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Verlag Langgaffe 21

„TaMotl-HanS".

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• Sreitag, 21. April 1916, _ Morgen o Ausgabe. Nr. 189. . 64. Jahrgang.

W“ Wegen des Karfreitags erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Samstagnachmittag.

Unsere wirtschastliche Ankunft.

Die Schwierigkeiten auif dem LÄMsstnitteiimsarkte, unter Äsnen wir leiden, werden sich in dem Maße ver­ringern, in welchem wir in den Krühling unld in den Sommer .hineingehen. Sie lassen schon jetzt auf man­chen Gebieten nach, wir werden auch aber diese, an dem GejaimtAustande gemessen, überwindbaren Stockungen hinwögikvinüMM. Wir werden jedenfalls nicht cmsge- hungert wenden, . und^d».rs ist schließlich das Entschei­dende. . Die einzige Sorge, die wir bei der günstigen militärischen Lage nnd angesichts unserer nicht bloß ans der Höhe dleibenden, sonoern die bisherige Höhe noch übörsteigenbM KapilalsLraft allenfalls hegten, eben die, baß un§_ die Nahrungsanittel einmal fehlen könnten, auch sie ist im Begriff, gegenstandslos zu werden. Wir dürfen mit um so größerer Zuversicht in die Zukunft blicken, je mehr sich der Krieg als ein LehMucister auf vielen Gebieten der naftona^lwfttschaftlichen Betätigung erwiesen hat. Soweft freilich wird man nicht gehen dürfen, daß man mit dem ftlnfervativen Abgeordneten ö>tonamievat Dr. Hoesch glauben möchte, die Landwirt­schaft werde einmal imstande sein, statt der 70 Millio­nen Deutschen sogar ein Volk von 150 Millionen aus eigener Produktion schlaft zu ernähren; es fteut einen aber doch, Zeuge eines solchen Optimismus zu sein. Tenn wenn es ihm auch nicht gegeben sein wird, sich ganz zu bewahrheiten, so steckt darin ein so herrliches Vertrauen auf die deutsche Kraft, daß man wohl Haffen da-r-f, es werde wenigstens ein Teil von dem, was rnir so viel Wagemut und Selbstvertrauen erstrebt wird, einstmals zu verwirklichen sein.

Die .Hoffnung des Aonoinieaats Hoesch, der ja nicht der einzige fft, von dem rnan solches hören kann, stützt sich auf Momente, die das Gute hoben, daß sie nicht bloß immer die Gesetzgebung und deren Wohl­wollen für die Landwirtschaft heranziehen. Vielmehr will die Agrarwlfsenischaft (und das muß man ihr dan- ken) Neufchäpfungen.der Wissenschaft und nützliche Er- fahrungen im Betriebe, wie sie der Krieg nns cmfge- nötigt hat, dauernd verwerten, um ihre Produktion zu steigern. Das kann uns wahrlich willkommen sein. Wenn ein so Gründlicher Sachkenner wie der erwähnte Verfasser die umfangreiche Gewinnung von Stickstoff aus .der atmofphärifchen Luft als eines .der Mfttel zur Aufrecksterchaltung unserer hochgesteigerten inländischen Ncchrungslmittelerzeugnng anspricht, so fft das ein Ur- teil, dem man Gewicht beimeffm darf. Die Landwirt- schaft fft jedenfalls willens, zu lernen, sich zu regen und zu rühren. In weiteren Kreisen ist es wohl noch nicht hinlänglich bekannt, was gegenwärtig auf dem Gebiete der Landesmekoration geschieht. Die .Kriegsgefangenen werden gerade auf diesem Gebiete nützlickerweffe in sehr großer Zahl beschäftigt. Erleichtert durch eine Vevord- vung, betreffend dm Zusammenschluß von Meliom- tionsgefeMchaften, waren bis zum 1. Januar 1916 allein in den preußischen Provinzen Brandenburg, Vcmmnern, Schleswig-Holstein, .Hannover und West- fafen 393 Genossenschaften neugebildet oder in Bildung begriffen, die eine bis dahin io gut wie ertragslose gläche von 144 124 Hektar mit einem Kostenaufwand von 58 128 631 Mark kultivieren werden. Dissen groß­zügigen genossenschaftlichen Kulturwerken schließen sich noch 3649 ErnMÜbefitzer mit 12 693 .Hektar bei einem -.twstencmfchlage von 6 654995 Ddark an. Den preußi- wen Unternehmungen sind andere Bundesstaaten ge- folgt, vor allem Bayern und Oldenburg; auch in diesen Staaten wird besonders die Urbarmachung von Moor- iarchereien betrieben.

