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Verlag Langgaffe 21

„TagdtsllhauS".

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W„ P,tsdamer Str.121L. Frruspr.: Amt Lützow62O2 u.6203.

Montag, 8. Mar 19!6.

KbenÄ-Ausgabe.

Nr. 214, * 64. Jahrgang.

Vorschiebung unserer Linie auf die

YSHe 304!

Schwerste blutige Verluste der Franzosen. 40 Offiziere, 1280 Mann gefangen.

300 Gefangene auch bei Thiaumont.

Der ungeheure französifchc Truppenver­brauch bei Verdun.

Der Tagesbericht vom 8. Mai.

Westlicher Kriegsschauplatz.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Mai. tAmtlich.)

Die in den letzten Tagen auf dem linken Maasufer in der Hauptsache durch tapfere Pommern unter großen Schwierigkeiten, aber mit mäßigen Verlusten durch- gcsührten Operationen haben Erfolg gehabt. Trotz hart­näckigster Gegenwehr und wütender Gegenstöße des Feindes wurde das ganze Grabens h st em am Nordhange der Höhe 3 04 genommen und unsere Linie bis auf die Höhe selbst vorgeschoben. Der Gegner hat außer­ordentlich schwere blutige Verluste erlitten, sodatz an unverwundeten Gefangenen nur 40 Offiziere. 1280 Mann in unsere Hände fielen. Ruch bei Entlastungs­versuchen gegen unsere Stellungen am Westhange des „Toten Mannes" wurde er mit starker Einbuße überall ab­gewiesen.

Auf dem O st u f c r entspannen sich beiderseits des Ge­höftes Thiaumont erbitterte Gefechte, in denen der Feind östlich des Gehöftes unseren Truppen unter anderem Neger cntgegenwarf. Ihr Angriff brach mit Verlusten von 3 0 0 Gefangenen zusammen.

Bei den geschilderten Kämpfen wurden weitere frische französische Truppen festgestellt. Hiernach hat der Feind im MaaSgcbict nunmehr, wenn man die nach voller Wiedcrauffüllung zum zweiten Male eingesetzten Teile mitzählt, die Kräfte von 51 Divisionen aufgewandt und damit reichlich das Doppelte der ans unserer Seite, der des Angreifers, bisher in den Kampf geführten Truppen.

Von der übrigen Front sind außer geglückten Patrouillen- nnternehmungen, so in Gegend von Thiepval und Flircy keine besonderen Ereignisse zu berichten.

Zwei französische Doppeldecker stürzten nach Flug­kampf über der Cote de Froid Terre brennend ab.

Lftlicher und Balkankriegsschauplaft.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Die deutsch-amerikanische Krips.

Amerika nimmt Deutschlands Antwortnote an!

W. T.-B. New York, 8. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Funkspruch von dem Vertreter des Wolfsschen Bureaus). „Associated P r e ft" meldet aus Washington vom ii.Mai: Heute am späten Abend wurde von m a ft - gebender Seite erklärt, daft, wenn der amtliche Wortlaut der Note Deutschlands der nichtamtlichen Wiedergabe in den De­peschen der Zeitungen entspricht, die Ver­einigten Staaten von Amerika die Versiche­rung, die sie enthält, annehmen und die Erfüllung der Versprechung erwarten.

a

Der überlegene Eindruck der Note in Amerika.

W. T.-B. Köln, 8. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." erhält aus Washington folgenden Fwnkspruch ihres Bericht­erstatters: Die deutsche Note, die hier am Mittag durch Extra­blätter veröffentlicht wnvde, löste eine gewaltige Spannung aus. Der allgemeine Eindruck ist der, daß es ein beson­deres würdiges Schriftstück, das geschicktest ge­schriebene seit Beginn deZ Krieges sei. Selbst die Verbands­freunde gestehen, daß Deuffchland damit einen über­legenen Eindruck gemacht habe. Was die Wirkung be­trifft. so ist die öffentliche Meinung geteilt. Wer die bei weitem größte Mehrheit betrachtet sie als zufrieden­stellend in der Erwägung, wie unmöglich es nun sei, die Beziehungen zuerst abzubrechen und daß damit eine schwer verdauliche Pille hinuntergeschluckt werden müsse. Man glaubt aber, daß sie zunächst auf die Wirkung im deutschen Inland berechnet ist, und den zweiten Teil hält man daher insoweit für ausreichend, als Bedingungen erwähnt seien und die Freiheit weiterer Entschließungen Vorbehalten werde. Indessen die allgemeine Meinung ist doch daß sie annehmbar ist. Die offiziellen Kreise werden völlig stumm bleiben, bis der amtliche Text der Note eintrifft.

