Samstag, 8. Januar 1924.
Wiesbadener Taablatt.
Nr. 4. Seife 17.
Die Aaprldolen.
..Einen Hjalmar.
Sofie Zetterftröm.
Scherz habe ich ganz sein", faste
„Ratürlick". laste ’Rufre geftört renben.
Don harmlosen
Dror. ..Du willst nicht in deiner Meine Ansicht ist, da« inan über-
^eimat
Don Seinrich Leis.
Wo immer Mencken auf der Erde wohnen, überall ist Heimat. Maa das Land fruchtbar, mild und reich oder müft und unwirtlich fein, daß nur zäher Fleiß dem Boden Ernte und Nutzen abringt. mag es reizvoll wechseln mit Wiesen, sanft welligen Sänscn und licht«länzenden Flüssen, mag es amklanen zu Cchründen und mächtige Felscklöcke emoortür- men, sich hinbreiten in schauernder öde glutheißer Steppen oder starren in Dunst und Frost ewigen Winters: Gleich lieb ist den Bewohnern dieses Stück Erde, daran ihr Leben ft« kettet, das mit ihren Erinnerungen, Kindheitsgedonken und jungen Wünschen durchwoben ist. vertraut In Innigkeit der Gewöhnung: Heimat.
Alle Selrönheil der Welt erhält ihre Bedeutung erst in Sinn und Gefühl des Menschen. 'Sn sich selbst trägt der Mensch sein Wunschbilid des.Schönen, und keine Schönheit hat Bestand, die ftch nickt dem Schaueniden zu naihvertrauter und freundlicher Beziehung verbindet. Heimat aber, auch wenn sie rauh und arm. ist schön für den. dem sie ihr« Seele erschlossen bat: fte ist reich durch Erinnerung. Wunsch und Traum, fte ist schön, denn fte wird geliebt Sn fremder Stadt, im Wunderreichtum einer üppigen Natur gibt es Erwartung und neugierrges Staunen, jeder Weg. jeder Blick trägt neues Erleben zu. Dann aber kommt irgen^dwann eine Stunde der Sattheit und Enttäuschung, da die Neugier ermüdet und di« Eindrücke stumpf werden vom Übermaß. Sehnsucht schweift zur Heimat, die verlassen wurde um ein« Fahrt in unbekannt lockend« Ferne. Uni) Wiedersehen liebgewobnter Stätten wind aleicksam Rückkehr in einen Kreis vertrauter und gleichgestimmter Freunde. Eingehen m Traum und sriedsame Beschaulichkeit der Still«.
Heimatliebe ist heilig. Aus ihr hervor gebt alles »arte Gefühl der Güte, der Hingebung und milden Erinnerung. Sm Heimatgebübl wurzelt Willen zur Treue geaen ftck seihst und gegen andere. Freun-d« oder Fremde. Heimatgefühl gibt Glauben und Wissen von menschlicher Zularnmcmgebö'iqkeit. die über Starr« und Selbstsucht hinaus Herzen verkettet in Innigkeit des Miteinamderlebems. Und alles Heimatgesübl ift im Grund« wohl nichts anderes als Widerspiegelung der Liebe, die der jung«, mit tastenden Ahnungen in die Welt hinaustreibende Mensch von gütiger Treue des Vaters, von zärtlicher Sorgfalt bfr Mutter er tu.her
Kehre zurück ht die Heimat, die Jahrzehnt« des Fern- leins urngeftaltet. verändert, dir fremd gemacht baßen: Und mit ans Schleiern hervor sckält fick Erinnerung von früherem Wesen. Da haben alle Plätze. Straßen, selbst die Nein«» Derfchnörkelunaen der Parkwe-ge. Ruhebänke im Grünen, lauschige Winkel bei Kirchen ibr« Geschichte und Beziehung. Dielfältige Bilder kehren zurück: Ein Weg an Großvaters Seite, erhitztes Sviel schulfreier Mittage. Lust und Not von erster scheuer und schroännerllcker Liebe. Und sieben nun wuchtig aufstrebende Steinmaüen. vlumv« Mietskasernen dort, wo dein« Sugend noch die loitzoegiebelten. altväterlichen HäuÄein fah. deren Dächer weit berabreichten wie aufgestülvte. unmäßig große Hüt« über ninzligen Gesichtern: Hinter der Wirklichkeit von beule lebt die Erinnerung „n einst, und fte. an Detamken so reich, ift es die dir den Weg zur £ximat weist: zum Ausgangspunkt deiner LSanderung durch das Leben., da Hoffnungen und Wünsche noch durch Enttäiischuna nickt blaß geworden und junges Blut taten- frob stürmisch in den Aldern rauschte.
