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12 Kusgaben.

Fernruf:

„Tagtlatt-Hans" Nr. 6850-Sll.

Bon 8 Uhr morgend bis 8 llhr abends, außer Sonntag«.

,_Mke« für die in einheitlicher Satzsormr

Anzeigen: 80 Psg. für alle-.... —,-,---. ■ _

ReNameu. «anze, halbe, drittel und viertel Setten, durchlaufend, nach besonderer Be«chnnn> Bei »»überholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in furzen Mvijchenräumen ent,brechender Na

»Ragk"ü^"M7r'ae?«u^"is"^ BerlinerSchriftleit«»«desWirsbadeuerTqgbllltts: Berlin^.. PotsdamerStr.121L. Feruspr.:AmtLütz»»63V2».6203.

Samstag, 29. April 1915.

Morgen»Ausgabe.

Nr. 199. . 64. Jahrgang.

m aNfe SMM „Weil“ im Ittelmtet«lue mW'.

Gn neuer Verlust der englischen Zlottr im Mittelmeer.

W.T.-B. London, 28. April. (Nichtamtlich. Dvccht- bericht.) Die Admiralität teilt mit, daß das Schlacht­schiff „Rnssell", das die Flappe des Konteradmirals Fremantle führte, im Mittelmeer auf eine Mine gestoßen und gesunken ist. 124 Mann werden vermißt, {»76 wurden gerettet.

Das Schlachtschiff „Russell" maß 14 220 Tonnen und war mit vier 30,5-Zentuneter-, Mols 15,2-Zentimeter- und zwölf 7,6-Zentimeter-Ka nonen lhewaffnet und .hatte -1 Torpedvlcmcierrohre. Seine Gsschvirndigkert betrug 19% Knoten.

Veutschland und Amerika.

Biel hoffnungsvollere Stimmung in der Berliner amerikanischen Kolonie.

Ein vollkommener Stimmungsumschwung.

L. Berlin, 28. April. (Eig. Meldung. Jens. Bln.) Das Merkmal des heutigen Tages in der amerikanischen Krise ist ein vollkommener Stimmungsumschwung in den hiesigen amerikanischen Kreisen. Während noch vor einigen Tagen Pessimismus obwaltete, die Koffer gepackt wurden und ein Teil der amerikanischen Kolonie bereits die Reise an trat, sagte uns heute eines der einflußreichsten Mitglieder der amerikanischen Handels­kammer, sichtlich erleichtert, daß seine Landsleute die Koffer wieder ausgepackt hätten und die Abgereisten zum Teil nach Berlin zurückgekehrt wären. Nach seiner An­sicht habe man in Deutschland der Note Wilson-Lansing eine Auslegung gegeben, die doch über die in Washington ge­planten Ziele hinausging. Der rinflußreiche Amerika­ner bestritt energisch, baß man drüben einen „Match" mit Deutschland „riskieren" wolle, und daß die öffentliche Meinung Amerikas in ihrer Mehrheit von kriegeri­schen Gelüsten beseelt sei. Seit Botschafter Gcrard in bas Hauptquartier abgcreist ist, hat man hier die Ge­wißheit, daß die deutsche Anttvortnote die Möglichkeit zu einem Ausgleich bieten wird. Im Großen Haupt­quartier, wohin auch, wie gemeldet, zur Mitwirkung der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Capelle gereist ist, hat man die Grundzüge der Antwortnote bereits festgelegt. Wie das „B. T." hört, ist anzunehmen, daß sie in der ersten Hälfte der nächsten Woche in Washington überreicht werden wird. Wann Botschafter Gerard nach Ber­lin zurückkehrt, steht noch nicht fest.

Oer Flufstanö in Irland.

Vollständige Absperrung der irischen Parlamentsmitglieder von Irland.

W. T.-B. Amsterdam, 28. April. (Nichtamtlich.) Einem hiesigen Blatt wird aus London berichtet, daß die irischen Abgeordneten vorläufig keine Möglichkeit haben, sich mit Irland in Verbindung zu setzen, und deshalb nicht in der Lage find, über die Unruhen in Dublin, die sie völlig über­rascht haben, irgend welche Aufschlüsse zu geben.

