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fr 7 ■ ' Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. ^ -, i

Nr. ^7. _ Mittwoch, 26. klpril.

(8. Fortsetzung.)

Die Sonnenuhr.

Er»ählung von Gizella Gräfin Kirlmonsegg (WieSbabenZ,

(Nachdruck verboten.)!

Etelka stand aschfahl dabei, mühsam von ihren Lippen:

Endlich rang ist los

.? Er ist doch nicht . . .?

es sich .? Er Er ilebt

wird doch nicht doch . . .?"

Ohne aufznsehen, antwortet Bodrag: „Moinentan

läßt sich nichts sagen, jedenfalls lebt er. Bitte, reiten Sie nach Hause, bestellen Sie einen Wagen, den Landauer, und lassen Sie Kissen hineinlegen. — Hancsi schicken Sie nach der Stadt, er soll sofort Dr. Jorty mir- bringen. Er mutz ihn suchen, bis er ihn gefunden hat, und darf keine Mmute verlieren."

„Was hat er sich getan?" frug Etelka eindringlich.

Etwas ungeduldig kam seine Antwort: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber jedenfalls ist die Sache picht leicht zu nehmen, ich meine, das kann jeder sehen. Bitte tun Sie, was ich sagte."

„Ich will aber hier hei Miklos bleiben l Reiten Sie nach Banws", warf sie in erwachendem Trotz hin.

Nun hob erden Kopf, und sein ruhiger fester Blick traf sie: „Es ist ein schlecht gewählter Moment für Kinde- mem, es handelt sich vielleicht — um Leben oder Tod."

„Sie, Sie sind schuld an allein!" schrie sie»heinahe, ton namenlosem Entsetzen gepackt. ,-Sie haben mich geärgert, gereizt! Mer, das will ich Ihnen nur gleich gesagt haben, stirbt er, gehe ich ins Kloster, bleibt er am Leben, heirate ich ihn, darauf gebe ich Ihnen . . ."

„Kein Wort mehr!" herrschte sie 'Bodrog an. ,Si? sind unberechenbar in dem, was Sie tun und sagen, und ich verbiete Ihnen in diesem Moment solchen Un­sinn vorslLringen. Nehmen Sie sich zusammen und beherrschen Sie sich. Zu Zornesausbcüchen ist die Zeit schlecht gewählt!" Er hatte leise, aber energisch und klar gesprochen!

Dunkle Röte stieg in ihr eben noch leichenblasses Ge­sicht. Sie fühlte die Macht des starken, ernsten Mannes, und kam sich unsagbar jämnrerlich und klein­lick. vor, ja albern und hilflos, gestand sie sich in raschem Gedankenflug selbst ein. Sie wollte feige, angesichts des Unglücks die Schuld von sich, auf ihn wälzen, ihn ver­antwortlich dafür niachen. ihn der sie gewarnt hatte! Und er, er hatte, ahne sie überhaupt einer Beachtung «u würdigen, die Anklage über sich ergehen lassen! Ganz demütig und beschämt neigte sie den Kopf und ging.

Wenige Sekunden darauf verklangen die Husschläge des davoneilenden Pferdes in der Ferne.

Nachdenklich blickte Badrog auf bis junge Gesicht es immer noch Besinnungslosen, mit unendlicher Bor- icht brachte er den Kopf in eine bequemere Lage und trich ihm das feuchte, wirre Haar aus der Stirn. „Armer Kerl!" dachte er. „So jung, so voller Lebens­lust und Wermut, und nun das. Und Etelka? Wie wird sie es tragen, dieser gärende, schwankende, unent- jwickelte Charakter, aris so vielen Gegensätzen zusammen- estellt. Wie wird sie aus dieser Prüfung hervorgehen? "rd sie mich enttäuschen oder tvivd das, wa§ ich er­

ojjft, in Erfüllung gehen. Keine Schwäche, keine BMe

geben, nach keiner Seite hin. überlegt, iind sicher das Ziel nn Auge behalten. Sie soll und muß sich mir freiwillig untervrdnen, ich will eS!" Der scköne dunkle Kopf hatte einen fast unheinckichen Ausdruck von finsterer Entschlossenheit angenommen, während der kurzen Dauer dieser Reslokttonen. Als er den Blick senkte, wich die Starrheit der Züge und ein weiches, melancholisches Lächeln löste die eben noch so fast ge- fügten Lippen. „Armier Teufel! Wirst du gesund, steht deinem jungen, verliebten Herzen noch nianch bitterer Kampf davor."

Bon Todesangst getrieben galoppierte Etelka den Feldweg antlang. Ein tr,Moses Gefühl der Verlassen­heit überkam sie. Sie Hatzte sich selber. Bittere Reu« quälte sie. Sie mutzte sich cingestehsn, daß sie ganz allein die Schuld an dem Unglück trug. „.Was soll ich meiner Mutter sagen, wie .seiner Mutter, allen Leuten entgegentreten? Es ist zu furchtbar!" Ein großes Mitleid mit sich selbst überkam sie: langsam quollen die Tränen aus ihren Augen und perlten unaufhaltsam über das blasse Gesicht.

Der Mond stieg ampor und übergoß mit seinem falten, geheimnisvollen Licht die weite Ebene. Ein kühler Hauch strich durch die Luft. Aus der Ferne klang 'der welche Don der kleinen Hirtenflöte zu «der einsamen Reiterin herüber. Bald erklang eine zweite und dritte lind paßte sich der schwernrütigen Melodie des ungari­schen Volksliedes an. Die Hirtenburschen lagern weit auseuiander, und der klare Ton des primitiven Holz- instruments dringt durch die Abendstille von einen: zum andern. Diese mystische Musik wirkt ungemein poetisch, von unsichtbaren Spielern harmonisch zusammenge» stimmt, schwirrt sie durch die Mondnacht und nmgau- kclt die Herzen der Zuhörer. Keiner kann sich dem unwiderstäKchen Reiz entziehen! Simrsnd neigen sich die Häupter, jeder hängt seinen Gedanken nach. Melancholisch qedeirkt das Alter der Vevgangeicheit, hoffnungsvoll die Jugend der Znkunft.

Etelka überkam eine große Bangigkeit, sie konnte das Unbehagen nicht ad'chütteln, das immer schwerer auf ihr lastete, je näher sie ihrem Ziele rückte. Das strenge Gesicht der Mutter tauchte -vor ihr auf. „Was wird sie sc»gen, was tun? Wenn doch Bodvog niitqe- kommen lväre", seufzte sie uiidewußt in ihrer Not. Momentan fühlte sie nur Sehnsucht und keinen Groll mehr, wenn sie an Badrog dachte. Fest und groß stand er vor ihr, unerschütterlich, unangreifbar.

„Es Hilft nichts, es muß sein", sie nahm sich zu­sammen und raste vorwärts. Endlich langte sie vor der Terrasse an, abspringend, warf sie die Zügel einem her- Leieilenden Stalljungen zu. Tue Mutter saß an ihrem gewohnten Platz und nahm den Bericht des Inspektors entgegen.

„Was ist los, wo sind Bodrog und Jancsi? Mn weißt» daß ich nicht will, daß du allein reitest!"