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Wöchentlich

6 Ausgaben.

»lagriatthau," Nr. «650-53.

E«schäft«;rlt: 8 UT)r morgens bi« 6 Uhr abends, anher Sonntags, romcheäftnio: gtetiifurl «.3)1. Nr. 7405.

von 8 Uhr morgen» bi» 6 Uhr abend», autzer Sonntag«. PoMeckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7116.

hi^ r...,, j.? nnn ' . . 11^'' bfiTi Nasgabeslellen. «so Milliarden M., durch

E'.h^l6®er hS v,cu? sebrachl 700 Milliarden M., vom 7.— 12. Januar. — Bezugsdeliellungen ß'Ä.'u r/fVSn 00’ 6le d^nrgadesi eilen, die Träger und alle Postanstalten. — 2n Füllen höherer g ^'iriebsfiorungen oder Streik» haben die Bezieher leinen Anspruch auf Lieferung de»

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblattr: Berlin-Wilmersdorf, Laubacherstratze 35, Fernsprecher: Rheingau 2186.

Nr. 8.

Donnerstag, 10. Januar 1924.

72. Jahrgang.

f

Die Berliner Reise v. H-esch».

Note gelegt Botschaftsrat

Übergabe der französisch-belgischen Antwort am Freitag

Baris. 9. San. Der belgische Botschafter bat deute nachmittag den Antworten twurf der belgi- schen Mgtening auf die deutsche Denksch-ift vom 24. 12 23 dem Quai d'Orsay übermittelt. Wie Savas berichtet wird bic Antwort an die deutsche Regierun» dem Geschäfts­träger jedenfalls am Freitag übergeben werden.

Dunlle Kräfte lassen also von neuem schwere Wol­ken am Himmel Europas aufsteigen. Politischer Raaa= tipmus bedtoht zwei Männer, die zu den bedeutendsten der Gegenwart gehören. Schon jetzt tarnt'fein Zweifel (ein, daß durch diese Taten nichts Gutes geschaffen, vielmehr nur Unheil heraufbeschworen werden kann. Der Mord ist kein Mittel zur Lösung großer politischer Fragen, besonders in einer Zeit wie der gegenwärti­gen, wo die großen Massen aktiv an der Politik teil­nehmen und die Geschicke der Völker nicht lediglich in den Geheimkabinetten einiger weniger Potentaten be­stimmt werden. Politische Attentate können im Gegen­teil nur dazu führen, Verwirrung zu schaffen, die große Linie, der geschichtlichen Entwicklung werden sie dagegen nicht beeinflussen. Es find Krankheits- erscheinunaen oder Rudimente einer historischen Ent­wicklung, die überwunden zu haben das Streben aller Nationen sein müßte, die auf nationale Selbstachtung und politische. Reinlichkeit Wert legen!

lckäftsträger die Reise erst antreten' wird, wenn er in den Besltzder Iran, asjfchen Antwort auf die deutsche Rote »langt ift. ■—

der deutsche

W> den nächsten krtchterstatlung über die Sage nach Berlin Es ist wahrscheinlich, bah der deutsche Ge­le Rene erst antreten wird, wenn er in den

Zwei Attentate.

Der Orient ist das Heimatland der politischen Morde, Aiw wenn diese Verirrung des politischen Kampfes auch ^krcht auf ihren Herd beschränkt-geblieben ist, vielmehr in der ganzen Welt geübt wird und leider auch in der letzten Zeit bei uns Eingang gefunden hat, so gehört ste doch vor allem dort, wie es scheint, zum unentbeyr- uchen Rüstzeug politischer Auseinandersetzungen. In Griechenland hat fast jede Stadt eine Straße, die nach oen Tyrannenmördern Harmodios und Arsstogeiton be- na.nnl 'A, und man könnte fast eine Psychologie der orientalischen Völker schreiben unter dem Gesichtswinkel, welche Art des Mordes sie bevorzugen. Während in Griechenland vor allen Dingen das Gift eine verhang- 'usoolle Rolle spielt, bevorzugen die Serben und Vul­garen mehr die Handwaffen wie Säbel und Revolver und die heimtückische Bombe. In der Türkei ist man in dieser Beziehung gar nicht wählerisch und benutzt bas« jentge 'Uiitte!, das am ersten zum Zweck zu führen scheint.

