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Wiesbadener Tagblstt.

21 itiSA^ntTtfh 12 Busgaben. ‘ ^ * „T.g»i.tt^^sir. ssso-ss.

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„Tagblati-Han»" Nr. SSS0-SS.

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Dienstag, 25. 5lpril 1916 ,

Kbend-Ausgabe.

Nr. 192. . 64. Jahrgang.

Lebhafte Artillerie- und Zlieger- tätigleit im Westen.

Ein neuer französischer Angriff bei der Höhe „Toter Mann" gescheitert.

Russischer Angriff bei Garbunowska zusammengebrochen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 25. April. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf beiden Seiten war die Artillerie- und Flreger- tätiqkeit sehr lebhaft.

Westlich der Maas kam es nachts nordöstlich von Avocourt zu Handgranatenkämpfen. Gin in mehreren Mellen gegen unsere Gräben östlich der Höhe „Toter Manü" 'vorgetragener Angriff scheiterte im Jnfanteric- feuer. __

Unsere Flieger belegten zahlreiche feindliche Untcr- kunfts- und Etappenorte ausgiebig mit Bomben. Ein gegnerisches Flugzeug wurde durch Abwehrfeuer bei Tahure abgeschossen und zerstört: ein anderes östlich der Maas, das sich überschlagend abstnrztc.

östlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich von Garbunowska brach abermals ein russi­scher Angriff verlustreich zusammen.

Ein deutsches Flugzeuggcschwadcr griff mit beobach­tetem gutem Erfolge die Bahn- und Magazin-Anlagen von Molodeczno an.

Bai kankriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Zur Lage.

I-. Berlin, 25. ?lpril. (Eig. Meldung. Jens. Bin.) An

beiden Osterfeiertaqen waren, wie aus den Meldungen von der Westfront hervorgeht, infolge des klaren sonnigen Wetters so­wohl die Artillerie- wie die Fliegertätigkcit außerordentlich rege. Es gibt keine Festpause beim ernsten Waffenhandwerk unserer Trnpven. Indes kam es doch zu keiner größeren Jnfanterieaktion, abgesehen von einem französischen Ängrifs gegen unsere Stellungen am „Totew Mann", der sich nur schwächlich entwickelte und überall abge­wiesen wurde. Auch im Walde von Avocourt setzte sich der Handgranatenkamvs fort. — Bon der Ostfront und vom Balkan liegen wesentliche Nachrichten nicht vor.

Wilsons Rückhalt.

„Wilson ist nicht -der Kongreß. Der Präsident^ 'hat seine Rechnung o-h-ne das Parlament gemacht, Dieses wird ihm nicht den Gefallen tun, den Abbruch -der diplo­matischen Beziehungen oder gar die Kriegsevklärnng an Deutschland zu beschließen." Solche Ansichten -wer­den bei Betrachtung der gespannten Lage mit Nood- amerika immer wieder laut. Sie sind aber^leider nach wie vor unrichtig. Man überschätzt die Selbständig­keit des Kongresses. Die weitaus größte Mehrzahl der Mitglieder -des Repräsentantenhauses und des Se- nats steht den internationalen Problemen des Welt­krieges höchst ahnungslos gegenüber. Im Kongreß sind nur' sehr wenige Männer, die sich mit auswärtiger Politik beschäftigt haben. Der Durchschnittspolitiker in Amerika kümmert sich nnr um innerpolitische Fra- gen. Wird ihm eine schwerwiegende Entscheidung nach außen durch innerpolitische Fragen schmackhaft gemacht, so folgt er blindlings den Borschlägen des Auswärti­gen Amts. Dazu kommt die sür deutsche Begriffe fast unverständliche Abhängigkeit der Regierung und des Parlaments von der öffentlichen Meinung. Und wie die öffentliche Meinung in Amerika seit idem ersten Tage des Krieges beschaffen ist, .müßte -man in Deutschland nachgerade wissen. Man lasse doch einmal die verwirrenden Schlagworte Lusitaniia-Areibic-Susser beiseite und erinnere sich des Schreibens, -das Kaiser Wrlh-elm zu Anfang de? Krieges an den vernreintlich neutralen Präsidenten Wilson in eichen der Stadt Löwen gerichtet hatte. Eine unerfreuliche, mürrische Abweisung war die Antwort. Mit einer empörenden Gleichgültigkeit, die säst an Nichtachtung grenzte, tat Wilson jenen ädelsten Absichten eingegebenen Schritt kurzerhand ab und löhnt es kühl ab, irg-endwie -darauf ernzngehen. Schon damals also, lange vor Ein­setzen der deutschen Blockade, lange vor dem ver- schärften ff-Booikrieg war der Haß gegen Deutschland auch im Weißen Hanse zu Washington vorhanden, der Hatz, -der sich im Muniffonslieserungsstveit, sin Fall Boy-Ed und Papen, in tansend Dingen und Fragen äußerte, die mit der Versenkung englischer Schiffe und ihrer amerikanischen „Schutzengel" zunächst noch gar nichts zu tun hatten. Schon jene Ausbrüche blind­wütigen Deutschenhasses konnten nur den überraschen, ber iw* in tat Vereinigte« Staaten herrschende