Komme aus der Fremde beim, und du wirst fühlen, als gleite dir von den Schultern die Last nieder, die du ruhelos durch deinen Alltag ichleppteft. Alte Erinnerungen umdrän- aen dick mit freundlichen und glänzenden Wunen. He-mat hat die gütige Milde, selbst Bitterkeit und Trauer um Vergangenes zu verklären. Wenn du die Anaen schließend, dich in rückgewandtes Sckauen versenkst, magst du wohl empfinden. als ftreickle dir wieder, wie dem taamüden Knaben einst, die weich« und zärtliche Hand der Mutter kosend durch das Haar.
'Untergattung^ Beilage beö QVießßabener 'Zagßßattä.
Der vlick in die Zukunft.
Eine Geschichte in zwei Kapiteln.
Don Peter Robinson kMünchen).
, 1. Kapitel.
Die Wlkve Auguste Kreidebaum hat ein gut gehendes, ein vo>ruglich gehendes Gesckläfl aber jeweils im Januar gebt es am vorzüglichst.». Da kann fte kaum ihre Mittags- paue einbfi!ien' ihre Kunden nehmen gar keine Rücksicht dacauf trotzdem an ihrer Tür ausdrücklich steht: Svrech- ftiinden von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr. Wer nichts Nähere- über die Witwe Krcidcbaum weiß, kann natürlich mich tcnc Ahnung haben, welcher Art diese Sorechstunden sein wogen. Da muß nun gesagt werden, daß Augufte Kreidebaum das tu», was viel« Leute grade in gegenwär Hger Zeit auch lehr gern tun möchten' fte schaut nämlich bi die Zukunft. Was ft« dort sieht. teilt sie in jenen Sprech- Kunden allen Leuten mit die es zu wissen wünschen und dafür bezahlen Weil aber stets tm Anfang des Sahres die Leute am liebsten was von der Zukunft wissen möchten deshalb Lat die Witwe Auguste Kreidebaum um dies« Zeit so lebr viel »:i tun.
Neulich also kam ,u Auguste Kreidebaum ein freundlicher dicker Herr. Er batte es sehr eilig, denn es war sckon ein halb nach Zwölf, und er wollte wohl zum Aiittag- elfen iiack House. Die Witwe Kreidebaum batte es auch eil g: ne wollt« auch zu Mittag eiien. und zwar yu)ei Sckweinskoteletten — di« kann fte ftch nämlich sehr gut von ihren Einnahmen leisten. Deshalb erhellte sich ihr« etwas hintere Miene, als der fremde Herr sofort erklärte: „Ich will Sie nur n-ckt auibalten. Erlauben Sie mir. Ihn.',» hier hundert t'estmark zu Überreichen. (Die Miene der Witwe Kreidebaum erhellte lick noch mehr.) Und nun paiien eie. bitte recht genau aus: Heute nachmittag wird eine Dame »u Shnen kommen, die einen kleinen Leberfleck auf der rechten Backe und einen linlen Eck,ahn mit einer Gold- hippe lat. Ülußerdem trägt fte an der rechten Hand außer dem Trauring noch drei andere Ringe: Brillant. Saphir und Hirns Sie werden die Dame also ganz sicher er« icni.cn. Waber ick weiß daß die Dame zu Shnen kommen pi't-' Ganz einfach: meine — die Dame, wollte ich lagen, hat ftck für heute Säte Sldrefte notiert Das Notizbuch habe tm zufall'g aus dem Nähtisch meiner Frau gesehen. Sa. al.o: nun erzählen Sie der Dame folgendes: Dieses Sahr wird tm allgemeinen ein ganz glückliches für Re werden ne. braucht ftch keine Sorgen zu machen. Nur vor einigen Dingen muß ne ftch hüten. Zuerst einmal soll fte die große Abendgeselltchait. die fte für heute über vierzehn Tage vor hat. aut