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Verlag Langgasse 21

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Samstag» 6. Mai 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 211. . 64. Jahrgang.

Reue Erfolge im Maargebiet.

Französische Verteidigungsanlagen westlich von Avocourt geräumt.

Mehrere feindliche Gräben südöstlich von Haucourt genommen.

Abermals ein französischer Angriff am „Toten Mann" völlig zusammengebrochen. Erfolgreiche Luftangriffe auf französische Bahnanlagen.

36 feindliche Flugzeuge gegen 22 deutsche im April verloren.

Der Tagesbericht vom 5. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auch gestern war die Gefechtstätigkeit an der englischen Front zwischen Armentieres und Arras lebhaft. Bei Givenchy-en-Gohelle entwickelten sich Handgranatenkämpfe um einen Sprengtrichter, in den der Feind vorübergehend hatte Vordringen können.

Südlich der Somme sind nachts deutsche Erkundungsab- teilungen in die feindliche Stellung eingebrochen, haben einen Gegenstoß abgewiesen und 1 Offizier, 45 Mann gefangen genommen.

Links der Maas drangen unsere Truppen in vorspringende französische Verteidigungsanlagen westlich von Avocourt ein. Der Feind hatte sie unter dem Einfluß unseres Feuers auf- gegeben. Sie wurden zerstört und planmäßig wieder geräumt. Südöstlich von Haucourt wurden mehrere französische Gräben genommen und Gefangene eingebracht. Ein gegen den Mest- ausläufer der Höhe „Toter Mann" wiederholter feindlicher Angriff brach völlig zusammen. Rechts der Maas kam cs be­sonders nachts zu harter Artillerietätigkeit.

Ein englischer Doppeldecker mit französischen Abzeichen fiel an der Küste nahe der holländischen Grenze unversehrt in unsere Hand. Die Insassen retteten sich auf neutrales Ge­biet. Ein deutsches Geschwader warf auf die Bahnanlagen im Noblette- und Auve-Tal (Champagne) sowie aus den Flug­hafen Suippes ausgiebig und erfolgreich Bomben ab. Der Luftkrieg hat im Laufe des April, besonders in der zweiten Hälfte des Monats, auf der Westfront einen großen Umfang und wachsende Erbitterung angenommen. An Stelle des Einzelgefechtes tritt mehr und mehr der Kampf in Gruppen und Geschwadern, der zum größte» Teil jenseits unserer Linie ausgefochten wird. Im Verlaufe dieser Kämpfe sind im Monat April aus der Westfront 26 feindliche Flugzeuge durch unsere Kampfflieger abgeschossen, davon 9 diesseits der Front­linie in unseren Besitz gefallen. Außerdem erlagen 10 Flug­zeuge dem Feuer unserer Abwehrkanonen.

Unsere eigene» Verluste belaufen sich demgegenüber auf zusammen 22 Flugzeuge. Bon diesen gingen 14 im Luft- ie.mpf, 4 durch Nichtrückkehr, 4 durch Abschuß von der Erde aus verloren.

östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Es hat sich nichts von besonderer Bedeutung ereignet.

Oberste Heeresleitung.

Erfolgreicher österreichischer Fliegerangriff auf einen russischen Bahnknotenpunkt bei Rowno. — Erhöhte Geschütztätigkeit. — Ein Erfolg gegen die Italiener im Rombon.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 5. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

Amtlich verlautet vom 5. Mai, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Unsere Flieger belegten vorgestcru den Bahnknotenpankt Zdolbunowo, südlich von Rowno, mit Bomben. Im Bahn­hofsgebäude, in den Werkstätten, im rollenden Material und ans den Schienenanlagen wurden Treffer beobachtet. Mehrere Gebäude gerieten in Brand.

Gestern wieder überall erhöhte Geschütztätigkeit, vielfach auch Vorfeldgeplänkel.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Rombon vertrieben unsere Truppen nach heftiger Artillerievorbereitung den Feind aus mehreren Stellungen, nahmen über 100 Alpini, darunter 3 Offiziere, gefangen und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Im Marmolatagebict wurde nachts eine schwächere feindliche Abteilung am Osthange des Sasso-Undici versprengt.