G r u n d st i m m u n g nickt kannte. Schon _ lange _ vor dem Krieg konnte man keine Nummer irgendeines New Aorker Blattes zur Hand nehmen, ohne in seinen Spalten.irgendeine blödsinnige Meldung über irgend eine von Deutschland angezettelte Verschwörung zur Störung des Weltfriedens zu finden. Jeder politische Schachzug Deutschlands wurde als eine Bedrohung amerikanischer Interessen gedeutet, während Englands Politik bei der amerikanischen Presse immer das rührendste Verständnis fand, Zuweilen steigerte sich dieses Ü-belwollen -gegen Deutschland zur schamlosen Gehässigkeit, wre bei der „Titanic"-Katastrophe, wo es unbedingt -ein deutscher Dampfer -gewesen sein mußte, -der iM-e Hilfeleistung verweigerte, bis sich schließlich -doch herausstellte, daß es ein englisches Schiff gewesen war. Bei dem Untergang -des Darnpsers „Volturno" wurde der Kapitän des Eunarddampfers „C-armcmiQ" als Held sondergleichen -gefeieit, weil der Dampfer einen Ubevlebenden aus dem Wasser gezogen hatte. Den -deuffchen Danipfer „Großer Kurfürst" und „Seydlitz" zollten dagegen -die New s/forker Blätter nur widerwillig und sehr verspätet Anerkennung dafür, daß ihre -Mann­schaften aus eigener Lebensgefahr Hunderte -von -der brennenden „Volturno" herunterg-eholt hatten. In Deutschland hat man di-ese Äußerungen einer feind­seligen Stimmung immer geflissentlich übersehen, oder, Nenn sie nicht zu überschen waren, so erklärte -man sie durch die Formel, daß sie von London Angegeben seien und dem amerikanischen Dolksempfinden nicht ent­sprächen. In -diesem Irrtum wurde- die Öffentlichkeit in Deutschland noch bestärkt durch das Zeugnis ange­sehener Leute, die Amerika besucht hatten und hier selbstverständlich gastlich ausgenommen worden waren. Die nieisten konnten nach ihrer Rückkehr nach Deutsch­land -die Tinte nicht halten, um über die ihnen hier er­wiesenen Liebenswürdigkeiten durch überschwengliche Schilderungen des gelobten Landes Dollarika zu quit­tieren. Freu-nds-chaft zwischen Nationen setzt ein gegen­seitiges Sicht'erstehen voraus, dm Aanke-e hat aber für deutsches Wesen nie -das geringste Verständnis g-ehadt. Ihm gilt der Deutsche immer noch als blader Tölpel, während -ihm das deutsche Volk als. ein beutegieriger Raufbold erscheint. der in Kanenenstieteln in -der Welt herumstapft und allen Leuten aus die Hühneraugen tritt. An dieser Vorstellung haben alle kulturellen -Er­rungenschaften des -deutschen Do-lkes nichts zu ändern vermocht, am allerwenigsten das Dentsch-Amerikaner- tum, das sich in Amerika nie recht hat -durchsetzen können. Man muß sich in Deutschland endlich damit abfinden, -daß uns in Amerika niemand außer den Teutschgeborenen, Sympathien entgegen- bringt. Und weil -d«n> so ist, weil jedes AusNären gegenüber so viel Haß und hartnäckiacm Unverständnis nutzlos ersch«int, gibt es für die deutsche Regierung mit Washington nur noch eine Sprache: die der s-elbstbe- wutztmr Würde, kühl bis ans Herz hinan!

Di«; Verhandlungen der Reichs- regieruna.

