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Sonntag, 7. Mar 1916.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 213. . 64. Jahrgang.

Die Militärische Bedeutung der Alandrinseln.

Schwc-dens Presse und Parlümmt bemächtigte sich in -den -letzten Tagen eine begreifliche Aufregung. Rußland hat seine bereits seit mehreren Monaten auf den Aland s i n seln begonnenen Bgfestig-ung-en zu einem für -Schwe-den äußerst oeidrohlicheir Gharakder weiter aus gebaut.

Die Alandsiniseln, am Südeingange des Bottnischen Meerbusens, auf -dcmr ersten Drittel zwischen der Sud- spitze Finnlands und dem schwedischen FesÄande ge­legen, bestehen ans etwa 80 kleinen Inseln. Ihre größte ist Aland. Seitdem im Jahre 1809 Schweden seine Weigerung, sich an der Kontinentwsiperre gegen Eng­land zu beteiligen, mit dem Verluste von Finnland und den ldazu gehörigLN Inseln bezahlen mußte, ist Ruß­land der Besitzer dieses Eilands. Im Jahre 1829 be­festigte Zar Nikolaus 1. die Ostküste von Aland durch den Bau der Festung Bomarsund. Im Kvimkricge er­oberten englische und französische Truppen nach Ktägiger Beschießung die kleine Festung. Stach den Bestimmun­gen bes Parisler Friedens von 1856 wurde Rußland an­gehalten. niemals militärische oder RLarinestützpunkte irgendwelcher Art auf diesem JnselgSbiete anzulegen. Rußland fügte sich mehrere Jahre lang diesen Bestim­mungen, bis die Trennung von Schweden und Nor­wegen im Jahre 1905 die Regierung Nikolaus' II. dazu verleitete, aus dieser politiscksen Spannung iber beiden nordischen Königreiche für sich Nutzen zu ziehen. Rußland landete vorübergehend Truppen auf den AlandÄnseln, errichtete eineFumkensta-tion, Maßnahmen, .welche infolge eines energischen Einspruches durch Schweden sehr bald wieder rückgängig gemacht wurden. Erst 3 Jahre später wurde die Frage der Aland sinls-eiln wiederum in den Vorderigrund russischer Interessen ge­stellt. Anfang 1908 gelangten Mitteilungen in die europäische Presse, daß Rußland Anstalten mache, die e r nschr än-k enden Bestimmungen des Pariser Vertrages aus dem Jahre 1856 zu feinen Gunsten anf- zuheben. Auch damals, vor 8 Jahren, fanden sich alle Parteien Schwedens in e i n m ütrge m Entschlüsse dazu vereinigt, diese drohende Gefahr für die Heimat und insbesondere für die Hauptstadt Stockholm zu bannen. Der schwedische Ministerpräsident von Trolle erreichte, daß Rußland seine Absicht, die militärische Besetzung von Alartd, nicht verwirklichte. Auf Schwe­dens Seite traten die übrigen Interessenten an der -Ostsee, Dänamark und Deutschland. Ende April 1908 schlossen diese 3 Staaten mit Rußland das Ostsee- ab kommen, dessen Hnuptbestinunung die war, daß allen beteiligten Mächten der alte Besitzstand und -die bisherigen Hahcstsrechte in -der Ostsee auch in Zukunft unantastbar bleiben sollten. Die Frage der Alands- insestn wurde in die5e-ni Bertvage van 1908 gar nicht be­rührt. Es besteht also demnach kein Zweifel, daß Ruß- laitd an das Abkamimen von 1856 Wüter -gebunden ist und demnach kein. Recht hat, die Alandsinseiln in irgend­welcher Weise militärisch für sich auszunutzen.

