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Verlag Langgaffe S1

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Dienstag, 2. Mai 1916.

5lbend-5lusgabe.

Nr. 204. . 64. Jahrgang.

Ersolgreiche Lustangrisse auf russische militärische Anlagen n. Zlugstationen.

W. T.-B. Berlin, 2. Mai. (Amtlich. Drcchtbericht.)

Am 1. Mai wurden die militärische» Anlage« am Moonsund und von Peru au von einem Marine- lustschifs mit c, u t e m E r f o l g angegriffen. Luftschiff ist unbeschädigt gelandet.

Gleichzeitig belegte ein G e s ch w a d c r unserer S e e- flugzeuge die militärischen Anlagen und die Flug­station von Pap en Holm auf Ocsel mit Bomben und kehrte' unversehrt zurück. Gute Wir­kung beobachtet.

Ein feindliches Flngzcnggeschwader wurde an demselben Tage gegen unsere Marineanlagen in Windau angesctzt, mutzte aber, durch die Abwehr gezwungen, unverrichteter Sache zurückkehren.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Die Ariegrereignisse der zweiten hülste der April.

Bon General d. Inf. z. D. v. Blume.

I.

Berlin, 1. Mai 1916.

Seit der Mitte' des vergangenen Monats ist das Gesamtbild der Kriegslage im wesentlichen un> verändert zckkedeu. An bemerkenswerten Einzel- Vorgängen hat es gleichwohl nicht gefehlt.

Aus dem: westlichen Kriegsschauplatz üben nach wie vor oie Kampfe mm Verdun einen beherrschenden Einfluß auif die Kriegslage aus. Während dort die A r- tillerie chr Zeui'töcuugAoerk -fast ohne Unter­brechung fortsetzte, wurde unsere Infanterie in den beiden letzten Wochen nur einmal am 17. und 18. April, für ein größeres Angrifssunternehsnsn, und zwar auf dem rechten Maasufer, eingesetzt. Im Stnrimangrtff warf sie den Fernd südlich des Gehöftes Hand r o- mont und bei dem Gehöft Thianmont eine an« sehnliche Strecke zurück, wobei chr mehr als 2000 Ge­fangene in die Hände fielen. Außerdem führten zahl­reiche Gegenaug risse des Feindes gegen ver­schiedene Stellen unserer Front bei Verdun zu leiden- fchaiftlicheu, für die Angreifer ergebnislosen und ver­lustreichen Kämpfen. Unser Angriff schreitet svstematisch, daher lang sam, aber sicher fort. Wenn bei den Gegnern auf Grund ider Tatsache, baß wir noch nicht im Besitz 'der Festung sind, bereits von einem Siege bei Devdun gefabelt wird, so kann solche Selbstgenügsamkeit nur zur Steigerung unserer Er­folgaussichten beitragen.

Auf den übrigen Teilen der Westfront ist die Kampftätigkeit lebhafter geworden. Doch hat es sich dabei auch in den letztvergangenen Wochen nur um ö r t- l i ch e Unternehmungen gehandelt, die, bald von dieser, bald von jener Seite ausgehend, ersichtlich den Haupt­zweck verfolgten, möglichst starke Kräfte des Gegners von dem Kampfplatz bei Verdun feruzuhalten. Ar­tillerie-, Minen- und Luftk-ampfe spielten dabei eine große Rolle.

