_
s Morgen.Neilage des Wiesbadener Tagblatts. 1-^— » >
Freitag. 28 . Kprtt.
19 , 6 .
18. Fortsetzung.)
»Schlecht, nreine gute Frau Stefi, sehr schlecht, d&et >wir wollen die kleine Komtesse ruhig frühstücken lassen, sie sieht ja jaminervoll aus, und dann werde ich ihr alles möglichst schonend beibringen."
-denn ern Unglück geschehet!?" frag sie eindringlich weiter.
„Na also, wenn Sie's durchaus wissen wollen, erfahren wenden Sie es ja doch", fuhr er gutmütig fort, „aber unter einer Bsdingnis. reinen Mund halten. Die Kleine muß vorbereitet werden und das beisorge ich. Also, der junge Herr ist sehr schoer verletzt und Frau von Ujfalussy hat einen Herzschlag bekommen vor Schrecken."
„Jesses, DLaria und Joseph", schrie die entsetzte Resi auf nnd sank mit zitternden Knien in ban nächsten Stuhl, ,-das Unglück, das Unglück! Aber so was!" Das runde, alte, rosige Apselgesicht war ganz weiß ge- worden, sie zog ihr großes Lasck>entilch hervor und wischte sich die überströmmenden Äugen.
„Iran Resi, ich bitt' mir aus, keine Faxen gemacht! Gehen Sie .hinein und lassen Sie die Komtesse nichts merken."
„Ja, ja, Verzeihung Herr Graf, der Schreck ist mir Eialt in die Glieder gefahren. Daß man aber auch so was ans seine alten Tag' erlaben nniß! Die arme, gnädige Frau, die war ja inaner so gut und so leut- selig. Ick, Hab' ja noch ein paar Flaschen süßon Tokayer, den sie rmr geschenkt hat zum Ghrrstkindol." Sich laut schnaubend verschwand sie im Haus.
Bodvog blieb allein aus der Terrasse und sah dam alten Pista zu, der den Tisch zum Frühstück deckte.
In unglaublich kurzer Zeit erschien Etelka, «inen großen, noch taufrischen Rosenstrauß in Händen. Sie frühstückten zu>A>innen und Bodr-og sprach so viel, daß Gtelika gar nicht dam kain. vor-,angliche Fragen zu stellen. Inzwischen fuhr der Wagen vor und gleichzeitig erschien Resi mit einer fürsorglich mitg-Lbrachten Wagen- decke. Das gute, alte We'cn sah ganz verstört aus, und das große Taschentuch war fortwährend in Aktion. »Ich Hab' nur wieder einen argen Schnupfen geholt" erklärte sie.
Endlick, sahen sie iin Wagen und Rest schaute diesen,, w lange sie ihn erspähen tonnte, nach. Vorsichtig brachte Bodrog das Gespräch auf das, was sie in Ujfalu er- »vartete, langsam schonend, tropfentveise, aber endlich wusste es doch gesagt werden. Er fürchtete so sehr, daß ihr .der Gedanke kornmen könnte, sie sei auch noch schuld am Tod von Miklos' Mutter. Er hatte seine feste, »varme Hand auf ihre krampfhaft verschlungenen Finger
f logt und seine ruhige, tiefe Stimme besckWichtigte re ousigeregten Sierven. In starrem Entsetzen waren re Augen m die Ferne gerichtet und kein Ton kam über ihre Lippen. Endlich stammelte sie: „Tot, tot? Das tft unmöglich. Vorgestern war ich noch bei Üf>r sie war wie immer, hat mir da? schönste Obst aus dem Warten mitgegeben, und niich fiir heute nachmittag ein-
Oie Sonnenuhr.
Erzählung von Gizrlla Gräfin KielmanSegg lWteSbate»L
'tMErurk verbaten.)
geladen, weil sich die Törökha-y angemeldet hatte, di« sie nicht ausftchen kann. Ich sollte ihr helfen."
„Wenn i-oiuand irgend einen kleinen Herzfehler hat, kommt der Tod meistenteils so rasch und unvorhec- gesehen, und tut den, den es trifft, ist es ja eine besondere Gnade", unterbrach sie der Graf.
.Mein Gott im Himmel", jamnierte Et-olka, die Hände vors Gesicht schlagend, „und MikloS? Was ist mck chm? Melleicht wird er ein Krüppel, oder stirbt am Ende auch noch. Und seine Mutter tot, gerade letzt!"
„Tatsachen muß man fest ins Auge scharren. Also quälen Sie sich nicht mit Wenns und Abers. Man muh >nnt der unabänderlichen Wirklichkeit kämpfen und sich und anderen .das Sck,rcksal nicht noch erschwer«!,. Also, haoen Sre Mut, und verlassen Sie sich auf .mich. Ich stelle Ihnen treu und -unerschütterlich zur Seit«, und wende tun, was ich kann, um — mrr — alles was Sie schmerzlich berühren konnte, möglichst fern von Ihnen zu halten."
Sie senkte beschämt den Kopf und sagte nur leise. „Danke.
Den Rest der Fahrt legten sie schweigend zurück.
Umnlttölbar bevor sie in den Torweg einbogen, sagt« ^olch: ,/Sve brauchen feine ErMrun-gen dbflu* lleben, wre es t'ain, daß Miklos stürzte. Es ändert j« doch nichts und gibt höchstens zu unnützen Klatschereien Amaß. Ich übernehme jede Verantwortung!"
Auf der Terra sie empfing sie Gräfin Zoltnn. „wkwtos üt ber Klarem Vawußtseür, er verlangt nach ^ Mutter, wir wagten noch riicht, ihm die schreckliche Mitteilung zu machen. Wenigstens ein paar Stunden soll es hrnausgeschoben werden, bis die Untcrsuchrmrg durch den Professor überstanden ist, und man klar sicht, tme es rmr den armen Jungen steht."
Blaß und zitternd stand Etelka etwas abseits, den großen Rosenstrauß kvampfihasr uinklammernd —, das Her-z schlug rhr bis in den Hals hinauf. Sie fürchtete sich vor dem scharfen Blick der RÜutter. Sie war plötz- .Irch ganz eingeschüchdert und fe-iq und sah mit verschreck- len hrlfefl-ehenden Augen zu Badrog hinüber.
„Komtesse Etelka ihatte Rosen mitgebracht, darf sie si- chrer treuen, .ckten Freundin bringen, ldie sie ja so zar-tlich geliebt hat?" Etelka verbarg ihr Gsstckst Laut a-ufschlnchzend rn den Strauß.
„Komnien Sie, Komtesse, ich gehe ,nit Ihnen", er- klang die ruhrge Stimme Bodrogs, nnd er ergriff mit fetteim Druck ihren Anin rnrd führte sie ins Haus Bei der bloßen Berührung seiner Hand durchstrvinte sie ein Gefühl des GeboraenseinS.
"Bleiben Sie bei mir, ich fürchte mich so", bat sie.
Htlffosigkeit des i-ungen übermütigen Geschöpfes erfüllte ihn mit Mrtlend und mit unendlich weichem zarklrcherr Ausdruck in seinem sonst so enerMchen Ge-' sicht, sah er auf -sie herab. Ihren Arm preßte er ein wemg ^r an sich „ArmeS Kind, selbstverständlich bleib rch bei Ihnen."