. Meldungen, daß auf die beiden hervorragend­sten edratsmanner der Gegenwart im Orient, den Tunken Kemal-Pascha und den Griechen Veni- zelos, Attentate verübt worden stnd, werden unter diesen Umständen in unserer an politischen Senialiomm meist unerfreulicher Art so reichen Zeit nicht allzu- großes Aufsehen erregen. Trotzdem stnd dieses Ereig­nisse, die von größter Bedeutung für die weitere Ge­staltung der Verhältnisse im Orient werden können da d,e Lage dort durch die letzten Friedensschlüffe leines- wexV .rnlolibiert ist. Der Orient droht von neuem der Wetterwinkel Europas zu werden, das doch zu seiner Wiederherstellung der Ruhe so dringend bedürftig wäre ist der eigentliche Schöpfer der neuen Türkei, die stch gleich einem Phönix aus der Asche des atten, im Weltkriege endgültig zusammengebrochenen Osmavenreiches erhoben hat. Er hat es verstanden das erschöpfte türkische Volk mit einer neuenx nationalen zu erfüllen und ihm dadurch Impulse zu geben, die ihm die Selbstbehauptung.in den angestammte Sitzen des Türkentums ermöglichten Er har — und damit könnte er uns ein Vorbtzd sein — die nationalen sbeale desTurkentums nicht in derVergangenheit km« ®®rn iTl ter .Zukunft gesucht. Entschlossen hat er die alten historischen Staatsformen des Kalifats und Sultanats in die Rumpelkammer der Geschichte gewor, • Ten unb ein neues nationales, republitanisch-parlamcn- tarrsches Staatswesen an deren Stelle gesetzt Es *ieqt auf der panb, daß ein so sunges politisches Gebilde wie die Türkei noch nicht gefestigt ist und noch einige Zeit

»3a>ei, «u?en seines Begründers gestellt bleibt Sollte Kemal-Pascha endgültig aus dem politischen L^en der Türkei ausscheiden, so würden stch daraus zweifellos schwere Erschütterungen für dieses Land er- geben.

Die Kaltstellung Trotzkys.

as. Berlin, 10. Ian. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Aus Moskau kommt eine selt­same Kunde. Eine Kommiffion von Ärzten hat den Gesundheitszustand T r o tz k y s für so ernst erkllärt, daß ein wenigstens zwei Monate währender Urlaub unumgänglich notwendig sei. Während nun aber Drotzky vor kurzem selbst noch erklärte, daß er an den Folgen einer Malaria leide, heißt es jetzt, daß er durch eine Grippe so geschwächt sei, daß der Urlaub nötig werde. Ob Malaria oder Grippe, diese Streitfrage kann man wohl getrost beiseite lassen, denn bas eine erscheint absolut sicher, daß diese Zwangsbeurlaubung Trotzkys

auf politische Gründe zuriickzufiihreu

ist. In der Diskussion über die Politik der Kommuni­stischen Partei hat nämlich Trotzky in der letzten Zeit eine große Aktivität entwickelt und er hat dabei die Anschauung der Opposition verfochten. Er hat in einem in der „Prawda" veröffentlichten Brief yestige Angriffe gegen die Parteileitung und das Zentral­komitee gerichtet, so daß Sinowjew erllärte, Trotzki) habe mit diesem Brief dem ZentrrlkomiE einen Dienst geleistet wie der Strick dem Erhängten und die „Ant­wort des Zentralorgans an den Genossin Trotzky" war schließlich Überschrieben

„Fort mit den Fraktionisten".

Die erste Forderung der Opposition lautet nämlich auf völlige Freigabe der bisher unterdrückten Diskuffion und Meinungsfreiheit innerhalb der Partei. Die Oppo­sition verlangt, daß es den Parteimitgliedern auch freistehen soll, sich zum Kampf für ihre Ansicht gruppen­weise zusa-mmknzuschließeit, während die herrschende Parteirichtung darin die Gefahr der Fraktionsbildung und damit des Verfalls der Partei erblickt. Schließlich geht wohl auch der ganzeStreit um die gesamtePolitikder Partei. Man hat, um überhaupt leben zu können, sehr viel Waffer in den kommunistischen Wein gießen müssen und man wird auch nicht umhin können,

