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Verlag Langgasse 21

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Oienstag, 2. Mai lyls.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 203. . 64. Jahrgang.

Oer Jahrestag von Dunajec.

2. bis 6. Mai 1915.

(Bon unfsnein militärischen Mitarbeiter.)

Wie in ldiessm Jahve idurch unsere Offensive vor ,Der,dun, so bestimlinte rm Ja-Hre 1915 die -deutsche HeereÄeitung Zeit, Ort und Anfang des vorMri-gen FrühlingsseidzugS -durch die DurchöruchSischlacht am änittlerna Dunajec zwischen Tarnaw und Govlice.

Nach -der schiveren Niedeviag-e der 10. russischen Armee inr Februar'1915 setzten die Russen immer von neusin starke Kräfte an, uni ahne Rücksicht auf die schwersten Opfer sich den Zugang durch die Karpachen- pässe nach Ungarn zu bahnen. Tvcktzdem die stärksten Angriffe des Feindes an den Gebirgspässen scheiterten, warf der Gegner dennoch frische, herangehoüe Verstär­kungen in die klaffenden Lücken, unr sein Ziel, den ge­waltsamen Durchbruch uni joden Preis, zu erreichen. Mit Recht wurden die blutigen Karpathenkampie als das Grab -des russischen Leeres angesehen. Unsere Verbündeten und die gon-einsam mit ihnen kämpfenden Truppen der deutschen Südarnvee widerstanden denn furchtbaren Ansturm. Wenn auch die russische Offen­sive zum Stehen -gebracht tvord-m war, so hatte imm-er noch -der Feind -ganz Galizien in seiner Gewalt. Der Verbündeten Heeresleitung kam es daher in erster Linie daraus an, so-üälid wie möglich die russffchen Hor­den vom heimaÜichen Boden zu vertreiben. Ein Vor- * stoß der österreichisch-ungarischen Arniee, welche in der Bukowina stand, schien dieser Ausgabe durch einen Druck gegen die linke Flanke des russischen .Heeres ojm ^ehesten und leichtesten erfüllen zu können. Der Mangel an genügenden Eisenbahnrii, letztere unbedingt not­wendig, um größere Truppenmassen für diesen Flcmken- stoß heranznMren, die schmierigen Mchschubvechölt- nisse, die Möglichkeit, daß der Feind statt in den K a r- p a t h e n p ä s s e n in der i-hm günstigerenTiefebene zum Gegenstoß aushollen konnte, das waren wcchl die Haupt­gründe, um diesen aut den ersten Blick günstig er­scheinenden Plan nicht zu: Durchfiihrung zu lbringen. Die deutsche Frühjahrsosfensive suchte sich da­her eine andere Stelle aus, wo der Feind -sicherer ge­troffen wurde und -das Ziel, die Befreiung Gali­ziens, ebenfalls zu erreichen war. So wählt? die verbündete Heeresleitung als Durchbruchsstelle den mitt­leren Dunajec, einen südlichen Nebenfluß der Weichsel. .Hierbei leitete sie neben der Wieder?roberung des Hemnatbodens vor allen Dingen der Gesichtspunkt, daß bei einem Weitevschretten der Offensive die deutsch- österreichischungarischen Strejtkräfte in die Flanke des russischen Heeres und seiner starken polnischen Festungen gelangen konnten. Der Plan war ein außerordentlich großzügiger und wie die späteren Ereignisse gelehrt haben, die Grundlage für die unvergleichliche n Erfolge aus den: östlichen Kriegsschauplatz -während des vorjährigen -Svimim-ers.