Es sind jetzt fast fünf Wochen vergangen, seit unsere Gegner der Welt laut verkündeten, sie würden uns nunmehr durch übereinstimmende Einsetzung aller ihrer Kräfte den Garaus 'Machen. Aber nach wie vor fiihrt die französische Armee den Entscheidungskampf bei Verdun allein und ahne entlastende Mitwirkung der Bundesgenossen. Man spricht allerdings von bevor­stehender Hilfeleistung durch portugiesische „Elite"- Tvuppen. Auch scheint Frankreich, dessen heimische Menschenkräfte nach Einstellung der 18jährigen sowie der 46- bis 50jährigen Wehrpflichtigen erschöpft sind, mit Beginn >der lvärmeren Jahreszeit wieder einen Teil seiner Kolon,ialtruppen nach d,eim europäi­schen Kriegsschauplatz hecangezoqen zu haben, während ein ariderer Teil dieser Truppen durch Unsicherheit der Zustände in Afrika gefesselt sein dürfte. Endlich haben wir socken die überraschende Nachricht erlhalten, daß am 22. v. M. und an den nachfolgenden Tagen mehrere Schiffe mit russischen Truppen nach Zurücklegung des weiten Weges von W l a d i w o st o k, also nach etwa zweimonatiger Fahrt, in Marseille gelandet sind behufs Vereinigung mit ,dcr französischen Armee. Es kann sich -dabei freilich der Natur der Verhältnisse nach nur um wenige taus-end Mann handeln, die' in der Krieg­führung von Millionenheeren bedeutungslos sind. Ein Muff! Aber Väterchen hat seinen republika­nischen Kindern eine Osterfreude . bereitet. Das ist immerhin ein gemütvoller Zug rn dieser rauhen Kriegs- Keit, wenn auch die Rechnung Wohl Nachfolgen wird.

Nicht entschädigt werden sich aber die Fram- M'en durch alledies für das A u s b ! e i b e n w i r k- amer Unterstützung von feiten der Eng­länder Mlen, und es ist nicht zu verwundern, >bafe darüber in Frankreich trotz der Ltcenge der Zensur mehr und mehr bittere Klagen laut werden. Von Eng­land her sucht man diese Magen durch Hinweis auf die großen materiellen Opfer zu entkräften, die Groß­britannien für die gemeinsame Kriegführung bringe, und ohne welche die Bundesgenossen zur Fortsetzung des Krieges außerstande fein würden. Daraus wird aber neneridings erwidert, daß die materiellen Unter­stützungen Englands die schweren Blutopfer der an­deren um so weniger aufwiegen können, als die Eng­länder sie nicht unentgeltlich, nicht in der früher ge­bräuchlichen Form von Subsidien leisten, sondern sich für sie durch Zinsforderung, Fabvikations-, Handels- :>nd 'Schiffahrtsgewinne überreich schadlos halten. Eng­land wird doch schließlich nicht umhin können, auch Heer und Flotte einzusetzen. (Schluß folgt.)

Der Krieg der Türkei.

Der Bericht des türkischen Hauptquartiers.

W. T.-B. Konstant, novrl, 2. Mai. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Das Hauptquartier meldet: Unsere Unterseeboote jagten in den letzten Tagen an den Küsten des Schwarzen Meeres drei Damprer ans den Strand und zerstörten einen davon durch ihr Feuer vollständig. Sie versenkten ferner vier Segler, die mit Vorräten beladen waren. Nordwest­lich der Stellung von Sobum wurden unsere Unterseeboote von der Küstenstadt S 0 ch a h ans beschaffen. Tie genannte Stadt wurde darauf ebenfalls beschaffen. An der Kaukasus­front mußten die feindlichen Truppen, die am 12. April unsere Truppen angriffen, die westlich Musch bis nördlich v»m Berge Kocma ausgestellt waren, sich nach sieben- stündigem Kampfe zu rückziehen, wobei sie eine Anzahl von Gefangenen in unseren Händen ließen. Der Feind, der in der Stärke von etwa einem Regiment am 15. April eine Abteilung unserer Truppen angriff, die sich im Abschnitt süd­lich von A s ch k a l e befanden, wurde mit B e r l u st e n zu- rückgetrieben, wobei er uns eine große Menge Lebensmittel überlaffen mußte. Der Feind, der in der Nacht zum 17. April den Abschnitt der Höhe 2680 westlich von Aschkale angriff, be­setzte einen von zwei unserer Kompagnien gehaltenen Schützen­graben, der jedoch von uns im Gegenangriff mit dem Bajonett wiedergewonnen wurde. Im Abschnitt von Bit!iS und im Küstenabschnitt keine Operationen. An der Irak- front und von den übrigen Fronten werden keine Ereignisse von Bedeutung gemeldet.

