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Verlag Lmrggaffe 21

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Mittwoch, 3. Mai 1916.

Kbenö-Ausgabe.

Nr. 206. . 64. Jahrgang.

Unveränderte Lage an der Maas.

Ein Vorstoß in die belgischen Linien. Das sechste Flugzeug von Oberleutnant Frhr. v. Althaus abgeschossen. — Fünf französische Flugzeuge erlegt.

Der Tagesbericht vom 3. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 3. Mai. ^Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich von Dixmuiden drangen deutsche Ab­teilungen im Anschluß an einen Feuerübrrfall in die bel­gische Linie ein und nahmen einige Dutzend Leute gefangen.

In Gegend Le Four de Paris (Argonncn) stießen unsere Patrouillen bis über den zweiten französischen Graben vor; sie brachten einige Gefangene zurück.

Beiderseits der Maas ist die Lage unverändert.

Oberleutnant Freiherr v. A l t h a u s schoß über dem Caillettewald sein sechstes feindliches Flugzeug ab. Außer­dem ist ein französisches Flugzeug im Luftkamps südlich des Werkes Thiaumont zum A b st u r z gebracht, zwei weitere sind durch unsere Abwehrgeschütze südlich des Talou-Rückens beim Gehöft Thiaumont, ein fünftes tzurch Maschinengewrhrfeuer bei Haudromont heruntergeholt. Der Führer des letzteren ist tot, der Beobachter schwer verletzt.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Unsere Volksernährung.

Der in .der heutigen Morgenausgabe mitg-eteilte Bortvag des Profesfoi's Rubner bei der -Eröminng des Bi-ologifchen Instituts in Dahlem reicht im 'feiner Bedeutung wett über eine -sachliche Darlegung der geschilderten traurigen Zustände hinaus, er ise eine Kundgebung mit sehr bewußter Absi ch t, und -di-efe Kundgebung wird auch wirken. Es ist nichts Kleines, wenn dieser bedeutende Physiologe vor einer Dersamm- lung, der die sogenannten „Spitze n" unserer B e- a-mten schasst ang-chörten, amt solchem Freimut und solcher zornibebender Entschiedenheit über die mang el- hafte Organisation unserer Ernährung spricht. Seine Worte müssen vielen mrter dem Zu­hörern wie eine unmittelbare Warnung und Mahnung geLungen haben, und das Rüstzeug, das diese Rede in st reichem Maße «ntchällt, wird von uns allen benutzt werden. Wir sind es uns selber schuldig, endlich einmal mit der Sprache h e r a u s z u g e h e n, wir dürfen nicht länger einen Zustand dulden, der, wenn er um,gemildert fortdauert, unsere s ch w e r st e B e d r o h u n g m diesem Kriege be­deutet. Aber ein Moment mutz noch besonders betont werden. Professor Rubner warf am Schluß seiner Aus­führungen die Frage auf, ob es nicht das -Zweckmäßigste wäre, die ganze Lebensmittelversorgung unter mili­tärische Oberleitung zu stellen. Das ist eine Forderung, die nach manchen günstigen Erfahrungen einen zustimmenden Widerhall in der Bevölke­rung finden mag, gleichwohl lind wir der Meinung, daß der Wunsch des Herrn Rubner schließlich auch nur der Ausdruck der Verlegenheit ist. Die Sachlage ist doch eigentlich einfach: Gibt es Mittel, wie -der gegenwärtigen Zerrüttung auf dem Lebensmittel- markte abgeholsen werden kann, so bedarf es keiner' militärischen Oberleitung, um sie anz-uwenden. Die miß* tärische Oberleitung kann allein es nicht machen, wenn sie solche Mittel nicht zur Verfügung hat. Die Hauptsache ist also nicht, wer helfend und heilend durch­streifen soll, sondern wie es geschchen soll. Bietet sich eiir ausführbarer Plan -dar, so mag er unseret- wegen von einem mit diktatorischer Gewalt bekleideten General verwirÄicht werden. Nötig -wäre das aber nicht, sondern der Reichskanzler und der Bundesrat könnten es auch allein machen. Also was nützt ims die Übertragung der Kommandogewalt auf -die Lebens- Mittelversorgung, wenn jene Gewalt ohne einen leiten- den Gedanken arbeiten soll. Inzwischen wachsen die Schwierigkelten ins Ungeheure. Wer jetzt Abhilfe schaffen soll, -der maß nicht bloß, wie es vor einigen Wochen noch müstich -gewesen wäre, die au- fchwelleuden Preise zum Stillstand bringen, sondern er muH sie beträclMch z u r ü ck sch ra u b e n, und was das sagen will, braucht nicht erst ansgeführt zu werden Die einzig zweckmäßige Organisation wäre die, daß die E r- zeugung der Lebensmittel und nicht ihre spätere Verbreitung — die ältere Nationalökonomie nennt es Distribution — fest angevacki wird. Das rst. wenn man es will und wenn die Not dazu zwingt sehr Wohl zu inachen, aber es läßt sich auch begreifen wenn eine starke Scheu vor diesem äußersten Mittel ob­waltet. Wir wollen es n-ns nicht 'verhehlen, daß eine solche Form der Regelung eine ganz andere Derwirk- Ächung des Sasvattsmus bedeutet, als es die bisherigen