Die „Köln. Ztg." bemerkt dazu: Daß die deutsche Note Bedingungen enthielte, ist eine hier und da auch in

Deutschland und im Ausland verbreitete Auffassung, die unser Berliner Mitarbeiter bereits als irrig gekeunzeichnet hat. Es kann sich schon deshalb nicht um Bedingungen handeln, weil der Befehl an unsere Seeslreitkräste, den Unterseebootkrieg fortan nach den Vorschriften für den Kreuzerkrieg zu führen, sofort erlassen worden ist. Dagegen spricht die Note die Erwartung aus, daß Amerika nun auch den Gesehen der Menschlichkeit, die es auch England gegenüber vertreten hat, bei allen Kriegführenden Geltung verschaffe.

Die Hefte in der amerikanischen gelben Presse.

Br. Rotterdam, 8. Mai. (Eic,. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Aus New Kork wird berichtet: Die Washing­toner Depeschen an die Morgenblätter er­klären, Deutschland wollte mit seiner Anlrcwrt die deutsch-amerffanffchen Beziehungen zwar nicht a b- b rechen, aber die Frage nur ouffchiäben. Im An­schlüsse daran, wird von den New Korker Blättern auf die Klaus e'l hingswiei-en, mit der das Versprechen, den U-Bootskrieg einzultellen, verguickt ist. Der „New Jork Herald" schreibt: Es gibt zwei Dinge, die Wilson tun kann, erstens die Beziehungen zu Deutschland so­fort abbrechsn — der Ton der Note wurde das recht­fertigen —, zweitens kann Wilson ab warten und dies'wird nicht lange währen, denn es gibt keinen Aus- weg aus den Schwierigkeiten, cs sei denn, -daß Deutsch­land die ungesetzliche Anwendung des U-Bootskrieges restlos preisgibt. Das aber wird Deutschland nicht tun. Anscheinend muß denn auch der Bruch folgen. Vielleicht besser, daß ec sofort erfolgt. Die „World" kennzeichnet die Antwort als plump und beleidi­gend. Das „Journal os Commerce" sagt: Es liegt beinahe eine weibliche Hysterie. in dem Hinweis auf England und die Gunst, die Amerika England gegen­über zeigt. Die „Tribüne" betont: Wilson ivevde nur eines übrig bleiben, und zwar die Beziehungen abzu- brcchen. Ohne Verzug müsse Gevard abberufen und Bernstorff nach Hause geschickt werden. „Das leidet keinen Auffchich." „Chicago Herald" er­klärt: Deutschland fordert, daß Amerika England zwingt, die A u s h ung erun g s b lo ckad e aufzu­geben, obwohl Deutschland dem immer widerspricht, daß es ausgchungert werden könne. Was England tue, 'ei genau dasselbe, was Deutschland während der Be­lagerung von Paris getan habe. Die Frauen und Kinder, die damals dort verhungerten, seien freilich keine deutschen gewesen. Die „Detroit Free Preß" sagt: Sonntag ist der Jahrestag der „Lusitania". Was gedenkt Wilson un Hinblick auf diesen Tag zu tun? (Die hier angeführten Zeitungen sind sämtlich deutsch­feindliche Organe im Dienste der Entente.)

Die Stimmung in Berlin.