Die strategische Bedeutung dieser Inselgruppe liegt darin, daß -ihr seweillger Besitzer nicht nur den Eingang zum Bottnischen und Finnischen Meerbusen in der Hand hat, sondern daß hiermit auch gleichzeitig eine Bedrohung des nahen schwedischen Festlandes verbun­den ist. Bereits in den ersten Kriegsmonaten begann Rußland, unter Außerachtlassung des Vertrages ans dem Jahre 1856, militärssche Anlagen ans der Insel­gruppe anzulegen. Hand in Hand mit diösec mili­tärischen Eroberung ging auch der Versuch Ruß­lands, eine politische Annäherung mit Schweden zu er­zielen. Schweden hat bisher leine strenge Neutralität in keiner Weise geändert ilnd scheint auch nicht willens fit sein, ohne Not voii diesen Richtlinien -cchzugehen. Besonderer', Nutzen kann Rußland durch die Besetzung der Alandsinseln dann ziehen, wenn es die Fahrtrinne zwischen -den Inseln und Finnland einerseits sowie zwischen jenen und Schweden andererseits, so nachteilig durch Minen absperrt, daß ein Verkehr ans diesem Teile der Ostsee nur unter russischer Kontrolle mög­lich ist. Welche Bedeutung eine -derartige Absperrung des nördlichen Teiles der Ostsee für Rußland und seine Rundes-genossen hinsichtlich des Transportes von Muni- tion und Kriegsmaterial haben nruß, ist nur zu offen- sichtlich. Die genannten Transporte unserer Feinde erhielten, wenn Rußland die Mandslnseln nrilitärisch für sich vollkanmieii a u s n u tz t, eine erhebliche B -e- schleunig u n g durch die Verkürzung des Trans­portweges. Hierbei kommt besonders der Umstand noch in Frage, -daß die nördlichen Häfen Rußlands jetzt eis­frei werden, 'vodurch dre Wasserstraßeii für ünseren östlichen Feind wieder benutzbar sind. Fernerhin ist Rußland wohl in der Lage, in den zahlreicheii Jnf-eln sich Stützpunkte für feine Flotte und Unterseeboote zu schaffen. Es liegt daher nicht nur im Lnterelie

Schwedens, sondern auch desjenigen von Deutschland, nicht zu d-ulden, daß einer unserer Feinde gegen alles Recht und Abm-achu-ug sich eine gefährliche Flottenbasis im nördlichen Abschnitte der -Ostsee erwerben darf. Die geringe Entfernung von kaum 60 Kilometer, aus wel­cher die Aland siuseln von Schweden entfernt liegen, bringen diesen', nordischen Staate ganz außerordent­liche Gefahren. -Schweden kann nicht dulden, -daß sich Rußland unnrittelbar vor seiner Hauptstadt ein zwei­tes Saloniki schasst, wodurch die Entente ähnliche Pressungen auf Schweden aus-übcn würde wie auf Gl-iechcnland.

Die jüngsten Verhandlungen im schwedischen Parla­ment sowie dre -Einmütigkeit der Presse dieses Landes -lassen keinen Zw-ei-s?l darüber, daß Schweden eine Erdrosselung durch Rußland nicht d-ulden wird. Die auß-erovdentlickien Heeresderstärkungcn, welche Schwe­den gegenwärtig gewillt ist, auf sich zu nehmen, stehen

fraglos mit der russischen Gefahr im Zu s-amm Lu­tz-an g. Die strategische Ausfallstellung gegen die schwe­dische Hauptstadt ist Grund genug, um eine ansehn­liche Stärkung -der schwedr-schen Wehrmacht zu begrün­den. Während Saloniki nur als eine Defensiv- basis, d. h. -als Punkt der Verteidigung für unsere Feinde in Frage konimt, ist ein -Fußfasscn aiif den Alandsiniseln von viel größerer Bedeutung. Die F l a n k e n st e llun g, welche Schweden im -gegen­wärtigen Weltkriege im äußersten Norden einnimmt, verdient unsere größte Beachtung. Andererseits ist es wohl begreiflich, daß unsere Feinde nach- ihren vielen Mißerfolgen nun endlich unter Vernachlässigung -aller Rechte und Verträge dort versuchen werden, ihre letzte Kriast sinz-usetzen, wo die Aussicht auf Erfolg nicht gänzlich -abzuleugnen ist. Hierbei hat jedoch der Vier­verband mit Schweden zu rechnen und ehe diese starke Fla-nkenstellung nicht eingedrückt ist, kann die strategische Bedrohung der Zentralmächte nicht zur taktischen'-Wirklichkeit werden. Die nächste Zu­kunft wird sehr bald darüber Licht bringen, ob Rußland sich -an die Bestimmungen alter Verträge -gebunden fjjh.lt, oder -ob auch hier ein neuer neutraler Staat i-n rücksichtslosester Weise geknebelt -werden soll.

Die Vorgänge auf -den Al a n d s i n s e I n -sind vom militärischen -Standpunkt aus äußerst beachtenswert. Vorläufig hat Schweden das Wort und wenn dieis-es Land seinen kraftvollen Willen zur Tat umsetzt, so wird auch dieser Rettungsversuch des Vierver­bandes kläglich scheitern. M.

Die russisch schwedische Spannung.