Methoden einer sozialistisch nur erscheinenden Ordnung der Verhältnisse wahrend des Krieges waren und sein könnten. Man käme auf dem angedeuteten Wege in die Nähe sehr gefährlicher Pvoblenie unseres ganzen gesell­schaftlichen und auch staatlichen Aufbaues. Wir -möchten uns niit diesen kurzen Hinweisen begnügen und wir können es auch, weil jeder, der diesen Dingen nach­denkt, alsbald -von selber -daraus kommen wird, was auf dam Spiele steht. Wir wollen nicht sagen, daß ein -anderes Mittel als die zwangsweise d u r ch z u- sührende Regelung der gesamten Güter­erzeugung, -soweit sie mrserer E r n äh r u n g zu di men hat, nicht vorhanden sein solle, aber wir war­ten einstweilen daraus, daß uns dies andere Mittel b e- z eich net wird. Wer im Besitze der erlösenden Formel ist. «der niöge uns nnr ja recht bald an fernem Funde teilnehmen lassen, wir- haben es außerordentlich- nötig. Einstweilen nützt es uns nichts, uns über die heutigen Verhältnisse hinwegtrösten zu wollen, und deshalb kann man dem Professor Rubner nur dafür danken, daß er die Dinge endlich einmal beim rechten Namen genannt hat. Für Vorwürfe ist es jetzt zu spät; was verabsäumt wordm ist, das wollen bür der Vergangenheit überlassen, wir müssen vor­wärtssehen und handeln.

* * *

Der Sleischmangel/

Eine berechtigte Abwehr des Berliner Magistrats.

Br. Berlin, 2. Dcai. (Eig. Drahtbevicht. Z-enf. Bln.) Der „L.-A." schreibt: Ans Anlaß der Beschwer­den der städtischen Bevölkerung über ungeiiügende Flcischversorgung tvar auch von anitlicher Seite in sanf­ter -Weise versucht worden, die öffentliche Kritik von der Negierung auf die Städte, insbesondere auf B e r* l i n, abzulenben. Dagegen setzt -sich jetzt der Magistrat von Berlin ganz kräftig und unmißverständ- l ich zur Währ. Er bringt folgendes zur Kenntnis: Es ist neuerdiiigs wiederholt versucht worden, die großen UiizuträglickBeiten auf dem Gebiete der Fl-eischvevsor- gung mit -Maßregeln oder Unterlassungen der Gemein­den in Verbindung zu bringen. So werden zetzt sogar -die Pveispr-üsimgsftellm für die Mitzstände verant- -N-ortlich gemacht. Die wahreUrsache ist einzig und allem -darin zu suchen, daß der Diehairftrieb aus den städtischen Mirkten bisher in keiner Weise den Erwar­tungen entsprochen hat, die aus die Wirksamkeit der Liehh ä ndl-e rv erb and e gesetzt -wenden mußten. Die Verhältnisse auf dem Berliner -Diehmark-t ibieten dafür ein schlagendes Beispiel. Es springt in -die Augen, wie sehr durch -diesen für die Grohberliner Ge­nieinden völlig unvermuteten Ausfall die Ver­teuerung beeinflußt worden ist. Die Höchstpreisifest- setznng für Rindvieh in Berlin ist in dem sicheren Ver­trauen erfolgt, daß sie diesmal, wo die Zuführung amtlich g -e w ä h r l e i st e t war, nicht -den fönst immer beobachteten Erfolg der Fernhaltung der Ware herbeiführen würde. Aber dieser Erfolg „Fern- hultung der Ware" ist dennoch in -großem Umfange eingetretM. Bei Kälbern -aber, fair die -man, um wenig­stens ein Sicherheitsventil zu haben, Höchstpreise bisher nicht festgesetzt hat, ist die Zufuhr weit über -das -der Sta-dt zugemessme -amtliche Kontingent gewesen. Die Entwickelung der allernächsten Zukunft wird zeigen, ob nunmehr mit einer -der Festsetzrmq entsprechenden un­unterbrochenen Versorgrrng des Großberliner Marktes gerechnet werden darf.