noch weiter Konzessionen zu machen, obwohl ja von den kommunistischen Grundsätzen beute nur noch sehr wenig übrig geblieben ist. Solch Wand­lungen gehen nicht ohne umfangreiche Auseinander- setzungen ab und die „Pvawda" selbst hat ja auch be­tont, daß die Partei gegenwärtig die dritte große Krise seit der Oktoberrevolution durch­macht. Die beiden ersten zur Zeit des Brester Friedens und zur Zeit des Streites um di« Rolle der Gewerk­schaften Anfang 1921 haben durch die Autorität und die politische Führung Lenins überwunden werden können. Dioser rzichtige Faktor fehlt augenblicklich und noch andere Momente fallen erschwerend ins Gewicht. Trotzdem möchten wir davor warnen, die Kaltstellung Trotzkys sowie die Auseinandersetzung innerhalb des russischen Kommunismus zu überschätzen. Es läßt sich nur sehr schwer beurteilen, in welchem Maß« diese Dis­kussion mehr als akademischen Charakter hat. Die An­nahme, daß sie eine Sprengung der Partei einleiten könne, scheint im Augenblick unbegründet. Der Gene­ralsekretär der Kommunistischen Partei Stalin hat jedenfalls offiziell erklärt, daß die eingelausenen Reso­lutionen der Parteiorganisationen darauf schließen lassen, daß mehr als 90 Prozent der Parteiangehörige« die Stellungnahme des Zentralkomitees gut heißen. Vielleicht muß man davon etwas abziehen, da solche offiziösen kommunistischen Feststellungen oft nicht ganz einwandsfrei sind. Die endgültige Klärung dürfte voraussichtlich die in der nächsten Woche stattfindende Eesamtkonferenz bringen!

Dir Präsident der separat! tischen * B w?gunq in d-r Pfalz ermordet.

Paris, 10. Jan. sEig Drahtberickt.) Der „Daily Mail" wird aus Mainz gemeldet, daß der Präsident der stvaratistischen Bewegung in der Pfalz. Herr Heinz- Orbis gestern abend 9 30 Uhr • in Speier ermordet wurde. Hierzu werden folgende Einzelheiten gemeldet- Drei llnbekannte drangen plötzlich in den Saal ein und Daten Schöffe ab. durch die Heinz, der gerade beim Abend- effen saß. tödlich getroffen zusammenbrach. Die Atten­täter sind entkommen. Von der Polizei und der sranzöffschrn Befatzungsbehörde wurden in der gesamten Stabt Hau-suchnngen vor genommen. An den Ausgängen der Stabt wird lebe Person von Üen Posten kontrolliert. „Daily Mail" vermutet, daß die Attentäter einer natio­nalistischen Gruppe angeboren.

Staris, lO. 2an. Hanas verbreitet folgende Nachricht aus Mainz: Der Präsident der separatistischen Bewegung m der Pfalz wurde g"stern abend 9 30 Uhr in einem Restau­rant in 6 p e t et ermordet. al8i er bas Effen ein- vebmen wollte. Drei Männer erschienen in dem Restau­rant wesen „Hande hoch!" und feuerten. Heinz stürzte tot ru. Boden Einer seiner Bcg'eiter ist leicht verletzt worden. Die Mo'der haben die Flucht ergriffen. Polizei und die Resatzungstruvoen haben in der ganzen Stabt Haussuchun­gen vorgenemmen. Die Autos, bie bie Stadt verlassen werben von Patrouillen burchsucht. Angeblich sollen b;e JWorber tm Auftrag einer nationalen Organisation gehan- beit haben.

Mannbeink, 10 Ian. (Eta. Drahtbericht.) Wie wir aus zuverlasiiger Quelle erfahren, finb bei dem gestern abenb in einem Gasthaus in Spei er auf ben Seoara. tiftenfubrer Seinz-Orbis verübten Attentat noch vier weitere Todesopfer sowie mehrere Schwerverletzte zu verzeichnen. Die Namen der Toten Rnb: Weih. Sand. Weigl unb Fuhheller. Ein gew'ffer Lilienthal befinbet sich unter den Schwerverletzten.

Ludwigshafen, 10 . Jan sEig. Drahtbericht.) Zu dem Attentat auf den Präsidenten der autonomen Rbeinpfal; Hetzns-iOrbis entnehmen wir dem offiziellen Bericht der autonomen Pfwlzrogierung noch folgenbe k'uzelbeiten: Am Mittwochabend gegen 9,30 Uhr wurde der Präsident der autonomen Nheivpfalz, Herr Heinz, im Gastzimmer des ..Wittelsbacher Hofes durch Revol­ver sch risse n iebergest reckt Heinz sah mit einigen Bekannten am Tich als fünf autaefUtbete junge Leute in das Zimmer embrangen. Sie stellten sich hinter die Stühle der Herren und tiefen: ..Hänbe hoch, es gilt ben SMa-.t- bstcn! Dabei schossen ste Zunächst auf die Plötze ber am Ttfib stunden Herren und Amn auch auf bie übr igen Gäste. Sie entfernten stch mit dem Ruf: Jeder hat eine Biertel- ftinbe 1 te Hande hoch zu halten. Niemand darf das Haus verlaffen! Bon ben Getroffenen war Heinz sofort tor vier andere Herren starben hin darauf. Während d's Überfalls wurde das elektrische Licht im ganzen Haus von Hrlfe-shelfern ausgeschaltet. so dass alles im Dunkeln lag Die Tater stad unerkannt entkommen. In Zweibrücken wurden daraufhin mehrere Beamte als Geiseln festgenammen.