teilten Fall geben. So was ift' ja ein Blödsinn beuiiutuflc! Aber nein, das sagen Sie der Dame nickt! Erzählen Sie ihr. einer von den Gästen würde im Anfangs- Wabium der Grippe und ein anderer in dem der Blattern nck in im den — also eine sehr gefährliche Geschickte. Weiter: das Alrnnement für die Oper fall meine — soll die Darre hicics Saht nicht erneuern. Das kostet ja ein Heidengeld! Aber nein, das innen Sie ihr auch nicht. Erzählen Sie ihr sie wurde bei einem Besuch der Oper Unglück haben, eiet Dem trtirbc fte ftch im Theater brechen. Und ihre Köchin soll di« Tarn« nickt entlaften. Das gibt dann wieder den gräßlichsten Kroch und Verdruß Aber das brauchen Sie Ihr nickt zu «.zählen — erklären Sie nur. die nächste Köchin winde nock Id'liinmcr fein. Sa. und nun das Wichtigste: ott Dame soll dieses Sahr unter gar keinen Umständen eine Sommerreise machen wollen. Voriges Sahr nämlich h?be td dafür sckon so viel Geld — ach 'o. das gehört nickt biet her tagen Sie der Dame einfach fte soll ja zu Haufe olecken. Wenn fte in eine Sommerfrische ginge, da würde fte llngli-ck haben. Sie würde einem wütenden Bullen be= nennen und der würde fte sehr gefährlich verletzen. Vor "iillen hat nämlich meine — hat die betreffende Dam: von, entletzlicke Angst, -r- So. das wäre alles. Ick verlafir «mt ganz auf Sie. werte Frau Kreidebaum. Guten Tag!" fortzukomme"^ ^>ec^te bcr freundlich» dicke Herr, wieder
2. Kapitel.
Am Abend desselben Tages. Speisezimmer bei Herrn Albert Sonnekamv. Wallwarenfabrikanten. Herr Sonne^ kamp und feine Frau haben zu Abend gegessen. Herr Sonne- ramv i-eft die Zeilung und raucht eine Zigarre. Frau catmefami' möchte gern etwas reiben - Tie bat etwas auf dem iierjen Endlich fängt fitz an: ..Denke dir. Albert was mir heute begegnet ift1 Sch war doch heute zum Tee bei bet Ramme-,ienrätin Flftderbuich. und da habe ich eine seh: ti'tercftante Dame kennen gelernt. Die hat mir aus den garten prophezeit Du wirst dich wundern, was fte mit alles «-.zahlt hüt
, „Drnnerroetter da bin ich aber mal neugierig!" sagt ^err, Sonnekamv hinter feiner Zeitung.
>!. ijAki. denke dir — wir wollten doch in vierzehn Tagen f;* Abendgesellschaft geben. Das geht nicht. Einer von
’utren wird sich im Anfanasstadium der Grippe und em ,n dem der Blattern befinden, hat mir die Dame
5onnernmum“re C^ne Der^u*te Defchichtel" fast Herr -°?6r? ^ber ich weiß, was wir machen. Wir Gesellschaft ganz einfach erst in vier Wochen, da "ero«n hc beiden Leute sckon fo weit sein, daß fte ab'agen ft. Und denke dir- vor der Over soll ich mich hüten. Th-J. f11, ,-D<tme ge'agt. Ich wurde mir ein Betin im Shrr £’$*rn- hat fte gesagt. Schrecklich, nicht wahr''
i nbh “3®* erfragt, bei welcher Over das sein würde.
K-n«,*?1 f-at fte mir dann — fte mußte freilich lange nach- eefu. a^klärt. bei ..(Farmen“ würde es fein. Na. nun fr«E 5' .»atu i lick niemals mehr in ..(Tarnten“ Sch bin nut ick das weiß — tnnft hätte ich wirklich auf das 6p,, Abonnement für die Over verzichtet. Sch werde die tirn.:j’lr,- >-nrmfn" her Regierungsrätin Wen»!ich fchenke'i:
CUe^t br-ch, die ftch bann ein Pein."
