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Verlag Langgasse 21

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Sonntag. 30. 5lpril 191b.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 201. . 64. Jahrgang.

Nut - el - Kmara gefallen!

Ueber 13 vüv Engländer gefangen!

ÄMIA UM m MlM. - 5600 Elfii gefangen.

Das klägliche Ende der großen englischen Expedition gegen Bagdad.

W. T B. Großes Hauptquartier, 29. April. (Amtlich. Drahtbericht.) Die in Kut-el- Amara eingeschlossene englische Truppenmacht hat sich den tapsere» türkischen Belagerern ergeben müssen. Mehr als 13 890 Mann sind kriegsgefangen.

Oberste Heeresleitung.

Bedingungslose Kapitulation.

W. T B. Konstantinopel. 29. April. (Nicht­amtlich. Drahtbericht.) Wie der Vize- generalissimns der osmanischen Armee mel­det, hat die englische Garnison »on Knt-el- Amara, die aus 13 300 Mann unter dem Beseht des Generals Townshend besteht, be­dingungslos kapituliert.

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Kut-el-Amvva gssallsn! Das ist eine Botschaft, die, wenn sie auch erwjardet inenden konnte seit geraumer Zeit, bei uns m Deutschland ebeniso große Freude aiuSlösen wird wie in der treu verbündeten Türkei, die nach dem großen Siege an den .Darda­nellen .nun einen zweiten herrlichen Woffen­er folg zu verzeichnen hat. der den Verlust des Hun­derte von Kilmnctern von jeder Bahnlinie gelegenen Erzerum viel mehr als wettmacht. Den Em.gländerri kommt eine Hiobspost nach der anderen! Sie haben in dieser Woche unsere deutschen Schlachtkreuzer wieder an der Knfte des „meerbeliernschenden" A'lb.ion zu spüren velvnmuen, unsere Luftschiffe sind wieder am Werke, sie haben soeben im Mittelmeer ein großes Panzerschiff verloren und nun kämmt mitten in die Unruhe über den Aufstand in Irland, an "dessen sehr ernstem Gharakter nun doch wohl nicht mehr zu zwei­feln ist, die Nachricht, .daß das mit so diel Tamtam in die Wege geleitete Unternehmen gegen Bagdad ein Ende gefunden hat mit einer v o l l st ä n d i >g e n Kata­strophe! Wie muß den Leuten tu London, die die ungeheure Blutschuld dieses Krieges mit in .erster Linie auf dem Gewissen haben, wohl zumute fein im diesen Tagen! Kul-el-Amaras Schicksal ist ein furchtbares. Menetekel, ein Mammen zeichen an der Wand, das ebenso sehr, ja, mit .der Rückwirkung aus I nd ien, noch mehr als das Tardanellenfiasko .den Zusammenbruch des englischen Ansehens im Orient ankün­digt. In unsere große Freude über diesen Ausgang nnischt sich nur ein Gefühl.der Trauer darüber, daß es dem bewährten deutschen Oberbefehlshaber an der Jraksront, unserem trefflichen, in der Türkei »lerch tone bei uns geschätzten Faldmmschall Freicherrn d. d. Goltz, nicht mehr vergönnt ist, diese Krönung terner dortigen Arbeit zu erleben. Aber dies Gefühls- Moment der Pretät ändert nichts an .der gewalti- gen militärischen und politischen Beden- tung .der bedingungslosen Kapitulation von 13 000 Engländern in Mesopotamien!

Es handelt sich in der Tai auch dort um .das An- sehen Englands in der Welt. Während ld-ie Russen sich in Persien immer weiter an die englische Interessensphäre und den Ausgang zum Persffchen Golf heramfchiäben, schelten englische Matter noch von Ent- satzmöglichkeiten der in Kut-el-Amara seit Monaten Ein- geschlossenen durch russische Truppen! Aus dieser Der- Aendung wird es jetzt ein jähes Erwachen geben. Die fmhere verfrühte Freuds über den „nahe >bevorstshen- «n Fall" Bagdads weicht der Erkenntnis von einer der Srößten Niederlagen in Englands Kolonial- Enege n. Gewiß war Bagdad vor einiasn Monaten «Wkch bedroht. Da Uber scharf die Tapferkeit unserer