Aufhebung der irischen Geschworenen­gerichte.

Brrrells Abreise nach Dublin. — Neue Unruhen in der Umgebung Dublins.

Br. Haag, 28. Apoll. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Ein körttcMchlsr Erlaß hebt vorübergehend die Verhandlungen von Kapidalvsübvschen durch Geschworen« in Irland auf, so daß .die Anklagen wegen Aufrührs, Verkauf und Einfuhr von Mafien und ähnlichem nur durch den EingSlrichier, der fast immer Engländer ist, ohne Geschworene adgeurteilt webden. — Der Minister für Irland Birrell ist Mittwoch- nacht nach Dublin äbgeceist, in Begleitung von drei ameri- lanfichen und mehreren Londoner JmrrncÄisten, damit sie die Lage persönlich prüfen können. — Aus London wird ge­meldet, daß, trotzdem die Dublin er Garrrisan durch Truppen aus Belfast uttd England verstärkt worden waren, es^ am Dienstagmorgen noch nicht gelungen war, die Sinn- fein aus den von ihnen besetzten Gebäuden, Post und Tele- gräphenamt, Rathaus und Gerichtsgebäude und zwei Eisen­bahnstationen zu vertreiben. Erst spät abends gelang es -den Trupps», einen Teil der Stadt von >den Aufständischen zu säubern. Aus der Umgebung von Dublin werden van neuem ss»««hen gemMtot, d« men ernsten ©jaatäcr tragen.

Das Verlangen nach der Erschießung Sir Roger Casements.

W. T.-B. London, 28. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Unterhaus: Pemberton Billing fragte, nachdem Birrell die Mit­teilung über die Revolution in Dublin gemacht hatte, ob der Premierminister dem Parlament und der Nation die Versicherung geben könnte, daß C a s e m e n t sofort erschossen würde. Asquith erwiderte, diese Frage hätte in diesem Augenblick nicht gestellt werden sollen.

Eine Todesdrohung gegen den englischen Botschafter in Washington zur Behandlung Sir Roger Casements.

Br. Rotterdam, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.)

Der englische Botschafter in Washington erhielt, einer Reuter depesche zufolge, einen anonymen Brief, worin er mit dem Tod bedroht wird, wenn Sir Roger Cafe- ment anders behandelt werden sollte als gewöhnliche Kriegsgefangene.

Scharfe Angriffe auf die Negierung und virrell insbesondere.

Die Mundtotmachnng der Preffe.

Nr. Amsterdam, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die Kabinettsverfügung, die den Zweck hat, der englischen Presse einen undurchdringlichen Maulkorb an­zulegen, hat diese Abfickt gründlich erreicht. Die heute eingetroffenen englischen Mätter wagen nicht, zu mucksen. .Lstmes" und „Daily Mail" rücken die irische Frage redak­tionell selbständig in den Vordergrund und helfen sich durch Angriffe auf die Regierung. ,,Daily Mail" sagt: Gestern habe sich gezeigt, warum die 23, womit das Kabinett gemeint ist, so angestrengt die Wahrheit verbarg. Roch nie­mals hat so eine Regierung sich verteidigt. Birrell entschul­digte sich, er sei nicht in Dublin gewesen und nicht gewarnt worden. Er wartete auf ein Warnungstelegramm der Sinn fein. Drei Tage vor dem Aufstand? Tatsache sei, daß die Minister zu beschäftigt gewesen feien, das nationale „Unglück", ihren möglichen Sturz, zu verhindern, als datz sie sich um anderes kümmern konnten. Lord Middleton sagte im Oberhaus, viele Offiziere seien am Aufstandstag zum Wettrennen in der Nähe von Dublin gewesen und von Aufftändischen auf dem Rückweg gefangen genommen worden. So etwas sei, so fährt die „Daily Mail" fort, nur bei der Regierung der 23 möglich. Hätten die Zeitungen veröffentlichen dürfen, was sie um Sonntagabend w u tz t e n, dann wären die Behörden vielleicht noch zeitig aus der Schlafkrankheit erwacht. Aber die Regierung habe der Presse jetzt einen Maulkorb angelegt und der Wachhund kann nicht mehr bellen. Birrell mag ein ganz netter alter Herr sein für einen Kaffeeklatsch, die Re­gierung Irlands aber gehört in starke Hände. Wie gesagt, wagt kein anderes Blatt diesen Ton, man mutz ab- warten, wie das der „Daily Marl" bekommen wird. Von seinem Londoner Gewährsmann weih der Berichterstatter der „Voff. Ztg.", daß einige Journalisten bereits zu Gefäng­nis st rasen verurteilt sind, weil sie die dehnbare Kabi­nettsverfügung übertraten. Es scheint sich also ein Kampf zwischen North cliff und Asquith über die Verfügung anzubahnen. „Times" sagt: Das Parlament und das Land würden eines Tages Rechenschaft fordern. Inzwischen sei es gefährlich, BirrellimAmtzulassen. Er müsse entlasten werden, genau wie ein General, der seine Pflicht nicht erfüllt. Im Parlament ginge es gleichfalls nicht ohne scharfe Angriffe gegen die Regierung ab. Lord Middleton be­tonte, die Regierung habe Dienstag erklärt, sie sei Herr der Lage, er habe aber Nachrichten, datz die Rebellen nicht nur ganze Stadtteile besetzt halten, sondern datz sie durchaus auch nicht vertrieben werden können. Die Bewegung sei der irischen Regierung wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen.