Hierzu schreibt der „L.-A.'st Gegenüber diesen Fest­stellungen hilft nun allerdings -den staatlichen Organm Fein Mundspitzen mehr, es muß gepsiffM fein. Mehr, als Berlin nach den amtlichen Berechnrmgen zusteht und als es -dem verminderten Viehstand des Landes ent­spricht, können -wir nicht verlanqen und wollen wir nicht baden. Aber das, was uns zu-steht, -das verlan­gen wir unbedingt; denn die Großstadtbovölke- rung hat in ihrer großen SDJaffe keine Nahrung s- mittelreserven und ist aus täglichen Ein­kauf angewiesen. Da muß alf-o verlangt werden, daß der Staat, wenn er mit Rocht -die Fleischdertei-lung in die Hand -genommM lsat. auch dafür. sorge, ' -die Maschine in Gang zu bringen.

*

Rationalliberale Anträge zur Lebensmittelversorgung.

Berlin, 3. -M-a-i. istens. Bin.) Die Bertrsler der n-atisn-al- -lwevalsn ReichSt-cigsfnnkti-cin beantragten, wi-r di-e „Kreuzztg." initteilt, im w-intschoftlichen Beirat des Reichstags Bundes- ratSbeschlüff« herbei zuführ-en: 1. wonach di-e Gem-ei-nd-en von -ein-er bestimmten Sj-röße -an n-ach dem Muster München-S ge­halten sin-d, -das Ansamm-eln t> o n Bo rräten von wich­tigen N-ahvun-gsmitteln in den Privatha-irshaltungen zu ver­bieten und zu kontrolli-euen; 2 . den Po st Versand von B u t t -e r und Fleisch -an -di-e Kanfum-snten zu verbieten, bczw. aus di-e chnen zusteheniden Mengen in Anrechnuna z-u -bringeu; 3.-die zw-angswei-se D-urchsühruny von Fleisch- karten unter Anrechnung von Wild und GLflügäl vorzu- nehmen.

Sie llriegrereignisse der zweiten hälfte der April.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

II?)

Auf ihrem -heimatlichen Boden, unserer gesamten Ostfront gegenüber, -haben die RussM weiterhin die a b w -a r t e n d e Haltung beobachtet, die ste nach dem M i ß I i n -g e n ihrer großM Märzofsfenside -amgenom­men h-attM. Nur in der Gegend von Dümoburg lwben ste noch wiederholt, aber erfolglos stärkere Kräfte fair Angrisfsunternchmungen eingeis-etzt. Dagog-eu -hat ein unsererseits -am 28. v. M. zur Verbessermmg unserer Stellung südlich des Narocz-Sees untermo-mmener und siegreich durchgeDhrter Vorstoß ihnen außer schweren blutigen Verlusten einen solckien -van 5600 Gefangenen nebst beträchtlichem Krregsmateria-l zugesügt. Es ist rächt unwährschemlich, daß die Russen nach beendeter Schnee schmelze als-baild mit ihren immer noch Mhlreichen, -durch japanische Hilfe neu -ausgerüsteten, im übrigen aber wenig gehaltvollen Streitkrästen aufs neue zum Angriff -schreiten werden. Aber Erzherzog Friedrich im Süden und Hindemburg im Nor- den -verstehen sich auf das „ltmgruppirren" der Kräfte und vernichtende Geg-emangris-se.