Eine lange Nntcrrcdung des Reichskanzlers mit dem amerikanischen Botschafter.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 25. April, (©iß. Meldung. Zeus. Bln.) Die Verhandlungen und Beratungen - über die deutsche Antwort­note an die Vereinigten Staaten werden auch heute fortgesetzt. Die Abreise des Reichskanzlers ins Hauptquartier wird er­folgen, wenn in einigen Punkten, über die gestern Herr von Bethmann-Hollweg in seiner langen Unterredung mit Botschafter G e r a r d konferierte, Klarheit geschaffen sein wird. Es ist anzunehmen, daß der Botschafter, der auch in Privatgesprächen seinen Wunsch ausgedrückt haben soll, nach Kräften zu einer Aufklärung, und wenn möglich, Ab­schwächung der Konfliktsgründe beizutragen, mit seiner Re­gierung im Meinungsaustausch steht. Die Aus­sicht ist noch lange nicht ganz geschwunden, zu einer Verständigung zu gelangen. Jedenfalls zeigt schon die Dauer der Vorberatung, daß die deutsche Regierung dem Ernst der Entscheidung entsprechend die amerikanische Note, so schwer annehmbar ihr Ton war, auf das eingehendste prüft, desgleichen das beigegebene Beweismaterial. Die Regierung in Washington legt das Hauptgewicht auf den „S u s s e x"- F a l l. Dementsprechend könnte untersucht werden, ob und inwieweit ihr im Nahmen der deutschen Denkschrift über den Seekrieg die aufgestellten Regeln gewahrt blieben. Die Methoden — um das amerikanische Wort zu gebrauchen —, die in der deutschen Denkschrift für den Kampf gegen bewaff­nete Handelsschiffe vorgezeichnet wurden, entsprechen durch- aus dem Völkerrecht. Es fragt sich, ob eine formale Einigung möglich bleibt. Bislang hat sich die deutsche Reaierung weder in dem einen noch in dem arideren Sinne sür die Beantwortung der amerikanischen Note festgelegt. Das deutsche Volk hat das volle Vertrauen, daß die Antwortnote die Lebensinteressen unseres in schwerem Kampf stehenden Landes mit den Erfordernissen deutscher Selbst­achtung abwägt. Es ist üut, daß nicht übereilt wird. Keine

leidenschaftliche Aufwallung sucht die leitenden Männer nach dieser oder jener Richtung hin zu beeinflussen. Wenn etwas in den Vereinigten Staaten Eindruck machen sollte, ist es die würdige, kalte Ruhe, mit der von der deuffchen Be­völkerung und der deutschen Presse die Bedrohung aufgenour- men wurde. Wenn der angeblich ftiedfertige Präsident Wilson diese deutsche Haltung, die an sich schon ein Zuge­ständnis an die alte Freundschaft beider Völker ist, mit den kriegerischen Hoffnungen vergleicht, die beim Vierverband er­weckt wurden, muß der Gegensatz auf ihn Eindruck machen. Was auch kommen wird, das Unrecht soll nicht auf deutscher Seite fern.

Br. Berlin, 35. Apvil, (E!,g. Drahtbeüicht. Z-enf. Bl-n.) Botschafte-r G--era rd konferi-evte -gesterm, -w-i-e der „L.-A." hört, ein-e S-tun-de und 5 Minuten mit dem Reichsk-amzler v. Be t h » man-n -Hollweg im Reichsk-an-zlerp-ail-aiis, wobei die gegien-- wäutige L-a-ge b-osp-rochien wu-r-de. Ein>e endgültige Ant­wort auf die ami-evik-ani'che N-ote, betveff-erid den Undersiee- -bootkMSg, hat H-erir Geravd noch nicht erhalten. Der Bot- ccha-stsr b-evi-chtete sofort telegraph-i-sch nach Wa-shingto-n das N-ichtige Ergebnis dieser Konferenz. Die Z-usam-menkumst des Botschafters und des R-eichAkarizl-ers wuüde am Sonn-tagäb-end nach der Rückkehr des Kanzlers aus dem Großen ,Haup-t- guavti-er v-evein-bart. Man glaubt, daß Gier-ards Bericht wich­tige J-nfarm-a-t-!onen für Washington errthAt. Es ist zu er­warten, daß G-erards T-elegr-rmme in WaMnyton eingetr-offerr s'nd, ehe am heutigen Dienstag der Kongreß z-ufamni-vnitiM,

Wilsons Adresse an den Kongreß.