•■xtnrenretier noch mal!“ brummt Herr Sonnekamv. toPncm0 11 ** nicht gleich — ick meine das in nicht so nie Trn der Reg'erungsräfin. Sa und bann hat mir etfcFtt- r,rt>'e — jene intcrcfiantc Dame, wollte ich sagen, «t'ürb , "Ilte unserer Köchin nicht kündigen. b-e nächste S-> hnr,,lltr n°* ichfimmer sein. Na das macht doch nichts. ben.r t.r „gefragt, ob dann vielleicht die zweitnächste uh r pürbe. und da hat sie ja gemeint. Jetzt kündige fns wfort, damit wir recht bald die ,weitnächste frienen." •-
,.<o c-re hiöbfirnige Perfon'" brüllt Herr Sonnekamv. fünbi^.Le ■ ,2? n? Nun ja. darum werd« >ck ibr ia auch imn-e/v naß' doch auf Albert, nimmt doch nicht Direkt,Leitung vor! Du mußt nächstens mal an die schreiben -Oon e'n panr Nordseebädern um Prospekte b!ofe- i,;, kann man nicht früh genug tun. Denke d>r ich mii6f, ~ ~• die Dame bat mir prophezeit,
ein miif.HK diesem Sommer vor dem Lande buten,
u«nder Bulle würde mich sehr gefährlich verletzen.
-iebit du wie reckt ich stets gehabt habe: schon immer hatte ttb vor Bullen Angst. Sch wollte dir erst Vorschlägen daß wir bieien Sommer ganz in der Nähe irgendwo aufs Land flch ntxEA-M n,S> s°.teuer ift Aber jetzt ist das natürlich auegeicblmHn Wenn s auch viel mehr kostet —. wir geh’n auf eine Norlfeeiv.fel. wo gar kein Bulle ist. Danach müffen mir uns oct her genau erkundigen. Aber sage mal. Albert: crel-lt dir was' Was machst du für ein Gesicht? Hast du Derd'uß gehabt?
.^htn Scnnefamn lächelt matt. „Aber ganz und gar ntrt,t. Mir geht es vortresilich. Sch war schon lange nichr w vergnügt rote heute.
„ -Dus freut mich. Dann kann ich es dir ja gleich sagen, lieber Albert: Du mußt mir noch hundert Eoldmark geben - bie 91^51:1111« oum Fleischer hat mehr gemacht Sch hatte falsch addiert
.Hundert Mart Grabe hundert Mark?" sagt Herr Sonnekamp etwas sehr laut. ..Co eTne--!" Aber bann
vemnkt er in Schweigen und tiefes Nackbenken. in dem die Witwe Auguste Kreidebaum eine Hauptrolle spielt
Mord.
Bon Walter v. Rummel.
Ick hatte während meines Aufenthalts in Japan ein rtanbauartier in Yokohama. Dorthin kehrte ich zum Aus- raitrn zurück, wenn ich von meinen Fahrten im Snnern des j.arbes müde geworden war. Es befand ftch in einem kleinen ©afthaus. das sich Hotel nannte, aber kein solches war. sich lediglich mit Deichen. Stühlen unb" Betten etwas eurouäifa: aunrinert hatte. Im ganzen hatte es nur zwei Stammgäste, bie dort wohnten, mich und einen alten Engländer der io £lnvmJ>a2nm!erifl?n Prozeß mit der japanllcken Regierung lag. Mehr veriugbare Räume waren nicht vorhanden. Tagsüber war trondem lebhafterer Derkebr. Zahlreiche Siipaner nahmen in dem Haufe ihre Mittags- unid Slbenb- mabhcitcn ein.
