden Ergebnis führens

Die Untersuchungen der MiMSrkontrollksmMissionen.

Beilin. 12. Jan. Laut ,.B. L.-A." hat eine inter- alli'erte Militärkontrollkommillion gestern abend in Paderborn dem dort garnisonierenden Bataillon des Infanterieregiments 1T> einen Kontrollbesuch abgestattet. Für beute baben Kontrollkommissionen noch ihr Kommen für Dresden. Darmstadt und Breslau angc» kündigt.

Der erste Sachverständigen-Ausschuft.

Paris, 11. Jan. Rach dem ..New Bork Serald" soll der von der Rerarationskommillion eingesetzte erste Sach- verständigenausfchutz entsprechend der von den amerikanischen Sachverständiaen in ihrer vorgestrigen Er- flänma aufgestellten Forderung, tatsächlich beabsichtigen, bereits am Montag zwei Sitzungen abzuhalten uns an den kommenden Tagen ebenso »u verfahren. Die bM englischen Sachverständigen »erden nach dem gleichen Blatie beute abend ankemmen und »erden morgen eine inoffi- zi.-llc Sitzung mit den Amerikanern haben. Die belgischen und italienischen Sn.chveiständigen treffen am Sonntag ein.

Der künftige sächsisch« Wirtschaftsminister.

Berlin, 12. Jan. Nack dem „Vorwärts" wirb Land­tagsabgeordneter Mülle r - Leipzig. Redakteur der Jkiwger Volkszeitung", am Montag zum sächsischen Wirtichaftsminifter ernannt werden.

*s. Berlin, 12. Icm. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Die schon für Anfang bieier Woche angekündigte Überreichung der französischen ünd belgischen Antwort aus das deutsche Memorandum ist nunmehr gestern erfolgt. Sowohl in Paris wie in Brüssel hat sich an diese Über.« reich»ng eine mündliche Aussprache geknüpft,

Der neue Kurs in England.

Das englische Unterhaus ist zu seiner ersten Sitzung nach den Neuwahlen zusaurmengetreten und hat zunächst einige Formalien, wie die Neuwail)! des Sprechers, er­ledigt. In die politische Aussprache ist das Haus noch nicht eingetreten, doch wird dies in kurzem geschehen und der Rücktritt des in den Wahlen geschlagenen Kabinetts Baldwin ist dann uitausb lei blich. Die bis­herige konservative Regierung wird nach einem ironi­schen Wort dos Arbeiterführers Thomas vermutlich nächsten Donnerstagabend um 11 Uhr 45 Minuten zu Fall gebracht werden. Die Wahlen haben zwar keiner der drei englischen Parteien die Mehrheit gebracht und dadurch eine in England noch nie dagewescue Lage geschaffen Es besteht «bei schon jetzt kein Zweifel, dast die Arbeiterpartei als die stärkste bisherige Opposi­tionspartei, die auch den größten Gewinn aus der kon­servativen Niederlage gezogen hat, die Neubildung der Regierung übernehmen wird. Alle Versuche, besonders der Londoner City, durch Herbeiführung einer konser­vativ-liberalen Koalition der Arbeiterpartei den Be­sitz der Macht in England streitig zu machen, sind an dem eingeborenen Gefühl des Engländers für politischen Anstand gescheitert. Das englische Volk hat sich in großen Massen, wenn auch nicht in seiner Mehrheit, bei den letzten Zvahlon für die Arbeiterpartei erklärt, und deshalb gibt man dieser Partei eine Gelegenheit, zu zeigen was sie vermag. Wenn auch bei manchen ein wenig Tücke zu diesem Entschluß mit beigetragen hat, so ist doch zweifellos vor allem die Erwägung hier­bei entichcidend gewesen, dah man die Arbeiterpartei durch einen unberechtigten Ausschluß der Regierung in eine scharfe Opposition treiben würde, die ihr sehr schnell einen Klastenkamps-Charakter verleihen würde.

Dast die englische Arbeiterpartei bis jetzt nicht eine Partei des Klastenkawpfe^ ist, .ergibt sich am deutlich­sten aus der grosten Rede, die ihr Führer R a m s a y Maedonald. der künftige englische Premier, Minister, vor einer Zuhörerschaft von fast zehntausend Personen in der Albert-Hall gehalten hat und in der das gesamte künftige Regierungs-Programm der Ar­beiterpartei niedergelegt ist. Ramsay Maedonald Hail zwar keineswegs die sozialistischen Ideale seiner Partei verleugnet, aber er hat ausdrücklich betont, dah sie nur ein fernes Ziel seien, auf das er langsam wie ein Pilger zuwandern werde und dah er sich glücklich schätze, wenn et nur einen Schritt in dieser Richtung tun könne. Der künftige englische Premier ist sich also voll­kommen der Schwierigkeit seiner Aufgabe bewutzt und hat nicht die Absicht, sie durch verfrühte Experimente zu gefährden. Er hat deshalb wichtige Teile des Par­tei-Programms, wie die Kapitalabgabe und die Sozia­lisierung des Bergbaus wieder still in feine Tasche ge­steckt, wodej er sich vor allem von der Erfahrung hat leiten lasten, die er aus dem Rückgänge des Pfundes als Folge der blosten Ankündigung einer Arbeiter- Regierung gezogen bat.

