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Mittwoch, 26. April 1916,

Abend-Ausgabe.

Nr. 194. . 64. Jahrgang.

Erfolgreicher See- mb LHMgrK auf Wglavo!

Gn Vorstotz deutscher yochseestreit- Käste gegen die englische Kftfte. Erfolgreicher Angriff eine; Marine- lnstschiffgeschwader; auf die östlichen Grasschasten England;. Dünkirchen von Zliegern bombardiert.

W.T.-B. Berlin, 26. April. (Amtlich. Drahtbericht.) Am 25. April mit Hell- tverden haben Teile unserer Hochseestreit­kräfte die Befestigungswerke und militä­risch wichtigen Anlagen von Great Yar- mouth und Lowe st oft mit gutem Er­folg beschossen. Darnach haben sie eine Gruppe feindlicher kleiner Kreuzer nnd Torpedobootszerstörer unter Feuer genommen. Auf einem der Kreuzer wurde ein schwerer Brand beobachtet; ein Torpedobootszerstörer und zwei feind­liche Vorpoftenschiffe wurden versenkt. Eines der letzteren war der englische Fisch­dampfer „King Stephan", der, wie erinner­lich, sich seinerzeit weigerte, die Be­satzung des in Seenot befindlichen deut­schen Luftschiffs „L 19" zu retten. Die Be­satzung des Fischdampfers wurde gefangen genommen. Die übrigen feindlichen See­streitkräfte zogen sich zurück. Auf unserer Seite k e i n e V e r l u st e. Alle Schiffe sind unbeschädigt zurückgekehrt.

Gleichzeitig mit dem Vorstoß unserer Seestreitkräfte griff in der Nacht vom 24. zum 25. April ein Marine luftschiffge- schwader die östlichen Grafschaften Eng­lands an. Es wurden Industrieanlagen von Cambridge nnd Norwich, Bahnanlagen bei Lincoln, Batterien bei Winterton, Ipswich, Norwich und Harwich sowie feind­liche Vorpostenschiffe an der englischen Küste mit gutem Erfolg mit Bomben belegt. Trotz heftiger Beschießung sind sämtliche Luft­schiffe unvers ehrt in ihren Heimathäfen gelandet.

Flugzeuge unserer Marinefeldflieger- abteilung in Flandern haben am 25. April, früh morgens, die Hafenanlagen, Befesti­gungen und den Flugplatz von Dünkirchen wirkungsvoll mit Bomben belegt. Sie sind sämtlich unversehrt zurückgekchrt.

Die bereits gemeldeten Borpostcngefcchte vor der flandrischen Küste vom 24. April wurden am 25. April fortgesetzt. Dabei wurde durch unsere Seesireitkräfte ein eng­lischer Torpedobootszerstörer schwer beschä­digt und ein Hilfsdampfer versenkt, dessen Besatzung gefangen nach Zeebrügge einge­bracht worden ist. Unsere Streitkräfte sind auch von diesen Unternehmungen unbe­schädigt zurückgekehrt. Der Feind hat sich aus dem Gebiet der flandrischen Küste wieder zurückgezogen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Oie amerikanische Note.

Nachdem der Reichskanzler eine mehr als ein­st ün bi ge Unterredung mit dem amerikanischen Bot­schafter qchäbt hat und nachdem er taqLdaranf mit einer Reihe von politischen und militärischen Persönlichkeiten lange Beratungen gepflogen hat, ist er in das Hau- t> a u a r t i e r zurückgekchrt. um dem 5Kaiser den Entwurf seiner Antwortnote an Herrn Lansing vorzulegen. Bevor diese Note festgestellt sein wird, werden aber auch im Hauptquartier weitere Beratungen statt- fmöen, zu denen ebenfalls eine Anzahl der berühm­