Es war ein immer lustiger Gasthof. Der Wirt und feine 3rau waren jung, jung waren unsere drei Sebientings= mabeben. iung die Sckar unserer Bons mit ihrem Häuptling Panitaro an der Spitze. Es waren beileibe keine vornehmen Kellner in yacf und weißer Binde, unsere Hotelbuben turnten so .-temlich den ganzen Tag nur in der Badehose herum. Hatutarc ihr Herr unb Meister, war. ebenfalls mit Ausnahme der Mahlzeiten stets in einer schönen, roten Badehose ftch reprasentiereiid. Ober- Servier- und Zimmerkellner in einer Derfov. außerdem Portier. Dolmetscher Haus- und Feuerwackter. Sein Bild ist am raschesten gczeichnet. wenn ich tes'stelle. daß et ein ..wüster Deutel“ war. Co lagt man in Bayern. wenn man jemand bezeichnen will, der bei einer Cchonheitskonkurrenz sicherlich keinen Preis banontraaen durfte. Aber der dunkelgelbe, stichelhaarige Geselle war trä« seines struppigen schwarzen Haupthaares und feiner harten verwegenen Borsten unter der Nase eine Ceele von einem Menschen immer dienstbeflissen, nie um einen guten Rrt ym eine Hilfe ober irgend welchen Ausweg verlegen. Ein ftgnbiges, Icbenbeiahcnbes Lächeln lag über seinen wulstigen Livven. Und roie er waren auch alle anderen Leute im r.a-Aen Hau!« allstets vergnügt, nur der Engländer — Ilie Ulli n.nti. rote er kurzweg hieß — war zumeist mißmutig und schimpft- Tob unb Teufel aus javanische Rechtsprechung.
Wer hätte ftck in bieser Io heiteren unb fieberen Umgebung von en.em Werbe träumen lassen, einem Mord in den der eben abgeschilderte, tüchtige Oberkellner Kakutaro eng verstrickt roar? . . . Wie alles in bet Welt, hatte auch bic’er Morb feine Vorgekchickte' Delrgter Kakutaro war eines Morgens plötzlich Befttzer ein-s lehr hübschen Ging» oocels geworden. Sn einem kleinen Holzkäfig von Kaku- taro etgenhänbig gefertigt, saß der buntgefiederte farben- pracktige Sänger, piepste, trillerte, legte das Köpfchen 6c-. fradwtm auf t;e Seite und pickte, ganz zahm schon, zutraulich die Korner aus ber Sand. ..Eben von einem Baum bes Barkes gefangen! erklärte Kakutaro stolz unb freudig Ob das so gan, ber Wahrheit entsprach? . . . Unser Nachbar mar ein Bogelbändler unb Kakutaro sowie die anderen Doos schielten des öfteren mißtraui ch ju seinem Haufe hinüber. Möglich ia. daß sich ber Bogel aus dem Nackbarhc'us-' zu uns verflogen hatte, möglich aber auch anders. Denn bie Freude an ihren Blumen unb Blüten, an ihren bunten crifchen unb Vögeln sitzt allen Javanern, saß auch unteren Hotelbons so tief im Blute, daß fte vielleicht doch den neuen gefieberten Gast mit sehr energischen Bitten zur enbgüft’gen Übersiedlung in unter Haus bewogen haben mochten Schließlich einerlei. Jedenfalls wurde der niedlich« Vogel sehr bald zum ausgesprochenen Liebling des Hotels.
Doch die Freude war nur kurz. Sn einer schwülen Sommernackl. da man alle Fenster weit geöffnet batte glückte es ei-er iyr zahlreich über die Dächer herumftreuen= den Katzen, in den Vorplatz bereinzukommen. wo der Käfig seinen endgültigen Platz gefunden hatte Am nächsten Morgen war von dem armen Liebling nichts mehr vpr banden als ein paar b'utige Febern, die traurig in dem zerstörten und eingedrückten, auf den Boden heruntergeworfenen Vogelbauer umherfagen Mit finiterer Miene uns geballten Fäusten stand Kakutaro über den Käfig gebeugt und brütete dumpf vor ftch hin.
Bereits in der nächsten Nackt mürbe ich burefi einen Höllenspektakel geweckt. Kurze Klagelaute, schwere wuchtige Schläge laute Kriegsrufe Kakutaro» und seiner Getreuen Sck springe aui unb stürze, wie ick bin. im Schlafa>-zu,i eilends aus meinem Z mmer aui den Vorplatz. Dort steht leise und geheimnisooll flüsternd. Kakutaro mit einigen Bons.und Girls um einen halb erdrossel', halb erschlagen in der schlinge hängenden großen und starken Kater herum ..Cat who bas eaten nice birdf“ meint Kakutare in seinem orolligen Engfflch mit lakonischer Befriediguc-g Katz' b,e netten Bogel geaeften!“ Dann kviioii er den Gemordeten ab und versteckt ibn io'glich in eine Ecke.