Sonst nur mäßige Artillerietätigkeit.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: p. H ö f e r, Feldmarfchalleutnant.

Erfolgreiche Lustangriffe auf valona und Brindisi.

Wien, 5. Mai. Am 4. Mai haben unfere Seeflugzeuge Valona, am Nachmittag Brindisi bombardiert. In Valona wurden Batterien, Hafenanlagen und Flugzeugstationen mehrfach wirkungsvoll getroffen, in Brindisi mehrere Volltreffer auf Eiseubahnzüge, Bahnhofsgebäude und Maga­zine, ferner im Arsenal inmitten einer dicht zusammenliegcn- den Gruppe von Zerstörern beobachtet. Mehrere Bom­ben sind in der Stadt explodiert. Ein zur Abwehr aufsteigendes feindliches Flugzeug wurde sofort vertrieben. Auf dem Rückzug wurde weit in Sec der Kreuzer „M a r c o Polo" angetroffen, und die auf Deck dicht zusammenstehende Bemannung mit Maschinengewehren wirkungsvoll beschossen. Trotz des heftigen Abwehrfeuers sind sowohl von Valona als auch Brindisi unsere Flugzeuge wohlbehalten zurückgckehrt.

Österreichisches Flottenkommando.

Die Antwort an das amerikanische Volk.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 5. Mar. (Erg. Drccht-bevicht. Zeus. Bln.) Die deutsche Regierung hat ein schweres -s t di ck Ar­beit, hinter sich. Dean hat im feindlichen Ausland ge­sagt, Präsident Wilson halbe Deutschland -tzie Antwort leicht gemacht, weil es nur eine Antwort gelbe, aber itnefe Antwort hat die deutsche Regierung nicht selben wollen, gemide weil sie bei unseren Feinden zu große Freude hervorgernfen hätte. Sie ging von dem Standpunkt aus, daß einem starken und siegvercheu Volke auch lda vhire Entwürdigung ein NachgäLen urög- lich tst, wo für die Empfindsamkeit einer geschwäch­ten und geschlagenen Ration ähnliche Zumutungen nicht inohr erträglich sein würden. Wenn das deutsche Volk, das 'heute erfährt, welches Zugeständnis es nicht WWon oder Lanisiug, sondern dem -amerikanischen Volk zu seiner Gesamtheit macht, einst alle Voraus­setzungen kennen wird, unter denen -die Antwort zu­stande gÄommen ist, wird es mit unserem Urteil über­einstimmen, .daß unter der Verantwortung des Reichs­kanzlers in diesem solgiensäMersten Augenblicke des Krieges die beste Politik, .das heißt die v o i I- fomime.ne Realpolitik getrieben worden ist, Realpolitik unter Einschaltung aller Faktoren, in erster Linie der militärlschen, dann der -wirtschaftlichen und finanziellen, zuletzt erst der gefühlsmäßigen.