I*. Berlin, 8. Mai. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Die bisher hier vorliegenden häufigen Nachrichten haben keine Gewißheit darüber gebracht, zu welchen Entschlüssen Wilson und Lansing gekommen sind oder kommen werden. Daß Eng­land und Frankreich sofort die s ch w ä r z e st e n Berichte über die Stimmungen in den Vereinigten Staaten verbreiten würden, darauf war man in Berlin gefaßt.^ Ebenso auch dar­auf, daß die gelbe Presse den energischen Ton der deutschen Antwort mit Drohungen und Wütgeschrei aufnehmen würden. Am richtigsten dürfte die New Uorker Drahtung des „Neuen Rotterd. Courant" den vorläufigen Eindruck schildern, der nicht völlig ungünstig ist. Damit stimmt auch die erste New Uorker Börsenmeldung überein, die von der festen Haltung des Marktes und der Besserung der Schiffsbauaktien berichtet. Ohne sich zu nicht begründetem verffühten Optimismus verführen zu lasten, müßte man erwarten, daß Wilson vorzieht, eine wohl kaum freundlichere Note vorzubereiten, als den soforti­gen Abschluß der Beziehungen zu beschleunigen. Aller­dings muß man auch darauf gefaßt sein, daß eine dem Vierver­band erwünschte Wendung plötzlich eintritt, die in Deutschland nach allem Vorausgegangenen mit ent­schlossener Ruhe ausgenommen werden würde.

Die Enttäuschung in England.

Br. Amsterdam, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Die gesamte englische Presse weiht der deutschen Note natürlich lange Artikel. Eines springt sofort in die Angen: Die Note entspricht nicht im gering­sten den Hoffnungen, die sich die Engländer ins­geheim vielleicht gemacht haben. Die „Tiines" sagt: Man wisse, daß Deutschland seine Hanidtungsweise im „Lusitania"-Fall verteidigt und können danach beur­teilen, welchen Wert deutsche Konzessionen habeii, das Völkerrecht gegen die Handelsschiffe anzuwenden, die sich Nicht wehren oder nicht zu entkommen versuchen. Selbst diese Konzession sei wertlos, denn Deuffchland verbindet damit die Bedingung, daß Amerika Eng­land zwmge, die Blockade Deutschlands a u f- zugeben. Die Blätter betonen, daß die Note auf die „Lusitania"- und „Arabic"-Fälle, die Wilson in seiner Note gleichfalls erwähnte, überhaupt nicht eiiigehe. Die heiligen Gründe der Menschlichkeit, die Deutschland be­tone, gingen besonders die „Lusitania", „Arabic" und

, Ancona" an. Sie wurden gekennzeichnet durch dieselbe Maßregel, die Deuffchland bei der Pariser Belagerung für gesetzlich erklärte. In den deutschen Konzessionen, soweit sie gehen, sicht die „Times" nur Deuffchlands Angst vor Amerika^ Das Blatt glaubt, hätte Deutsch­land es ernst gemeint, so hätte es'eine bessere, weniger doppelsinnige Antwort auf Wilsons deutliche imd posi­tive Wünsche gegeben. — Die „M orning Po st" sieht in der Note, so geschickt, wie sie auch aufgesetzt sei, doch nur eine Verweigerung von Wiffons Wünschen und den Versuch, die Untsrhandllmgen von neuem zu eröffnen. Die Frage, ob Deuffchlands Vor­schlag ausführbar sei oder nicht, tue nichts zur Sache; da das Vevlangen nach Freiheit der Meere nicht mehr umschrieben werde, könne Deutschland auch meinen, daß seine Schiffe ruhig wie in F r i e d e n s z e i t e n die See befahren dürfen, und daß, wenn die Verbündeten ein solches. Schiff nehmen, Deutschland seine See­räubern wieder ansangen darf. Das eigentliche Ziel -der deuffchen Konzession 'ei, Amerika mit den Verbünde­ten in Zwist zu bringen und das Ziel der ganzen Antwort nichts als ein Versuch, die Schuld an eineni eventuellen Bruch aus Amerika abzuwälzen. — „Daily C H r o n i c l e" behauptet, die Aushungerungspolitik sei keine englische gewesen, Deutschland habe zuerst neutrale Schiffe .mit Lebensinntteln für England tor­pediert, che England verhinderte, daß Deutschland durch neutrale Schiffe Lebensmittel empfing. Bedenke man dies, dann verliere die pathetische Anspielung auf hun­gernde Frauen und Kinder ihre Bedeutung. England habe außerdem tm Seekrieg nie Gesetze der Menschlich­keit verletzt, Deuffchland sie aber selbst Neittralen gegen­über mit Füßen getreten. Die Note sei mit längst bekannten Phrasen gespickt.