Völlig überrasch-nd für den Feind, sanmnolten sich Ende April starke Truppen der Berb-ündeten 'in Westgalizien. Unter -dem Beischi des Geueralseld- NNvschalls v. Mackensen wurde eine neue. Armee ge­bildet und zum Angriff bereit gestellt. Ans -dem rech­ten Flügel stand die Heeresgruppe des österreichffch- ungarffchenGenerals Boroevic, aus dem linken die­jenige des Erzherzogs Joseph Ferdinand, zwi­schen beide hineingeschoben die Heeresgruppe Macken­sen. Das schwierige Unternehmen wurde bis in die kleinsten Einzelheiten glänzend vorbereitet. Auf neu- geschaffenen Knüppeldämmen, sogar auf Tragtieren schaffte man die Unmengen von Munition für die Batterien heran. Die vorzügliche Arbeitsleistung un­serer Eisenbahnen trug nicht Geringes dazu bei, -daß die Vorbereitungen in vollem Um-fange sich ohne Rei­bungen vollzogen. Eine ausgedehnte Fliegertätigkeit, bc-günsttgt durch lochenden Sonnenschein, zeigte unserer Artillerie die stark ausgebauten, an besonders wichtigen Gsländspunikten s-ogax bis zu sieben Schützengraben- rechen bi-nteveinander liegenden, Schützengrabenlinien ber Russen. Nach kräftiger Artillerievorberottnng am Nachmittag des 1. Mai legten die Geschütze in der Nacht auf den 2. Mai eine Feuerpause ein, welche die Pioniere zum Durchschneiden der sernd-lichen Draht­hindernisse benutzten. Am 2. Mai, 6 Uhr morgens, setzte nochmals «in überwältigendes Artillerie- feuer aller Kaliber ein, um 10 Uhr schwiegen die Feuer- schlünde und wn gleichen Augenblick stürzten sich die Schwarmlinien und Sturmkolonnen der Angreifer auf Vie feindlichen Stellungen. Die Russen waren an «UHÄnen Ltellen durch das schwere Feuer unserer Ge- Mtze -derart erschüttert, daß sie vielfach sehr aeringen Widerstand entgegensetzten. Nur an den starken Stütz­punkten der Fvisdhofshöhe bei Gorlice, auf den Höhenstellungen östlich des B i a l a s l u s s e s, wehrte mH -der Gegner bis zum äußersten. Das gewalttge iSchlachchfcld wurde auch bei Nacht durch -das Flamjmen- K»eer erleuchtet, welches aus den brennenden ILaphtha»

quellvn >bei Gortice gen Himmel loderte. Eine tltauch- säule von mehreren hundert Meter erhob sich -Wer den Erdboden. Bayerische, schlesische, preußische und öster­reichisch-ungarische Truppenteile stürmten -Schulter an Schulter die -feindlichen Höhcnstellungen und entrissen an einzelnen Stellen sieben hrntereinandergelsgene, stark ausgebaute und erbittert verteidigte Linien -den Russen, Das ungestüme Vorwärtsschreiten des An­griffes -hatte zur Folge, daß der Feind gar keine Zeit mehr -hatte, srrsche Truppen heranzuziehen und -dadurch den stampf erneut aufzunehmen. -So wurde -ununterbvochey auch am 3. Dtai uim -die Üiber- oänge über -den Wislakaflutz gekämpft. Trotz des Gin- fatzes starker Reserven fiel auch dieses Hindernis in die Hände -der Angriffsttuppen. Am Morgen -des 5. Mai meldeten die deutschen Flieger den planlosen Rückzug -des Feindes von der Wisloka in östlicher Richtung -aus die Brückenköpfe des Sau. Der .Feind besaß nicht mehr die Kraft, die starke Wislokalinie zu ver­teidigen. Als Folge -des taktischen Durchbruchs -machte sich auch schr -bald die st r a t e g i s ch e Auswirkung -des herrlichen Sieges ans der Karpathenfront bemerk­bar. -Schon in der Nacht voni 4. zum 6. Mai säh sich der Feind genötigt, ans der ganzen Front zum fluchtartigen Rückzüge nach Norden anzntreten. Er war sich wohl bewußt, daß jedes weitere Verweilen zu einer Katastrophe durch Abschnei-dung der russffchen Karpathentruppen führen mußte. Während die deut­schen Karpath-enkämpfer den Vorniarsch nach Narben antyaten, schwere Verwirrung und Verlrffte in die Reihen des Gegners brachten, gewann Mitte und linker Flügel der Armee Mackensens am Nachmittag des 6. Mai nach heftigen Kämpfen an den Brückenköpfen das jenseitige Ufer der Wisloka. Am Mend dieses Tages wurde die Stadt Tsrnow am mittleren Dunaj-ec von uns erobert. sDer Feind sah sich nun ge­zwungen die ganze Dunajeclinie bis zur Ein­mündung in die Weichsel zu räumen. Während schon einzelne Teile um mehr -als 30 Kilometer über den Dunaj-ec hinaus weiter vorw-ärts stürmten, war noch tagelang im Rücken dieser -vorgeschobenen Verbände an den nördlichen Punkten des Dynajecs heiß gerungen worden.