Die Niederlage von Nul-el-Nmara.

Englische Pressestimmen.

W. T.-B. Rotterdam, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Alle Blätter bringen Leitartikel über General Townshends Übergabe und die Unruhen in Irland. Die regierungsfeind­lichen Blätter benützen die Unternehmung in Mesopotamien dazu, das Kabinett scharf anzugreifen. Die „Daily Mail" stellt die Frage: Warum wurde Townshend geopfert? und beantwortet sie dahin, daß die britische Regierung für die verrückte Idee des Vormarsches auf Bagdad verantwortlich gemacht werden müsse. — Die „Morning Post" schreibt, eine Gruppe von Menschen in Eng­land versuche unentwegt, die Schuld für jede Niederlage dem Militär und den Seeleuten in die Schuhe zu schieben. Man dürfe aber keinen Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen, dulden. — Die „Times" erklärt, man habe nicht lange auf einen neuen treffenden Beweis für die unglück­seligen Ergebnisse der gegenwärtigen Kriegsleitung zu warten brauchen. Der Bericht von Kut-el-Amara sei von der Nation mit großem Leidwesen, aber mit dem festen Ent­schluß ausgenommen worden, daß derartige unüberlegte undnichtzurechtfertigendeAbenteuermit ganz ungenügenden Truppcnaufgeboten ein- für allemal un­terbleiben müssen.

Diese Niedergeschlagenheit in Frankreich.

Die englische Führung des Vierverbandes steht ernstlich in Frage!

Sr. Genf, 1. Mai. (Zens. An.l Auf das unaus­bleibliche Schicksal der Armee Townshend hat die Pariser Presse das Publikum Iiimr vorbereitet, doch mit der Erwartung, ein allerletzter Ausfall werde es vieleicht einem Teil der Division ermöglichen, sich zum Entfatzungsheere drrrchzuschlagem. Was die Pariser Regierung ganz be son­ders schmerzlich berührt, ist, daß die den Wevverband so >empfindlich treffenden Verluste im Mesopotamien, und am Naroczsee gerade lvährend der Tagung der intevpckrilamen- tarischem Konferenz erfolgte. Noch während des vorgestrigen Baiiketts wurde seitens der französischen Minister die Hoff­nung ausgesprochen, den Heimreifenidem eine erfreuliche Bot­schaft vom einem der Kriegsschauplätze milgeben zu können; statt dessen nun dieser Epil-rg! Bezeichnend ist, datz im ein­zelnen Pariser Regierungsergauen, namentlich im „Petit Journal", 'das Verhalten Asquiths bemängelt wird. Die sugkische Führung des Bierverbandes steht ernstlich in Frage.

Eine holländische Würdigung des türkischen Sieges.

■W. T.-B. Amsterdam, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Das „Harr- desblad" schreibt - Die Übergabe General Townshends mit seiner Armee an die Türken wird in England tiefem Eindruck machen. Seit Gordon im Chartum und die englische Streit­macht in Amwjeeba kapitulieren mußten, war kein emglifches Heer gezwungen, sich dem Fe-rde zu ergeben. Dieses Ereignis ist von großer Bedeutung nicht nur wegen der Tatsache der Übergabe allein und wegen des moralischen Eindrucks, den es machen wird, sondern auch, weil man nach dem Siege der Russen bei Erserum glaubte, daß die russischen Heere vev. suchen würden, sich Bagdads zu bemächtigen und mit den Engländern zu vereinigen.

Schweizerische Betrachtungen.

W. T.-B. Bern, 2. Mai. <Nichtamtlich.) Der „Steife" schreibt zu dem Fall von Kut-el-Amava: England hat in

Mesopotamien ein Heer von 20 000 Mann etngesetztz opferte aber eine Armee von mehr als doppelter stärke. Militärisch und pMtifch ist das ein schwerer Schlag, der nicht nur die Früchte jahrelanger Anstrengungen zwischen dem Persischem Golf und dem Roten Meere zerstört urd das An­sehen Englands im Orient und Imdien erschüttert, sondern auch den Türken in einem kritischen AugenMck die Handlungs- frei-hsit in starkem Maße in die Hand gibt.