Russisches Mißbehagen über Schwedens Rüstungen.

Br. Stockholm, 6. Mai. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die russischen Blätter drücken ihr Mihbeh-ag-en über die s-chwedischen Rüstungen -aus, die sür Artillerie und Lustdienst allein 60 Millionen Kronen erfordern. Tie Tatsache, daß Schweden sich anschickt, ^ Luft­schiffe zu bauen, ließ auf Angrifssabsichteii über See schließen. Das Beispiel der Zeppelinfahrten wirke an­steckend. Rußland müsse jetzt für einen starken ft üstens ch u tz sorgen, -denn die schwedischen Rüstungen könnten keine -andere -Spitze als aea-en Rußland habe«.

Seutschlandr Antwort an Amerila.

Sorgfältige Erwägungen in Washington.

Eine Rcntcr Meldung.

W. T.-B. London, 6. RLai. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Reuter meldet aus Washington: Der

nichtamtliche Text der deutschen Note wird von dem Präsidenten Wilson und dem Kabinett sorg­fältig erwogen. Die neuen Weisungen an die Kommandanten der deutschen Secstrcitkräste bilden be­sonders den Gegenstand der Erörterung. Es wird aber keine Erklärung über die Haltung der Regierung abge­geben werden, che Wilson über die Annehmbarkeit der deutschen Note entschieden hat. Dies wird kaum ge­schehen, che der amtliche Text eingetroffen ist.

Weitere Berliner Pressestimmen.

In der „Boss. Ztg." schreibt Georg Bernhard: Die deutsche Regierung bezeichnet die von ihr zugesagte Änderung in den Methoden unserer Unterseebootkriegsführung aus­drücklich als das äußerst. e Z u g e st ä n d n i s, das sie zu machen in der Lage ist. An dem Ernst dieser Charakterisie­rung wird man auch in Amerika nicht zweifeln können. Man ist >n Washington sicher mindestens ebenso gut wie bei uns selbst über die Stimmung im deutschen Volk unterrichtet. Man weiß, daß nicht unerhebliche Teile der deutschen Nation zu den Grundfragen des durch das Verhalten des amerikani­schen Präsidenten geschaffenen Problems anders stehen als die deutsche Regierung. Von besonderem Wert scheint uns namentlich der Hinweis zu sein, daß Deutschland seinerzeit schon mehrfach den Willen bekundet hat, den Frieden wieder­herzustellen, wenn ihm seine Lebensinteressen garantiert wer­den. Auch heute steht unsere Regierung noch auf diesem Standpunkt. Deshalb will sie Amerika nun nicht auch noch in den Krieg hineinziehen. Sie glaubt, daß jeder neue Kon­flikt unsere Gegner zu neuen Hoffnungen auf­stachelt. Neue Hoffnungen, die sicher unseren verantwort­lichen Politikern als neue Torheiten erscheinen, die aber nach der Ausfaffung unserer Regierung auf alle Fälle zunächst eine Verlängerung des Völkerkriegs herbei­führen würden. Die „Voss. Ztg." schließt mit dem Hinweis darauf, daß sie stets gegenüber den menschenfreundlichen Ver­sicherungen des amerikanischen Präsidenten die größte Kühle bewahrt habe, und daß sie deshalb den Ausweg aus dem Konflikt, den unsere Regierung beschreite, nicht mit lärmender Freude begrüßen könne, wenn sie ihren Entschließungen auch ein volles Gelingen wünsche.

Dsr „Freisinnige» Zeitung" erscheint es das beste, b-ajv wähven-d die Wi-lsonsche Note es so darzustellen suchte, als ol eS in -der Regelung der Beziehungen zwischen Deu-tschbanid und -den Beveinilgten Staaten in der Zukunft nur ein Ent­weder-Oder gäbe, di-e deutsche Antwort ei-nlenchtönd n«ch- weife, daß die Forderungen wahrer Human-ität auch im Kriege -von uns in gleicher Weise anerkannt wevden, wie von Amerika, -daß es sehr wohl einen Ausgleich gibt zwifch-en den m-i-litärischen Notwendigkeiten dieses Krieges un-d den Forde­rungen des durch internationale Verträge geschaffenen Völker­rechtes, un-d daß gerade -das amerikanische Volk in hervorragen­dem M-aß-e dazu berufen ist, anerkannten Regeln des Völker- rechts Geltung zu verschaffen. Die .Freist Ztg." meint, daß

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Zu den schwedischen ParlamcntsverHandlungen über die Alandsinseln.