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Donnerstag» 4. Mai 19i6.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 207. . 64. Jahrgang.

Mister Hughes.

Das ist, wie wpn zu sagen pflegt, eine nette Num­mer. Wenn wir lwissen wollen, zu welcher Si-odhitze des Hasses unld der Zerstörungswut -d-us britische Blut auskochen kann, bann mutz man Hören oder viel­mehr lesen, wie Herr Hughes anit uils umzugehen be­absichtigt. Dieser Mann ist australischer M i n i st e r p r ä s i b e n t. Vor öem Kriege rechneten ihn arich unsere Sozialb emotraten ein bißchen zu. den Ihrigen. In seiner Jugend hatte er ibie Hasen- ardeiter von Sidney organisiert und war sodann mit öer australischen Arbeiterpartei in die Höhe gekommen. Seitdem hat er slch zu einem argen -Schutzzöllner ent­wickelt. Das alles brauchte uns nicht viel -anzug-chen, aber -öi-esen Mister Hughes Haiden sich die englischen Schutzzöllner, die Erben des Ehantbevlainschsn Pan­drst tentums, ausdrücklich verschrieben, um eine tüch­tige ovatorische Knast tür ihre Wirtschafts-Hetze gegen uns zu bekommen. Mister Hughes hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht enttäuscht. In zahl­losen Dersamimlungen mutzte er reden, von Nordschott- land bis herunter zum Kanal, und er wiinde vielleicht immer noch xeden, wenn er nicht infolge dieser mlatz- losen Inanspruchnahme heftig erkrankt wäre und schleunigst Wieder nach Hause hätte geschickt werden müssen. Hier seien einige Proben aus seinen leiden­schaftlich durchwühlten und aufwühlenden Ansprachen wiedergegeben. Ihre Lektüre wird für viele unter uns von Nutzen fein, denn einmal erfahren wir aus diesem verzerrenden Spiegel dieses demagogischen Treibens, wie wir’ -den Engländern und nun gar erst den briti­schen Kolonialvölkern erscheinen, und sodann können wir oeralde -darum nützliche Richtungslinien ge­winnen. (Die mitgeteilten Partien sind -den „-Sozia­listischen Mjonatsheften" entn-ommen.) Folgender­maßen Mo sprach Mister Hughes vor der Empire Papliamöntary Association unter Vorsitz des Kolonial­ministers und konservativen Führers Bonar Law, wie- dergegsben in der „Times" vom 10. März 1916:

„Bor <dean Kriege schien stn Australien alles zum besten bestellt. Wir hatten unfern Handel verdoppelt und wären im letzten Jahrzehnt erstaunlich vorange­kommen. Mer als der Krieg hereinbvach, entdeckten wir, daß die Metallgewinnung, einer unserer Haupt- produktionszweige, so sehr vom >deutschen Einfluß be­herrscht war, datz wir vor der Gefahr standen, unsere Gruben schliehen und Zehntausende von Leuten beschäf­tigungslos machen und Millionen von Kapital brach- legen zu müssen, es sei denn, wir ließen die deutsche Be- herrschrmg der Msatzverbindungen fortb-estehen. Noch 12 Monate 'lang nach Kriegsbeginn -war im Herzen des britischen Reichs nicht sine Unze australisches Blei oder Zink, das LcbenMut aller Rüstung, zu kanfsn, nutzer durch sine dsutsche Geschäftsstelle. Die deutschen Firm>en führten .zwar einen -snglischen Namen, sie nahmen auch iden Einbür-gernngseid geschmeidig auf sich; aber gerade das ist typisch für deutsche E r ob e r u-ng von Jn- dustrie und Handel, datz sie zuvor die Flagge jener Nation annahmen, die sie zu zerstören und betrügen gedachten. Australien produzierte ein Fünftel -von dem Zink und Blsi der ganzen Welt, aber der Preis van Zink und -Blei wurde von einem Ring in London be­stimmt, der unter deutschem Einflutz stast-d, und wäh­rend wir hier und in Amerika für Zink 90 oder 100 Pfund Sterling die Tonne zahlten, kaufte man die Tonne in Dsuhchland schon mit 30 Pfund Sterling. .Der große Metallring, der überall von Deutschen kontrolliert, wurde, nannte sich in Amerika Amerikanische Metall- gesellschast, in Afrika Afrikanische Metallgssellschaft, in Australien AustvalLlsche Metallgesellschaft, und in Eng­land — nun reden wir -nicht davon. Von der Grube bis zum Konsumenten war die Verbindung lückenlos, und der a-ustvaiischen Regierimg erwiderte der Vertreter einer s-agsnan-ntsn britischen Firma: es sei am kein Ge­schäft zu -denken außer auf Wegen, die deutschem Ein­fluß unterstcM'den. Er hoffe, datz die Regierung 'durch solche Erfahrungen klüger werden würde. In Austra­lien hätten sie lgsgenübe!: Deutschland seiden Vertrag annulliert, jedes -Warenzeichen und jede Schutzmarke tmsgeihoben und jede Gesellschaft aufgesordert, binnen 3 Monaten jeden deutschen Aktionär, ob naturalisiert oder nicht, auszuschlietzen. (Beifall.)"