W. T.-B. Bern, 2. Mai. (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Die „Gagette de Lausanne" schreibt u. a.: Die Expedition nach Kut- el--Amava fand vom neuem den Beweis von der Leicht- feitigksit, mit der der englische Genevallstab aus Gering­schätzung des Feindes und ohne genügende Vorbe­reitung Expeditionen unternimmt, die von vornherein ibrem Mißerfolg geweiht sind. Die .Katastrophe von Kut-el- Dmara dürfte das schon wankende Kabinetck Asquith vor dem Parlament in die schlimmste Stellung bringen.

Der Ausstand in Irland.

Die amtliche Meldung über das Ende des Aufstandes.

IV. T.-B. Amsterdam, 2. Mai. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Eine englische amtliche Meldung besagt: Alle Aufständischen in Dublin haben sich ergeben. Die Sicherheit in der Stadt ist wiederhergestellt worden. In den länd­lich e n Gegenden ergeben sich die Aufständischen den fliegen- den Truppenabteilungen. In Dublin hatte man gestern (hier fehlt die Zahl, die in den Londoner Telegrammen durch vier Buchstaben ABBB angedeutet ist) Gefangene, von denen 489 nach England gesandt worden sind. In Ennhs- corthy erboten sich die Aufständischen, ihre Führer und Waffen abzuliefern, falls man den Mannschaften gestatten würde, nach Hause z u rü ck z u k e h r e n. Es wurde ihnen mitgeteilt, daß die Übergabe bedingungslos sein müsse. Sie e r g a b e n sich jetzt. In den Grafschaften C 0 r k, C l a r e, Limerick und Kerry herrscht im großen und ganzen Ruhe. — Ferner meldet das Reutersche Bureau, daß der Rat der Grafschaft Cork, die größte Gemeindekörperschaft in Irland, einstimmig oeschlvsien hat, dem König seine Er­gebenheit auszudrückcn und die Regierung in der Fort­führung des Kriegs zu unterstützen.

Bedingungslose Übergabe der Rebellen.

W. T.-B. Lvndon, 2. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) Amt­lich wird mitgeteilt: Alle Rebellenführer in Dublin haben sich ergeben.

IV. T.-B. London, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Die Über­gabe der Rebellen in Dublin erfolgte, als sie aus dem brennenden Hauptpostamt herausgetrieben worden' waren. Die Truppen, die den Ausgang nach der Sackville- Street besetzt hielten, stellten das Feuer ein. Die Rebellen- sührer näherten sich der P a r l a m e n t ä r f l a g g e. Man schloß zunächst einen Waffenstillstand. Darauf Unter­zeichnete Pearce, der sogenannte Präsident der provi­sorischen republikanischen Regierung, die formale bedingungslose Übergabe. Die Komman­danten aller Streitkräfte der Rebellen erhielten den Befehl, die Waffen n i e d e r z u l e g e n. Abschriften des Über, gabeprotokolls werden im ganzen Land angeschlagen.

Weitere Einzelheiten über die Kämpfe in Dublin.

W. T.-B. London, 2. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) Die Berichterstatter Dublins, die die letzten Ereignisse beschrei- ben, berichten von Versuchen, die unbemittelten Kreise der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Vor­räte, die sich in der Stadt befanden, wurden von den Behör­den angcfordert und die Sendungen aus, England unter die­jenigen verteilt, die sie am nötigsten hatten. Der Vizekönig und Staatssekretär Birrell empfing am Freitags einige Journalisten und teilte ihnen mit, datz die Rebellen sich dar- auf beschränkt hätten, sobald sie ein Haus in Besitz genom­men batten, sich zu verteidigen. Es sei Artillerie aufgestellt worden, um sie zu vertreiben. Birrell sagte ferner: Die Rebellen bilden keine ernste militärische Gefahr. Die einzige Aussicht, die sie hatten, war eine Überrumpelung der Behor- den. Der Berichterstatter, der den Brand des Postamts tzhil-