Keine englische Demarche in der Frage der Pfalz.

Paris, .10. Jan. (Eig. Drahtbericht.) Wie der „Petit Parisien" mitteilt, ist entgegen anders lauten­den Preffemeldungen bisher keine englische Demarche in der Frage der Pfalz unternommen worden

Richt minder verhängnisvoll würde die Ausschal­tung des griechischen Staatsmannes V e n i z s l o s aus fcer Leitung der Geschicke seiner Heimat sein. Man hatte den großen Kreter oft mit Bismarck verglichen aber dieser Vergleich hinkt nicht nur wegen der Ver­schiedenheit der Persönlichkeiten, sondern auch wegen der Verschiedenheit der Verhältnisse. Immerhin darf e^nJa$lien' Denizelos das Hauptverdienst an der Schaffung des heutigen Eriechenlandes hat. Ein tragi­scher Konflikt hat auch ibn in Gegensatz zu der Dynastie gebracht, die seiner Wirksamkeit soviel zu verdanken hat Eine Revolution hat ihn im Jahre 1905 von seiner da- mals noch türkischen Heimatinsel Kreta auf den Ministersessel nach Athen gebracht. Seitdem dreht sich die griechische Geschichte um die beiden Gegenpole bas Königshaus auf der einen, den kretischen Staatsmann und griechischen Nationalhelden auf der anderen Seite Im Astlltkriege war er der Vorkämpfer des Anschluß- gedankens an die Entente, während König Konstantin mehr den Mittelmeermächten zuneigte. Der späieEintritt Griechenlands in den Weltkrieg war sein Werk und brachte seinem Vaterlande die Aussicht auf oie Ver­wirklichung der kühnsten Großmachtträume. Aber die Hoffnungen Griechenlands scheiterten, wenigstens zum Teil. König Konstantin, der als Exponent der engli­schen Politik in Klein-Asien unterlegen war, verschwand und Venizelos wurde die letzte Hoffnung des erschöpf­ten,Landes. In Lausanne gelang es ihm, wenigstens die europäische Machtstellung Griechenlands zu hc- wahren, und so richteten sich die Augen des griechischen Volkes auf ibn in der Hoffnung, daß er es aus den Wirren der Vergangenheit in eine glücklichere Zukunft fuhren werde. Als Triumphator kehrte er heim, nach­dem bi» Königsfamilie durch die revolutionäre Regie­rung zur Abreise gezwungen worden war. Wie es icheint, wird ihn jedoch eine schwere Vergiftuirg zwin­gen, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen und seine Heimat führerlos zu lassen.

Poris. 9. Jan. über bte französische unb belgische Antwort auf di« deutsche Denkschrift vom 24. Dezember will ber .Malta" erfahren baben. vast bie beiden Dokumente bie Tür für weitere. Verhandlungen nicht verfchliesten. Wahrscheinlich werde heute am Quai b’Drtan die letzte Hand an die französtsch« werden, die alsdann unverzüglich dem v. H o e s ch auseehänbtat werden soll.

_ 10. An. Es bestätigt stch. dah

Geschäftsträger Botschaitsrat v. H a e s ch. in Tagen zur Berichterstattung über bie Lc neben wird. E' ' "

Die Gründung einer deutschen WShrungsvank.

Zürich, 10. Jan. (Eig. Drahtbericht.) Zur Schaf­fung einer deutschen Währungsbank meldet die Staue Zürcher Zeitung" aus B e r n, die Frage der Gründung einer deutschen Währungsbank in der Schweiz oder einem anderen Land fei im Stadium der Vor­besprechungen angelangt. Voraussetzung für das Gelingen des Planes ist, daß die Reparationskommis« ion sich damit einverstanden erklärt.

Kommerzienrat Hagen iit Berlin «ingetrofsen.

Berlin, 9. Jan. Nack ber „B. Z. a. M." traf Rommers iiter.rat Laris Sagen mit ben anderen Mitgliedern bes hrunbungskonsortiums ber geplanten Rheinisch - W e st- fcilische.n Bank in Berlin ein. um die Entschlüsse des Reichskabinetts kennen zu lernen.