Die g-ewältige Durchbruchsschlacht zwischen Tarnow und Gorlice kann mit -dem 6. M a i als beendet -an­gesehen werden. In -diesen 3 Kampftagen waren die russffchen Stellungen ans 160 Kilometer Front­brei te nicht nur durchbrochen, sondern auch zum Stückzug gezwungen worden. Auf der ganzen Linie wnride -die Bevfolgun-g in den nächsten Tagen weiter -au-sgenomni-en. Sie zeitigte hier -wie -vor der -deuffchen Karpa-thenlinie -die herrlichsten Früchte. Die -Versol- gungskämpse bis zum 10. Mai brachten 140 000 Ge- sangestb, 100 Geschütze und 300 Maiscksinengewehre ein. Die Grundlage für die späteren Siege bildete je- drch die Durchbruchsschlacht am Dunajec vom 2. bis 6. Mai. Sie bezeichnete auch den Anfang -des Sommer­feldzuges, welcher schließlich ösüich Wilna und Mich -der po-lnffchen Festungen 'ein n,-hmreiches Ende -fand. Ohne jenen Sieg -anr Dunajec wäre der Angriff und die Vemichtnng der russffchen Festungen und Heere niemals so schnell und gründlich erfolgt.. Den genialen Leitern dieser stsgveichen -Schlacht un-d ihren kampf­erprobten Truppen -gebührt das große Verdienst an die­sen unvergänglichen Siegen. Unvergessen bleibt -daher auch das Andenken an jene große Tat, an diesen Wen-de- pumkt aiff dem östlichen striegsschauplatz zugunsten der Zentvalmächte. Ohne die Siege am Dunajec hätten wir die HeMfftürme der Franzosen und Engländer im Jahre 1915, -die Winter- imd Frühjahrsoffensiven -der Russen in diesem Jaihre niemals -so siegreich abwehven können. Nom militärischen Standpunkt aus ist diese 'Durchbruchsschlacht als größte a-uf diesem Gebiete zu be- N-erten. Sie seigt uns einen frontalen Durch­bruch verbunden mit der A u f r o l l u n g der feind­lichen Fvontlinie, eine Verbindung des Napoleoni- schon DurchbvuchsgedankMs mit Moltkescher Fliüachumfasstmg.

Als wichtiges Hiffsmittel stellte die deutsche und österreichffche Heeresleitung bei der vorjährigen galizi- scheu Schlacht wiederum die Überraschung in ihren Dienst ein. Die beiden Namen Dunajec und Verdun sind wohl die bsdeutungsvollsten Merksteine in dem getvaltigsten Ringen der Völker Europas. M.

Der Krieg gegen England.

Ein englischer Dampfer versenkt.

W. T.-B. London, 1. Mai. (RichtamLich.) Lloyds meldet: Der englische Dampfer „Deal" ist versenkt worden. Er war unbewaffnet. -»

Die Minengefahr

auf der englisch-holländischen Fahrt.

Amsterdam, 1 . Mai. Das „Handelsblad" meldet: Das Dampffchrff „Drechteland" passierte auf dem Weg vom eng­

lischen Kanal nach A m u i d e n zwischen Schaufenbank und Scheveningen nicht weniger als 33 Minen. In Umuiden angekommene Dampfschrffboote melden, daß auf der Höhe von Scheveningen 12 Minen ganz nahe bei­einander liegen. Durch das vor Dmuiden kreuzende Datnpfschifflotsenboot wurden wiederum zwei treibende Minen unschädlich gemacht.

Die neue Verschärfung der inneren Krisis.

W. T.-B. London, 1. Mai. (N-i<hdamLjch„) Der parlarnen- tavffche Mta-rbeiter -der „Di-mes" schrei-b-t: Die R-ekr-utierun-gS- kuise Hot eine akute Form cvngenoawme-n. Der Vorschtäg des Kmnpromtsjss war für die Mehrheit der Mstnist«: Sine iwllige Üverraschiuntz, Mvohl sie über die Steltumg des Uribsr- haaifes gegen -die Bill gewarnt worden -waren. Säe waren daher a-uf die neue Lage ganz unvorbereitet. Jetzt -haben sie .Meder k-eime P-olttit. Sicher ist, daß -die Regierung am Diens­tag ein sehr viel kritischeres Unterhaus finden -wirb als seit Monaten. Gin ?l-n-trag ist eingeibvacht, der die Absetzung des Bizeköni^s und des Süiatssekretärs von Irland verlangt.

Die „Timies" sagt in einem LeitarMel: Die Ablehnung der Regierungs-bill war der schwerste Schlag, den die Negie­rung bisher er-haltem -hat. , ...

Oer Kufstand in Irland.

Die Lage in Dublin. — Ein Waffenstillstand.

Eine Bekanntgabe des Generals Maxwell.