An der italienischen Front mühen -sich die Italiener immer noch vergeblich oder doch nur mit un- bedeutendM -Ersolaen ab, unseren österreichisch-ungari­schen BundesgMosien Fetzen -des heldenmütig verteidig­ten Grenzb-odms zu entreißen. So -ist- es ihnm am 10. v. M. zwar gelungen, -auf dem lange umstrittM-em Gipfel des Col Äi Lama (an der Tiroler Grenze) festen Fuß zu fassen. Dagegen sind sie in den nachso-l- genden Tagen aus b«m Sugana-Abischnitt wieder Ver­trieben worden.

Auf d-em Balkan hat die fast vollständige Waf­fenruhe fortg-edauert, ebenso die Vergewalti­gung -des neutralen Griechenland durch die dort rechtswidrig hausenden Franzosen und Engländer, deren Zahl jetzt -mehr als 300 000 Mann betragen soll. Die neuerdings der griechischen Regierung -gemachte Zu­mutung, die Eisenbahnen des Landes für die Befö-vde- rung der Läglrchen Trümmer des serbischen Heeres von Korfu nack> Saloniki zur Verfügung zu stellen, ist von ihr aus das oesi-immteste zuruckgewieisen worden.

In Armenien haben sich die Russen am 18. April durch geschicktes Zusamnienwirken ihres rechten Flügels mit ihrer SKwarze-Meer-Flotte des einst berüchmten und auch iheute noch -nicht unwichügM Haifonplatzes Tr apezunt bemächtigt. Ihre Mitte -ist bis -auf etwa 40 Kilouieter Estlich von Erzerum, ihr linker Flügel nur um ein Geringes über Musch und Bitlis hinaus gelangt. Und nunmehr 'cheint sich eine Gegenoffensive -der Türken vorzuberestcn (Mjan vergleiche die diese An­sicht bestätigende Meldung dazu a-n anderer Stelle dieser Ausgabe. Schristl.), die augenlschemlsth beträcht­liche Verstärkungen erhalten habmi.

Aus Ägypten waren seit dem an der Westgreuze cbgewiesenen Senussenangrifs keine Kriegsereigrusse gemeldet worden. Um st -überraschender kommst die Nachricht, -daß am 23. April ein Angriff nicht unbeträcht­licher türkischer Streitkräfte, vermutlich -eines starken Streifkorps aus die -Mglilche Greuzstellung bei K a t i a, etwa 50 Kilometer Mich vom nördlichen Teile des Su-es-k-anals, erfolgt ist. 'Nach lebhaftem Gefecht, in dem r:ach üb-ereinstimmendem Bericht beider Parteien der größere Teil eines englischen Kavallerie-R-egimMts in Gefangenschaft -geriet, -sahen sich die Engländer zum Rückzüge genötigt. Auch die Türken scheinen denn vorläufig wieder zurückgegan-gen zu s-ein.

In Mesopotamien ist die fest -längerer Zest vorausgeschene Katastrophe eingetretM: Die seit zwanzig Wochen in Knt-el-Anvara von -den Türken ein- -achchlossene, 13 000 Mann starke englische Truppenm-ach-t unter General Towns-h-end hat, nachdem in -den Tog-M vom 17. bis 19. -April auf ber-dM Usern -des Tigris ncchmals^ unternom-mene Angriffe -des Ents-atzkorps wie- derum geisck>eitert waren, beding-ungslos kapitulieren -müssen. Damrit kann der echt Mglische Versuch, die Ge- leg-enbeit des Weltkrieges zu benutzen, um, die Haupt­aufgabe im wesMtlichen den Bundesg-Mossen über­lassend, für sich einen Pr-ivatvorteil -heram-sM- schlagen, als gescheitert^ bewachtet werden. Die Harrptbedeutung des Eretgnisies besteht aber in dem tiefen Eindruck, den es nicht nur im Orient, fo-ndern ttt der ganzen moha-mmedanif-chem Welt zum Schäden der Engländer und ihrer Freunde machen wird.

Den Oberbefehl in Ddesopotamien und den angren­zenden Ländern hatte der -Sultan seit Januar d. I. un­serem F-eldmars-chall v. d. Goltz-Pascha aus besonderem Vertrauen übertragen. Ihn hat wenige Tage vor dem

•) Vergl. Nr. 204 des „Wiesbadener Tagblatts".