Die englischen Offiziösen.

Br. Haag, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Im Gegensatz zum größten Teil der englischen Presse, die es ver­mied, auf die deutsche Note an Amerika im einzelnen einzu- gehen und die sich nur in großen, allgemeilien Charakteristiken ergeht, in denen das Wort Dreistigkeit die Hauptrolle spielt, unternimmt es die ministeriell beeinflußte „West- mi'nster Gazette", sich in bestimm>ter Form mit der deutschen Note auseincrnderzusetzen. Gegenüber dem Unterseebootkrieg erklärt die Zeitung, daß ein langsam wirkenderDruck auf die deutsche Regierung durch die Blockade viel mensch­licher sei als die Maßregel, die Deutschland ohne Bedenken gegen diejenigen anwende, die in seine Hände fielen. Die Zeitung wendet sich dann mit ihren Ausführungen an die Neutralen, deren Aufgabe es sei, zu entscheiden, ob den ii'eerbeherrschenden Mächten der Gebrauch wirtschaft­licher Waffen gegen militärische Schreckonsmethoden zu unterbinden sei. Keineswegs sei es aber sicher, fährt die „Wiestimnstex Gazette" fort, daß die wichtige Stelle der deutschen Note diejenige sei, die die F r ied ens w ü n sche und -abfichten der deutschen Regierung beteuere und sage, daß in den letzten Monaten Deutschland zweimal sich bereit er­klärt habe, unter Wahrung seiner Sicherheit Frieden zu machen. Die „Westminster Gazette" sagt, wir würden gern eine genaue Besprechung dieser beiden Mitteilungen haben, denn wir können uns ihrer nicht erinnern. Im übrigen sei aus der deuffchen Note zu entnehmen, daß der Friede, an den Deutschland denke, ihm den Sieg zusprechen würde und daß es selbst beklagst daß seine Feinde ihm das nich: anerkennen wollen. Wenn der deuffche Ruf nach Frie­den nur eine Aufforderung au England sei, in einem Deuffch- land passenden Momente anfzubören, Deuffchland im Besitz von dem, was es zeitweise okkupiert, zu belassen und sogar ihm die Rechnung zu bezahlen, so ist es nicht die Natur des Sieges. Im einzelnen beteuert die Zeitung von neuem: Wtr wissen nichts von Deutschlands Absichten, außer dem, was wir aus der gewaltigen Sprache seiner zensurierten Presse entnehmen können. Wir sind unsererseits entschlossen, in Ordnung zu bringen, was wir für arges Unrecht halten und uiffere- eigenen L e b e n s i n t e r e s s e n zu sichern. Wenn die deutsche Regierung auf jene Angelegenheit, nämlich die, einer zweifachen Erklärung zum Frieden bereit zu sein, zurück- kommen will, so muß sie das unter dieser Voraussetzung tun. Lord Curzon hat fiir uns alle gesprochen, wenn er gesagt hat. daß das Land u n e r s ch ü t t e r t ist seiner Entschlossen­heit ist.

Es ist interessant zu hören, so meint das „B. T.", daß die „Westminster Gazette" eS für vereinbar mit dieser Ent- -chloffenheit hält, genauere Mitteilungen über jene beiden Er­klärungen zu erhalten, die ihrer Aufmerksamkeit, wie sie sagt, entgangen sind.

Tie Enttäuschung und neue Hetzarbeit in der französischen Presse.

W. T.-B. Bern, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Im allgemeinen müssen die französischen Blätter, wie sie sich auch drehen und winden, z u g e b e n , dass Deutschland im wesentlichen Punkte Amerika Zuge st and nissc niacht. Ihre Meldungen ans Washington lassen schon den Eindruck erkennen, den die Note in Amerika machte, und daß man dort in politischen Kreisen der Meinung ist, jetzt zu brechen, wäre ungerechtfertigt. Deutschland wäre weiter cntgegengekommcn, als man erwartet habe. Die deutschen Zugeständnisse hätten eine günstige Auslegung gefunden, festigend aus die Börse gewirkt usw. Bezeichnenderweise hatte H a v a s von diesen Meldungen nur das wiedergegeben, daß Lan­sing erklärt habe, Jrrtumcr gäbe cs nicht. Man müsse die genauen