testen Fachmänner aus mehreren Gebieten werden hin- Zugezagen werden, also nicht bloß militärische und M Q r i n e fachniänner, sondern auch solche aus dem wirtschaftlichen Gebiet. Niemand kann Heute wissen, wie unsere in einigen Dagen wohl zur Ab- sendung bereite Note aussehen wird, aber Eines Mn man doch wissen: diese Note wird keinen Widerspruch zu den Geboten der Ehre nnd der Würde bar- stcllen, deren Wahrung jetzt den verantwortlichen Männern in besonders ichicksalsschverer Stunde anver- traut ist. Welches auch der Inhalt der Note sein mag, sie wird'von >dem Gefühl einer ungeheuren Verant­wortlichkeit getragen sein, sie wird also die Folgen des von uns zu fassenden Entschlusses mit äußerster Sorgfalt erwägen und deshalb idas Ver­trauen der Nation darauf beanspruchen können, daß gerade das, wozu sich unsere Reichslöftung entschließen wird, der zutreffende Ausdruck einer Notwen­digkeit sein wird, die von uns allen wird Hingenom­men werden müssen, weil ein anderes uns schlechter­dings nicht zustehen kann. Wir wünschen sehr, daß man dreien Worten Nachdenken mrßze, um ftlber zu finden, lvvhnr sie zielen sollen. Die Zeit ist zu ernst, uni.fick: viel bei Worten aufzichalten. Wir ersparen cs uns deshalb, die ameviftlnische Note noch einmal be­sonders zu kennzcichnen, jedes ehrliche Gefühl muß ja in Empörung geraten, ivenn man diese heraus­fordernde, diese ungehobelte Sprache ver­nimmt. Aber es ist doch wohl zu fragen, ob wir der Ab st-hl des Herrn Wilson, uns zu reizen und unsere ftecheulckglft anzustackeln, mit allerdings begreiflichen Gestlhlsrccmngen Vorschub leisten oder nicht vieknvhr prüfen sollten, welche Mittel und Wege angewendet werden konnten, um eine Erweiterung des Krieges zu 'wnhinder'n. Gewiß brauchten wir keinerseits mutlos zu werden, 'wenn ein neuer Feind, selbst einer von so gewaltigem, unverbrauchten, durch den Krieg selbst noch gestärkten Kräften 'gegen uns anfsteht. Der Appell an die Furcht findet in deutschen Herzen trotz Wilson heute so wenig wie im ganzen Verlaufs des Weltkrieges ein Echo. Dagegen oder vielmehr gerade deshalb wird cs klug fern, kaltes Blut zu 'bSvahren. Eine ganze Reihe von Fragen wird im einzelnen untersucht werden müssen, so zunächst -die, ob Amerika zum Kriege mit uns entschlossen ist und jede Beschwichtigung nur zum Anlaß iminer neuer verletzender Ansprüche nehmen würde. Über diese Frage glauben viele urtei­len zu können, die sich cm denn äußeren Hergang der Ereignisse halten, und dies Urteil kann wohl auch zu- trefifen. Db es jedoch ziftrifst. das vermögen unsere den Verhältnissen näherstehenden verantwortlichen Per­sonen jedenfalls 'bester ßl-:. wir alle zu übersähen, und aus 'dieser ihrer ^begründeten .Kenntnis Heraus werden sie ihr Handeln zu bestimmen haben. Eine weitere Frage ist es, ob wir die Führung des Untersee­bootkrieges, den auszugeben niemals in unserer Absicht liegen kann und 'darf (wir werden uns diefe Waffe nicht entwinden /lassen, hat der Kanzler erst kürzlich im Reichstage gesagt), überhaupt in Einklang mit den amerikanischen FoNderungen bringen können, wobei wir einmal von dem ungeschliffenen Ton der Wilsonschen Note «Mühen und uns ruhig auf den Boden ihres sachlichen Inhalts stellen wollen. Eine dritte Frage sodann wäre etwa die, ob es nicht nröglich '.rare, die Unionsregiierimg da­von zu überzeugen, daß ne in bezug auf die Umstände der Versenkung der „S u i s e x" in einem .vollkommenen Irrtum befangen ist, womit den Herren Wilson und Lansing die Handhabe aenommen würde, gerade diesen Fall gegen uns ausznnutzen. Wir Haben diese Einzel­heiten nicht 'aufgezählt, um darauf vorzubereiten, daß unsere Note gerade 'diese Punkte enthalten könnte. Wir wissen ja nicht und können nickst wissen, niemand kann es. was 'geantwortet werden wird. Aber ldie Antwort wird unter dem Gesichtspunkte gegeben werden, daß für uns nur eine einzige Ausgabe in Betracht kommen kann, die nämlich, den Krieg siegreich zu beendigen. Was uns dein großen Ziele näher- biincft. das muß mit Aufwendung jeder Kraftanstren­gung benutzt werden, was uns an 'der Erreichung 'dieses Zieles verhindert, das muß daraufhin durchforscht werden, öb es sich verlohnt, um seinetwillen uns neue Schwierigkeiten zu bereiten, die doch nicht so leicht zu überwinden wären. Die f.achmännifchen Beur­teiler aller' Richtungen müssen setzt sagen, nach welcher Seite die Wage ausschlagen würde, wenn dieses ' ge­schieht und jenes unterbleibt, wenn Kraft und Klugheit mit rechnunasniäßiger 'Nüchternheit aneinander ge-

mesfem werden. Wir alle aber -müssen, so schwer es uns auch Mt, die leidenschaftliche Aufwallung zurückdrän- gen und uns auf den Standpunkr der Nützlichkeit stellen. Die Reichsleitung hat unser Vertrauen, wir leben, der Gewißheit, daß sie es auch verdienen wird.