W. T.-B. London, 28. April- (Nichtamtlich. Drahtüvricht.) Der „-Manchester Guardian" bezeichnet den Ausbruch der Rebellion in Dublin als einen äußerst unangenehmen Zwischenfall. Das Blatt kri-ttstevt, daß die Regierung J-olands ui vevschiedemiem Fällen wider den Rat der NationaLsten- portet, ohrie sie zu befragen, gehandelt !habe. Dadurch habe sie die Autorität der Partei untengocvbsn, auf dereir Mit- wirkuryg die Regierung angewiesen sei. — Ms Birrell im Unterhaus seine Mitteilungen über die Rebellion machte, war von den irischen Führern Redmond anwesend. Es wurde bemerkt, laß sich die irffchen Abgeordneten schweigend verhielten,

W. T.-B. London, 28. April. (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Der „Daily Telegraph" meDet: Die Nachricht von der

Rebellion in Dublin wurde gestern früh durch Reisende aus Irland horübergebracht. Sie sprach sich vormittags in der Stadt herum. — „Daily Ehvaniole" schreibt: Di« Mitteilungen des Staatssekretärs für Jrlaitd im Pavtameut waren für das Haus eine vollständige Überraschung. — „Daily RewS" meint, mau werde natürlich fragen, ob die BoweglunK

die zu der Rebellion geführt hat, im letzten Jahr mit ge­bührender Energie behandelt worden ist. — „DaÄY Mail" führt aus: Dieser kolossale Fehler der Regierung stellt alle anderen Fehler während des Krieges in den Schatten. Wie lange wird die Nation sich noch unter der Herrschaft von Führern dahintreiben lassen, die nicht führen und rächt handeln wollen und cm einer chronischen En-ischl ufflvstgteit leiden?

Scharfe Kritik auch im Oberhaufe!

Die Kabel von den Rebellen durchschnitten!