W. T.-B. New York, 25. April. (Niichta-mMch. Funckspruch des -Vertreters von W. T.-W.) In seiner Mdvesse an den Kon­greß ldie wir schon kurz im der heutigen Sonder-A-u-syabe er- wohn-tm) sagte Präsident Wilson u. a.: In Veffolgn-ng der Unters-seboatkriegs-führuniz gegen den HMidel seiner Feinde, -die Deutschland trotz des evnsten Einspruches unserer Regie- rnng unternomi-men hat, haben die deutschen Untersee­bootskommandanten Handelsschiffe mit immer giötzever LeVhastigkeit angs-Mffcn, nicht nur auf hoher See um England und Irland herum, sondern, wo immer sie sie -antveffen konnten, und in einer Weise, -die immer uvbEM- herztger und unterschiedsloser -wunde, und während die Monate dahimgl-ngen, wemg-er und weniger unter Beobach­tung irgendwelcher Schranken, und sie haben ohne Bedenken ihre Amgri-ffe auf Schiffe jeder Nationalität und Schiffe, die sich in jeder Art von Diensten befanden, gevichtet. Gin« Tragödie auf See ist -der andern gefolgt in einer Weise und unter solchen BegkeiitumständLn, daß offenbar wunde, daß diese Kriegsfü-Hrung, wenn das noch -eine Kviegsfü-Hrumy ist, nicht fortgesetzt wrüden kann ohne fühlbarste Verletzung der Gesetze der Menschlichkeit. Was auch die Ansicht und Absicht der deuffchen Regierung fft, sie hat offenbar -bewiesen, daß es ihr unmöglich ist, solche A-ngffffsmethoden aus den feindlichen Handel innerhaG der Grenzen zu halten, die durch Vernunft oder Mdnschlichkeit gefetzt werden. Eine der letzten und schrecklichsten Vorfälle dieser Kri-egsführung war die Wer- nichtnng der „S u s 'e x". Diese muß, wie die Versenkung der „Lusitani a", als ein so einzigartig tragischer und unge- rechffertigter Fall ang-eishen wenden, daß sie ein schreckliches Beispi-el ffir die U-nmsn^chllichkeit -der llnteffesboottriegsführun« ist, wie sie die Kommandanten der deutschen Fahrzeuge im den letzten 12 Monaten betiteben hoben. Wenn dieser Vorfall ffir sich allein dastünde, s-o könnte irgend eine EMärumg, eine Mßibillignng -du-rch Deutschland, eine Fesfftellung eines ver­brecherischen' Fehlers oder willkürlichen Ungehoffams durch -den Kommandanten -des Fahrzeuges, das den Torpedo abgefeuevt Hot, gesucht oder angenam-m-em weiden. Slb-er unglücklicher- -weife steht-er nicht allein. Die jüngsten Ereignisse machen den Schluß unausweichlich, daß er nur ein Beispiel, obwohl eines der sch-wefften und betrübendsten Beispiele, ist für den Geist und die Art der KrieaSfiihvung, die die deuffche Regierung fälschlich rmgen-ommen hat und die von Anfang an die deutsche Reqterii-ng dem Borwurse aus-setzte, daß sie alle Rechte der Neutralen beiseite wirft, indem sie nur ihr oig-enes augenblickliches Zi-ek im Auge -hat. Die ameri- kanische Regierung hat sich bemüht, sich von jeder zu weitgehenden Handlung oder Einspruch durch bedächtige Er­wägung der auß-evordenffichen Umstände dieses Krieges, der keinen Borgäng-er in der Geschickte kennt, fernznhalten, und ließ sich im allem, was sie i-agte oder tat, von den GeffMen echter Freundschaft leiten, die immer das Volk der Veveinigden Staaten gegenüber dem deutschen Volke gehegt hat und'auch fortfährt zu hegen.

Mit Bezug auf den Weg, der in Älusficht genommen wor­den ist, falls Deutschland nicht sofort einen Verzicht auf die gegenwärtige Art der .Kriegsführung gegen Personen- und Fr-achtschiffe erklärt und in die Tat umfetzt, sagte Mlson: Zu, dieser Entscheidung bin ich mit schmerzlichstem Be- dauern ge!omm-en. - Ich bin sicher, -daß alle bedachffamen Ilmerilaner der Möglichkeit eines Vorgehens, w-ie es in Aus­sicht genommen ist, mit aufrichtigem Widefftreben entgegen- seben werden, aber wir dürfen nicht veryesfen, daß wir in ge­wisser Weise und durch den Zwang der Umstände die verant- nortlichen Wortführer ffrr die Rechte der Menschheit sind, und daß wir nicht stillschweigend dabei stehen dürfen, während diese Rechte allmäVich vollständig beisffte gefegt werden. Im zer- malmenden Strome dieses schrecklichen Krieges sind wrr es der Wcksicht auf uns-ere eigenen Rechte als Nation, irnferm Pflichtgefühl als Vertreter der Rechte -der Neutnc°I,en in der txntäpn Welt und einer gerechten Auffassung dar -Rechte der