Das fft ja nur ein Ausschnitt von dem, was für die .^besserung unserer Landwirtschaft geschieht und ge- wohm kann. Jeder, der auf diesen! Gebiete lder natio- nalen Produktion schöpferisch tätig fft, wird sich wchr- «ch um das Vaterland verdierrt nrachen. Hundert- lausende find mit schönem Eifer willig, solches Lob zu rrwerbm.

Die Lage im Westen,

Poincare im Oberelsaß.

~ 5 ar ^tt!l)t, 30. April. (Jens. Mn.) Die „Stvoßbungor Mt erfährt über den kürzlichen Besuch des Präsidenten Pornoa rL im Obevelfaß folgendes: Der Präsident ka:n am r® m,ta 3 vor acht Dogen mit einem Sonderzuge in Bekforl « and ftchr daraus im Automobil nach dem Oberelsaß, wo er 3* verschiedenen Orten die Truppen besuchte. In Begleitung Ministers Bourgeois und mehrerer Generale, darunter "Der Engländer, begab sich der Präsident nach Alt- fu nsterol und fuhr .dann nach Ba ulh i e r m o n t, wo g y »röß ere Feierlichkeit zu seinem Empfange stattfand. Der dieses Ortes hieß ihn im Ranien des Ge- wWrmvnen. Der Präsident besichtigte dort ; Wotze TruppenabteSungen und veffte dann mit s--V»-r

zahlreichen Begleltung nach Ma s m ü n sier, dann fuhr die Gesellschaft nach Giromagnh, wo wiederum eine große Ennpfangsfeier stattfand und wo der Präsident sich eingehend Nlit der Versorgung der eksäfsifchen Kinder befaßte. Die Rächt zum Montag verbrachte der Präsident in dem Schlafwagen seines Sonderzuges, mit dem er nach Ge rar dm er weiter fuhr.

Klagen von der französischen Front.

H e r v e versucht von Zeit zu Zeit in seinen Mahnungen ar. „einen Neurastheniker an der Front" die Stimmung in den französischem Schützengräben zu heben. So schreibt er in „La Mctaive" vom 9. April: „Glaubt Ihr nicht, daß jeder- Nlanm h-er weih, welch schreckliches Leben Ihr seit zwanzig Monaten am -der Front führt? Glaubt Ihr nicht, daß wir durch Briefe von der Front und Erzählungen der Urlauber uns einem Begriff machen können von dem Furchtbaren, das sich in den Schützengräben abspielt, von dem Hundeleben, das Ihr dort sühnt, besonders Ihr Infanteristen, die Ihr die SchmerzensKnder dieses blutigen Krieges seid? Und glaubt Ihr nvcht, daß wir uns ebenso wie Mp: nach dem Frieden sehnen?^ — Ihr meint, daß unsere Zeitungen, alle Blättter, Euch mit ihrem Optimismus antvidern. Ihr sagt, sie hätten zu früh geschrien, daß Deuffchland im Begriff stünde, vor Hunger zu stevberi, cder daß es chm an Menschenmotevial fcblte. I«, sie lbaben Unrecht getan, sich zu irren, das steht fest. Doch -das ist kein Grunid, anznnehmen, -daß Dentschland heute im Überfluß schwimmt und daß es Millionen Soldaten in Reserve hat! Wir haben auch große Berluste seit dem Be­ginn des Krieges gehabt. Dler leugnet dies? W>er leugnlet, daß diese Berluste besonders grausam sind für ein an Zahl verhAtmsmäßig schwaches Volk wie die Franzosen? Doch bitte ich Euch, daran zu denken, daß die Zahl der Toten, die Ihr mir nennt — und die meist übertrieben ist —, nicht aus­schließlich aus die eigentliche französische Bevölkerung kommt, stmdern daß in >die Zahl auch unsere tapferen tunesischen, algerischen, marokkanffchen und schwarzen Truppen eingerech­net werden müffen. — Auch dürft Jbr nicht vergessen, daß an unserer Front wir bisher fast allein die Beülnste ertragen mußten^ England weiß wohl, daß wir nicht bis in alle Un- endlichkeit fortfahvem können, solckre Verluste zu ertragen, wie sie der erste Kriegsmonat und die Kämpfe an der Mer, die Offensiven in der Ehampagne und im Artais sowie die Kämpfe bei Verdun uns gebracht haben. England weiß sehr gut, daß «sffetzt am die Reihe kommt, große Menschenopfer geben zu müsien, und es beveidet sich mit seinem unbezähnibaven Mut, ferner Ehrenhaftigkeit ails genilemen Nation und seinem flammenden Idealismus hierzu vor!"