In einer anderen Rede (vor dem City Earltan Club), wiedergegeben in -den „Times" vom 31. März, erklärte Psister Hughes: „Wir müßten Narren und Schlimmeres sein, wenn wir chis der Art, 'wie -mein uns übertölpelte, nicht lernten. Wir in Australien haben es gesehen, Sie in England haben es gleichfalls gefghen und können es jeden Tag -von neuem kennen lernen: -diesen Menschen «chdeutet die Natuvalifation nichts. Wir (in Australien) haben -uns für eine Politik entschieden, die solche ver- maliödeiien Zustände mit Stumpf und Stiel -ausrotten auch uns in Wahrheit ein angelsächsisches Gemeinwesen vvÄbüvgen soll. Deutschland hat das viel zu -lange ein­

geräumte Recht -verwirkt, an unseren Küsten unter ^-de-nr Zeichen des freundschaftlichen Verkehrs und der Brüder- lichk-eit zu landein Die Politik des Reichs hat viele Wege, in der Wirtschaft und anderweit. _ Wer ehe Sie a-ufbauen, müssen Sie zerschren. L>ie müssen den -deut­schen Einflutz, -mit der Wurzel ausreihen, wo es s-ei -und was es koste, jede Frage 'dieser einen untervrldn-en, und durch wohlerwagen-en Entschluß aller Welt offen 'ver­künden, müssen Sie, komme was da wolle, auf die Zer­störung des deutschen Einflusses auf die englische Wirt­schaft hinwirken. (Beifall.) So werden Sie Deutsch­land einen Schlag 'versetzen, der einem endgültigen Landsiag gleichwertig ist." „Das britische Volk erkennt, -daß noch viel zu tun ist. nickst auf den -Schlachtfeldern, sondern auf den Gebieten des Handels und -der In- dustrie. Es evl'Snnt als eine der Hauptursachen des Krieges -das Begehren Deutschlands England die Vor­herrschaft (supre-macy) in Industrie und Handel aus den Händen au -winden. Jene Hoffnung müssen -wir tödlich treffen, die heute noch Deutschland über Wasser erhält, -daß es nach dem Kriege jene Stellung in Han­del und Industrie zurnckzugewinnen vermöge, durch -die es nicht nur einen hohen Tribut in Gestalt von Profiten uns abpressen, unsere Unternehmer aus vielen Prodicktionszweigen verdrängen oder i-m Bezug der Rohstoffe zu wnmxr unbedingterer Whängigkeit bringen konnte, sondern auch unsere nationale Sicher­heit zu gefährden vermochte. . . . Wir müssen klar sehen, -was England und seine verschiedenen Reichsteile selber Herstellen können, nicht nur mit einem markt- -mähigen (commercial), sondern -mit einem nationalen Gewinn. Wir müssen jede Produktionsg-eloge-nh-eit aus- nutzen, jede Hilfsguelle entwickeln. . . . Das Reich kann allen in England konsumierten Zucker liefern, aber wir brachten uns -selber unter -das Joch von Deutschland und -Österreich, rüdem wir eine schlechtere Ware verzehrten, weil sie billig war, während fruchtbare zuckerproduzie- reüde Ländereien überall im Reich brachli-sg-en durften. Der Krieg hat aber jener Politik der Billigkeit -dos Totenglöcklein geläutet, die auf -die -soziale und in­dustrielle Wohlfahrt der Arbeiterschaft nicht achtete, die blohen Reichtum mit Größe verwechselte, -gleichviel ob der Reichtum uns oder den -deutschen Juden gehörte. Wo wer-den wir -unseren Zucker nach dem Kriege her­beziehen? Aus denr Reich oder aus Deutschland und Österreich? Wellhe neuen Pvaduktionszweige gedenken wir -dann zu -gründen? Welche -alten wollen wir höher- bringen? Wohin wollen wir uns wenden, die Roh- Materialien für -unsere Industrie zu hsschaffen? WelckG Vorbereitungen gedenken wir zu treffen, um u-nferer großen Nachfrage für Schisse, Brücken, Maschinen und ähnlichem nach dem Krieg .zu genügen? . . . Mit -der Zeit der MacSH-andschuHpolitik ist es vorbei . . . Im Hintergrund dc-eses Krieges stoßen wir aus die Hoch­finanz Deutschlands, und wollen wir Deutsch­land treffen, so -müssen wir diese treffen. Ich hoffe, wir weriden ühne einen Tag Verzug, von einem Ende des Reichs bis zum -anderen, eine bestimmte Zusage seitens der britischen Regierung erihalten, daß -dies -die Politik Eroßbritauniens ncrch -dem Krieg fein soll. (Bei-fall.) Alle Dominien blicken auf -das Mutterland, das Zeichen zu geben. Wir erwarten eine offene Sprache, wie die englische Politik beschaffen sein s-oll. Heute ist die Zeit da. nicht für Worte, sondern für Täten." (Beifall.)