türkischen Freunde den britischen Angreifern die emp­findliche Niederlage von Ktestphon, nach der die Ein­dringlinge in regelloser Flucht talabwärts getrieben wurden bis in die .vorbereitete Ausnahmestellung von Kut-el-Amara, dessen Name nun g e s ch i ch t l ich d enk- würdig geworden ist. Die schleunigst herbeigeschafste Cntsotzarmee hat trotz .aller Bemühungen nicht.vermoM, den Erngeschlossenen Rettung zu bringen, alle Angriffe scheiterten an .der zähen Tapferkeit der Türken; ein letzter Verpr.oviantrerungsveriuch mit einem Dampfer auf .dem Tigris,, schlug kläglich fehl. Fetzt aber hat sich .das Schicksal der Eingeschlossenen, die sich anscheinend bis zur letzten Möglichkeit tapfer.gehalten haben, doch erfüllt. Beding u n gslofe Kapitulation von mehr als 13000 Engländern! — Es knistert gefährlich im Gebälk .des englischen Weltreichs und nicht mehr fern ist der Tag, ,wv das gemeinste Volk Europas von der Strafe ereilt werden wird, die es vor der Geschichte vertvirkt hat.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Südlich des Darocz-Sces machten unsere Truppe« gestern einen Vorstoß, um die am 26. März zurückge­wonnenen Beobachtungsstellen weiter zu ver­bessern. Über die v o r dem 20. März von uns gehaltenen Gräben hinaus wurden die russischen Stellungen zwischen Stanarocze und Gut Stochovce genommen. 5600 Gefangene mit 56 Offizieren, darunter 4 Stabs­offiziere, 1 Geschütz, 28 Maschinengewehre, 10 Minen­werfer sind in unsere Hände gefallen. Die Russen er­litten außerdem schwere blutige Verluste, die sich bei einem nächtlichen, in dichten Mafien geführten Gegenangriff noch stark erhöhten. Der Feind vermochte keinen Schritt des verlorenen Bodens wieder zu gewinnen.

Unsere Luftschiffe griffen die Bahnanlagen bei Wenden und an der Strecke Dünabnrg. R i c z h c a an.

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Ein neuer Erfolg hindenburgs.

Auster 5600 Gefangenen am Narocz - See 1 Geschütz, 28 Maschinengewehre und 10 Minenwerser erbeutet. — Neue Erfolge gegen die Engländer. — Französische Gegen­stöße an der Höhe „Toter Mann" abermals gescheitert. — Oberleutnant Boelke schießt sein 14. Flugzeug ab.

Der Tagesbericht vom 29. April.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. April. (Amt­lich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf der Front zwischen dem Kanal von La Bass 6 e und A r r a s andauernd lebhafter, für uns erfolgreicher Mncnkampf. In Gegend von Giveuchy-en- G o h e l l e machten wir neue Fortschritte und wiesen zwei dagegen angesetzte starke englische Handgranaten- angrisfe blutig ab.

Im Maasgebiet sind abermals französische Gegenstöße an der Höhe „Toter Mann" und östlich da­von zum Scheitern gebracht worden.

Unsere Abwehrgeschütze holten südlich von Moron- velliers (Champagne) einen französischen Doppel­decker herunter. Seine Insassen sind tot. Oberleut­nant Boelke schoß südlich von Vaux das vier­zehnte feindliche Flugzeug ab.

Balkankriegsschauplatz.

Die Lage ist unveräudert.

Oberste Heeresleitung.

Russische Vorstellungen an der Jkwa ge­nommen. — Ein Fliegervorstoß gegen italienische Bahnhöfe.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 29. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. April, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Nördlich von M l y n o w an der I k w a warfen Ab­teilungen der Armee Erzherzog Joseph Ferdinand den Feind aus seinen V o r st e l l u n g e u. Es wurden ein ruflischer Offizier, 180 Mann und 1 Maschinengewehr eiaqebracht.

Sonst die gewöhnlichen Geschützkämpfe.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern nachmittag hielt der Feind das Plateau von D o b e r d o und den G ö r z c r Brückenkopf, sowie ein­zelne Ortschaften hinter der Front unter lebhaftem Ge­schützfeuer. Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe von Gormans und San Giovanni di Meu- z a » o mit schweren Bomben.

Auch an der D o I o m i t c n f r o n t war der Ar- tilleriekampf stellenweise zieuüich heftig. Am Col di