Verdächtiger Eifer.

Zürich, 30. April. (Zens. Mn.) Die „Reue Zürcher Ztg." erfährt aus Amsterdam: England, Franikveich und Rußland übergaben in Le Havre sine genieinschlasMche Note, worin sie Belgien die Irrtegrität seines Kolonialbesitzes garantieren.

Die Spannung in der französischen sozialistischen Partei.

Ein neues Blatt der Minderheit.

IV. T.-B. Bern, 20. April. (Nichtamtlich.) Wie der „Berner Tagwacht" aus Paris geschrieben wird, gibt die sozia- listffche Minderheit, die im letzten Nationalrat über ein Drittel der Mandatsstimmen verfügte, ein eigenes Wochenblatt, be­titelt „Le populwire", heraus. Das Blatt will im Sinne dos Jirternationalismus wirken. Die Leitung hat Jean Eon- juet inne.

Posträuber in der französischen Feldpost.

W. T.-B. Bern, 20. April. (Mchtamtlich.) Dem „Petit Parisien" zufolge beschweren sich die Mamnschaston dos 158. Pastbezirks über die immer ^häufigeren Diebstähle, die an dem Inhalt der au sie gerichteten Einschreibebriefe und Pakete feii längerem begangen würden.

Oer ttrieg gegen England.

Die englische Wehrpflichtkrisis.

Geringe Aussichten für den Fortbestand des Kabinetts

(Von unserem Sondeckerichterstatter.)

F. Rotterdam, 20. April. (Gig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Trotz der Inszenierung ein-.-r großen Kundgebung zugunsten des Divnstzwamges ^vermochten die Anhänger Asqniths die Gegenpartei nicht zum Schweigen zu bringen. Als Asguith die Sprengung des Kabinetts ein nationales Unglück nannte, riesen die Mitglieder' der Arbeiterpartei: „Das ch nicht wahr, wir brauchen eine loyale Regierung." Die Berschebung der Sitzmig vevanlaßte wütende Zwischen­rufe der Hetzer Shee und Ainery. Die Aussichten des Fort- bestandes des Kabinetts werden als gering bezeichnet. Allge­mein erwartet rnan den Rücktritt der Anhänger der unter­schiedslosen Dienstpflicht und die Neubildung eines M-nifteriums aus Mitgliedern der Liberalen und der mit dem Freiwilligensystem Einverstandenen. Asquith wird in diesem Falle Lloyd George die Nachfolge überlassen.

Eine Einigung in der Knbinettskrise?

W. T.-B. Amsterdam, 20. April. (Nichtamtlich.) Das „Handelsblad" meldet ans London: „Daily News" erfährt von gut unterrichteter unionistischer Seite, daß «ine Einigung der Kabinettskrise zustande gekommen fft. Die allge­meine Dtenstpfltcht wird angenommen, aber erst ein- 1

geführt werden, wenn in Zukunft die nationalen Interessen dies notwendig machen sollten. Die Stellung von Lloyd George, Kitchenor, William Robeftson, :des Chefs des Gene- rolstabos, die vor allem auf die Dienstpflicht dringen, und von Bonar Law, der zurücktreten wollte, wenn sich herausstellte, daß er das Vertrauen der unionistischen Paivteigenofsen net» loron hätte, scheint durch diese Regelung wieder gefestigt zu sein.

Vor der Entscheidung der englischen Kabinettskrise.

Nr. Amsterdam. 20. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Entscheidung, ab das Kabinett Asquith im Amte bleibt, wird am Dienstag fallen. Die Osterferien >des Parla­ments sind verkürzt worden. Falls Asqusth am Dienstag keinen Kabinottsbeschlnß über die Wlchrpfbichtvorlage vorlegen lärm, werden unverzüglich Neuwahlen ausgeschrieben. Nach seiner Rede hat Asquith, wie denc „Telegraaf" gemeldet wird, eine klave Mohrheit des Unterhauses für feine jbompromiß- politik.

Ein Ausgleich der Politischen Krise.

W. T.-B. London, 20. April. (Nichtrsirffich. Dreckst- bericht.) „Reuter" meldet aus äuge büch bester Quelle, daß ein Ausgleich in der politischen Krise erlieft sei.