Auf diese Weise also möchten die -Herren in Austm- lien mit uns umgehen. Genau so meint es aber auch kttsispiels-weise der Haudelsminister Runciman, un­sere Abwürgung will eigentlich ganz England. Man wird uns nicht erwürgen, aber -leichtfer­tig wäre es, die Gefahren übersehen zu wollen, die uns von der .wirtschaftlichen Kriegserklärung Großbritan­niens drohen.

Oer ttrieg gegen England.

Die englischen Verlustlisten.

W. T.-B. London, 3. Mai. iNichä-amÄich. Dvaht-bevicht.) Die -BevlusMte vom 1. Mai verzeichnet die Namen van 199 Offi-ziereip di-e BerlusÄiste vom 2. Mai von 81 O-Mgiervn.

Im Gesecht mit einem deutschen U-Boot.

W. T.-B. London, 3. Mai. (Nicht-amtlich Dvwh-tbevicht.) Der „Ti-mes" Mfo-lg« hatte der Lan-dvuer Dampfer „Wandle" am Samsdag-mcwg'en bald nach Aassichvt aus -der Dhyne ein Gefecht m-lt einem deutschen Unterseeboot.

Der Kricgsbeitrag Kanadas.

V/. T.-B. Rotterdam, 3. Mai. (Nichtamtlich Dvaihtbericht.) Reuter meldet: In dem öinadischen Untevhaus'e beantragte -der Premi-emninister Borden, ian Lause des FinanAjahres 250 Millionen Dollar für Kriegszwecke zur BerfÜMing zu stellen, die haupffächich durch eine A-n-leihe zu decken seien. Das Haus rmhm den Antrag ei-nsti-manig an. Sir Robert Bor-den erklärte ferner, -daß das kanadische Übersee- Kontingent jetzt nm 60 000 Vüann stärker s-ei als die britische Awne-e bei Ausbruch des Krieges.

Der slufstand in Irland.

Fortsetzung des Kleinkriegs in Dublin.

Br. Haag, 3. Mai. (Eig. Druchtbericht. Jens. Mn.)

Aus Mitteilungen der Zeitungen geht hervor, daß die Sinn- feiner ihren Kteinkrieg in Dublin selbst fortsetzen und daß in vielen Teilen der Stadt aus geschützten Stellen unvermutet Schüffe fallen. In der Provinz ist entgegen der Reuter- Nachrichten immer noch die Tätigkeit der Rebellen bemerkbar.

Die englischen Offiziersverluste in Dublin.

Große Not in der Stadt.

Br. Haag, 3. Miai. (Eitz. Dvahlbe-rich-t. Zeus. Mn.) Aus den V-Miustliste-n über die Kämpfe in D-ubl-in ist zu er­sehen, datz auf s-ei-den der -Engländer 21 Ossiziere ver­wundet und 5 getötet wurden; außerdem wird einer vermißt. Über die Lage liegen noch folgende Einzel- beiten vor: Das öss-en-tl-iche Leben in Dublin ist vollstä-ndig tot. Bon außen kommen keine Nachrichten herein. Selbst die Bewohner der einzelnen Stadtteile wissen rtuchts vonein­ander. Wer die Straße betreten will, muß einen Patz haben. W-riese komren weder abgesandt noch empfangen -werden. Die Not in der Stadt ist groß.