Di-. Amsterdam, 1. Mai. (Gig. D-raihtibericht. Zeus. Bln.) General Maxwell, der Oberbefehlshaiber in Irland, Mbt bokan-ntz daß der Aufstcmd in Daobl-in im Ersticken be» grtffen sei. Jmr -ganzen wurden über 7 00 Gefangene gemacht/ Dagegen sind die AusstämIdischM noch im Besitz von Enniscorth i-n der Graffchaft Wexfovd. Jnsvnteoie. Kavallerie und eine starke Artillerie-rbteilung sind hier tm Aumarsch. Gi-ne Aufforderung zur Mevgabe an die Aufstän­dischen blieb erfolglos. Vorläufig trat sin kurzer Waffen­stillstand ein. Aus Easiburn -und Caübwah sind Vertreter der Aufständischen -in Dublin eingetvoffen, um mit General Maxwell zu verhandeln.

Die Schilderung eines Mugenzengen.

Das ruhige, besonnene Borgehen der Aufständischen.

Br. Haag, 1. Mai. (Gig. Drahtbcricht. Zems. Mn.) „Daily Chvcmiclie'ZIbringt den Brief eines Mannes, der während des Aussta-ndes in Dwbli-n war. Gr schreibt: Es machte einen sonderbaren Eindruck, d-rß das Leben während des Kampfes in der City in den äußeren Stadtteilen nicht wesentlich gestört wurde. Die Anfrü-Hrer ließen sich mir Lebens­mittel zur Verproviamtieruna ihrer Stellungen i-n der Stadt geben-. Der Gewährsmirnn wanderte aus einer Sei-kenstvwße aus Dublin nach Quenstown, wo ihm ein von Cnollh für die Republit vom Inland unierzeichneter Paß -gezeigt wurde, -der dem Träger d'« ungestörte Bewegung in Dublin erlaubte. Aus Cork und Little wird gsmöl-det, daß die Sinnfeiner zwar aus DuMn Unterhändler sandten, -um die Sinnseiner Bewegung in der Pvovinz mitzuziehen. Die Unterhändl«: seien aber in jenem böiden Städten abschlägig beschieden wanden.

Der schwerste moralische Schlag für England

I-. Berlin, 1. Mai. (Eig. Meldung. Jens. Min.) Bon miner bes-ondeven Seite wird uns gesagt, -die ivische FreiheNsike- . w«Mlng, über deren Umfang wir gewiß erst später die volle Wahrheit erfah>ren werden, ist der schwerste moralische Schlag, der England in diesem Kriege treffen konnte. Die deutsche Presse hat sich bei Besprechung -dlcses Ereignisses jeder Übertrerbwng fern ge-hqlten. Tiber überall in der W<t, wo man sich ein unabhängiges Urteil bewahrt hat, wird -die Tatsache, daß der erste Aufstand nicht in dem bedrohten Paris oder in dem gckn-u-teten Rußland, sondern -in dem s-slbst- bewuhten Großbritannien a-nSbrach, tiefen Eindruck hervr«» rufsn. England, das sich als der Champion in der Vertei­digung der kl-einen Völker hin-stellte. ja, damit s-einün Eintritt in den Krieg begründete, fwi in den zwölf Jahrhunderten seiner Oberherrschaft über Irland sich nrcht -die Herzen des zlrangsweise angegliederten Jnselvolkes zu erringen gewußt. Esin B e d r ü ck u n g S s y st e m , die Wegnahme deS den Iren gehöhenden Landbesitzes verursachte die Auswanderung, in der die irische BevMecu-ng von etwa 8 Millionen im Jahre 1844 auf 41/2 Millionen hevumtersan-k. Einst verfocht Frank­reich die Interessen seiner Glaubensgenossen im Norden, heute schweigt es, da England ihm die Beföei-iMg der Elsaß- Lothringer -versprochen hat. Aber nicht etwa in Elsaß-Loth. ringen, sondern in Irland erheben sich die Unterdrückten. Di« Iren, die überall, insbesondere i-n Amerika «ine Zu­fluchtsstätte fanden, weiden dafür sorgen, daß sich der Wer- verbvnd nicht länger auf das .hochgepriesene Nationalitäten- prinzip beruft. Mit diesem Prinzip -lassen sich die Greuel der Straßenlämpse von Dublin uicht in Einklang bringen.

Die Jrenbewegung in Amerika.

W. T.-B. London, 1. Mai. lNichtamtlich.) D.e „Times" weist auf die Kraft der englanidfei-ndlichen Bewegung der Iren in AjmeMa hin. Im Mürz sei in New Uork eine Versamm­lung der Iren abgehaltrn worden, die sich „Kontention der irischen Nation" nannte. Sie war die größte Jvsn-vcmamm- lung, die jemals gehalten wurde. Die vornehm-sten B-lätter khr Iren Ainevi-kas, die „Irish Wiovld" und „Gael.c Ameri­can", -hätten die Engländer immer -heftig beLstnpft. Die Freu in New Aorl hätten Vevmntlich durch ein Chiffre!r-egnam-m