Wichtig für Deutschland sind vor allen Dingen die Ausführungen, die er über die künftige Austenpolitik feines Kabinetts gemacht hat. In dieser Hinsicht wird die neue Regierung allerdings einen vollständigen Umschwung in der englischen Politik herbei führen. Eng­land wird künftig eine . konsequente Friedenspolitik treiben. Sehr anschaulich schildert der kommende eng­lische Staatsmann, wie in Europa in allen Landern unter der Alche des letzten Krieges noch Funken glühen, die von manchen gepflegt werden und die ein plötzlicher Wind leicht wieder zur lodernden Flamme entfachen kann. Die neue englische Regierung sei entichlosten, mit einem breiten Fust und einem grosten Absatz diese glimmenden Funken überall auszutreten. um die Welt vor neuem grostem Unheil zu bewahren. Zur Ver­wirklichung dieser Politik schlägt er vor, mit allen Völkern, unter denen er auch Deutschland unter stürmi­schem Beifall feiner Zuhörer nannte, eine Verständi­gung zu tuchen, die nicht aus organisierten militäri­schen Kräften beruht, sondern auf dem Friedenswille» der Volksmasten, die aus neuen Kriegen nur Leiden, aber keine Vorteile zu erwarten haben. Er entwirft einen Plan für die Vervollständigung und Vesterikng des Völkerbundes, der zu einem wirklichen Werkzeug internationaler Gerechtigkeit und intcrnationacn Friedas gemacht werden soll. Rustland soll anerkannt werden und eine Verständigung über alle Fragen, die zwischen ihm und England schweben, herbeigeführt wer­den. Jede Intervention in die inneren Verhältniffe Rustlands wird abgelebnt, um es nicht in einen neuen militaristischen Imperialismus bolschewikilchrr oder zaristischer Färbung zu treiben und die sich dort an- bahnende Entwicklung zu einer friedlichen Bauern­demokratie nicht zu stören.

Die Verwirklichuno dieser friedensfteundllchen Ab­sichten der englischen Regierung wird ganz davon ab-

und sie sachlich ru diskutieren. Die trockene Antwort, h'e erte'lt worben sei. verzichte daher keineswegs auf die zu- türftigen Verhandlungen. Die Unterredung hat fünfzig Minuten gedauert.

, Briistel, 11. Jan. (Agence Belge.) Der Minister des Äutzern hat heute dem heutigen Geschäftsträger d i e Ant­wort der belgischen Regierung auf das Aide- Memorandum vom 24. Dezember übergeben. Die Antwort ei klärt: Die belgische Regierung sei bereit, auf dem seit der Einstellung und Veendisung des vaüioen Widerstandes cingeschlagencn Weg sortzutabren. Es müsie aber daran festgctalten werben, bah bie Diskusiion über den ModnR vivendi nur die Modalitäten der Verwaltung der Pfänder behandeln könne, ohne am Grundsatz der Pfänder etuas zu ändern, und dah bet Erfolg bei Verhandlungen in hohem Mahr von ber loyalen Ausführung bes Versailler Friedensvertrages durch Deutsch­land abbange.

Der Inhalt der belgische« Mote.

Brüssel, 12. Ian. ((Erg. Drahtbericht.) über den Inhalt der belgischen Rote an Deutschland wird mitge­teilt, dast die belgische Regierung ihre Zustimmung zu der Erleichterung des Reiseverkehrs zwi­schen dem besetzten und unbesetzten Gebiet gegeben habe. Danach soll es genügen, einen Identitätsausweis mit Photographie zu besitzen, der von der Militärbehörde des besetzten Gebietes ausgestellt wird. Dis bclgiiche Regierung lehnt die Einführung dsr Ren- t e n m a r k und des Notgeldes in das besetzte Ge­biet a b oder macht ihre Zustimmung abhängig von einer Änderung der beutffben Haltung in der Frage der Rheinischen Emissionsbank. Die belgische Regierung bezeichnet die Bedingungen, die die Neichs- regierung in bezug auf diese Bank gestellt hat, als un-. annehmbar. In bezug auf die Rheinschifsahrt erklärt die Rote, dast bte bisherigen Einschränkungen aus Sicherheitsgründen getroffen wurden. Ein Teil dieser einschränkenden Mastnahmen sei übrigens bereits wieder aufgehoben worden. Die Rheinschiffahrt flutz- ahwärts sei seit Anfang Dezember wieder gestattet. Die belgische Regierung fei auch bereit, den Schiffs­verkehr flustaufwärts wieder zuzulasten. Der Eisen­bahnverkehr sei deshalb noch nicht in vollem Um­fange wieder ausgenommen worden, da die Reichsregie- runa das Abkommen, das jüngst über diese Frage ab- gefchlosten wurde, noch nicht in allen Teilen erfüllt habe. Die belg'scheReaierung bestehe darauf, den Zoll­kordon an der Oftgrenze des besetzten Gebietes auf» recht zu erhalten. Sie gebe aber ihre Zustimmung zu Erleichterungen. Daaegen müstten die Lizenzen aufrechterhalten bleiben. Was die Sicherheit des Privateigentums und der Privatper, fönen anbelange, so sei die belgische Regierung einer Verstärkung der Polizei nicht abgeneigt in all den Fällen, wo sie es für nötig erachte. Die belgische Regie­rung garantiere die bürgerlichen Rechte der beutjchen Staatsangehörigen unter der Voraussetzung, dast sie ihre Pflichten erfüllen, die die internationalen Glotze für das besetzte Gebiet vorschrerben.

Keine Veröffentlichung.'

Berlin, 12. Jan. (Erg. Drahtbericht.) Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, ist nachDerein- barung zwischen den beteiligten Regierungen eine Veröffentlichung der französischen und belgischen Ant­wortnote nicht beabsichtigt.