Die Zahl der Aufständischen.

Mindestens 6 Millionen Mark Schaden.

W. T.-B. Amsterdam, 3. Mai. (Nichla-mtkich. Dvahtbericht.) Wie ein hiesiges Matt aus London erfährt, schätzt der Korre­spondent der „T-rme-s" in Dublin die Anzahl der Rebellen, die an dem Anfftand lxm Anbeginn teilnahmen, auf 5000. Ihre Verluste seien schwer, der Gesamtschaden, der- durch Bvan-d an Säusern angerichtet worden s-ei, betrage mindestens 300 000 Pfund Sterling. In der Königlichen Mi-berni-cm Akademie gingen fünf Gemälde englischer Maler zi^grunde. Die Rebellen hielten stand, so lange sie noch i-m Besitze des P-osiamtes waren. Si-e nahmen 3 -britische LMzi-erg, 2 U-ntevosftzieve und 6 S-olraten gesangsn. Als das Gebäude nicht 'länger verteidigt werden konnte und -der Rebellensü-hrer Conolly ernstlich verwundet wurde, beschlossen die Rebellen, zn flüchten und enipfahlen auch chren Gesaisgene«, die Wucht zu ergreifen und ihr Leben zu retten. Zwei^Unter- osflziere sowie 3 Soldaten sind unverletzt entkonmnem, wKhvend die Rebellen z-u Dutzenden niedergeschossen wurden.

Der Nrieg gegen Nutzland.

Der neue Generaladjutant des Zaren.

Stockholm, 3. Mai. (Zeus. Mn.) Der Generakstobsches, General der Infanterie Alexejew, wurde zum General- odjutamten des Zaren ernannt, -unter Bjeibehaltung seines -bisherigen Postens.

Die französischen Absichten auf die russische Waffenindustrie.

Der französische Munitionsminister und Biviani aus der Reise nach Petersburg.

(Telegramm unseres Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 3. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der französische Munitionsminister Thomas und der frühere Ministerpräsident Biviani verweilten heute auf der Durch­reise nach Petersburg in Stockholm. Thomas hat in Peters­burg keine geringere Aufgabe, als die g e s a m t e r u s s i s ch e Waffenindustrie in französischen Besitz zu bringen. Es ist kein Geheimnis, datz seit zwei Monaten die russischen Munitionsfabriken vor dem Produktions­bankrott stehen. Die erzeugte Munition ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft, so datz die Armeeversorgung ernstlich bedroht ist, teils infolge Mangels an arbeitswilligen gelernten Arbeitern, teils infolge Materialmangels. Thomas hat einen neuen Ge st altungsplan nach franzö­sischen Direkt,ven und mit französischen Ar­beitern einzuführen. Die Putilowwerke sollen formell im Besitz des russischen Staats bleiben, doch erhalten sie drei französische Direktionsinspektoren. Die russischen Arbeiter sollen verdrängt und durch zahlreiche in Petersburg' weilende französische und belgische Arbeiter ersetzt werden. So folgt Frankreich dem englischen Aussaug »ngsbeispiel und versucht, gleichzeitig mit der Rüstungsindustrie dem un­zuverlässigen östlichen Verbündeten dauernd Fesseln anzulegen.

Furchtbare Naphtha-Explosion in Moskau.

Ein Anschlag revolutionärer Arbeiter auf die staattichen Petroleum- und Benzintanks.

(Telegramm unseres Sorrdeiberichterftatters.)

8. Stockholm, 3. Mai. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die in Moskau an der Resamschen Chaussee gelegene Zentrale für Petroleum und die Benzintanks des russischen Staats sind durch revolutionäre Arbeiter in die Luft gesprengt wor­den. Sämtliche Tanks und Zisternen explodierten in weni­gen Sekunden. 300000 Puds Naphtha sind ver­nichtet. Die furchtbare Explosion wurde bis in die weiteste Umgebung Moskaus gehört. Obwohl sofort die gesamte Feuerwehr alarmiert wurhe, griff das Feuer auf die Ver­waltungsgebäude sowie die benachbarten Stadtteile über; zablreiche Häuser stehen in Flammen. Abends war es der Feuerwehr noch nicht gelungen, den Brand zu löschen.