Run ging er. so fort. Oft wurde Ich jetzt durch solch traurige Katzeniammertöne aus meiner Nachtruhe geschreckt ribeiall hingen b;e Schlingen unb lagen die Fallen Eine teile Dernicktungsiagb auf säm'lickes Katzengetier der Nachbarschaft hatte begonnen. Mord nach Mord! Allmäh'-ch wurde mir dabei etwas schwül unb unheimlich zumute Denn im fernen Osten besteht gegen Katz-mbraten bei weitem nicht dieselbe starke Ankipathie roie bei uns Westeuropäern. Sck versuchte daher. Kakutaro von seinem blutigen Handwerk abzi-lringen unb drückte ihm zu diesem Zwecke ein Geldstück in die Hand. Er nahm es willlA. ..Darks, danls!" meinte er danks. weil ihm das danke nie so reckt über die Livven rooHie. Sofort in sein geliebtes und Hefter beherrschtes Englisch »uWcksallend. fügte er halsstarrig bei: „And if I sei soii.ewnere such a devtl cat. I will let rr.ake hlm a iittle die“ („Unb wenn ich irgendwo fo einen Teufelskater ich«, fo werde ich ihn ein klein roen’q sterben laften!“ . .). Diesem feinem Feld- und Bannerlpruch getreu hat Kakutaro auck fernerhin gehandelt Solange ich im Hause wohnte, blieb seine gute, treue Seele grimmig eingestellt auf: Mors.
Haupt niHt geärgert werden darf.“
„Aber daß man andere äteert", tagte David.
„Meinetwegen“, sagte Bvor. „Kennst du die Geschickt« von den Kanridolen? Das ist eine ganz fatale Geschickte.“
„Sch habe fte schon gehört", sagte Hjalmar. „91 ber erst dreimal. Du kannst Re ruhig noch einmal steigen lassen. Vielleicht ist roa« Neues drin?“
..Na". lag*« Bror. „einen Vorteil haben alle alten <5e> schickten wenigstens intimer: man weiß, wo man zu lacken hat." ,
„Unb wo 'man es lassen soll."
„Ich fckrieh damals Revuen, eine für den Sommer und eine zu Neujahr. Ick unb Fredoltn schrieben bie Stücke ge» meinfam. unb wir amüsierten uns großartig — vor ben Premieren. Damals war ein Regisseur am Theater, ein Däne, der für bie Requisiten zu lorgcn hatte, für bi« Kostüme, für alles, was anaefckafft werden muhte. Der Direcktor hockt« meist in Stockholm unb kümmerte sich blutwenig um diese Provinzfiliale. Der Däne war ber geizigst« Kerl, den ich je gesehen habe. Er sagt«, ehe wir anfingen zu schreiben:
„Ich habe zwei fehr schöne Ballett«, ein Siernenballett und ein Badeballett. Herrliche Trocknen. Direkt aus Berlin. Die müssen Sie in den zweiten Akt tinlegcn.“
Die Ballett« kannten wir. Sie waren schon in sechs Revuen getan»! uhb außerdem zu vevfchickbenen „lebenden Bildern“ bei Wohltötiakeiissciten benutzt worden. Wir versuchten. dem Mann das auszureden. aber es war nichts zu macken. Er mußte feine Ausstattung haben. Zu qu*er Letzt weigerte er lieh noch, ber Primadonna ein neues Kostüm für bie Monumentnummer zu gehen. Sie mimte eine Statue. Sie mufft« in einem alten Lavven auftreten, ber drei Sabre jnoor um eine ..Mondkönigln“ gehangen batte. Anfangs war er blau gerne'en Setzt war er anr nichts. Ich faste zu Fridolin: „Der Mann muß bestraft werden!“
Dann fuhr ick in,Geschäften nach Stockholm, unb als ich angekommen war. kriegte ich eine kleine Sboe für Larsen, den
*) Wie entnthme« bleien Beitrag bem emülanten Buche gleichen Namens (im Berlage Sr. Ensler n Co., Berlin), tu eine Fülle miet
lich luftiger Schnurren unb (bteteelcn enthält.