Die Note ist keine tiefe Verbeugung vor den Herren Wilson und Lansing, über deren Ton und Forderungen Deutschland gegenüber nicht zweierlei Meinung bestehen kann. Die Rote ist zunächst eine rein sachliche Untersuchung und eine starke Kritik der von Washington erhobenen Anklage. Im Kern des Wilsonschen Angriffes stanld der „Süsser"-Fall. Wir geben zu, wie es auch nach der von uns geführten Unter­suchung der Fall zu sein scheint, daß es sich um eine Torpedierung zu handeln scheint, aus der wir selbst Weiterungen zachen werden. Wir geben aber nicht zu, ja mit bestreiten mit allem Nachdruck, »daß die deutsche Handelsflotte die „unterschiedslose Zer­störung sämtlicher Handelsschiffe" verfolgt. Wir haben uns den Vereinigten Stciaton und den Neutralen zu­liebe eine Zurückhaltung auferlögt, 'die unseren Feinden und deren Kriegführung zugute kommt. Damit wird Wilson unverblümt gesagt, 'daß wenn seine Wünsche in dieser Richtung gehen sollten, wir ihm schon recht kostspielige Zugeständnisse gemacht haben. Es sind bei der Seekriegführung, wie wir sie eingeschränkt haben, trotzdem noch Unfälle vorge­kommen, bei denen amerikanisches Leben und Gut ver­loren ging. Wir haben es beklagt, wir (halben Entschädi­gungen sngesagt. Hier hätte die Note viekleicht noch etwas nachdrücklicher darauf Hinweisen können, daß wir die Hand geboten hatten (die zurü ck.ge­wiesen oder doch nicht ergriffen wirld!), um jeden Unfall amerikanischer Bürger ganz nmnöglich zu machen. Der .Hinweis auf unser Anerbieten an Amerika, für sie f r e i e F a h r t aus bestimmten Schiffen — wir stellten eigene zur Verfügung! — und sichere Überfahrt zu gewährleisten, muß den Regie- rungÄeuten in Washington, die so schmerzlich iden Ver­lust amerikanischer Äben beim „Susser"-Untergang be- klagen, laut in die Ohren dringen. Auch wir sprechen zum amerikanischen Volke, auf dessen Sentimentalität drüben koniffiktslustige Politiker spekulieren, von schweren Verletzungen gegen die Gesetze der Menschlichkeit. Die Note deutet auf das zynische Attentat hm, .das se gegen Völkerrecht unid Humanität nnternamnren wurde, den H u n g e r? r i e g, den Eng­land seit langen Monaten gegen Millionen Frauen und Kinder führt. Hier erhebt sich die Erklärung der deutschen Regierung zu fast praktischer Wirkung. Wird Amerika mit gleicher Entschlossenheit jetzt geiaen England aoraeben. das alle Forderunaen

Wilsons glatt zu rück weist, wird Amerika den i,m deutschem Volke heroorgerusenen Eindruck, daß man zweierlei Mi aß iu Washington hat, wenn es sich um Deutschland oder England handelt, verscheuchen wollen? Wir werden sehen. Als ein Opfer fiir 100- jährige Freundschaft im Bewußtsein unsererStävke, auch weil wir noch an ein gleiches Ziel beider Staaten — die erstrebte Freiheit der Meere — glauben, machen wir Amerika.das Zugeständnis, daß die Unter­seeboote den Seekrieg führen, wie Kreuzer ihn führen müssen, das heißt, .daß sie für die Rettung der Menschenleben zu sorgen hüben, es sei denu, es liegen Fluchtversuche vor. Damit begehen sich die U-Boote einesteils ihrer Beute selbst im feindlichen Fahrwasser, damit verzichten wir auf die Möglichkeit, -dem Feinde manches Kriegsmaterial zu entziehen, da­mit verlängern wir vielleicht sogar «die Krie-gs- d a u e r. Wir machen das Zugeständnis unter dem Vorbehalt, daß die Vereinigten Staaten bei Eng­land ihre Forderungen ebenfalls durchsetzen. Für das Weiteie behalten wir uns Freiheit der Ent­schließungen vor.

Welche Ergebnisse die deuffche Note haben wird, kann nicht vorausgesagt werden. Deutschland ging bis an die äußerste Grenze der Versöhnlichkeit. Es gibt keine Möglichkeit nm sofortigen Abbruch der diplomatischem Beziehungen, da der Gegen­stand des Konfliktes ausgeschaltet wurde. Wir standen zweifellos sehr dicht vor dem Abbruch dieser Beziehungen und damit wohl auch nicht sehr fern am Beginn von Feindseligkeiten. Von einem Bluff war in Washington nicht die Rede. Wir mußten also ganz ernstlich mit.den Wirkungen eines amerikanischen Eingreifens rechnen. Darnach war zu ermessen, was vorteilhafter fiir uns sein konnte, Einschränkung des Unterseebootskrieges und Fortführung des entscheiden, den und für uns so günstig stehenden Landkrieges oder weitere rücksichtslose Abschnürung Eng- I ands und Hinzuko m menweiterer Gegner. Die deutsche Regierung hat im Einverständnis mit der Heeresleitung die Beschlüsse gefaßt, die uns dem glücklichen A u s g a n g des Krieges am nächsten bringen. Sie verdient das Vertrauen des Volkes. Will man aber m Washington um jeden Preis den Abbruch auch nach den: höchsten Beweise -unseres Ent­gegenkommens. dann hat .man sich aus deutscher Seite nichts vorzuwerfen. Dian wird mit ruhiger Entschlossenheit für eine gute und um so größere Sache weiterkampsen.