W. T.-B. London, 28. Avril. (Nichtamtlich Tvalstberiicht.) Lord Middleton kritisierte im Oberhaus die Ankündigung der Regierung, datz sie die Lage in Irland beherrsche. Das Umgekehrte scheine der Fall zu sein. Die Regierung sage, die Lage jiei ausgezeichnet und außer in Dublin^ feien kein« Unruhen in Irland mtstanden. Der Redner wünychte^ erne Versicherung der Regierung, datz sie in dem übrigem Teilen JrlamdS genug Truppen habe, um eine Aiu.Äweitmqg der Bewegung zu verhindern. Die Regierung fcherwe durch den Ausbruch des Aufstandes in Dublin völlig überrascht zu fein; aber sie sei von zuständige: Stelle wiederholt ge­warnt ^worden. Der Redner fiihr fort: Seit -langer Zeit gab es in Dublin größere Körperschaften von 'Sinnseinen, ise vollständig bewaffnet und ansgerüstet waren und seit Nlonaten mÄitärffch ausgebüdet wurden. Sie waren inr Besitz van erheblichen Wengen von Explosivstoffen .und hatten viel Geld. Die oWLgefprochenen Pläne der Slmnfeimer .wur­den in einer Angahl von Aätdern Woche für Woche verlkimidigr. Tie ReMrumg machte nur zu geringe Anstrengungen, dies« zu unterdrücken. Die Häupter der Bewegung woven der. Regierung wohl bekannt, aber nur in zwei Fällen wurde gegen sie eintzeschrmtten. Middleton spvach die bestirnmte E«wartiu«U aus, datz Sidaatsfekretär Birrell sich ungesäumt auf seimlen Posten in Jrliamd begebe, wenn er dies nicht schon ge­tan habe. ES handle sich vor allem darum, die Ausbrei­tung des Aufstandes autzerhalb Dubliirs zu v e r h i n d-e r n. Die Lage in Irland sei äußerst gefährlich, wenn mwn ckrvr nicht schnell Herr werde. Die UntätigKett der Regierung in den letzten Machen habe die loyale Bevölkerung sehr ent» miutigt. — Lord Lansdowne antwortete im Namen der Regierung, er könne die A n z a h l der Rebellen im Dubltn i'.icht amgeben. — Middleton wiederholte danach seine An­gaben, datz die Regierung von sehr emrslutzmeichem Personen in der deutlichsten Weise gewarnt -worden fei. — Lord Peel bestätigte dies. — Lord Salisbury sagte, das Par- lament werde auch Erklärungen verlangen müssen, weshalb die Regierung trotz dieser Warnungen nichts getan habe. —- Im Verlaufe der Debatte wurde gesagt, datz ein großer Teil der Rachuichden aus - Irland aus drahtlosem Wege noch England kämen, da die Rebellen die Kabel durch­schnitten hätte».

Belgien und polen.

N irmanid kann heute schon Men, im welchen be­stimmten formen bie belgische irnfo ine polmsche Frage ihre entzgültige Lösung fiwden wenden, sidrr dies Sann doch schon gefugt werdet:: die Läsm-ng der de t- giichen Frage wird die leichtere von beiden sein. Dies mau bein, ersten Hören überrasche^ kling«,,wer-l Mrir ja wissen, welches Gebirge von LNiderfachenschast sich uns in Belgien entgegentürmt, ivahvend wir p gleich wissen, datz die Stbtrennung der von ums im Osten besetzte.« Gebiete von dem Zarenreiche in 'o gut wie ollen Schichte:: der Bevölreruing ersehnt wird, nnwre Anfgave dort also erleichtert schemen kömirte. Gleichwohl müssen wir.erwarten, daß die größeren Schwierigkeiten gerade rm Osten auslauchen werden. 3Äas auch immer mitBellwen ggsÄchen mag, so wind dies Land Formten erhalten, in denen es sein E i a enlebest weitersühren kann. Die „realen Gavantien", von denen der ReichAkanAer sprach, sollen ja keine Einlvenleibrmg bodeuten, und es hat eigentlich auch tri«-. anand bei uns jemals gesondert, daß Belgten ein B e- st and teil .des Deutschen Reichs werden solle. Die Erklärungen Reichskanzlers lassen gewiß mancher- lei Auslegungen zu, aber ssM die am weitesten gehende, die der Abgeordnete Spabn dahin gefaßt hat, daß Belgien mÄitärffch. politisch, Wirtschaftsholitrsch in un­serer Hand dleiden müsse, bildet k«ine>n nnvevsinba-ren Gegönsatz zu der Auffassung, .daß ein belgisches Staats- wcsen auch rn Zukunft vorhanden sein wird. Die Mittel imd Wage, wir denen wir zu verhindern haben wc-stden, daß Belgien ein vorgeschobener Posten Eng- lands auf -dam Kontinent wird, sind, so darf rnan doch wohl annehmen, von der Reichsleitung schon gefun­den. Wie sic beschaffen sind, ist rn: einzelnen unbe­kannt, und wenn man es wüßte, wäre es nicht geraten, vorzeitig davon zu shrechm. Arrch können wir :>us mit der Sicherheit begnügen, daß Belgien nicht w red er