*

Oie Verhandlungen.

Eine neue Unterredung des Reichskanzlers mit Botschafter Gerard.

W. T.-B. Berlin, 26. April. (Nichtamtlich.) Der Reichs- kanzler hatte zestern nachmittag nochmals eine längere Unterredung mit dem amerikanischen Bot­schafter und begab sich darauf mit drm Chef des Admiral- stabs der Marine nach dem Großen Haupt- quartier.

Die Abreise des Reichskanzlers in das Große Hauptquartier.

Nr. Berlin, 26. April. (Gig Dvahibevicht. Jens. Mm.) Die güstwiye Abreise des Reichskanzlers erfolgte vom Bahnhof FrieLwichsiwaße ans. Dem fahrplnmnäßigen Inge nach Köln ging znir Bowäüiignnig des Verkehrs, der durch die Rückkehr beuvkaulbtrr Mlannsckcasten antzerorÄenÄich stark war, ein Vor­zug voraus. Diesem war als letzter Magen «in Sokonwoysn angefügt, dem Herr v. Bethrwann-Hollwßg und der Chef des Admirwlstabes der 'Marine bestiegen.

Die Stimmung in Berlin.

Sr. Berlin, 36. April. (Gig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Die „Dost. Jty." schneM: Die Berliner Beratungen des Reichskamtzkers mit denjenigen PersönlichreÄen, deren Meinungen ans die Beantwortung der ßmevikanischen Note mitbüstimmlönd find, sind beendet. Die Meiterberatungen, in denen nun die Entscheidung fallen wird, sind ins Große Hauptquartier berilegt worden, wo der Reichs­kanzler heute «intviftt. Den gestrigen Dag hat Herr von Bethnmnn-Hvlliwsg noch zu Besprechungen verwendet und gegen Mbnck auch den amerikanischen .Botschafter, Hermn Gerard, wieder empfangen. An der Beurteilung der Loge hat sich gegen gestern nichts geändert, doch besteht die Möglich­keit, den Zusammenstoß zu vermeiden, wenn auf amenikami- icheir Seite derselbe gute Wille vorhanden ist, wie bei uns. Vor Samstag dies'M Wische ist auf die VeröffenMchuwg der deut­schen Antwort aus die letzte Note ?hmerikas nicht zu rechnen. — Der „LoLal-Anzeiger" schreibt: In hiesigen deutsch-omeri- ka wischen Kreisen war man gestern hoffnungsvoller in der Beurteilung der diplomatischen Lage zu den beiden Nationen als an den vorhergehenden Tagen. Diese Stimmung äußerte sich namentlich auch in gewissen geschäftlichem Ber- handlungen, die ihren Gang nahmen, ohne von dem poli­tischen Verhandlungen beeinflußt zu n>erden. Das mag zum Teil daraus zurückzuführen sein, daß viele Amerikaner, die am Mvnlag Gelegenheit nahmen, den Botschafter Gerard aus dem Rennen in Kcvrlshorst zu begrüßen, dessen gute Laune in dem ihnen günstig- scheinenden Sinne auslegten> obwohl der Botschafter es geflissentlich vermied, irgend welche Ar>deutungen nach der einen oder anderen Richtung zu machen.

Größte Zuversicht in amerikanischen Regierungskreisen.

»r. Rotterdam, 26. April. (Gig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die „Times" meldet aus New U v r k: In hiesigen Regie­rungskreisen herrscht eine entschieden optimistische Stimmung über den Ausgang der Krise mit Deutschland. Zwischen Berlin und Washington wurden schon Mitteilungen gewechselt, um das Terrain aufzuklären. Dies hat zur Folge, daß der Botschafter Gerard in Berlin von neuem angewiesen wurde, die deutsche Regierung über die Haltung Amerikas nicht im Zweifel zu lassen. Diese Hal­tung begründet sich auf der Forderung, daß der Il-B o o t - krieg in schner jetzigen Form aufhören soll, bis man über die Erledigung des fraglichen Gegenstands sich ver­ständigt haben wird. Man meint, daß Deutschland lieber den Forderungen Wilsons nachgibt, als sich der Gefahr aussetzen wird, daß die große wirtschaftliche Macht Amerikas sich ans die Seite der Gegner werfe.

Eine Älbschrift der Note an die Neutrale«.

Sr. Amsterdam, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Die „Central News" melden, daß eine Abschrift der amerika­nischen Note an Deutschland unverzüglich an die neutralen Regierungen gesandt werden solle, da man der Ansicht sei, daß sie ebenso wie Amerika an der Aufrechtcrhaltung der Rechte der Neutralen interessiert seien.