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Der Widerhall in der Berliner Presse.

I-. Berlin, 5. Mu-i. (Eig. Meldung. Jens. Mn.) Zu der deutschen Note nehmen die Berliner Abendblätter, wenn nuch unter Vorbehalt weiterer Bespr.echu.ngen, bereits tu kürzeren Ausführungen Stellung.

!Dte „Bvffischc Zeitung" schreibt: Die Antwort der deut­schen Regierung aus die letzte Note des Präsidenten Wilson ist van -dem redlichen Wunsche und Bemühen ein-geg-eben, den Bruch mit den Vereinigten Staaten gu vermeiden. Für heute scheint.es nur richtig, hervorzuheben, daß die deutsche Iiogi-e- rung sich durch berechtigten Unmut über den Don, den Herr Wilson anzuschlagen für gut befunden, in der sachlichen -Prüfung seiner Note nicht hat beirren lassen und an dem Punkte, der allein noch die Möglichkeit einer Verstän­digung zu erschließen scheint, in dem entscheidenden D-etl ihrer Antwort angösetzt hat. Anerkennung sinket der fest e, wür­dige Ton, in dem die Antwort gehalten ist. Sie weist mit einer vornehmen Handbewegung die gehässige Charakteristik unseres Unterseebootkrieges in der „S-ussex"-Note ab und bäU Her-vn Wilson offen die Einseitigkeit und Parteilichkeit seiner -bisherigen Politik vor. So ungeschminkt ist mit -ihm noch nie gesprochen worden. Aber es war auch nach­gerade an der .Zeit, daß es geschah, um solch schweres Un-heil für die beiden seit alten Zeiten eng befreundeten und so viel­fach aufeinander angewiesenen Völker zu verhüten.

Das „Berliner Tageblatt" hat die be-m-erken-s-wertesten Stellen in kurzen Worten nochmals zusammengcfaßt und meint dazu: Wir haben in den vorstehenden Zeilen uns dar­auf beschränkt, den Inhalt der Note zusammenf-afsend wi-eder- zugeben und die Hauptpunkte herauszuheben. Über dieses Dokunient mehr zu sagen, scheint uns im Augenblick nicht an­gebracht. Wie wir zu der ganzen Frage stehen, haben wir oft genug auseinwnderyesetzt. Wir pflichten der deutschen Regierung bei, wenn sie erklärt, daß ein Krieg zwifch-an Deutschland und den Vereinigten Staaten nicht zu verant­worten wäre, und wir müssen uns mit dem Ausdruck der Hoff­nung begnügen, daß sie mit den gewählten Mitteln ihr vorgestrecktes Ziel.erreichen wird.

Im „Berliner Lokal-Anzeiger" heißt es: Die Antwort, die die deutsche Regierung gestern auf die.am 20. Apr.il e-ing-e» gangene Note der Vereinigten Staaten erteilt hat, weist mit größter Entschiedenheit alle die Unterstellu n - gen zurück, die das diplomatische Aktenstück, das seit 14 Tagen die Rsgierurlg-en und die Presse der ganzen Welt beschäftigt, auszuspoechen wagt. Sie spricht >dem Letter der amerikani­schen Politik des Recht ab, mit Deutschland im Tone eines