Die englische Verlustliste.

IV. T.-B. London, 20. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die ^englische Verlustliste vom 17. April verzeichnet die Name« von 188 Offizienen, jene vom 18. April 81 Offiziere.

Die wachsende Streiklust in England.

W. T.-B. London, 20 April. (NichtcnmÄich. Droht- ibevrcht.) Nach hex „Lalbour ©pgeite" Hülben im März in Englo.nld 44 Aribeiterkonflikte sinttMkMÄM, !bei idensn 58 000 Arbofter betefftgt gswigssn srnid. Im MNMN sind 327 000 Arbeitstage verlöre« MgcWgM, ^«is fft mchr als dreffmck soviel, wie im FeibrAwc.

Alle Häfen des Weißen Meeres geschlossen.

Berlin, 20. AprU. (Zeus. Mn.) Die „Boss. Ztg." mrSet aus Ghrfftiania: Die englische Gesandtschaft in Chrtstiom«, meldet: Eine englische Regierungsverfügumg erklärt alle Häsen des Wjeißen Meeres als geschloffen. Gffuche um den Anlauf sind an die britische Admiralität zu richten. Die Häsen des Weißen Meeres sollen mit Ladungen für das ruMsche Heer überfüllt sein.

Der Erfolg der lebten ZePpelinangrWe aus England.

L. Berlin, 20. April. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Über den ganz bedeutenden Erfolg der Zeppekimnrgrffse, die vom 31. März bis 6. April gegen iOigland unternommen wurden, erfahren wir verbürgte Einzelheiten, die klar be­weisen, daß unser Luftkrieg nicht nur Opfer in d«r Zivilbevölkerung, wie die englische Presse behauptet! sondern schweren militärischen und wirtschaf-t- lichen Schaden angerichtet hat. Man versteht auch, datz die britische Regierung das Volk in Unkenntnis über die Ge­samtergebnisse der Luftangriffe läßt, da sonst die Kritik über die mangelnde Abwehrorganisation noch schärfer werden würde-

Der Überfall in der Nacht vom 31. März zum 1. April auf London und seine Docks war bei weitem der schwerste und wirksamste. Im nordöstlichen Teil der Hauptstadt entstanden viele Brände, wobei großer Schaden angerichtet wurde. Am meisten litten die Great Eastern- und die Great Tower-Street. In letzterer wurde eine Fabrik vernichtet. Mehrere Bomben sielen in der Nähe der Tower-Brücke und der London-Brücke nieder. Ein zwi­schen diesen beiden Brücken liegender Transportdampfer wurde getroffen und stark in Mitleidenschaft gezogen. In den sog. Holland-Parks wurden mehrere Flugzeugschuppen getroffen. Einer brannte ab. Die Flugzeuge wurden un- brauchbar, eine ganze Anzahl Soldaten getötet und verwundet. In den St. Catharina-Docks wurden große Zerstörungen angerichtet und in der Nähe befindliche Werk­stätten derart verschüttet, daß 350 Arbeiter am folgenden Tag die Arbeit nicht fortsetzen konnten. Dort wurden auch vier armierte Handelsdampfer von Bomben getroffen. In den Westindia-Docks wurde ein großer Brand verursacht und meh­rere Luftabwehrgeschütze unbrauchbar gemacht. In den Commercial-Docks war ernster Schaden festzustellen, Ein Schuppen mit Kriegsmaterial und mehreren kleinen Schiffen wurde zerstört. Ebenso trafen vier Bomben Eisen­bahnanlagen und rollendes Material. In den Tilbury-Docks zertrümmerten Luftschiffe mehrere. Schuppen. Luftabwehr­geschütze kamen zum Schweigen. Nahe den Purfleet-Docks ist eine Munitionsfabrik zerstört worden.

In den Orten an der Humbermündung beobach­tete man viele Brände. Die Batterie und die Kaserne von Grimsbh wurde getroffen und zum großen Teil zer- tört. Die Stadt Grimsbh selbst erlitt starken Schaden. Die Gasanstalt, das Elektrizitätswerk und der Vorortbahnhof erhielten Bombentreffer. Außerhalb Grimsby log eine Munitionsfabrik auf und erlitt eine zweite ernste Beschädigung.

In Sunderland litten die Dockanlagen ebenfalls schwer. Zwei größere Werftanlagen der Firm« Swa« Swighat and Richardson haben die Bomben übel hergerichtet.